
Ist der Zug schon abgefahren? Oder ist das Ganze noch zu stoppen? Von morgens um neun bis abends um 20.30 Uhr wird Angela Merkel an diesem Dienstag im Rheingold-Express durch Deutschland fahren, einem »Nostalgie-Zug« (Bahn-Werbung), der seine Glanzzeit in den fünfziger Jahren hatte. Vor der Abfahrt in Bonn legt Merkel an Konrad Adenauers Grab in Rhöndorf einen Kranz nieder, dann geht es erst den Rhein entlang, und wenn es Nacht wird über Deutschland, fährt sie in der großen Stadt Berlin ein. Dazwischen liegen Koblenz, Frankfurt, Erfurt, Leipzig, und an jedem dieser Orte begibt die Kanzlerin sich unter Menschen. Das wird sicher alles sehr sehr, schön werden. Aber was, du liebe Güte, hat Angela Merkel da zu suchen? Ziemlich zynisch, was die Zeit da über die hasige Bahnreise im Adenauer-Stil schreibt. Hier kommt die im “Duell” mit Frank jetzt wieder mit Walter Steinmeier am Sonntag ziemlich ungut ausgesehene Kanzleuse ja nicht vorbei. Hat aber Sven-Georg Adenauer, Enkel des noch mit handfesten Nazis regierenden ersten Bundeskanzlers der Republik und CDU-Landrat zu Gütersloh mit dabei. Verkneifen wir uns mal weitere Kommentare zu dem von einem gewissen Herrn Po falla ausgeheckten Plan. Bei dem Regenwetter sieht man eh nur die huldvolle rechte Hand der Regentin (“Das verbitte ich mir”) mit dem Bundessiegelring, den sonst nur Auerwählte woe Josef “V” Ackermann, die Springerin oder Stiftungs-Mohn küssen dürfen.
Sie glauben, das sei eine Spitze gegen die erste und einzige und größte Kanzlerin der Bundesrepublik? Mitnichten. Für Frank jetzt wieder mit Walter Steinmeier haben wir auch noch was: Eine Rundfahrt im Opel “Laubfrosch” zu den Gräbern der Sozialdemokratie und ihren großen Kämpfern. Wie August Bebel, Karl Liebknecht, Ferdinand Lassall, Willy Brandt. Über die heutigen Altvorderen decken wir mal den Mantel des Schweigens. Aber immerhin hat ja die SPD das selbst erkannt und verkündet es auf der Rückseite des Zeitungen auch in unserem Raum breitflächig beilegten Fernsehprogramms “prisma”. Nur am Personal haperts noch ziemlich:

Ein herzliches “Avanti dillettanti” auch von hier wech. Möge die Kraft mit Euch sein.
Kurt Tucholsky hatte in den Zwanzigern schon gut erkannt, was mal aus den Sozen wird:
“Herr Stinnes grinst, und alle Englein lachen.
Wir sehen nicht, was sie damit uns machen,
nicht die Gefahren all’…
Skatbrüder sind wir, die den Marx gelesen.
Wir sind noch nie soweit entfernt gewesen,
von jener Bahn, die uns geführt Lassall!“
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