Flashmob. Orange

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Ja, ich weiß. Ich bin kein guter Staatsbürger. Ich betrachte die Parteien durch die Bank kritisch. Vor allem die, die seit 60 Jahren glauben: „L’Etat c’est moi“. Und die jetzt wieder dem Wahlvieh auflauern, damit ein Hinterbankkandidat auf einen blauen Reichstagssessel gelangt, der mit dem wahlweisen Heben der „Ja“ oder „Nein“-Karte auf Weisung der Herrn Po falla, Kauder, Struck, und wie sie alle heißen, zur politischen Willensbildung einer Handvoll „Begnadeter“ und ihrer Lobbyistenentourage gegen Bundestagsdiät beizutragen haben. Sozusagen Stimmvieh des Stimmviehs unter der Reichstagskuppel. Einfach nur menschlicher Füllstoff. Zu sagen haben sie nichts. Das nimmt die jeweilige Partei ihnen ab. Staatstragende Minderheit sozusagen. Die bestimmt, wie die übergroße Mehrheit zu leben, zu denken, zu bezahlen, zu handeln hat. Dafür wird sie ja auch breitflächig von klugen Beamten in BKA-Auftrag überwacht. Damit die machthabende Junta nicht von den Vielen angegriffen wird, die vielleicht doch mal aufwachen könnten, wenn sie merken, sie müssen für „Brot und Spiele“ sogar noch selbst bezahlen.

Gegen 10 Uhr kam die Mail von der schöneren und besseren Hälfte: „Zieh die Jacke an. Nimm den Hund und fahr bei Jibi vorbei. Sie bauen grad auf“. Klar, daß es nur eine bestimmte Partei sein konnte. Und ein bestimmter Kandidat. Der, von der kürzlich die schönere und bessere Hälfte erzählte, er lauere den Steinhagenern sogar vorm Bäcker auf. „Wolle Du Pfefferminz mit Merkel-Geschmack?“.

Vor dem Kultnahversorger angekommen, stand da ein Schirmchen, ein Bänkchen und ein Spannplakat jenes Kandidaten, dem ich heute in der Früh bereits eine Schwarzwälder von Kraume widmete. Ich sah sie wuseln und sie fielen nicht auf, wenn die Jibiwilligen einen der vier Eingänge – bzw. Ausgänge frequentierten. Entsprach doch die Kluft bis auf eine Inschrift: „Wahlkampfteam XY“ exakt den Hemdchen, die Jibis Regalfülltruppe trägt. Alle wurden sie angesprochen. Keiner blieb stehen. Ob Orange nicht zieht?

Dann näherte sich ein schwarzes A-Klässchen vom Daimler, über und über mit dem hübschen Schädel des Kandidaten und diversen Aufschriften beklebt. Einen Moment überlegte ich, ob ich da ganz bewußt hingehe und mich anflashen lasse. Dann sagte ich mir:“Laß et. Hast ja schon gewählt“.

Zu gern hätte ich eine der Autogrammkarten verteilenden „Wahlkampfteam“-Damen gefragt, warum sie getarnt auftreten. Die Hausfarbe der Schwarzen sei doch immerhin Dalai Lama-Orange. Aber ich hätte sicher keine Antwort bekommen. Die steinernen Gesichter der orangenen Flashmobber verrieten nur: „Frust. Frust. Frust“.

Der Meister himself im A-Klässchen rangierte hin und her. Vielleicht sollte Kaiserin Angela per Wuffchen Po falla mal Kurse verschenken, „wie lenke ich ein wahlkampfauto korrekt?“. Dann wäre er nicht gegen die Einbahnfahrbahn gerollt, der Hund hätte nicht gebellt und ich hätte nicht ein paar Sekunden überlegt, ob ich die hohe harte Stoßstange gegen den orangenen Flashmob in Schwarz lenke. Er mußte unter dem hohen Kopf grinsen. Ich auch.

Ich ließ es. Man muß Mitleid mit Leuten haben, die Wahlkampf im Stundentakt führen (müssen), nur um ein paar Autogrammkarten mit des Kandidaten Schriftzug an sauertöpfisch blickende Menschen zu bringen.

Orange steht übrigens den Piraten viel besser. Und Flashmob können sie sogar richtig. Wie die Sonnenkaiserin aus der Mark Brandenburg jetzt grade wieder in Mainz erfahren hat. Das Bundesverkündungsblatt mit der Aktualisierung direkt aus dem Kanzleramt berichtete sogar darüber. Nicht weiter verwunderlich, wenn immer deutlicher wird, daß ein paar Irre die Republik regieren. Aber am 27. September kann man ja wunderbar mit 2 ganz einfachen Kreuzen die Jacken mit den Ärmeln nach hinten verteilen. Wenn man es nicht schon per Briefwahl gemacht hat.

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