
“Und was hast Du so an Gedanken aus Bayern und Baden-Württemberg und Hessen mitgebracht?” wollte jemand wissen. Tja was. Neben den Dingen, die mit den Gründen der Reise zusammenhingen, eine Menge an Eindrücken. Fangen wir einfach mal an, über das “Land of hope and glory” im tiefsten Süden der Republik zu sinnieren.
Wie man sieht, sind ganz viele Denkmäler von Ludwig I., König von Bayern, derzeit nur als Sockel existent. Die ewig bösen Zungen, man mag gar nicht mehr auf sie hören, kolportieren ja bereits, der lange kräftige Mann in der Staatskanzlei, Horst 1. von Bayern, rufe sich demnächst selbst auf der Münchner Isarinsel zum König aus. Auf die derzeit leeren Sockel kämen dann wetterfeste Horst 1. – Standbilder aus Glasfasermaterial. “Er im Hermelin” sei der Arbeitstitel. Als Vorbild habe man den Bielefelder “Leineweber” genommen, der ja nebst rückwärtiger Kiepe auch aus Glasfasermaterial ist. Wie allerliebst der Bayern Herrscher schauen kann, verdeutlicht dieses BUNTE Bild:

.. und es zeigt ja nur die angetraute Vertraute. Die Berliner “Schattenfrau” und Kindesmutter wird nicht erwähnt.

Ganz umgehen ließ sich das heikle Thema “Dr. Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jakob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg nebst Ehefrau Stephanie Gräfin von Bismarck-Schönhausen” natürlich in Bayern nicht. Stellt man ihn neben einen Horst Seehofer, Erwin Huber, Markus Söder oder Frau Haderthauer ist er schon eine “andere Art von Politiker”. Das wollen wir mal nicht bestreiten. Daß er aber den Banken-Gesetzesentwurf von der derzeit ziemlich arbeitslosen zweitgrößten Rechtsanwaltskanzlei der Welt, Linklaters, hat schreiben lassen und gar nicht für das Thema “Bankenrecht” zuständig ist, zeigt, was für “a Spitzbuab er is”. Nun gut, lassen wir das so stehen. In Bavaria ticken die Uhren und die Menschen halt “fei a weng anderster”. Da ist Hemdsärmeligsein schon gefragt, wenn sie sich nicht grad in der Seehoferschen “Ach, das hab ich gestern gesagt?”-Attitüde ergießt. Man wird das Gefühl nicht los, daß der Seehofer, Horst nicht so ganz ernst genommen wird. Vielleicht darf ein König, dem Zugspitze und Karwendel nebst Königssee und Schliersee quasi zu Füßen liegen, das eventuell aber auch. Er kann sich ja locker in Minga Hofnarren halten. Er muß halt nur aufpassen, nicht im Starnberger See auf Tauchgang zu gehen, wie ein gewisser “Kini” damals.
Sagen wir mal so zu Karl-Theodor: Ordentliche inhaltliche Arbeit reicht als Erklärung nicht aus. Dafür ist die Leistung Guttenbergs, etwa in der Opel-Krise, noch zu wenig greifbar. Auch an Umgangsformen und gutem Aussehen allein kann es kaum liegen. Solche Vorzüge besitzen andere Politiker ebenfalls, ohne gleich die Beliebtheitsskala zu stürmen. Das Phänomen Guttenberg dürfte sich eher aus dem anderen Stil erklären, mit dem der fränkische Adelige auftritt. Jeder spürt: Dieser Politiker ist durch keine überlange Parteiarbeit verbogen oder durchgestylt. Seine Äußerungen wirken geschliffen, aber nicht abgedroschen. Das kommt gut an in einer Zeit, in der Programme und Politikeraussagen immer ähnlicher klingen. Ein Teil des Volkes mag lieber Oberflächkeiten, das gepflegte Äußere oder den Hemdsärmelminister, der eben auch scho amaol a Maß stemmen kann.
Mäandern wir weiter im Freistaat. Sie haben auch Friedhöfe, die anders sind. Näher zu Gott, mit mehr Durchblick und enger nebeneinander liegenden Gräbern. So, als ob sie sich gegen die Nordlichter gegenseitig wärmen müßten. Hier ein Beispiel aus einer Domstadt, mit 130.000 doch erheblich weniger Beeinwohnert als Bielefeld:

Bayern hat aber auch “Stille Helden”. Jenseits der DAX-gejagten schaffen sie mit mehr als 10.000 Mitarbeitern und über 2 Milliarden Umsatz still und relativ leise den Sprung an die Spitze ihrer Branche. Tatsächlich von der echten Garagenfirma (max. 2 Autos hatten Platz) auf dem von Bomben zerstörten Flugplatz, wo einst die Messerschmitts für Hitlers Angriffskriege gebaut und eingeflogen wurden, entstand in 55 Jahren ein erstaunliches Unternehmen. Ihr, die Ihr mit “Herforder Warsteiner” oder “Detmolder Pilsner” oder “Caroline-Mineralquelle” auf Eure Fußballhelden anstoßt, gießt aus einem Produkt ein, daß auf gradezu genialen Riesenanlagen aus dem Bayerischen abgefüllt, überwacht und endverpackt wurde. Die Biographie des Mannes, der das ganz unprätentiös geschafft hat, habe ich zwischenzeitlich gelesen. So mancher DAX müßte sich ob seines lauten Tamtams klammheimlich dahinter verstecken.
Was noch blieb? Die Straßen sind ein wenig besser als hier oben. Der Himmel ist weißblauer. Sie bauen die besseren Autos und im Winter fahren sie auf zugefrorenen Seen mit der/dem Liebsten Schlittschuh. Gelingt es ihnen, dem Norden, Westen und manchmal Osten Europas genügend gute Fußballer abzukaufen, werden sie im Fröttmaninger Allianz-Boot auch mal Meister.
Sollte sich Horst 1., Fürst von Ingolstadt, allerdings demnächst zum König ausrufen und selbst krönen: das verziehe ich ihnen nicht.

Später am Abend dann, als ab Ausfahrt Bielefeld-Sennestadt (Wo sie schon ganz fleißig die Konturen des Lückenschlusses der A 33 aus Sand formen) rechterhand der derzeit wohl in der finalen Ausräumung befindliche Salon Friehe grüßte, da kam so ein kleines Heimatgefühl auf. “Mensch, Senne, Sand und Sonne und Friehe gibt es immer noch”. Da kann Patrona Bavariä einfach nicht mithalten. Trotz des überaus guten Essens, das es im sehr gelungenen Casino des erwähnten Nicht-DAX-Unternehmens gab. “Nehmen Sie das als Zeichen unserer ausdrücklichen Wertschätzung”, sagte einer unserer Gesprächspartner. Wir nahmen es.
Frech wie wir aus dem Norden nun mal sind. Gell. Karl-Theodor?
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