
Es gehört nicht viel dazu, Guido Westerwelle zumindest für wunderlich und arrogant zu halten. Dazu nutzte er im Überschwang des in den Nacken geworfenen Siegerkopfes zu bereitwillig die ersten hingestellten politischen Fettnäpfchen, in die er auch prompt hineintrampelte. Die NW Superjournalistin und Kommentateuse, dat Alexandra Jacobson, porträtiert den Rechtsanwaltssohn mit der spitzen Spechtsnase mit der ihr eigenen Leichtigkeit heute auf Seite 4 des Blattes. Gestern gab es viele Gelegenheiten, noch einmal über die Butawahl zu diskutieren. Auffällig, wie viele Menschen – vor allem jüngere – die FDP gewählt haben und nun den Kopf darüber schütteln. Mal völlig abgesehen von den Leihwählern, die mal schnell von der CDU zu Guido kreuzelten, um das gesamte Konstrukt an der Macht zu halten. Was ja auch nicht schwer war, weil das SPD-Kartell der politischen Idioten so bereitwillig Vorschub leistete.
Die andere Zeitung der Metropole, das Westfalen-Blatt, schreibt dazu heute:
Man soll das Fell des Bären nicht verteilen, bevor man ihn erlegt hat. Kaum ist der Bär tot, stürzt sich der Wahlsieger auf die Beute. Die FDP hat mutig den Kampf um Posten begonnen und gestern mächtig mit ihren Muskeln gespielt. Anders Angela Merkel. Sie hat zwar auch ihr politisches Terrain in einer neuen schwarz-gelben Regierung abgesteckt. Aber ihr geht es nicht nur um Posten. Sie hat deutlich gemacht, dass die Innenarchitektur dieses von ihr geführten Bündnisses sich fundamental von den schwarz-gelben Koalitionen vergangener Jahre unterscheiden wird. Schwarz-Gelb ist nach dem Willen Merkels mehr als nur ein Bündnis, das für wirtschaftliches Wachstum und die Schaffung von Arbeitsplätzen steht. Merkel will mehr. Sie will Kanzlerin einer Volkspartei sein, die für alle da ist. Ob sie die Balance zwischen Wirtschaft und Soziales jedoch finden wird und ob das überhaupt möglich ist, wird die Zukunft zeigen. Viel Negatives werden die Menschen in den kommenden Monaten wohl nicht fürchten müssen. In knapp acht Monaten wird bereits erneut gewählt. In Nordrhein-Westfalen, dem größten Bundesland, geht es um viel. Weder Merkel noch Westerwelle werden diese wichtige Landtagswahl aufs Spiel setzen. Schließlich gilt es, erstens die schwarz-gelbe Mehrheit im Bundesrat zu verteidigen und zweitens, der angeschlagenen SPD die nächste Niederlage beizubringen. Somit werden Merkel und Westerwelle eher Bonbons verteilen, als Giftpapiere herausholen. Merkel hat gestern deutlich gemacht, dass sie die Rolle des Kochs in der neuen Regierung für sich in Anspruch nehmen wird. Für ihren neuen Partner Guido Westerwelle hat sie die Kellner-Rolle vorgesehen. Sichtlich gelöst, gut gelaunt, schlagfertig und sehr souverän hat sich die Kanzlerin gestern präsentiert. Sogar witzig war die Frau, die beim TV-Duell so blass geblieben war. Westerwelle hingegen ist etwas übermütig vorgeprescht. Sein Auftritt gestern zählt sicher nicht zu seinen besten. Mit dem grandiosen Wahlerfolg im Rücken forderte der ansonst rhetorisch starke FDP-Mann ganz keck vier Ministerposten, um dann ausgerechnet gegenüber einem Auslandsjournalisten ins Schlingern zu geraten. Als dieser ihm eine Frage auf Englisch stellen wollte, wurde Westerwelle sichtlich nervös und forderte ihn auf, Deutsch zu sprechen. Beim Thema Steuersenkung ließ der FDP-Chef die Vehemenz seiner Forderung vermissen, die ihn im Wahlkampf noch ausgezeichnet hatte. Während sich Westerwelle noch an seine neue Rolle gewöhnen muss, fliegen in der SPD bereits die Fetzen. Wie zu erwarten, sind die ersten personellen Konsequenzen erfolgt. Parteichef Franz Müntefering hat seinen Rücktritt angedeutet. Er macht möglicherweise Platz für Sigmar Gabriel. Das politische Erdbeben der Sozialdemokraten wäre damit aber nicht beendet. Es hat gerade erst begonnen.
Schön geschrieben, liebes Westfalen-Blatt. Die liberale Spechtsnase wird in der ihr eigenen Lautsprecherartigkeit aber nicht mit der Kellnerrolle zufrieden sein, obwohl ihr weder inhaltlich noch politisch-gewichtig als Winzpartei mehr zusteht. Lehnen wir uns zurück und betrachten mit einem heftigen Grinsen im Mundwinkel, wie “unser Guido” sich aufbläst und wichig tut und der Misthaufen der SPD entweder die Kurve kriegt oder auf dem politischen Müll der Geschichte landet. Guido Westerwelle wäre nicht der erste Steigbügelhalter, der oben aus dem Sattel einen heftigen Fußtritt bekommt. Hofnarren müssen gemeinhin klüger sein als der König der Sprechblasen.
Zuvor aber möchte ich meine absoluten Highlights der eventuell kommenden Regierung präsentieren:

Ursula von der Leyen, diese beim Lügen enttarnte Laienschauspielerin im Ministerrang, schaffte es nicht einmal gegen die SPD-Kandidatin und Ex-Ministerin Bulmahn in Hannover ihr Direktmandat zu gewinnen, obwohl sie angeblich ungleich populärer in der Keksstadt ist. Und was von Klaeden und Brüderle angeht: Politische Doofheit und Naivität brauchen auch ein Gesicht. Beide sind sowas wie Ex-Kriegsminister Jung aus Hessen.
Es wird extrem spaßig, wenn Köchin Angela Guido zum Telleraustragen schickt.
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