
So, mal angenommen, Sie sind 59 Jahre alt, arbeiten in Dortmund seit 34 Jahren beim Bauverband Westfalen und ihr Chef ist Geschäftsführer Hermann Schulte-Hiltrop. Sie richten mit einer Kollegin ein Büfett als Konferenz-Imbiss für ihren Chef und seine Gäste an. Sie naschnen zwei halbe Brötchen und eine Frikadelle. Ein Mitarbeiter – wahrscheinlich der Büffetwart des lustigen Verbandes – zählt alles nach und merkt, daß die Naschereien fehlen. Das petzt er dem oben erwähnten Hermann S-H. Die Frau wird von ihm zur Rede gestellt und ist sich nichts Bösem bewußt, weil “immer Essen, das übrig geblieben sei, den Mitarbeitern zur Verfügung gestanden habe”. Erwähnter Hermann S-H feuert die Frau fristlos, weil man in dem Unternehmen “mit hochsensiblen Daten zu tun habe”. Jetzt kommt das Ganze vor Gericht.
Was lernen wir daraus? Eben. Auch eine Frikadelle und zwei halbe Brötchen sind “hochsensible Daten”. Unterstellen wir mal, daß Hermann S-H die Frau ohnehin loswerden wollte. Wir dürfen gespannt sein, wie der Prozess ausgeht. In einem Staat, wo in nicht wenigen Fällen seltsames Recht gesprochen wird, wegen Steuerhinterziehung verklagte Zumwinkel auf seltsamen Wegen nicht unter eine bestimmte Zeitfrist fallen und daher erhebliche Strafminderung erfahren und in Hessen Steuerfahnder, die bestimmten Banken auf die Schliche kamen, von oben zwangsgemobbt werden, ist alles möglich. Auch das scheinbar Undenkbare.
Ergänzung aus den Diensten:
Gestern kamen beide Seiten vor dem Arbeitsgericht Dortmund zusammen. Während der Verhandlung wurde deutlich, dass Selbstbedienung am Bufett zwar nicht erlaubt ist, beim Bauverband Westfalen aber offenbar schon lange gang und gäbe war. Selbst der frühere Chef soll nach Aussage der Sekretärin gern zugegriffen haben. Außerdem sei alles, was die Gäste des Chefs übrig ließen, ohnehin an die Angestellten zurückgegangen. Die Richterin betonte: “Dies hier ist kein klassischer Diebstahl.” Sie schlug vor, die Kündigung in eine Abmahnung umzuwandeln. Der Bauverband blieb trotzdem hart. Deshalb kommt es zu einem regulären Prozess. dessen voraussichtlicher Beginn Januar 2010 ist.
Noch mal Ergänzung, auch wenn es spät ist:
HS-H ist die neue Kultfigur in der Republik und löst Thilo Sarrazin aus der Bundesbank-Schmuddelecke mit seiner Dortmunder Beschränkheit locker ab. Auch der Bulettenmann ist “Elite”. Nicht vergessen. Schön, wenn den Haßfiguren der Republik mal was aufs Maul gegeben und die ständige dusselige Laberei angeprangert wird. Leider lenkt das aber nur von dem übergroßen Haufen Scheisse ab, der grad in Berlin-Mitte angerührt wird.
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