Bielefeld-Blog: Das Weblog von Bielefeldern für Bielefelder

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Apr '09

Biele fällt in Cottbus? Niemals

eilhoff.jpg

Auf diesem schon in die Jahre gekommenen Plakat mit der 1. Mannschaft von Arm. Bielefeld ist er noch zweiter Mann. Am Samstag tritt Eilhoff im “Stadion der Freundschaft” als Stammkeeper gegen Energie Cottbus im Spiel “um die Wurst” an. Die Lausitzer sprechen selbst auf ihrer Homepage vom “Abstiegskracher”. Dabei werden sogar Frauen und Kinder aufgeboten, die das Stadion für 5 € Eintritt füllen dürfen. Was für ein Gekreische, wenn jener Eilhoff den von Ervin Skela für FCC getretenen Elfer in der 79. hält und im Gegenzug ein gewisser Artur W. in der 89. Minute das entscheidende Tor für Arminia in den rotweißen Kasten setzt.

Dieser Satz auf der Homepage wird den Cotzbussern noch gehörig aufstoßen:

Die Ostertickets für Frauen und Kinder sind allerdings das einzige Ostergeschenk. Die Punkte sind gut versteckt, Arminia wird vergeblich suchen. Energie-Fans, seid dabei, wenn Biele fällt!

Es ist aber auch zu blöd

blodes-volk.jpg

Der römische Dichter Juvenal schuf einst den satirischen Begriff “Brot und Zirkusspiele”. Er kritisiert in dieser Satire das römische Volk, das in der Zeit der funktionierenden Republik die Macht an Feldherren verliehen und Beamte gewählt habe und sich jetzt ängstlich nur noch diese beiden Dinge wünsche: Brot und Spiele. Angesichts der gefüllten sonntäglichen Innenstadt und trotz in der vergangenen Woche wieder reichlichen Weltuntergangsschriften, Szenarien und entgegen aller Schönrednerei mißlungenen Gipfel liessen sich die Metropölcheneinwohner nicht am Flanieren auf chinesischem Granit hindern. Zu Wochenbeginn kommen jetzt aber die stärkeren Geschütze aus dem Graben. Allen voran Vlothos Kannegiesser, Präsident des Arbeitsgeberverbandes. Als seinerzeit der Aufschwung angeblich angekommen war und die Kassen der Arbeitgeber reichlichst füllte, mahnte er “moderate Lohnerhöhungen” an. Jetzt, wo angeblich alles zusammenbricht, die Wirtschaftsweisen ihr tiefstes Schwarz hervorholen, sollen die Mitarbeiter der Metallbranche gleich mal auf bereits vereinbarte Lohnerhöhungen verzichten.

Martin Kannegiesser muß aufpassen, daß sich nicht ein gewaltiger Stinkefinger über das kleine Vlotho legt und sein Betriebelchen unter sich begräbt.

Das war der wirkliche Gipfel

Besonders schlimm treibt es wieder einmal die Bundesregierung. Da erklärt die Bundeskanzlerin vor dem Gipfel in der Financial Times: „Die Krise ist nicht eingetreten, weil wir zu wenig ausgegeben haben, um Wachstum zu schaffen, sondern zu viel. In USA wurde der Geldumlauf zu sehr erhöht.” Und dann diese schier unglaublichen Worte: „Deutschland kann den Binnenverbrauch nicht zu Lasten des Exports steigern. Das ist nichts, was wir überhaupt ändern wollten. Wir wollen statt dessen versuchen, die Turbulenzen durchzusitzen und dabei nicht zu viel industrielle Kraft zu verlieren, so daß wir von dem Aufschwung profitieren, wenn er kommt”. Also ein klares „weiter wie bisher” mit den irrsinnigen Ungleichgewichten. Dazu der berechtigte Kommentar in der Financial Times vom letzten Samstag: „Offensichtlich soll der Rest der Welt einen Weg finden, die deutschen Überschüsse weiter zu absorbieren, aber bitte schön nach den Geboten der Nachhaltigkeit.”

Wenn Deutschland, China und Japan nicht bereit sind, ihre Binnenachfrage durch eine ausgeglichenere Verteilung der Einkommen anzuregen, dürfen sie nicht erwarten, daß die Defizitländer, wie die USA, dies durch noch mehr öffentliche Verschuldung kompensieren und so die Importe aus diesen drei Ländern weiter fördern. Diese deutsche Verweigerungshaltung grenzt schlicht an Unanständigkeit im internationalen Verkehr und wir die Krise noch erheblich verschärfen. Sie gleicht in der Bedeutung dem Hochfahren der Zollschranken in der ersten großen Depression der 30er Jahre. So langsam sickert durch, was die Welt wirklich von den schön geredeten Ergebnissen des G20-Gipfels zu halten hat. Aber unsere Chefökonomin wird den Weg schon weisen……

Quelle: “Informationsportal Globalisierung