Bielefeld-Blog: Das Weblog von Bielefeldern für Bielefelder

Themen anzeigen:

August 2009
M D M D F S S
« Jul   Sep »
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930
31  

Autoren gesucht - jetzt mitbloggen über deine Stadt!

So
2
Aug '09

Westfalen-Blatt im Steinmeier-Bashing

Vier Millionen neue Arbeitsplätze verspricht Frank-Walter Steinmeier bis 2020. Der SPD-Kanzlerkandidat will das mit einer klugen Politik erreichen. Er fügt damit den Versprechungen und Verheißungen der Parteien knapp acht Wochen vor der Wahl eine
weitere unglaubwürdige Variante hinzu. Die Grünen sind da mit dem Versprechen von einer Million neuer Jobs noch bescheiden. Mitten in der schwersten Wirtschaftskrise, die den Sozialkassen nach seriösen Schätzungen 2010 ein Finanzierungsloch von 30 Milliarden Euro bescheren wird, halten FDP und CSU weiter an ihren fast utopisch anmutenden Forderungen nach Steuerentlastungen fest. Angesichts der anhaltenden Krise sollten Wahlprogramme der Parteien sich mehr den aktuellen Problemen widmen und bittere Wahrheiten aussprechen, die von den Menschen auch ernst genommen werden. Steinmeiers Versprechen ist wohl der desolaten Situation der SPD geschuldet. Sie hat noch kein zündendes Thema im Wahlkampf.
Steinmeier liegt in Umfragen meilenweit hinter der Kanzlerin und die Dienstwagenaffäre hat dem Kandidaten den Wahlkampfauftakt verdorben. Sein Job-Versprechen wirkt wie die verzweifelte Tat eines Politikers, dem die Zeit für eine Aufholjagd vor der Wahl in acht Wochen davonläuft.

Ach Chott, liebes Westfalen-Blatt. Das intelligentere Drittel des so unwichtigen wie störenden deutschen Urnenpöbels hat sich zwar mit SchwattGelb abgefunden, wird aber ganz sicher anders wählen. Dann erinnern wir jetzt mal an der Meck-Vop-Kaiserin Versprechen von “Steuersenkungen” und Wuido Gesternschwelles hirnloses Geschwurbsel. Dann ist das alles nur noch relativ, was Frank ohne Walter Steinmeier da in seiner angeblichen “Last Minute Angst” verspricht. Wer die Wahl zwischen Pest, Cholera oder völlig wert – wie hirnlosem gelbblauem “Weiter-so-wie-bisher” hat, könnte durchaus im September zum Befreiungsschlag greifen. Wat dann?

Paprikaidee gesucht

p1040399.JPG

Gekauft sind sie schon, die frischen Paprikas. Leider fällt einem nur das übliche Rezept ein: gefüllt mit Hackfleisch. Wer hat was Besseres auf Lager?

“Großversuch an der deutschen Bevölkerung”

p1040397.JPG

Husten habe ich und nehme ACC Akut. Das hat mir mal die berühmte deutsche Schauspielerin Iris Berben in einem erschütternden TV-Spot persönlich geraten. Nähme ich jetzt noch den Joghurt “Activia” wäre mir der Husten wahrscheinlich erspart geblieben. Natürlich könnte ich auch Donald Rumsfelds “Tamiflu” einnehmen. Einfach so, bevor der große Run auf die Schweinegrippenimpfungen – also gegen die Grippe – demnächst einsetzt. Werden sich schon genug finden, denen man das solange einreden kann, bis sie auf den Knien in die Wartezimmer rutschen. Wer noch ein bißchen bei Verstand ist, liest allerdings eher mal, was immer mehr kritische Stimmen über die “Vorbeuge”-Impfungen sagen:

Der Arzt und Herausgeber des pharmakritischen “Arznei-Telegramms”, Wolfgang Becker-Brüser, kritisiert die geplante Schweinegrippe-Impfung. “Was wir hier erleben, ist ein Großversuch an der deutschen Bevölkerung“, warnt Becker-Brüser in der am morgigen Montag erscheinenden Ausgabe des SPIEGEL. Die Sicherheitstests der Musterimpfstoffe seien nicht besonders umfangreich.

Lediglich häufige Nebenwirkungen, die mindestens bei einem von 100 Geimpften auftreten, sollten in diesen Checks erkannt werden. Bei 25 Millionen Bundesbürgern, die im ersten Durchgang geimpft werden sollen, bedeutet das rechnerisch: Fast 250.000 Menschen könnten eine schlimme Impfreaktion erleiden, ohne dass dies in den vorangegangenen Sicherheitsstudien aufgefallen wäre.

Kritik an der bisher beispiellosen Impfkampagne kommt auch aus den Ländern. “Wenn der Verlauf der Schweinegrippe so harmlos bleibt wie jetzt, wäre ein Massenimpfprogramm nicht gerechtfertigt”, sagt Matthias Gruhl, Abteilungsleiter Gesundheit in Bremen und mitverantwortlich für die Pandemieplanung. Gruhl zufolge basieren alle Anstrengungen “auf der Annahme, dass eine zweite, viel schlimmere Welle der Schweinegrippe auf uns zurollt”. Anzeichen dafür gebe es derzeit aber nicht. Die Kosten für die Impfung könnten dabei deutlich höher ausfallen als vom Gesundheitsministerium bisher angegeben.

Nach Informationen des “Spiegel” hat allein der Impfstoff beim Pharmakonzern GlaxoSmithKline 410 Millionen Euro gekostet. Die vom Gesundheitsministerium angegebenen Gesamtkosten von rund 650 Millionen Euro sind nur realistisch, wenn die Impfung von den Gesundheitsämtern vorgenommen wird. Wenn dagegen die niedergelassenen Ärzte die Impfung durchführen und der Impfstoff über die Apotheken bestellt wird, würde die Impfung mehr als eine Milliarde Euro kosten. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts vom Donnerstag haben sich in Deutschland inzwischen rund 6000 Personen mit dem Schweinegrippe-Virus infiziert.

Als Tamiflu auf den Markt kam, war es ein Flop, wie der „Tagesanzeiger“ schreibt. Roche sah sich wegen fehlendem Absatz gezwungen, Lagerbestände zu vernichten. In der Schweiz wurde das Medikament ab Oktober 1999 verkauft. Der Start war harzig. Es folgten Winter, in denen die Grippewellen milde verliefen. Bei Roche fragte man sich, ob man Abermillionen in den Sand gesetzt hatte. Dies umso mehr, als die Produktion von Tamiflu aufwendig ist. Doch dann kam die Vogelgrippe und das Medikament fand vor vier Jahren reissenden Absatz. Die Schweinegrippe macht nun Tamiflu endgültig zum begehrtesten Medikament auf der Welt.

Bis Ende April hat Roche insgesamt 220 Millionen Tamiflu-Behandlungseinheiten an Regierungen weltweit ausgeliefert. Roche konnte den Umsatz mit Tamiflu im 1. Halbjahr 2009 auf rund 1 Mrd. Franken verdreifachen. Die WHO, die drei Millionen Packungen Tamiflu an Lager hat, ist der Ansicht, eine neue Grippe-Pandemie sei unausweichlich. Sie rechnet im Pandemiefall mit gegen einer Milliarde Grippekranken und mit zwischen zwei und 7,4 Millionen Toten weltweit.

Je mehr Panik über die Vogel- und jetzt Schweinegrippe verbreitet wird, je mehr tatsächlich daran erkranken, je mehr profitiert die kriminelle Elite finanziell davon. Rumsfeld (An Gilead Sciences, dessen österreichischer Vizepräsident das Patent hält, beteiligt) wußte das und hatte schon immer eine „glückliche Hand“ und wusste mit was man Geld verdienen kann. Während seiner Zeit als Verteidigungsminister, war das Pentagon Grossabnehmer für Tamiflu und kaufte für 2 Milliarden Dollar ein, um weltweit seine Soldaten damit behandeln zu können. Quelle: Schall und Rauch. Laut Rumsfeld ist ja auch eine riesige Boeing ohne Spuren an 9/11 spurlos ins Pentagon geflogen und hatte Hussein im Irak “riesige Lager an chemischen Waffen und Atombomben”. Wir wissen heute, daß dieser notorische Lügner und Gauner da ebenso gelogen hatte wie bei vielen anderen Anlässen, um seiner kleinen gierigen Vorteile wegen die Welt zu täuschen. Jetzt eben Tamiflu. Für dessen Einsatz braucht man nur willfährige Regierungen (Die Schweiz läßt 16 Mio. Einwohner zwangsimpfen), Spritzen und jede Menge teures “Medikament”. Gilead und damit Rumsfeld bekommen von jeder Dose 5 US$.

Welch warmer Regen für die Pharmaindustrie. Ihre Lobby funktioniert zuverlässig wie immer. Auch wenn man über “Risiken und extreme Nebenwirkungen von Tamiflu” viele oder wenig weiß, je nachdem. Der Herr Merkle hätte sich gar nicht vor den Zug werfen müssen. Da wäre für die Generica-Fürsten von Ratiopharm ganz sicher auch was über geblieben.

“Gute Preise. Gute Besserung”. Hust.

Was Tauben so gurren

dsc01908.JPG

Lauschen wir doch mal den Tauben an diesem trüben Tag.

Sie so: “Hej Kumpel, kommste mit, Arminia auslaufen sehen?”
Er so: “Da müssen wir bis zur Hagemann fliegen”
Sie so: “Klar. Aber wir können vorher ein bißchen auf dem Kesselbrink public viewen”
Er so: “Aber nur, wenn es da was zu picken gibt”
Sie so: “Sicher. Der Markt läßt immer was übrig”
Er so: “Wegen unserer Bodenhaltung”
Sie so: “Ok. Heben wir ab”
Er so: “Aber bitte nur mit dem Wind. Meine Keulen schmerzen noch von neulich”
Sie so: “Wird gemacht, Kumpel”

Niols Holgersson ist leider beim Start von ihrem Flügel gerutscht.

Angela Adenauer im Schlafwagen

Man werde – so ist in Berlin flüsterleise zu hören – im September bundesweit Konrad-Adenauer-Festspiele inszenieren. Das Motto: Tradition ist Trumpf. Denn genau vor 60 Jahren habe Adenauer den ersten Wahlkampf der Bundesrepublik für die Union gewonnen, das Wirtschaftswunder ermöglicht und alle Christdemokraten glücklich gemacht. Im nostalgischen „Retro-Trend“ werde man daher Angela Merkel auf Adenauers Spuren schicken. Für den 15. September (an diesem Tag 1949 war die erste Kanzlerwahl) ist sogar der legendäre Rheingold-Express von Adenauer gebucht, und Angela Merkel soll wie weiland der Gründungskanzler im Zug durch Deutschland reisen, und zwar – in Begleitung der Adenauer-Familie – von Rhöndorf über Bonn (da würdigt man Adenauers Republikgründung) und Leipzig (da feiert man Kohls Wiedervereinigung) bis nach Berlin schuckeln – Angela Adenauer soll hochleben.

Die Wahlkampf-Strategen im Adenauer-Haus begründen ihren Leisetreter-Wahlkampf so: Je entspannter die Stimmung im Lande ist, desto weniger kann das linke Lager seine Wähler mobilisieren. Demoskopen versichern inzwischen, dass die Einlullungsmethode verfangen könnte, weil die SPD und ihr Spitzenkandidat nicht kampagnenfähig seien.

Man muß wirklich nicht mit jedem Artikel konform gehen, den Jochen Hoff auf seinem Duckhome veröffentlicht, aber die Glossen zu Angela Adenauer und der “Pofalte” (Po falla) sind schon köstlich. Man muß sich das mal bildlich vorstellen. Ende September anno 2009. Die Wahl ist gelaufen, für 12:45 Uhr ist der Rheingold-Express mit der Kaiserin aus Meck-Vop auf Gleis 2 des Bielefelder Hauptbahnhofes angekündigt. Der örtliche neue Reichsverweser Bernd Landgraf I. (“Ich liebe Zeitarbeit”) steht im Hermelin des Ortsgranden mit Sparrenburg-Tarnkappe am Rande des Bahnsteiges. Der Zug – gezogen von einer nostalgischen Dampflok mit gewaltigem CO2 – Ausstoß (Die Kaiserin: “Damit schonen wa die deutsche Großautoindustrie mit Kuh 7 und Maybach”) rollt ein. Ihre Majestät steht am Fenster des Schlafwagens, huldvoll ihre Ärmchen in Joe-Cocker-Manier schwingend. Dahinter ein narbengesichtiger Mann mit Narrenkappe in gelbblau und schwarzem Stirnband: “Guido kocht Mehrin, hihi”.

Millionen Metropoleneinwohner und OhWeheLLer sind zum Hauptbahnhof der Kapitale geströmt, in der Rechten ein Lechtermann-Käsebrötchen, gesponsort aus dem Staatstopf “Wiederaufbau West” und huldvoll abgezeichnet von der Kaiserin. Die extra aus Dornberg-Deppendorf angereiste Big Combo des dortigen Beigejackenvereins von 1921 spielt das uralte, wunderschöne Lied, das jetzt wieder deutsche Hymne ist: “Auferstanden aus Rosinen und der Vergangenheit zugewandt”. Alle haben Tränen in den Augen, ein Po falla geht durch die Menge und verteilt Tempo-Taschentücher aus dem Fundus des staatlich per Guttenberg-Verfügung geretteten QuelleSchickedanz-Konzerns. Marke “Madeleine verduftet”.

IHK-Goldbeckchen wirft noch schnell ein Modell der kommenden Unterseekastenbebauuung durch das offene Fensters: “Vergessen Sie mir die getreue Lobby nicht, Ihro Majestät”. Als der Rheingold wieder anruckt und schwarze Kohledampffontänen den Hauptbahnhof der großen kleinen Stadt einhüllen, entfernt sich die Kaiserin huldvoll vom Fenster, den rechten Arm ein wenig seltsam angewinkelt, links bereits das Handy in SMS-Funktion im Anschlag. Gleich wird sie ihre fertige Nachricht nach Washington absetzen: “Dear Barack, Mission Bielefeld finished”.

Der Zug rollt. Die Bielefelder Menge intoniert völlig spontan unter Freudentränen:

God save our gracious Queen,
Long live our noble Queen,
God save the Queen!
Send her victorious,
Happy and glorious,
Long to reign over us;
God save Angela Adenauer!

Reichsverweser Bernd Landgraf I. (“Ich liebe Zeitarbeit”) durchschreitet gemessenen Schrittes die Bahnhofshalle, nicht ohne einen letzten Blick auf die stolzen Werbeschriften “Dr. Oetker” und “Seidensticker” zu werfen. In der Rechten wiegt er den goldenen Basketball, neues Symbol der niemals Hansestadt gewesenen Metropole der Brachflächen. Am liebsten würde er jetzt seinem um 5 Stimmen bei der Wahl des Reichsverwesers, die man zuvor schon den Briefwählern heimlich untergemischt hatte, unterlegenen Kontrahenten Pit Clausen einen ins Körbchen werfen. Denkt er. Tut er aber nicht.

Der beste Grund für “Steuersenkungen”

p1040396.JPG

Sicher nicht ganz unabsichtlich hat das Sonntagsblatt des Westfalen-Blattes die “Sonntagsfrage” nach der Unbelehrbarkeit der Banken neben das Milliarden-Loch im Sozialsystem gestellt. Schließlich hat Banksterversagen die “Krise” ausgelöst. Unser Freund und “Experte” Bernd Raffelhüschen – immer ganz schnell mit Kürzungen für Arbeitnehmer – fordert denn auch schon eine nochmalige Verschärfung der Schröderschen “Agenda 2010″. Vielleicht kollektive Sippenhaft? Oder Zwangsarbeit bei Wassersuppe, nachgemalztem Brot mit Analogkäse-Auflage? Niedlich, wollen doch Frau Merkel und ihre Union mit Steuersenkungen und staatlichen Mehrausgaben für Bildung und Forschung das Wirtschaftswachstum stützen. Ist ja auch kein Problem, behaupten doch die wohlfeilen Umfragen an jeder Ecke, die schwarzgelbe Truppe habe “die Wirtschaftskompetenz”. Was wohl eher mit Nostalgie und ewigem Gedenken an Ludwig Erhard zu tun hat. Der lebte aber in einer Zeit, als öffentliches Zigarrerauchen noch in Mode war und hatte ziemlich viel Ahnung, wie Wirtschaft und “Wohlstand für alle” funktionieren müssen.

Schönen Sonntag auch!

Nur Wasser und pure Natur :-)

p1040395.JPG

Was da wohl wirklich drin sein mag? (Aus einem Werbeflyer von Thomas Philipps/Postenvermarkter)