Bielefeld-Blog: Das Weblog von Bielefeldern für Bielefelder

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Sa
12
Jun '10

Für die neu hinzugekommenen zeigen wir’s gerne nochmal:

wuwutz.JPG

Die Vuvuzela ist im Prinzip nichts anderes als die moderne Ausgabe eines uralten Feuerwehrsignalhorns,
mit welchem hierzulande in der Zeit der Ledereimer die zur Löschung eines Brandes erforderlichen Hilfskräfte
aktiviert wurden.
Ein Exemplar dieser Signalgeber ist Teil der aktuellen Ausstellung “150 Jahre Alarm” im
Historischen Museum Bielefeld.

Und wirklich stimmungsvolle Event-Tonkulisse schafft sowieso nur der Ostwestfale.
Egal wo es ihn gerade packt …

sleaves2.jpg

(Die Kapelle spielt bis zum Schluss.)

Der Bürgerbeschimpfer

Besuch war da. Aus dem Land des von Kaiserin Merkel oktroyierten Kandidaten Wulff. Die resolute Dame sah sich in Halle die Tennismaschine Roger Federer an und war enttäuscht ob seines emotionslosen Spieles. “Wie unser Christian Wulff”, meinte sie.

Schönes Stichwort. Eben jener talentierte Mr. Wulff gab “Focus” ein Interview und verstieg sich zu einer Art “Bürgerbeschimpfung”:

Eine Mitschuld an der wachsenden Distanz zwischen Volk und Volksvertretern gibt Wulff auch den Bürgern: “Wir erleben heute ungeduldiger werdende Bürger, die gelegentlich nicht bereit sind, das zu tun, was die Politiker machen.” Die Bürger würden sich manchmal auch so parteienfeindlich profilieren, weil sie sich dann sagen könnten: “Ich habe einen guten Charakter, die in den Parteien haben alle einen schlechten Charakter.” Dies sei die falsche Herangehensweise: “Ich sage: Wer einen guten Charakter hat, kann den in der Politik behalten; wer vorher keinen hatte, wird ihn in der Politik wohl auch nicht bekommen”, sagte Wulff. /em>

Wir sind also “nicht bereit zu tun, was die Politiker machen”. Aha. Nun, nicht jeder ist in der Lage, sein Fähnlein stets in den richtigen Wind zu drehen, Abends nicht mehr zu wissen, was er am Nachmittag gesagt hat, zu lügen, zu betrügen, zu hinterziehen, zu hintergehen. Diese Tugenden, lieber Herr Wulff, sind überwiegend Menschen zu eigen, die im realen Leben eher selten durch größere Taten auffallen. Wenn es aber darum geht, von Steuergeldern alimentiert, Reden zu schwingen, deren Inhalt man niemals selbst einlösen muß, wird es schon sehr dünn im Überstübchen.

Unser Präsident, Herr Wulff, werden Sie niemals. Herr Gauck(ler) mit den neoliberalen Ansichten und dem zutiefst antiquierten Kommunistenhaß allerdings auch nicht.

Wir sind allerdings auch einfach zu dämlich, dem zu folgen, was die Politiker tun. Da liegen Sie schon richtig. Aber manchmal ist es auch für einen “Vollblutpolitiker” besser, zurückzutreten bevor man in der in Parteienmanipulation befindlichen Bundesversammlung überhaupt angetreten ist.

Ideal für die Alm

vuvuzela.jpg

Die allmächtige FIFA mit Kaiser Blatter an der Spitze regelt ja den Knickwinkel eines jeden Grashalms in so einem Turnier. Warum sie aber den Millionen an den Bildschirmen das ohrenbetäubend-montone Geblase der Vuvuzelas zumutet, ist ihr Geheimnis. Ach ja, “afrikanische Wurzeln”. Blatter sondert dazu wie folgt ab:

“Die Fifa wird den Fall diskutieren. Ich weiß aber nicht,
ob wir diesen Sound stoppen können. Afrika ist laut, es
ist voll Energie, Rhythmus, Musik, Tanz, Trommeln. Das
ist Afrika, wir müssen dies so annehmen.”

— Joseph Blatter, FIFA-Präsident

Wie schreibt das Blog “Gegen Vuvuzelas – pro Stimmung dazu“?

Dabei ist es absurd, eine vor ein paar Jahren aus Amerika importierte und erst seit kurzem (vermutlich in China) industriell gefertigte Plastiktröte zum afrikanischen Kulturgut zu verklären – ganz so als habe der musikalischste aller Kontinente Besuchern aus aller Welt nichts Besseres zu bieten. Nirgendwo in Afrika ist die Tröte verbreitet – und selbst in Südafrikas Stadien war sie bis vor wenigen Jahren nur vereinzelt zu hören.

Dabei ist das Dingens das ideale Instrument für das meist halbleere Almstadion. In der kommenden zweiten Ligasaison kriegt jeder Besucher sowas am Eingang, bedruckt mit den “Tre Sparros” wegen Image und Förderung der Glitzermetropole und so und ein Bündel Noten. Die sind einfach zu lesen:

“TröööööööööööööööööööööööööööööööötLuftholTööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööHalbzeitTrööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööööttTorfür den GegnerTröttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttttNiederlageTrööötAus”

Das gibt Stimmung. Wie in Südafrika. Eintönig. Abtörnend. Aber extrem laut.

Tröööööttttt

Wählen, bis der Arzt kommt

Paukenschlag am späten Freitag Abend: Mit seiner Entscheidung, keine Koalitionsgespräche mit der CDU zu führen, hat der nordrhein-westfälische SPD-Landesvorstand für eine faustdicke Überraschung gesorgt. Die Sozialdemokraten sind offenbar entschlossen, voll ins Risiko zu gehen. Die Folgen dieses Entschlusses sind unabsehbar – für die Politik an Rhein und Weser, aber auch für die SPD und vor allem für die Menschen in NRW. Keine Frage: Hannelore Kraft hat in den zurückliegenden Wochen viel versucht, um einer SPD-geführten Koalition den Weg zu bahnen. In acht Gesprächsrunden hat die SPD-Spitzenfrau satte 40 Stunden mit den Grünen, der Linkspartei, der CDU und zum Schluss auch der FDP sondiert, was für die Regierungsbildung in Nordrhein-Westfalen möglich sein könnte. Gebracht hat es herzlich wenig. Am Ende wusste sie nur, dass Rot-Rot-Grün und die Ampelkoalition nicht gehen. Ein ernüchterndes Ergebnis, denn kaum ein Sozialdemokrat will die Große Koalition. Insofern ist der Beschluss des Landesvorstandes konsequent. In einem Bündnis mit der CDU werden Kraft und Co. nicht über die Rolle des Juniorpartners hinauskommen. Dahin wäre das Gefühl, die Wahl gewonnen zu haben. Nach ihrem schnellen Nein muss sich die SPD nun allerdings fragen lassen, was sie eigentlich will. Wer nicht mal eines von drei Koalitionsmodellen zustande bringt und stattdessen eine Hängepartie in Kauf nimmt, beweist nicht gerade politisches Verantwortungsbewusstsein. Das aber ist momentan gefragt – nicht nur, doch besonders mit Blick auf Opel. Nachdem der Bund seine Hilfe abgelehnt hat, richten sich alle Hoffnungen auf die vier Bundesländer mit Opel-Standorten. Die Mitarbeiter des Bochumer Werkes dürften kein Verständnis dafür haben, dass ihre Zukunft machtpolitischen Winkelzügen untergeordnet wird. Wie nun weiter? Auch eine Minderheitsregierung unter Tolerierung der Linken schließt die SPD aus. Stattdessen will man die Regierung Rüttgers so lange blockieren, bis sie Nerven zeigt. Das kann dauern. Auch weiß die Hessin Andrea Ypsilanti, wohin so etwas führen kann. Und da ist noch eine kleine, aber feine Verfassungsironie am Rande: So lange die CDU/FDP-Landesregierung geschäftsführend im Amt bleibt, hat auch die schwarz-gelbe Stimmenmehrheit im Bundesrat Bestand. Die SPD macht sich unfreiwillig zum Verbündeten der Regierung Merkel/Westerwelle. Offensichtlich will die SPD Neuwahlen provozieren. Das ist demokratietheoretisch bedenklich, weil man das Volk nicht wählen lassen kann, bis einem das Ergebnis passt. Tut man es trotzdem, fördert das die Parteienverdrossenheit. Die Wahlbeteiligung dürfte abermals sinken. Zudem mag bei Neuwahlen ein besseres Ergebnis für SPD und Grüne wahrscheinlich sein, eine Garantie dafür gibt es nicht. Hannelore Kraft muss sich ihrer Sache also sehr sicher sein.

Liebes Westfalen-Blatt, das ist aber eine blöde Frage. Das Wahlvieh ist schuld. Hätte ja “richtig” wählen können. Oder? Jetzt wählen wir eben so lange, bis es Hannelörchen und ihrer Co-Pilotin passt. Dumm nur, wenn sich das Ergebnis der letzten Wahl wiederholen würde. Was machen wir dann? Ohne Wähler regieren? Außerdem erleben wir doch grad in Berlin – Mitte, was Politiker alles “können”.