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Sep '10

Champagner an der Bahnhofstraße?

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Man hört, der von Thomas M. gegen die Wand gefahrene Karstadt-Konzern sei endgültig gerettet. Das wäre ja direkt einen Einkauf im ehrwürdigen angeschmuddelten Ambiente der Filiale der Spielerhochburg Las Vegas wert. Glaubt man zumindest der Werbung. Freuen wir uns auf spannende Duelle mit Kaufhof, Douglas, Thalia, Müller und vor allem KiK. In der Cafeteria oben soll es immer noch den gedeckten Apfelkuchen mit ganz viel Zucker geben, den Rudolf Karstadt 1881 in seinem ersten Kaufhaus in Wismar andiente….

Ach ja, der Herr Kik

Besonders stark mischt er sich in die Beschaffung ein. Er kaufte aus der Insolvenz die Strumpfmarke Ergee, für die er in der Türkei produzieren lässt. Und er erwarb billig den gesamten Warenbestand aus dem Leipziger Zentrallager des insolventen Versenders Quelle. Der Cent-Fuchser weiß auch genau, wie viel ein T-Shirt aus Bangladesch kosten darf. Wenn ihm das Angebot zu teuer ist, schickt er den Einkäufer noch einmal los, zum nächsten Fabrikanten. Der gnadenlose Druck auf die Lieferanten führt dazu, dass Kik eine Rohertragsmarge von fast 60 Prozent erzielt. Vom Nettoverkaufspreis muss Kik also nur etwa 40 Prozent für die Beschaffung ausgeben.

Das ist einer, der Jost Stefan Heinig, den man sogar offen “Ramscher” nennen darf. Einer, der den Innenstädten und Randlagen einen unmißverständlich roten Slum-Appeal verpasst hat. Wer mehr über den Mann, dessen Billigstkettenladen-Logo schon mal die Fronten der Arminen-Kicker zierte (Passt doch, oder?) lesen will, kann das jetzt auf T-online tun.

Komisch nur, daß die Familie und er das billigst erzeugte Zeugs “nur drunter” tragen, aber ansonsten “selbstverständlich Markenklamotten”. Da würden wir aber locker zu den für Niedrigstlöhne stichelnden Bangladeshis stehen. Da werden Sie nämlich geholfen.

Der kommt als Geist wieder

Nun hat die Bundesbank also doch Ernst gemacht und Thilo Sarrazin die Tür gewiesen. Es ist die erste Abberufung eines Vorsitzenden in der Geschichte der Deutschen Bundesbank. Wenn Bundespräsident Christian Wulff den Antrag unterzeichnet – und davon ist auszugehen -, ist Sarrazin weg vom Fenster, vorerst jedenfalls. Am Ende war der öffentliche und auch politische Druck zu groß. Spätestens nach seinem Auftritt in der Fernsehsendung »Hart aber fair« mit erneut rassistisch zu verstehenden Äußerungen war Sarrazin nicht mehr zu retten. Der Autor (»Deutschland schafft sich ab«) hattesich mit weiteren verbalen Entgleisungen selbst immer weiter ins Abseits gestellt. Seine spätere Einsicht und Reue, zu weit gegangen zu sein, konnten den Anfang vom Ende Sarrazins nicht mehr stoppen. Mit der Einleitung eines Abberufungsverfahrens bekommt der Fall eine entscheidende Wende. Wurde zuletzt noch darüber diskutiert, ob Sarrazin sagen darf, dass »alle Juden ein bestimmtes Gen teilten, Basken bestimmte Gene hätten, die sie von anderen unterscheiden«, steht jetzt eine juristische Frage im Vordergrund: Darf die Bundesbank ihren Chef feuern, nur weil er seine Meinung geäußert und vielleicht dummes Zeug geredet hat? Die Juristen werden sich darüber streiten, ob Thilo Sarrazin seine Juden-These in seiner Funktion als Bundesbankpräsident, als SPD-Mitglied oder als Buchautor geäußert hat. Eine Rolle wird auch spielen, ob Sarrazin der Bundesbank Schadenzugefügt hat oder nicht. Aber unabhängig von allen juristischen Fragen: Fakt ist, dass Sarrazin als einer der wichtigsten Repräsentanten der Bundesrepublik mindestens aus moralischen Gründen für ein derart hohes Amt nicht mehr tragbar war. Seine Aussagen waren nicht nur unsinnig, sondern auch unerträglich. Sie haben ein schlechtes Bild auf Deutschland geworfen und alle hier lebenden Ausländer pauschal beleidigt. Somit ist es nur zu verständlich, dass dem Provokateur die rote Karte gezeigt wurde. Sarrazin hatte am Ende keine namhaften Unterstützer mehr. Auch das hat ihm letztlich das Genick gebrochen. Selbst Wissenschaftler, deren Thesen Sarrazin in seinem Buch für seine eigene Argumentation verwendet, haben sich mittlerweile von ihm distanziert. Aber dennoch: Thilo Sarrazin hat trotz aller verbalen Entgleisungen eine Integrationsdebatte in Gang gesetzt, die wichtig ist für ganz Deutschland. Hoffentlich erkennen das auch die Politiker, die sich zwar schnell zu Sarrazin, aber zum Teil noch gar nicht zum Thema Integration geäußert haben. Hier ist auch Bundespräsident Christian Wulff gefordert. Man wünschte, dass er sich gemeinsam mit der Kanzlerin an die Spitze einer ehrlichen
Debatte über die Zuwanderungs- und Integrationsprobleme dieses Landes stellt – ohne zu spalten, wie Sarrazin es getan hat.

Siehste, liebes Westfalen-Blatt, Euer letzter Satz im Kommentar, den könnte man unterschreiben. Weil es an Debatte und Offenheit fehlte und fehlt. Das kann aber nicht mit dem auch wieder bei Plasbergs “Hart aber fair” benutzten Vokabular des großen Hobby-Rassenhygienikers und wohlversorgten Volksverhetzers geschehen. Aber keine Angst, der Schiefgesichtige wird weiter herumgeistern. Da läßt sich sicher noch das nächste Buch rauspressen: “Ich. Thilo. Verfemter. Verfolgter”. Ein paar Millionen vom rechten Ufer warten schon darauf und BILD sowieso.

Der Tanz ins nächste Fettnäpfchen

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Wie die NW thematisiert, ist es der Verwaltungsspitze dieser Glitzermetropole nicht möglich, vom Zirkus Krone geschenkte 1100 Freikarten für Sozialbetreute, Heimkinder und Arme zu verteilen. Macht Euch, die Ihr gradezu krankhaft jedes Fettnäpfchen ansteuert in das Ihr springen könnt, nicht lächerlich. Die sicher nicht kostenpflichtigen Empfänge für Honoratioren sollten dann demnächst auch bei Leitungswasser und dem Finger im Hals stattfinden. Macht sich besser als Kaviarschnittchen und reichlich verteilte Leineweber-Figuren. “Korruptionsgefahr” führt der zierliche SPD-OB im offensichtlich zu großen Sessel ins Feld.

“Lächerlichkeit” wäre der passendere Begriff. Schauen wir mal hier:

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Dahinter stecken derart viele Probleme, daß ein paar Freikarten, die in jeder deutschen Stadt gerne angenommen werden, einen Fliegenschiß darstellen.