Bielefeld-Blog: Das Weblog von Bielefeldern für Bielefelder

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So
14
Mrz '10

Der atemberaubende Guido

“Der linke Zeitgeist hält Geschäftemachen für fragwürdig.
Die Gesellschaft muss sich daran gewöhnen, dass das künftig anders ist”, so Westerwelle.

Der Außenminister der Bundesrepublik Deutschland, Dr. Guido Westerwelle, in seiner Büttenrede vor dem NRW-FDP-Parteitag in Siegen. Klar. “Sozial ist, was Arbeit schafft”: Bestechen, bescheißen, korrumpieren, betrügen, belügen und 3 Euro Stundenlohn zu zahlen, den die Steuerzahler dann Unternehmerkompatibel aufstocken dürfen.

Guido W. Nie war er überflüssiger als heute. Atemberaubend, wie sich in seinen Reden Plattitüde an Plattitüde reimt. Atemberaubend, wie ein paar hundert gelbe Hanseln darob johlend auf den Tischen stehen. Aber denen hat er ja schon lange das eigene Denken abgenommen, der jecke König aus Bad Honnef. So hätte er es ob seiner tollen Kapriolen und Kasperlespiele bundesweit auch gerne. Vor allem, wenn er als deutscher Außenminister weiterhin “die Interessen der deutschen Wirtschaft vertritt”. Klar, Guido. Wer spendet, sagt auch, wo es lang zu gehen hat. Die Hoteliers waren da nur kleine Vorreiter. Endlich ein “Wirtschaftsaußenminister”. Herr hilf.

In Sachen H. von Hentig

Und was bleibt auf der Sonnenseite? Der Gründer der Laborschule Bielefeld hat große Spuren hinterlassen. Er ist kein Bequemer und das bleibt sein Verdienst. So gehört von Hentig zu den massivsten Kritikern von Leistungsvergleichen wie Pisa. Messen und Zollstock ansetzen - das läuft seinem Verständnis von guter Schule entgegen. Bei seinen Schülern legte der Diplomatensohn von Hentig wenig Wert auf Zensuren, viel hingegen auf Selbstverantwortung und politische Urteilsfähigkeit. Derselbe Mann zweifelt heute die Urteilsfähigkeit der Missbrauchsopfer an. Therapeuten hätten einem der Ankläger Beckers die Idee eingegeben, er sei missbraucht worden, sagte von Hentig der SZ. Es scheint, als sei die Urteilsfähigkeit des messerscharfen Denkers getrübt.

Das schreibt die Frankfurter Rundschau heute über das “Denkmal der Pädagogik”, den fast 85 Jahre alten ehemaligen Professor der Bielefelder Universität. der 1968 hier begann und 1974 die Laborschule Bielefeld und das Oberstufenkolleg einrichtete und als wissenschaftlicher Leiter begleitete.

Halten wir das einfach einmal so fest und überlassen Urteile oder das Brechen eines Stabes denen, die ihn wirklich kennen. Oder glauben, zu kennen. Angemerkt sei, daß die heutige Schule deutscher Prägung mit ihren PISA, POSA, DINGSDA - Wettbewerben doch sehr weit davon entfernt ist von dem, was Hartmut von Hentig unter “Die Menschen stärken” verstand.