Archiv für den Monat: Mai 2015

Frau Haessy schreibt…

…wirklich toll. Mein Vorbild!

Toll wie sie in ihre Geschichte „reinschlittert“, ohne Einleitung gleich mitten rein.

„Er war acht, als sein Vater gestorben ist und seine Mutter alleine für die Kinder sorgen musste. 1941 war das. Sie führte den Laden des Vaters weiter, Claus half ihr beim Ausliefern der Waren. Es war nicht immer einfach. Vor allem da sein älterer Bruder währenddessen an der Front war. Offizier. Die Großmutter war extra in ihre Heimatstadt gefahren, um den Priester dazu zu kriegen, die kirchlichen Unterlagen zu vernichten, die bewiesen, dass die Familie anno irgendwas mal jüdisch gewesen war, bevor sie sich lutheranisch.. nun.. umorientierte. Zum Ende des Krieges wurde Claus von seiner Mutter getrennt und kam in ein Lager. Dort sei er zweimal fast gestorben. Er erzählt etwas von Duschen und Gas, aber irgendwie scheinen die Details nicht ganz so stimmig zu sein. Claus erzählt ohnehin sehr viel. (…)

Ja, so geht das weiter und man fragt sich als Leserin zunehmend, wie lange diese typische „Hölzken-auf-Stöcksken“-Geschichte noch weitergeht. Doch irgendwann leitet die Autorin die Wende ein:

„Ich kenne Claus nicht. Ich habe ihn nie vorher getroffen und werde ihn wohl auch nie wieder treffen. Aber er ist einer jener alten Menschen, die einsam sind, sehr einsam, verdammt einsam, und einfach mal reden muss.“

Soweit so gut, eine normale Geschichte wie sie Mitarbeiterinnen der Pflegedienste jeden Tag zu hören bekommen, aber keine Zeit haben zuzuhören. Was letztlich bedauerlich ist, was aber keiner ändern kann, meint man.

Falsch gedacht. Natürlich kann man, wenn man will. Und damit gibt die Autorin ihrer Geschichte einen berührenden und gleichzeit auffordernden Schluss:

Denn ich kann nur inständig hoffen und beten, dass ich, wenn ich einmal alt und einsam bin und verzweifelt reden möchte, auch auf Menschen treffe, die mir 33 Minuten ihrer Zeit schenken.

Einfach so.“

Man wagt kaum, auf diese wage Hoffnung zu vertrauen für die Tage, wenn man selber einmal da angekommen ist, wo der alte Herr heute ist. Ich habe jedenfalls – nur um mich zu beruhigen – gleich eine gute Tat folgen lassen und den alten Nachbarn meiner verstorbenen Mutter angerufen und 33 Minuten mit ihm über Früher geredet.

Hier die ganze Geschichte.

Leineweber-Markt

Endlich ist es wieder soweit! Eines der größten und schönsten Stadtfeste in Ostwestfalen-Lippe lädt am letzten Mai-Wochenende zum Feiern ein. Erleben Sie auf dem Bielefelder Leineweber-Markt jede Menge Live-Musik, rasante Fahrgeschäfte und Kirmes-Nostalgie. Freuen Sie sich auf ein unterhaltsames und abwechslungsreiches Programm für die ganze Familie. Ob Musik, Varieté, Theater, Tanz, Comedy oder Sport: Für jeden ist etwas dabei. Gaukler, Schausteller und Kunsthandwerker verleihen dem Stadtfest einen unvergesslichen Charme. Und auf den Straßen und Plätzen in der Innenstadt gibt es viel zu entdecken. Neu dabei und der Tipp für Kinder: Das Programm im Park der Menschenrechte.

 Leineweber-Markt  Endlich ist es wieder soweit! Eines der größten und schönsten Stadtfeste in Ostwestfalen-Lippe lädt am letzten Mai-Wochenende zum Feiern ein. Erleben Sie auf dem Bielefelder Leineweber-Markt jede Menge Live-Musik, rasante Fahrgeschäfte und Kirmes-Nostalgie. Freuen Sie sich auf ein unterhaltsames und abwechslungsreiches Programm für die ganze Familie. Ob Musik, Varieté, Theater, Tanz, Comedy oder Sport: Für jeden ist etwas dabei. Gaukler, Schausteller und Kunsthandwerker verleihen dem Stadtfest einen unvergesslichen Charme. Und auf den Straßen und Plätzen in der Innenstadt gibt es viel zu entdecken. Neu dabei und der Tipp für Kinder: Das Programm im Park der Menschenrechte.

Leineweber-Markt Endlich ist es wieder soweit! Eines der größten und schönsten Stadtfeste in Ostwestfalen-Lippe.

Termin

29. – 31. Mai 2015 

Freitag:    11.00 – 01.00 Uhr
Samstag: 11.00 – 01.00 Uhr
Sonntag: 11.00 –  22.00 Uhr

Programm

http://www.bielefeld.jetzt/leinewebermarkt

Am Klosterplatz

Am Klosterplatz

 

Am Süsterplatz

Am Süsterplatz

Im Park der Menschenrechte

Im Park der Menschenrechte

Das Riesenrad

Das Riesenrad

Big Balls (AC-DC Cover)

Big Balls (AC-DC Cover)

Fazit zur #rp15

Um es ganz klar zusagen: Ich bin ein großer Fan der #rp15 und werde nach Möglichkeit auch in 2016 wieder dabei sein. Nichtsdestotrotz muss man sich Gedanken über das Format machen können.

Die #rp15 scheint in einer Art Zwischenwelt angekommen zu sein. Auf der einen Seite ist sie tatsächlich, auf der anderen Seite bietet sie aber über alle digitalen Themen hinweg gerade noch beim Thema Netzpolitik die internationalen VIPs an, die einen Benchmark für die Debatte über das Internet darstellen. Gleichzeitig aber vermag es der Modus der #rp15 nicht in der Breite in die Tiefe zu gehen (außer eben bei der Netzpolitik). Das ist schade.

Vielleicht hat die #rp15 mit einer ähnlich gelagerten Herausforderung zu kämpfen, der sich jeder Blogger und Journalist zu stellen hat: Schreibe ich für Klick-Zahlen oder für relevante Themen – wobei dann zugleich die Frage auftaucht, ob die Relevanz durch die Knickzahlen oder durch die eigene Beurteilung entsteht. Wenn dies der Fall wäre, hätte die #rp15 mit der Entscheidung zu kämpfen, ob sie ein buntes Blogger-Treffen mit all den Folgen für die Zielgruppenansprache (ungenauer), die Tiefe der Debatte (eher alles nur anreißen) oder die Besucher (Tendenz zum Mainstream) sein möchte. Oder ginge es eventuell im umgekehrten Fall darum, Schwerpunkt-Themen zu identifizieren? Auch diese Vorgehensweise hätte natürlich Folgen für die Organisation und die Veranstaltung (tendenziell weniger Besucher; Gefahr, das falsche Thema vorab zu identifizieren; weniger fachübergreifender Austausch). Sie böte aber den ungemein wichtigen Vorteil, in einem speziellen Themenfeld in den Folgemonaten eventuell politisch relevanter sein können.

Das „Klassentreffen“ der Bloggergemeinde droht ein wenig, zum „Sandkasten“ aus Sicht der tradierten politischen und wirtschaftlichen Akteure zu werden, bei denen man (die von Lauer beschriebenen Mainstream-VertreterInnen) den Kleinen beim Bauen von Sandburgen zuschaut, milde lächelt und dann zur wirklich wichtigen Tagesordnung übergeht.

Videokunst in der Kunsthalle Bielefeld

Die Kunsthalle Bielefeld startet im April 2015 eine neue Ausstellungsreihe mit Videokunst. Um zukünftig auch dieses Medium in den Räumen der Kunsthalle Bielefeld präsentieren zu können, wurde die Studiengalerie im Untergeschoss der Kunsthalle renoviert und steht nun wieder als Ausstellungsraum zur Verfügung. Den Auftakt der Reihe macht ab dem 16. April 2015 die Videoarbeit «Jutta» der Berliner Künstlers Sven Johne aus dem Jahr 2014.

Sven Johne: Jutta, 2014, Video, 17:36 min. Laufzeit: 16. April 2015 bis 21. Juni 2015

«Jutta» erzählt die Geschichte des deutsch-brasilianischen Finanzunternehmers Erik – eine Adaption der wahren Geschichte des Tycoons Eike Batista, der mit seinen Unternehmungen zum siebtreichsten Menschen der Welt wurde. In den Räumen einer abgedunkelten Villa, die allein auf einer nicht näher definierten Südseeinsel steht, erzählt Jutta, die Mutter Eriks, wie ihr Sohn mit Scheinprojekten, die das Ausmaß einer ganzen Stadt annahmen, Investorengelder akquirieren konnte. Der durch aufwendige Visualisierungen produzierte schöne Schein der vorgestellten Projekte und die Gier nach dem schnell verdienten Geld verführten zahllose Investoren. Erik wurde so zum siebtreichsten Menschen der Welt, ohne ein einziges Projekt realisiert zu haben.

Auf der filmischen Ebene visualisieren die Einrichtung der Villa sowie das durch die geschlossenen schweren Vorhänge ausgeschlossene Paradies der Südseeinsel den schönen Schein. Sie stoßen jedoch auf die Leere im Gesicht der allein zurückgebliebenen Mutter, die aus der Erinnerung farbige Zeichnungen der Natur fertigt.
Die Geschichte Eriks, bzw. Eike Batistas, kann als Extrem beispielhaft für die von der Realität abgekoppelten Geschäfte globaler Finanzmärkte stehen. Sven Johnes Videoarbeit ist keine Dokumentation. Sie transportiert auf verschiedenen Ebenen Paradoxien, etwa zwischen An- und Abwesenheiten oder der Intimität einer Mutter-Sohn-Beziehung und der Anonymität der Akteure auf den globalen Finanzmärkten. Zugleich stellt sie die Frage nach der Authentizität und dem Beweischarakter des Mediums Film.

Wenn ich euch etwas empfehlen darf…

Katharina Wilke – Bestickte Bilder

Diese Ausstellung bietet drei thematische Zugangsweisen an: erstens wendet sich die Ausstellung an Interessierte der Fotografie, zweitens geht es um Textilkunst, drittens erfährt der Besucher etwas zur Kulturgeschichte der 60er und 70er Jahre.

Katharina Wilke - Bestickte Bilder

Katharina Wilke – Bestickte Bilder

Katharina Wilke wurde 1978 in Halle/Westfalen geboren. Ihr Studium der Fotografie an der Fachhochschule Bielefeld schloss sie 2012 mit dem Diplom ab. Seit 2009 setzt sie sich mit „abgelegten Momenten fremder Menschen” auseinander und ergänzt diese mit ihrer eigenen Bildsprache. Seit dieser Zeit beteiligt sich die Künstlerin an nationalen und internationalen Projekten und Ausstellungen. Katharina Wilke lebt in Bielefeld.

Ausgewählte Fotos werden im Gemäldeformat auf Leinwand, genauer gesagt, auf Stramin gedruckt und sodann in einem informellen Kunstgestus mit Stickerei überfangen.

Im Mittelpunkt der ausgewählten Fotos steht der Mensch. In allen Fällen werden Freizeitsituationen thematisiert. Der Mensch ist dann ganz bei sich, er ruht in sich.

Ein anderes, immer wiederkehrendes Thema ist das Unterwegssein, auffälliges Requisit, nicht selten im Bildvorder- oder Mittelgrund, das private Automobil. Ganze PKW-Dynastien (Mercedes, Audi, Citroën, Seat u. a.) lassen sich in den Bildern identifizieren, was nebenbei für Kenner der Oldtimerszene sicherlich eine reizvolle Übung darstellen könnte.

Gattungsmäßig zählen die textilen Arbeiten von Katharina Wilke zum Bereich der Collage. Typisch für die Kunst der Collage ist das Zusammensetzen verschiedener, aus ihrem Funktionszusammenhang gelöster Alltagsdinge zu einem neuen „erhabenen” Ganzen. Somit schafft die Künstlerin unverwechselbare, poetisch aufgeladene Bilder, die den Blick des Betrachters fesseln, ihn unablässig wandern lassen, Bilder, die sich Einbrennen in unser Gedächtnis.

Ort Museum Huelsmann, Ravensberger Park 3, Bielefeld bis 07.06.2015
Öffnungszeiten Di. bis Sa. 14.00 bis 18.00 Uhr
So. 11.00 bis 18.00 Uhr