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So
13
Jun '10

Jubeln. Analog oder digital?

Es gibt Pressemeldungen, die ziemlich sinnfrei sind. Ist es nicht egal, ob man analog früher als die Digitalseher jubeln kann? Falls man Lust hat, zu jubeln. Schließlich kann man sich ja auch noch innen freuen und still-diebisch in sich hineinjuchzen: “Heidenei, ist der Klose doch ein Teufelskerl. 81,9999 Mio. Bundestrainer würden ihn nicht aufstellen und dann schießt er die wichtigen Tore”. Bitteschön:

In diesen Wochen versammelt die Fußball-Weltmeisterschaft wieder die Massen vor den Fernsehgeräten. Doch nicht alle werden gleichzeitig über die Tore jubeln. Das Medienmagazin DWDL.de hat die verschiedenen TV-Empfangswege getestet: Wer sich zuerst über Tore freuen kann und wer das Nachsehen hat… Digitaler TV-Empfang, mobiler TV-Empfang und bessere Bildqualität dank HDTV haben einen besonders bei der Fußball-Weltmeisterschaft spürbaren Nachteil: Der Nachbar mit dem analogen TV-Anschluss wird deutlich früher über die Tore in Südafrika jubeln. Denn live ist nicht gleich live. Wann also etwa über die Tore unserer Nationalelf gejubelt werden darf – es hängt ab vom TV-Empfangsweg. Und hier zeigt sich: Der digitale Fortschritt wird in puncto
Übertragungsgeschwindigkeit zum Rückschritt. Das Medienmagazin DWDL.de hat seit Anfang Mai intensiv getestet und die Ergebnisse mit den Erfahrungen der beiden WM-Sender ARD und ZDF abgeglichen. Das Ergebnis ist ein Ranking der schnellsten TV-Empfangswege mit einem ernüchternden Ergebnis: Wem wenige Sekunden wirklich wichtig sind, der sollte trotz Digital-Decoder und Full HD-Fernseher auf den alten analogen TV-Empfang wechseln. Egal ob analoger Kabel- oder Satellitenempfang: Schneller kann das TV-Signal nicht sein. Pech haben daher Zuschauer des digitalen PayTV-Anbieters Sky. Sie können grundsätzlich erst später jubeln. Der digitale Kabel- und Satellitenempfang ist mit ein bis zwei Sekunden aber immerhin zweitschnellster TV-Empfangsweg. Der Vorteil des digitalen Fernsehens, qualitativ hochwertigere Bilder und Töne, wird hier zum Nachteil: Das nötige Codieren und Decodieren des Signals kostet Zeit. Ob übrigens generell Kabel oder Satellit schneller ist, lässt sich nicht pauschal beantworten. Es hängt davon ab, wie die Signale der Fernsehsender ins jeweilige Kabelnetz gelangen. Etwas langsamer als digitaler Kabel- oder Satellitenempfang ist das digitale Antennenfernsehen DVB-T. Hier spürt man den Rückschritt besonders.
Analoges Antennenfernsehen war früher einmal der schnellste Übertragungsweg. Aber es geht noch deutlich langsamer – via IPTV. Wer die Fußball-Weltmeisterschaft über Angebote wie z.B. Entertain der Deutschen Telekom oder Alice TV schaut, wird bis zu 8 Sekunden später über Tore jubeln können als der Nachbar mit analogem TV-Empfang.

Noch langsamer ist das TV-Signal von der Weltmeisterschaft aus Südafrika nur via UMTS auf dem Handy oder über die neue iPad-App von Sky. Der Unterschied zum analogen TV-Empfang betrug im Schnitt mehr als 30 Sekunden. Hier bezahlt man den Komfort neuer Nutzungssituationen mit der entsprechenden Verzögerung. Generell zeigt der Test: Die Vorteile der Digitalisierung gehen zu Lasten der Empfangsgeschwindigkeit. Spürbar wird das immerhin nur bei Live-Events – und falls die Nachbarn zu laut jubeln.

Dabei geht es doch viel einfach: Du stellst Deinen Analogen auf den Warsteinerkasten links, den digitalen Breitflachen in die Mitte auf den Herrlichen Herforder, legst Dein EiPhone auf den Tisch neben Dir und öffnest das Fenster. Dann geht der “Jubel” von ganz links bis ganz rechts und deckt die ganze Bandbreite ab. Dauert auch länger als gewöhnlicher Jubel. Mußt nur Platz für Deine Haxen lassen. Ganz Kreative bauen noch ein Notebook auf, um ja nicht die Liveticker zu verpassen.

Kanzlerin sein. Eine Realsatire

“Es ist guter demokratischer Brauch: Bis zur Entscheidung wird hart diskutiert und danach tragen alle die Entscheidung gemeinsam”, sagte Merkel. “Verlässlichkeit und Vertrauen gewinnen wir bei den Bürgern nur, wenn wir zu unseren eigenen Beschlüssen stehen.” Was die Umgangsformen in der Koalition angehe, “müssen wir abrüsten. Wir müssen den Menschen in einer schwierigen Zeit Verlässlichkeit bieten”. Und wieder: “Nur so können wir wieder Vertrauen gewinnen.”

Sagt die doch so Demokratie – und Freiheitserprobte Bundeskanzlerin Dr. Angela Dorothea Merkel in “BILD am Sonntag” vom 13, 06. 2010.

Was ist von einer Regierungschefin und ihrer Autorität zu halten, wenn sie ein Springer-Blatt benötigt, sich am Kabinettstisch Gehör zu schaffen und kläglich damit scheitert? Um es mal abgewandelt mit Schillers Marquis von Posa in “Don Carlos” zu sagen:

“Madame, geben Sie den Stuhl frei”

“Ruuuuuuuuuuuuneiiiiiiiiiiiii”

proteste.jpg

Am Rande der Metropole im Haus mit der riesigen Fahne, deren Trauerrand signalisiert, was sich in diesem unserem Lande ankündigt, stehen die Türen offen. Die Stimme des TV-Moderators versucht, das idiotische Gesumme der chinesischen Plaste-Vuvuzelas zu übertönen. Irgendjemand dreht den Ton noch lauter: “Messi, MessiMessiMessiMeeeeeeeeessiiiiTröööööööööööööööööööööt”, skandiert der Mensch mit überschnappender Stimme, nur weil der “Weltstar” der Argentinier die Fußspitze am Balle hatte.

Ein paar Stunden später dann bei noch höherem Geräuschpegel aus dem Haus mit der riesigen Fahne, die oben einen schwarzen Trauerrand zeigt:”Jaaa, Ruuuuuuuuuuuuunnneiiiiiiii, Ruu, ähmTröööööööööööötRuneiiiiiiiiiiiii”.

Im Fernsehen laufen erstaunlicherweise Bilder von den Demonstrationen gegen Sozialabbau und “alternativloses” Sparpaket, während die Printmedien lieber die Stiefelspitzen eben jener Messis und Rooneys zeigen. Über Ostwestfalen und der Glitzermetropole hängt ein bleierner Himmel.

Im Haus mit den offenen Fenstern und Türen mit der Fahne mit Trauerrand oben wird der Ton extrem heruntergedreht. was interessiert schon Sozialabbau und Sparpaket, wenn man Fußballpakete und Bierkästen reichlich geordert bei eben jenem Kultnahversorger, der auch heimlich, still und leise an der Schraube dreht, die man “mehr Leistung für weniger Geld” nennt. Aber wie uns jene Frau auf dem weichen Stuhl in Berlin-Mitte lehrt:

“There is no alternative” (TINA).

TINA. Genau das ist es. “Ruuuuuuuuuuuuuunnnnnnnnnneeeeeeeiiiiiiiiiiiiiiiiiiii.Schluck.Tröööööööööööööööötttttttt”.

Diesmal ist es anders. Ein neues Sommermärchen kündigt sich an. Mit Protestmärschen ohne Ende, einem ungewollten neuen Bundespräsidenten, einem vom Posten des Kriegsministers zurücktretenden Frankenbaron und heute Abend spielen dann Lahm & Co. mit dem Plastikball gegen Australien.

Down under oder das Land, dessen Flagge oben einen schwarzen Trauerrand hat? Schönen Sonntag noch.