Finale einer Zockerseele

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„Aus“ für den auch hier von regionalen Blättchen über den grünen Klee gelobten „Westfälischen Dickkopf“. 50 Millionen – davon die Hälfte für eine soziale Stiftung – packen sie ihm für den Versuch drauf, als Zwerg VW zu übernehmen und das Unternehmen Porsche nahezu gegen die Wand gefahren zu haben. 50 Mio. dafür, daß er den sogenannten „Markenkern“, also das, was Porsche eigentlich ausmacht, völlig vergeigt hat. Was heute an weichgespülten Potenzstützen von Porsche kommt, hat wenig gemein mit dem, was Porsche mal war. Das große Gucci-Einkaufskistchen Cayenne mit dem VW-Touareginhalt und der „Tussi“-Attitüde läuft auch nicht mehr wie geschnitten Brot und der neue Panamera sieht eher aus wie ein Tatra 603. Ach, kennen Sie nicht? War mal im ehemaligen Ostblock sowas wie die Bonzenvorzeigelimousine.

Persönlich kenne ich auch zwei Wendelin Wiedekings:

– den jovialen Typen, der auf dem Parkplatz des Ludwigsburger Porsche – Vertriebszentrums schon mal seinen Platz für den
Gast seiner Marketingabteilung frei macht und
– Den Typ, der – Zigarre im Mundwinkel – schreit und auf den Tisch haut: Das machen wir so. Fertig.

Ich hätte da eine Idee für den so verklärten Automobilgott mit extrem irdischen Fehlern: Einstieg bei Paragon und deren Automobiltochter Artega. Die Delbrücker könnten gut eine Finanzspritze vertragen. Aber Vorsicht: Da hockt auch so ein westfälischer Dickschädel.

11 Gedanken zu „Finale einer Zockerseele

  1. AndreasK

    Wenn ich mich richtig erinnere, war das der Typ, der Porsche aus einer selbstgemachten Krise herausmanövrierte, und nicht in eine hinein …

    Oder verwechsle ich da was?

    Wiedeking kommt ürbigens aus Hamm, oder?

  2. textexter Artikelautor

    Das ist nur ansatzweise richtig, Andreas. Wiedeking übernahm Porsche, als sie dahinkrebsten. Spülte die Kisten weich, strich Rennsport etc. und spekulierte dann per Pump auf die Übernahme von VW. Was bekanntlich zu 10 Mrd. Schulden in Zuffenhausen führte. Insofern ist die „Leistung“ von Wendelin letztlich kontrapunktiv. Momentan hat Porsche einen Zulassungseinbruch von rund 50%. Daran wird auch das neueste Schwachsinnsprodukt Panamera sehr sehr wenig ändern. Porsche in Weissach war mit seinem Versuchs- und Entwicklungszentrum so etwas wie eine „Technologieschmiede“. Auch für andere Hersteller. Das hat Wendelin ziemlich stark eingedampft. WW ist ein Kind Ahlens/Westfalen.

  3. AndreasK

    – Porsche hat den Rennsport nicht gestrichen(WTF), mehrere Rennserien hören auf den Namen. Hier exemplarisch ein Link zum Engagement:
    http://www.porsche.com/germany/sportandevents/motorsport/racing/

    – Zitat aus Wikipedia zu Wiedeking: „Wiedeking führte umfangreiche Umstrukturierungsmaßnahmen durch und übernahm mit Wirkung zum 1. August 1993 den Vorstandsvorsitz des Unternehmens. Die Maßnahmen brachten Porsche aus der Verlustzone und bauten es zu einem der profitabelsten Autobauer um. Der Wert des Unternehmens steigerte sich von 300 Millionen Euro auf rund 25 Milliarden Euro im Jahr 2007[1].“ (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Wendelin_Wiedeking)

    – Das hier ist das erste Mal, dass ich in Verbindung mit dem Panamera das Wort Schwachsinnsprodukt höre. Aber das kann an mir liegen.

    – „Spekulieren per Pump“ soll sich wohl schlimm anhören, ist aber etwas das fast jeder kleine Unternehmensgründer tut. Das ist ehrlich gesagt normal.

    – Und die aktuellen Zulassungseinbrüche werden überall da verzeichnet, wo sich der Rentner von nebenan nicht mal eben nen neuen Corsa kauft.

    Ich will doch nur sagen: Den Mann auf die letzten Entwicklungen zu reduzieren, ist unfair. Eine Steigerung von 30 Millionen auf 25 Milliarden, das ist nicht nur Geld, sondern Arbeit für viele, viele Leute. Ein Chef, der sich mit einem „Wir machen das jetzt so, fertig“ über langwierige Diskussionen hinwegsetzt, kenne ich seit ich arbeite (und zwar egal wo).

    Wenn du über Wirtschaft und Politik schreibst, kommt immer wieder eine starke Verbitterung durch. Ein Blog ist stets subjektiv, daher kannst du das so halten. Aber ich persönlich lese lieber Blogartikel, die nicht nur einfach meckern, sondern mit Weitsicht und Cleverness eine spannende Aussage erzeugen. Das ist selten, auch bei mir. Aber diese anonyme Haudrauf-Gallespuck-Mentalität des Web 2.0 geht mir langsam echt auf den Senkel. So, jetzt hab ich ach mal ein bisschen genörgelt, sorry dafür. Aber musste raus.

    Ich bin der Meinung, Bielefeld bietet so viele spannende Themen, da muss man gar nicht nach Zuffenhausen, Ahlen, Berlin oder sonstwohin schauen. Kann mich aber auch täuschen ;o)

  4. textexter Artikelautor

    @Andreas: Ein Blog ist subjektiv. Da stimme ich Dir zu 100% zu. Ich verlasse mich aber bei meiner Meinungsfindung lieber auf eine ganze Reihe – auch konträrer – Quellen. Darunter auch Porsche-Insider. Mehr möchte ich zu dem Thema Wiedeking, das übrigens intern in Leipzig, Zuffenhausen und Ludwigsburg gewaltig anders gesehen wird als in der PR-Außendarstellung und den devoten Ergebenheitstiraden des Betriebsratsvorsitzenden Hück, nicht mehr sagen.

    Ob Du meine pointierte persönliche Meinung hier lesen möchtest oder nicht, ist mir ehrlich gesagt, völlig egal. Hier kann jeder posten, wie er will, wenn er gewisse kleine Regeln einhält. Ansonsten kann das jeder halten wie der berühmte Dachdecker. Ich halte aber sehr wenig von Kommentaren, die rechts und links Streicheleinheiten verteilen möchten, weil es vielleicht ein wenig wehtut, die Wahrheit über den gegenwärtigen desolaten Zustand von Wirtschaft und Politik zu dokumentieren. Das hat nichts mit „Verbitterung“ zu tun sondern einfach damit, daß ich die Klappe aufmache und meine Meinung sage und schreibe. Bei Dir klingt es, als ob Du da mit fast allem einverstanden wärst. Es reicht schon, wenn das Informationsspektrum der Mehrheit der deutschen Medien vor allem dazu dient, „Andersdenkende“ zu diffamieren oder eine ganz bestimmte „Öffentliche Meinung“ zu implementieren. Ich weiß, daß ich da einen völlig anderen und anders gespeisten Hintergrund habe als Du.

    Leider bietet Bielefeld verdammt wenig „spannende Themen“, wie mir meine Kollegen von den Tageszeitungen hinter vorgehaltener Hand gerne bestätigen. Ich wünschte, es wäre anders.

    So und nun tu mir einen Gefallen: Laß nicht zu sehr durchblicken, daß Du hier Kaninchenzüchter, Jäger, Schützen und andere Nettessen lesen möchtest. Ich finde keineswegs, daß Web 2.0 Haudrauf-Gallespuck-Mentalität hat. Es sei denn, Du billigst Aktionen wie die vodafone-Kampagne mit gekauften Bloggern oder die Netzsperren einer Ministerin. Es mag sein, daß Du ein großes Harmoniebedürfnis hast. Dann darfst Du in einer deratig aufgeladenen Zeit wie dieser aber keine Blogs mehr lesen.

    Abschließend wäre ich Dir dankbar, wenn Du persönliche Klagen oder Angriffe an meine Dir bekannte Mailaddi richten würdest. Es könnte sonst viele Mitleser hier langweilen.

  5. AndreasK

    Na sowas, das war Kritik am Inhalt (für mich liest sich eine Wortwahl wie „Schwachmatenblatt“, „Nüsternbläher“, „Dicklippe“, „kümmer dich mal um deine 7 Blagen“, „Stammtischlabernde Hochstirn“, usw. einfach nach Verbitterung, wenn sie ständig und immer wieder vorkommt), und kein persönlicher Angriff.

    Und klar darf es dir egal sein, wer hier mitliest. Nur, wenn du deine Texte nicht ins private Heftchen, sondern ins Weblog schreibst, solltest du mit Kritik umgehen können. Auch mit öffentlicher. Das zeigt doch, dass ein Interesse daran besteht. Deine Antwort ist eher: Dann geh doch.

    Bitte, nichts leichter als das *Kopfschüttel*

  6. textexter Artikelautor

    @ Andreas: „Blagen“ ist bekanntlich in diesem Landstrich Umgangsprache. Ich weiß nicht, warum Du hier Kritik daran übst, daß Dir Beiträge oder deftige Sprachwahl nicht gefallen. Ich gehe doch auch nicht in Dein Blog und mosere da rum. Wenn mir ein Blog nicht mehr gefällt, gehe ich selbstverständlich. Oder lese ihn kopfschüttelnd und kommentiere es nicht. Ansonsten gilt derzeit für das Web noch: Inhalte und Sprachwahl sind frei wählbar. Ob sie jemandem gefallen oder nicht.
    Als Lektüre empfehle ich Dir mal die Blogs von „Don Alphonso“ im Web und FAZ-online.

  7. AndreasK

    Bei den Begriffen „Kind“ und „Blag“ herrscht Referenzidentität. Sie beziehen sich auf dasselbe Objekt (heranwachsender Mensch in einem gewissen Lebensalter). Allerdings weisen sie gleichzeitig eine Nominationskonkurrenz auf.

    Oder kurz: Ich glaube dir nicht, dass du „Blagen“ schreibst, aber damit überhaupt gar nichts Negatives ausdrücken willst.


    Mir gehts nicht ums Mosern. Wenn mich deine Artikel nicht interessiert hätten, hätte ich (genau wie du weiter oben schreibst) einfach den Kopf geschüttelt und die Seite geschlossen. Ich habe zu jedem deiner Punke in #2 ein Gegenargument gebracht. Das nervt, weiß ich. Aber deshalb ist es noch lange nicht gemosert … mein Interesse hat sich indes gelegt.

  8. textexter Artikelautor

    Kumma. Dat hilft Dich doch sicha weiter. Wa?

    Erinnern Sie sich? Mit dem Reifen durch die Pfütze. Aufs Schuppendach klettern. Ballspielen auf der Treppe. Mit der kleinen Schwester Milch holen, in großen Kannen. Ringelreigen vor Hochöfen. Und die kleinen Tauschgeschäfte: einmal am Eis lutschen gegen eine Runde Roller fahren … Nach dem großen Erfolg von Blagen I – III erzählen auch 2009 wieder zwölf Fotos von einer Kindheit im Revier, wie viele sie in den fünfziger und sechziger Jahren erlebt haben.

    Blagen = Revierdeutsch. Allet klat?

    Bei den Begriffen “Kind” und “Blag” herrscht Referenzidentität. Sie beziehen sich auf dasselbe Objekt (heranwachsender Mensch in einem gewissen Lebensalter). Allerdings weisen sie gleichzeitig eine Nominationskonkurrenz auf. Was hast Du nochmal studiert?

  9. Alfons

    Hab mich mal (auf Empfehlung?)nach Bielefeld „begeben“ und hab Wiedekind überflogen, m.E. kommt W. aus Beckum und es heisst ganze Straßenzüge würden ihm dort gehören, in jedem Fall aber eine Kneipe von deren Eröffnung ich vor wenigen Monaten las.
    W. hat aus einer desolaten Bastelstube ein gesundes Unternehmen gemacht, bis ihn der Größenwahn packte (evtl. angetrieben von Piech der ihn dann fallen liess?).Das unterscheidet ihn nicht von so manchem Banker etc.
    Bezüge in solchen Größenordnungen ob für einen Ackermann (der träumt wohl eher von dieser Größenordnung), Wiedekind oder wem auch immer halte ich für sehr problematisch.

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