Bielefeld-Blog: Das Weblog von Bielefeldern für Bielefelder

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Mo
28
Dez '09

After-Weihnachts-”Sale” unter der Sparrenburg

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Eine Wette war es, die den Schreiber in den Innenteil der glanzvollen Metropole an der reißenden Lutter trieb. “Du wirst bei der Fülle heute keinen Parkplatz finden”. Was gegen 14:30 Uhr schon mal nicht eintraf, wie oben dokumentiert (Cinestar-Parkhaus). Drinnen übertraf das Quietschen der Reifen der mit Outbacklerischem Kennzeichen versehenen Wägen die Erwartungen. Krachend überfuhr das Männlein “Typ Kleinbauer” mit seinem alten Daimler die Begrenzungen zwischen Auf - und Abfahrt. Unisono wurden ein halbes Dutzend Fluchtgänge reingehauen. Der Outbackler am Volant hatte Glück. Nichts passierte. Derweil sein zartes Frauchen seelenruhig auf dem Schleudersitz neben ihm harrte. “50 Jahre hat er den Führerschein. Kein Unfall, und die Toten ließ er hinter sich liegen”. Jau. (LIP = “Landwirt in Panik”). Im Radio gab eine sich überschlagende paranoidhysterische politische Stimme kund von den kommenden Nacktscannern, die ob der gewaltigen neuen Bedrohung nun schnellstens eingeführt werden müßten. Bub, ob Du schon mal während der Afterweihnachtssaletage in der Innenstadt warst? Wahrscheinlich spricht er aber auch nur gut geschmiert für die Industrie, die nun Morgenluft für das Nacktscannen wittert. Armer, armer Irrer.

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Eine so wundervolle Metropole wie Bielefeld lebt aber auch vom Spannungsbogen der Gegensätze:

doof - klug
klein - groß
verrottet - super

In der Renteistraße in der Altstadt finden sich da gleich mehrere Gegensätze. Urmini - BMW-Mini. Verfallender Giebel…

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… und Balkonluftiger Hochsitz…

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Michelangelo soll ja mal gesagt haben, als ihm damals ein Ratsgymnasiast einen Kupferstich von Bielefeld zeigt: “Gebt mir einen einfachen mittelangen Hebel und und ich hebele diese Armseligkeit oben vom Johannisberg für immer aus”. Zum Glück kam er nicht in den Marktflecken und setzte seinen Fuß nicht in die Renteistraße ….

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Wäre es passiert, trüge OBPit heut keine güldne Stadtkette unterm zarten Kinnlein und dieser Schuhladen Ende Renteistraße müßte gar nicht erst aufgeben. Es gäbe ihn einfach nicht ….

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…und der herrliche Blick über den Niederwall hinüber zu Nikolaus Dürkopps alten Hallen, wo einstens Motorräder, Autos und Nähmaschinen gebaut wurden, wäre auch nicht da….

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Später meinte die schönere und bessere Hälfte nur: “Was hast Du denn für schlechte Laune. War es so voll in der Innenstadt?”. Nö, ging so. Aber an vielen Häusern Bielefelds sollte man nicht hochgucken. Viele Straßen und Strässchen weder betreten noch fotografieren und sich einfach denken: Andere Städte haben auch schlimme Ecken. Ok. Aber vielleicht nicht so viele?

Der feuchte Traum unserer Blockwarte

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Im texanischen Montgomery County stehen betrunkene Autofahrer ab sofort bei Twitter am Online-Pranger. Denn wer pusten muss und mit Alkohol am Steuer erwischt wird, findet seinen Namen sogleich im Twitter-Feed des Bezirksstaatsanwaltes. Eine rechtskräftige Verurteilung wird nicht abgewartet. Doch diese Veröffentlichung ist umstritten.

Ach, wie umständlich. Twitter. Boah. Nej, gleich an den nächsten Baum. Hoch mit dem Hals. Oder über den Highway jagen, bis er irgendwo gegenknallt. Aus einem US-Staat, der ein kriminelles Monster wie G.W. Bush gebar und stolz auf seine Todessstrafen ist, kann man nichts anderes erwarten. Die sind so. Die bleiben so. Aber bei uns wird in den feuchten Träumen der Bosbachs, Schäubles und sonstigen Scharfmacher der Republik jetzt auch ein kleines, feuchtes neues Träumchen sein: “Autosäufer twittern”. Erst mit den wunderbaren Mautbrücken kamerariell erfassen, dann auf Twitter geben und Holladiewaldfee ab geht die Jagd. Am Bielefelder Kreuz könnte man ja Brandbomben abwerfen….

Der Terror sitzt ganz woanders

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Die gute Nachricht vorweg: Dank des technischen Unvermögens des Attentäters und des beherzten Eingreifens von Mitreisenden ist die Weihnachtskatastrophe verhindert worden. Hätte der Plan des 23-jährigen Nigerianers geklappt - an die 300 Menschen in der Maschine auf dem Weg von Amsterdam nach Detroit wären in den Tod gerissen worden. Über denkbare Opfer am Boden lässt sich nur spekulieren. Unmittelbar nach dem versuchten Terroranschlag sind an vielen europäischen und vor allem den amerikanischen Flughäfen die Sicherheitskontrollen verschärft worden. Auch während des Fluges müssen sich Passagiere vorerst in vielen Fällen auf Einschränkungen einstellen. Vieles davon ist aber wie schon in der Vergangenheit Aktionismus, der nicht unbedingt dazu beiträgt, das Vertrauen in unbeschwertes Reisen und die Lust am Fliegen zu stärken. Noch ist unklar, wann und wo der verhinderte Attentäter den Plastiksprengstoff an seinem Körper befestigte. Zwar behauptet der 23-Jährige, der Sprengstoff sei in seiner Unterwäsche eingenäht gewesen. Ob das stimmt, ist unklar. Hatte er schon in der nigerianischen Metropole Lagos das hochexplosive Material unbemerkt durch die dort nicht so scharfen Sicherheitskontrollen gebracht? Hatten Mittelsmänner die Bombe auf dem Flughafen Amsterdam deponiert? Oder war der Sprengstoff bereits im Flugzeug versteckt - bereitgelegt von Komplizen, die als Techniker oder in einer der Putzkolonnen arbeiten und so durchaus entsprechende Möglichkeiten gehabt hätten? Klar ist dagegen, dass es Warnhinweise hinsichtlich einer Radikalisierung des 23-Jährigen gegeben hat. Britische Behörden hatten ihm bereits die Einreise verweigert, die Amerikaner ihn auf eine Beobachtungsliste gesetzt. Dennoch konnte er mit einem Einwegticket in die USA einreisen. Hier wurden eindeutig Fehler gemacht, hier haben die Behörden, und zwar die in den USA, versagt. Dort liegen alle Passagierlisten von Flügen in die USA vor. Da muss ein Name mit Verbindungen zum Terrornetzwerk auffallen. Deutlich wird an diesem Fall aber auch, dass die Kontrollen verändert werden müssen - es muss nicht unbedingt schärfer, sondern besser kontrolliert werden. Es hilft nicht, einen großen Aufstand zu machen, nur weil sich der Beutel mit dem Waschzeug im Handgepäck nicht verschließen lässt, derweil nebenan der Terrorist mit Sprengmaterial in der Unterhose lächelnd die Sicherheitsschleuse passieren kann. Hier stimmt etwas nicht im System. Die ganze Ohnmacht wird deutlich, wenn - wie jetzt angeordnet - Reisende in der letzten Flugstunde nicht mehr ihre Plätze verlassen oder an ihr Handgepäck dürfen. So etwas ist mit blindem Aktionismus noch sehr schmeichelhaft beschrieben. Mit solchen hilflosen Maßnahmen lösen die Fluggesellschaften Angst
aus und verärgern ihre Gäste. Anschläge aber werden damit nicht verhindert. Das jedenfalls ist sicher.

Ach liebes Westfalen-Blatt. Wenn wir Euch und Eure süßnaiven Kommentare nicht hätten. War doch logisch, daß nach dem gescheiterten Anschlag auf die Bürger per Schweinegrippe-Pandemie wieder mal Terror kommen mußte. Wo kommen wir denn da hin, wenn Bürger einfach machten, was sie wollten und nicht den grandiosen Vordenkern aus der Politik folgten, die schon mal Impfstoff für Abermillionen bestellen und es nicht schaffen, das in alle Oberarme zu bekommen und schließlich für billig Steuergeld wieder ins Ausland verröslern müssen. Der Terror sitzt wohl eher in den Hirnen politischer Schwachmaten, den Stuben der versifften Berliner Politik und ihren willigen Ausführern in Behörden und Verwaltungen. “Technisches Unvermögen des Attentäters”? Hahhahaahahahhaaaaaaaaaa. Da kichern ja die Hühner.