Bielefeld-Blog: Das Weblog von Bielefeldern für Bielefelder

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Di
26
Jan '10

FreieDienstbarePartei

Freie DienstbarePartei

175 Jahre wichtigtuerische Einmischung

Liz Mohn, die die fünfte Generation der Eigentümerfamilie Bertelsmann/Mohn repräsentiert, erklärte: “Bertelsmann feiert 2010 auch den Erfolg einer Unternehmenskultur, die auf den Grundwerten Partnerschaft, Kreativität, Unternehmergeist und gesellschaftliche Verantwortung basiert. Die einzelnen Firmen und Bereiche genießen in einer dezentralen Struktur größtmögliche unternehmerische Freiheit, die Mitarbeiter sind in Entscheidungen eingebunden und werden am wirtschaftlichen Erfolg beteiligt. Diese Kultur, die mein Mann Reinhard in den Jahren des Neuanfangs definiert hat und die im Unternehmen bis heute gelebt wird, war der Schlüssel für den Aufstieg von Bertelsmann zu einem modernen, international agierenden Medienunternehmen. Sie ist heute aktueller denn je.”

Aus einer Pressemeldung des niedlichen, so gemein nützigen Konzerns aus dem provinziellen Nachbarstädtle nebenan. Na Elisabeth, dann geh mal die “gesellschaftliche Verantwortung” suchen.

Wie stellt man Politlaberer ab?

Medien- und Jugendpolitiker der Union wollen Anbieter von digitalem Fernsehen zum Einbau eines Jugenschutzfilters
zwingen. Dies geht aus einem Brief der Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär (CSU), Wolfgang Börnsen und Thomas Jarzombek (beide CDU) an die rheinland-pfälzische Staatskanzlei vor, der der in Düsseldorf erscheinenden “Rheinische Post” (Heutige Ausgabe) vorliegt. Demnach sollen Hersteller von Festplattenrekordern oder DVBT-Receivern per Codesystem eine “digitale Alterskennzeichnung” für TV-Programme einbauen. Eltern könnten so beispielsweise per Knopfdruck nur Sendungen mit einer Altersfreigabe ab 12 oder 16 Jahren freischalten.

Gibt es nicht irgendwo eine zentralen Knopf, mit dem man die furchtbaren Politlaberer (“Ich sag jetzt auch mal was als Hinterbänkler”) abstellen kann?

Die ewig gleichen Chiffren

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Neulich hatte es im nördlichen Schweden – 43 Grad. Eine Randnotiz in Svenska Dagbladet, Dagens Nyheter und Expressen, den größten Zeitungen des Nordlandes. Hier geistern wieder die üblichen verdächtigen Chiffren durch dieJournaille: “Blechlawine staut sich auf 280 Kilometer”. Hat jemand nachgemessen? “Eiskeller OWL”. Bei – 18?

Irgendwie langweilig. Wie sagte mal jemand? “Nicht das Wetter ist schuld, die Kleidung passte nicht”. Eben. Dann ertragen wir auch den Kommentar auf der Wirtschaftsseite oben links besser:

“Fleischverzicht fürs Klima”. Ach ja. Es wird ja immer wärmer. Schuld daran ist die ewige Standard-Chiffre: “Blechkisten”. Die soll man stehenlassen und mehr Steaks essen. Oder umgekehrt?

“Blitz-Fabrik” Bielefeld

Im bundesweiten Straßennetz gibt es zahlreiche Punkte, an denen es regelmäßig zu Unfällen kommt – sogenannte
Unfallhäufungsstellen: Aus scheinbar unerklärlichen Gründen kracht es beispielsweise an einer Kreuzung häufiger als an anderen, oder auf einer geraden Strecke kommt es etwa durch Sonnenblendung, plötzliche Seitenwind-Böen oder auch bei regennasser Fahrbahn zu Unfällen. Um herauszufinden, wo Gefahrenschwerpunkte sind, führt die Polizei laufend sogenannte “Unfalltypen-Karten”, auf denen genau die Punkte markiert sind, an denen sich ein Unfall ereignet hat. So werden auf
einen Blick all’ jene Stellen deutlich, wo verdächtig viele Unfälle passieren – und die möglichen Ursachen dafür. Und sehr oft liegt der Grund in überhöhter Geschwindigkeit, einer der Hauptursachen für tödliche Unfälle im Straßenverkehr. Das Einrichten von Tempolimits ist dann eine logische Konsequenz, um künftig Unfälle an diesen Stellen zu vermeiden.

Ebenso notwendig wie die Einführung der Geschwindigkeitsbeschränkungen ist dann selbstverständlich auch deren Überwachung – notfalls mit Blitzanlagen. So weit die Theorie. Doch in der Praxis scheinen manche Kommunen ihre Fürsorge für die Unversehrtheit der Autofahrer immer häufiger zu übertreiben. Statt Sicherheitsaspekten scheinen lukrative Einnahmemöglichkeiten in den Vordergrund zu rücken: Nicht mehr vor Kindergärten, Schulen, Krankenhäusern und Altersheimen wird gemessen, sondern “fabrikmäßig” auf Autobahnen. Der Stadt Schwelm beispielsweise bescherte die Blitz-Anlage am Ausbau-Ende der A 46 acht zusätzliche Mitarbeiter und jährliche Einnahmen in Millionenhöhe. In Bielefeld musste die Stadt sogar 24 Mitarbeiter einstellen, um der durch die neue “Blitz-Fabrik” an der A 2 eingehenden Knöllchen-Flut Herr zu werden. Und die Stadt Wuppertal gab jetzt sogar offen zu, dass sie mit Tempo-Kontrollen auf der A 46 ihren Haushalt um Millionenbeträge aufbessern wollte.

Das Vertrauen der Autofahrer in eine “gerechte” und vor allem notwendige Verkehrsüberwachung stärken Städte und Kreise mit solchen Massen-Radarfallen jedenfalls nicht. Eher erreichen sie das Gegenteil: Die ertappten Raser fühlen sich nicht mehr als Sünder, sondern als Opfer.

Liebe Westdeutsche Zeitung, die Ihr hier auch die “Blitzfabrik Bielefeld” zitiert: Sagt das mal der grandiosen Umweltdezernentin, die auch den OWD zublitzt….. Wenn man als Stadt eben nur wenig mehr als Arminia und Blitzanlagen hat, wo soll man da sonst Kohle einnehmen?