
Da gab es jetzt so eine Mail. Geschrieben von zwei jungen Männern, die in der Zeit zwischen Abi und Zivildienst einfach “etwas verdienen” wollten. Sie räumen Ware beim Kultnahversorger Jibi in die Regale. Wer kennt sie nicht, die flinken jungen Leute, die in ihren blauen Polos mit gelber Aufschrift “Teamwork – Die Büttgen GmbH” in den Gängen wuseln und auch schon mal freundlich Auskunft geben. Alles paletti an den Paletten? Nein. Denn jetzt gibts ziemlichen Zoff bei Jibi. Bisher wurden die jungen Leute bei Büttgen nach einer Art Akkordsystem entlohnt. Also “je schneller Du bist und je mehr Du schaffst, verdienst Du auch”. Vom Ansatz her ja nicht so falsch.
Dann flatterten den jungen Männern Kündigungen ins Haus. In fast neunzig Filialen hat man Büttgen – seit einer Ewigkeit der Partner fürs Wareneinräumen – rausgeschmissen und durch eine grandiose neue Firma namens Combera ersetzt. Super innovativ. Kann von Werbeagentur über Telefonmarketing, Regale einräumen, Logistik bis hin zu wahrscheinlich auch bemannten Weltraumflügen alles. Einfach alles. Nur vernünftig bezahlen wollen sie nicht. 5 € / Stunde (Vorgabe für eine Warenpalette 55 Minuten) sind aufgerufen. Zitat aus der Mail:
Ob man die 5€ überhaupt je erreicht ist auch fraglich. Für einen Container (abpacken und nach MHD verräumen) stehen dir 55 Minuten zu. Bist du drüber hast du Pech, es werden nur die 55 Minuten gezahlt. Viel Spaß bei einem Drogerie- oder Kassenwarencontainer. Hast du Klopapier (15 Minuten) bist du natürlich fein raus. Und wenn man sich die Hierarchie anguckt, kannst du dir denken wer sich die schnappen wird. Nicht irgendeiner der neu angefangen hat sondern der Teamchef. Der Aufwand fürs Teamchef sein wird übrigens mit 3€ pro Tag belohnt, mittlerweile so hoch wie bei uns. “Vorher” war nur eine Rede von 25ct pro Stunde. Da man normalerweise nur 3-4 Stunden im Laden ist, sind diese 25 Cent also der reinste Hohn. Bei uns (Anm.: Büttgen) gibt es wenigstens eine leistungsbezogene Vergütung, je schneller desto mehr Geld. Quasi Akkordarbeit, aber eben auch entsprechend vergütet. Und es gab durchaus Tage da ist man mit 12€ aus dem Laden gegangen)
Zukünftig muß man also beim Kauf im Jibi auf rote Shirts mit Aufschrift “Combera” achten. Wenn da nicht dieser Hintergrund wäre, der nachdenklich und wütend macht. Schließlich wird das ja von Jibi gedeckt. Noch einmal aus der Mail:
Die ersten Stunden arbeitest du quasi umsonst: Arbeitskleidung muss selbst gekauft werden (Preise variieren je nach Filiale von 5,50-5,95€ für das Poloshirt), polizeiliches Führungszeugnis musst du selbst kaufen, Cuttermesser musst du mit 3€ zahlen (nicht bestätigtes Gerücht), deine Haftpflicht muss du noch abziehen usw. usf. …..Lustig auch, Herr S. (Combera) wurde auf meine dauernden Nachfragen zuletzt richtig pampig, hab halt viel Negatives gelesen usw. usf.,hab u.a. gefragt wofür bei einem 5€-Job ein kostenpflichtiges polizeiliches Führungszeugnis erwartet wird, woraufhin er antwortet: “Wollen sie mit einem Triebtäter zusammen im Lager eingesperrt sein?”
Ach ja, Kultnahversorger. Wirst wohl zukünftig auf unsere Einkäufe verzichten müssen. Gibt ja auch andere, die weitaus weniger Billigramschware in den Gängen stehen haben, wesentlich bessere Fleischtheken führen, manchmal sogar Lebensmittel lieben und mit ihren Mitarbeitern vernünftig umgehen. Und erzählt uns nicht son Scheiß, es hinge mit der Globalisierung zusammen und in China zahle man noch weitaus weniger.
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