
Ein Flyer, den die jungen Leute in der Metropole in die Hand gedrückt bekamen. Zumindest das haben die Piraten begriffen: Die Freiheit des Individuums ist in diesem Staat in höchster Gefahr.
Ab und zu bekomme ich Mails oder erfahre über drei Ecken von Bemerkungen, in Blogs wie diesem werde “nur kritisiert aber nicht politisch verändert”. Nun gut, kommentieren wir das mal:
Wer etwas “politisch verändern will”, muß logischerweise a) eine Partei gründen oder b) einer bestehenden Partei beitreten. Was aber nicht heißt, daß der/die Beitretende dann auch den Mund aufmachen darf oder soll.
Wer in Deutschland “politisch verändern will” muß entweder a) CDU/CSU-Mitglied in obersten Regionen mit Merkel – oder “Seehofer”-Attitüde sein, b) Lobbyist mit möglichst großem Spendenkonto sein oder c) Guido Westerwelle von der FDP heißen, der für das Ziel, Außenminister dieser Republik zu werden, auch seine Großmutter an die Union verkaufen würde.
Wer in Deutschland “politisch etwas verändern will”, darf zB. weder a) Mitglied der DIE Linke, b) von Grüne/Bündnis 90, c) Piratenpartei oder anderen politischen Gruppierungen sein. Das Totschweigen der Medien oder hysterische “an die Wand schreiben” ist ihm seitens 70% der Systemmedien aus der Gruppe SpringerBertelsmannBurdaHoltzbrinck gewiß.
Wer in Deutschland “politisch verändern will”, darf auch nicht Mitglied einer SPD sein, die sich in ihrem krampfhaften Versuch, an der Macht zu bleiben, sprich Juniorpartner der Union zu spielen, in unendlichen Pirouetten verbiegt.
Und da soll ein simpler Bielefeld-Blog mit ein paar zynischen, notierenden, verlinkenden Bemerkungen täglich “politisch etwas verändern”? In einem Land, in dem bereits der schief angesehen wird, der überhaupt wagt, etwas an Frau Merkel, Herrn Steinmeier, Herrn Müntefering, Herrn Po falla, Herrn Kauder, Herrn Köhler, Frau von der Leyen, Herrn vuz Guttenberg anzumerken? Selbst, wenn die Fehler und krasse Fehlentscheidungen zum Thema “Banken/Krise/Arbeitsmarkt/Konjunktur/Abwrackprämie/Opel/Schaeffler/PorscheVW” offensichtlich sind?
Deutschland ist überregional und lokal auf dem besten Wege, zu einem verbalen Friedhof zu werden, auf dem öffentlich geäußerte Meinung – auch im kleinsten Kreise – nicht gewünscht ist. “Die da oben” machen das schon. “Die da oben” wissen schon, wie es geht. “Die da oben” sind Kraft Gewähltseins unantastbar? “Die da oben” überwachen, bespitzeln, Bevorratsdateln uns so gründlich, daß Reich 3 oder Stasi dagegen schon fast Sandkastenspiele waren.
Wenn es nicht ab und zu wenige journalistische Sternstunden gäbe, man müßte sich still in eine Ecke setzen, die Fäuste ballen und dann stundenlang “Leckt mich doch alle am Arsch” schreien. Womit Götz von Berlichingen endlich wieder einmal – wenn auch nicht ganz Werkgetreu – Genüge getan wäre. Gegen Dummheit, Ignoranz und “bloß Nichts verändern” kämpfen selbst Götter vergebens. Eine der negativsten deutschen Eigenschaften ist das Ducken, das “Ich? Nein, mach Du”, das selig zu “Denen da oben” schauen. Dieser alte, aber schon einige Male gründlichst in die Hose gegangene tränenverhangen-umflorte tiefe Wunsch nach einem “Führer”. Dem oder der man dann blind folgen kann, das eigene Denken bequem ausschaltend.
Schönen Sonntag noch! Ich entkrampfe jetzt mal kurz die geballten Fäuste und erledige eine wichtige Arbeit.
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