Briefe von der sinnlosen Front

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Weihnachten in Afghanistan, II.
Die amerikanische Majorin hat einen kleinen Christbaum zwischen ihren Schreibtisch und meinen gestellt, und ich hab einen Kalender mit täglicher Schokolade hinter dem Türchen, das ist gar nicht so schlecht. Das Support Element lässt einen Christbaum aus DEU einfliegen, wie alles bei der Bundeswehr hat sogar der Christbaum eine Versorgungsnummer – unsere Logistik ist der Hammer. Und der Bundeswehrverband hat jedem Soldaten im Einsatz einen Schokonikolaus versprochen, die Einsatzbereitschaft des deutschen Heeres ist somit sichergestellt.
Stabsoffizier Hermann West, 40, Kabul 2008.

Auszug aus einer Sammlung von Weihnachtspost von der afghanischen „Front“, wo sich deutsche Soldaten, von deutschen Politikern hingeschickt, über die wahren Hintergründe belogen in einem sinnlosen Krieg mit sinnlosen Zielen und sinnlosen Kosten befinden. Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte trotz der heftigen Einflußnahme der Bundeswehr-PR-Abteilung diese Post, mußte aber die Namen verändern.

Ganz sicher sind auch eine ganze Reihe von Soldaten aus OWL draußen am Hindukusch und verteidigen die deutsche Grenze, wo sie angeblich ja nur Brunnen bohren, Schulen aufbauen und dem korrupten Wahlfälscher an der Spitze des Staates helfen, die Heroin-Ernte noch blühender zu machen. Herrlich das Bild des derzeit noch Obersten Kriegsherren K-TvzuG im strahlend hellblauen Hemd, die Hände theatralisch in die Seiten gestemmt und Frisur wie Anzug sitzen wie im Studio-Photoshooting für die Wahl zum „Mister Bundestag“ (Dem Link zu einem Cicero-Artikel folgen und staunen, welche absurde Sicht, ja gradezu bekloppte Sicht die Heldenverehrung dieser neuen Politiker-Garde bereits annimmt). Warum tun sich in solchen Momenten nicht die Abwurfschächte der Militärmaschine nach unten auf und entlassen den labernden „Politstar“ dahin, wo er hingehört. Auf den Boden der Tatsachen und weg vom Fenster?

Warum erinnert das so verdammt an die Idiotien, Leiden und den millionenfachen Tod in den angezettelten Kriegen 14 – 18 und 39 – 45?

8 Gedanken zu „Briefe von der sinnlosen Front

  1. Brox

    Jeder darf seine eigene (politische) Meinung haben.

    Vergleichnisse mit dem Schreckensregime eines der größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte sind allerdings nicht nur nicht angebracht, sondern im gesteigerten Maße zum Kotzen.

    Sorry lieber textexter, aber diese Aussage ist für den Ar…

    Forist Brox. Der Vergleich bezieht sich offensichtlich auf die angezettelten Feldzüge und nicht auf Hitler/Guttenberg. Wir haben textexter gebeten, das zu präzisieren.

    Admin

  2. textexter Artikelautor

    Ach, lieber Brox, schon mal Feldpostbriefe aus Rußland gelesen?

  3. Ausgebürgter

    Brox, vielleicht erst einmal richtig lesen, dann verstehen und dann kommentieren. Oder ist jegliche kritische Annäherung an den fränkischen was-immer-auch schon ein Sakrileg? Mit normalem Verstand oder einer Wertung von Leistungen und Verdiensten (welche?)ist der Hype um den Mann ja wohl nicht zu verstehen. Aber eine tolle PR-Agentur hat er. Schneidig, schneidig.

  4. Brox

    Lieber textexter….selbstverständlich habe ich das. Auch an meiner Familie ist der Rußlandfeldzug und den damit verbundenen Verlusten nicht vorbei gegangen.

    Deswegen kann ich mich mit der jetzt gewählen Aussage auch viel besser anfreunden, als mit der von mir gerügten.

  5. Brox

    Ausgebürgter: Mittlerweile hat textexter den Wortlaut geändert. Deswegen schön die Füße still halten und nicht kritisieren, wo es nichts mehr zu kritisieren gibt.

  6. blitzmerker

    „Die Wahrheit ist das erste Opfer des Krieges.“ (R.Kipling??)
    Wann gab es je einen Krieg (ob so genannt oder nicht), in dem das nicht galt?
    Was sind die Interessen des Westens in Afghanistan? Wenn es um Wiederaufbau und Hilfe für die Menschen geht, hätten es zahlreiche andere Regionen ebenso nötig. Soll die „terroristische Bedrohung“ eingedämmt werden? Dito.
    Geht es um Demokratie und Menschenrechte? Dann sind Wahlbetrüger Karzai und seine islamistische Verfassung bereits diskreditiert und dürften konsequenterweise nicht unterstützt werden.
    Unterdrückung des internationalen Drogenhandels? Wo sind die greifbaren Erfolge?

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