Bielefeld-Blog: Das Weblog von Bielefeldern für Bielefelder

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März 2009
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Mo
30
Mrz '09

Die unwürdige Posse um Hermannslauf und Buch

Das Westfalen-Blatt kommentiert die Provinzposse um das Buch “Tödlicher Hermannslauf” und die Veranstalter des “Hermannslauf”:

Als kürzlich bekannt wurde, dass ein Sportverein gegen einen Buchtitel klagen wollte – hat da jemand laut gelacht? Diesem Impuls hätte man nachgeben können, aber das wäre falsch gewesen, denn die Angelegenheit ist nicht lustig. Sie ist peinlich. Sie ist gefährlich. Peinlich für jene, die die Justiz bemühen, weil sie glauben, zwei Wörter – »Tödlicher Hermannslauf« – könnten eine starke Leistung zerstören. Gefährlich aber wird dieses kindische Verhalten, sollte sich irgendwann der erste Richter auf die Seite solcher Kläger stellen. Dann wäre es vorbei mit der Freiheit der Kunst, dann könnte jeder Wichtigtuer des Schriftstellers Text ins Feuer werfen, dem Schauspieler einen Maulkorb anlegen und dem Maler den Pinsel aus der Hand schlagen. Die Begründung für den Klageverzicht macht nun die Affäre vollends zur Blamage: Man habe Gnade vor Recht ergehen lassen, weil der Verleger und die Autorin dem Sportereignis nicht hätten schaden wollen. Hat da etwa jemand – ernsthaft – etwas anderes geglaubt? Es heißt, die Läufer hätten gelassen auf den Titel reagiert, so dass sich die Klage erübrige. Das zeigt uns, dass der Funktionär vom aktiven Sportler noch viel lernen muss. Der Kulturschaffende aber, in unserer Gesellschaft ohnehin wie ein Paria behandelt, wischt sich den Angstschweiß von der Stirn. Das hätte ins Auge gehen können. Wir sind noch einmal davongekommen.

Richtig. Aber eines Tages ird es die Richter geben, die dem Kläger nachgeben. Vielleicht gehört er sogar dem veranstaltenden Verein an, fühlt sich von den Tausenden auf der Strecke gestört oder hat einfach am frühen Morgen was Unrechtes gegessen. Der Justiz in diesem Lande sind besonders in den letzten Jahren schon allerlei unglaubwürdige Urteile gelungen. Zuletzt der Fall “Gardasee-Klaus” oder die “1,30-Euro-Bon-Geschichte”. Oder, oder. Die Frage bleibt: Ist es überhaupt Recht, was geklagt wird, gerichtet wird oder einfach nur noch “Lust und Laune”?

Unbekannter Boeckstiegel

bockstiegel.jpg

Früher Boeckstiegel*. Jetzt erst entdeckt.

*(Tschuldigung. Eventuell wissen Sie nicht, wer Peter August Boeckstiegel war: Der kleinen Stadt Werther vor den Toren der gigantischen Metropole größter Sohn)

Das Schweigen der ICE-Achsen. “Aus” für Mehdorn

Heute schon am Hauptbahnhof gewesen? Kommen noch Züge an. Fahren noch welche ab? Werden noch Verbindungen ausgerufen? Kaum zu glauben, das alles auch ohne den genialsten, überheblichsten, großkotzigsten und neben den Bankstern bei der Unverfrorenheit in der Champions-League der Wirtschaftgauner spielenden kleinen Napoleon der Prellböcke gehen soll. Bahnchef Hartmut Mehdorn stürzt über den Daten-Skandal bei der Deutschen Bahn. Er habe dem Aufsichtsratsvorsitzenden des Konzerns die Auflösung seines Vertrages angeboten, sagte der 66-Jährige in Berlin. Er sehe zwar keine eigene Schuld in der Datenaffäre, wolle sich seiner Verantwortung als Konzernchef aber nicht entziehen, sagte er bei der Bilanz-Pressekonferenz des Unternehmens. Die sich überschlagenden Ereignisse um die Person Mehdorn überschatteten die Geschäftsbilanz der Deutschen Bahn, die der Konzernchef zuvor präsentierte.

Das Web. 2015

Wohin der politische Affentanz um das “Kinderpornographie und schreckliche Inhalte fördernde Internet” bei den ziemlich beschränkten Politamateuren in Berlin-Mitte führen könnte, hat der Blogger “Spiegelfechter” in einer beklemmenden Fiktion beschrieben. Wirklich lesenswert, zumal die handelnden Personen wie USA-Ausflügler zu Guttenzwerg, BLÖD-Diekmann, Antiporni-”Vorreiterin” (Ach, endlich ein gutes Thema für meinen Wahlkampf) “Keksröschen” von der Leyen (Warum versuche ich immer, “von der Laien” zu schreiben?) tatsächlich jeden Tag per Glotze präsent sind und ihr halbgares Geschwafel (“Die blonde Bush-Parodie) in die bereitwilligst hingehaltenen Mikros hämmern.

Was für ein unbeschreibliches Glück, das es Bielefeld nicht gibt. Man wird uns und unser Web hier nicht finden. “Google Earth” muß sich da die Weltkarten der verblichenen US-Regierung zu eigen gemacht haben, die ja auch Atombomben, Biowaffen und Chemische Waffen im Irak liegen sahen.

Massenhysterie um Abwrackerei

Stell Dir vor, der Staat “schenkt” Dir was, was er Dir hintenrum vorher per Steuererhöhung längst geklaut hat: Die Abwrackprämie.
Stell Dir weiter vor, der Staat – in Sachen IT/Internet nur fähig, wenns ums Bespitzeln geht – stellt das notwendige Formular ins Web, sorgt aber – Beamte können sowas nicht wissen – nicht dafür, genügend Serverpower bereit zu stellen.
Stell Dir vor, das Web bricht zusammen und Tausende Abwrackos kommen nicht zum Zuge.

Dann liest sich das so:

Die Abwrackprämie kann seit heute nur noch im Internet beantragt werden – zumindest theoretisch. Der Staat hat die Fördermittel aufgestockt, das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) hat seit heute morgen auf Online-Formulare umgestellt. Das Verfahren dürfte für viele aber zur Geduldsprobe werden: Aktuell ist die Seite der BAFA www.ump.bafa.de nicht oder nur schwer erreichbar – das Online-Formular lässt sich nur mit Mühe ausfüllen und abschicken.

Dieser Staat, bzw. seine bis zum Tode gut Versorgten, werden es niemals lernen, so zu arbeiten, wie das angesichts der kassierten Diäten/Bezüge/Pensionen zu erwarten wäre.

Die Abwrackprämie. Ein Paradebeispiel deutscher Hysterie.

Der “ärmere” Oetker wird 70

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Auszug aus dem Buch: “Die Oetkers”. Von Rüdiger Jungbluth.

Der Zufall will es, daß ich mich derzeit mit der Chronik der bekanntesten Bielefelder Dynastie beschäftige. Vieles aus dem Verhalten der Familie und ihrer Patriarchen spiegelt sich auch in der Metropole wider und hat sie zwischen Kleinkariertheit, Krämerseele, Nazihörigkeit und dann wieder Hamburger Weitläufigkeit und “großem Auftritt” im Jahrzehnte alten Frack geprägt. Stets aber schaute die ostwestfälische “Achottachott-Mentalität” durch die Knopflöcher. Darüber täuschen auch die Kilometerlang sich an der Bahnlinie vom Hauptbahnhof nach Brackwede hinziehenden zigfach mit Firmenlogos bepflasterten Bielefelder Firmengebäude nicht hinweg.

Einer aus der Dynastie, der – viele wissen es nicht – überhaupt nicht wirtschaftlich mit den Bielefeldern verbunden ist, heißt Arend Oetker und hat ein veritables Reich aufgebaut. Der Sohn von Rudolf-August Oetkers (Vater des jetzigen Firmenchefs August Oetker) Schwester Ursula macht heute neben “Marmelade” (Schwartau) auch in “Saatgut, Schiffahrt, Rohstoffhandel, Verpackung und Weiterbildung”. Engagements im BDI, Stifterverband und Auswärtiger Politik machten ihn bei Insidern bekannter als den aktuellen Bielefelder Firmenchef.

Arend Oetker wird heute 70 Jahre.

Sagt bloß nicht “Schnitzel” zu Schalke

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Am kommenden Abend des Freitag versinkt die Alm ja bekanntlich in Blau. Schalke ist da und möchte Arm. Bielefeld schlagen. Vorher aber haut der Rhedaer Billigstfleischhauer im viel zu großen Aufsichtsratssessel des russischen GAZ-Staatsclubs noch mal so richtig die Klöpse raus und blamiert sich und den Club im Minutentakt. Selbst Fußballheroen wie Lodda M. und ein gewisser Neururer, die neben dem unsterblichen Seppel Herberger locker bestehen können, wollen kein Veltins trinken. Angeblich soll nun ein Gaukler, Verzeihung Gaugler, die panierten Formfleischstücke in die Toaster werfen und “Kein Schnitzel” schreien. Im Gespräch als Trainer ist wohl auch Otto Rekhakel, jener Ehrengrieche, der die “eingesprungene Viererkette” erfunden hat.

Das, was man sonst meist von Arm. Bielefeld erwarten konnte, wenn das jährliche Saisonziel “1 Platz über dem Abstieg” verlustig zu gehen drohte, kommt nun aus der Stadt im Ruhrgebiet: 16 Jahre hat Gaugler Wacker Burghausen gegaukelt, ähm gemänätscht, bis die Dritte Liga gesichert war.

Könnte sich Schalkes Aufsichtsratsgaukler Tönnies auch vorstellen. Ist ja auch ein Ziel. Billigstfleischhauer Europas, Toprestepanierer Europas, da wird ein Name zum Programm “Tönnies”. Da steckt jede Menge “tönen” drin. Hohl tönen. Reicht aber nicht, um Schalke zu führen. Geld scheint hier tatsächlich den letzten Rest Verstand zu übertönniessen.

Sagt am Freitag bloß nicht “Schnitzel” zu Schalke. Wir freuen uns auf Arminias Sieg! Zecki, mach sie naß. Zeig Mädchen Kurany, wo das Nutella steht. Die haben ja nicht mal einen Trainer. Und auf die leere Haupttribüne legen wir ein formvollendetes paniertes “Toastie”.

“Leistung lohnt sich wieder”. Für Bankster.

In London fürchten die Banker um ihr Leben, und ein Professor, der hofft, dass die Demonstranten zum G20-Gipfel nur Pappbanker hängen, wurde vorsichtshalber suspendiert. Gott save the Banksters. Ob das bei uns auch so ist? – Ruft Peer Steinbrück jeden Morgen bei Josef Ackermann an und fragt, wieviel Milliarden er denn heute brauche, und fragt Angela Merkel mittags nach, ob auch alles in Ordnung sei. Aber wahrscheinlich haben die beiden und die anderen Minister Telefone ohne Mikrophon. Darüber erhalten sie von Ackermann, den Quandts, von Springer, Mohn-Bertelsmann und dem Rest des Großkapitals ihre Befehle. Nein, die brauchen kein Mikrophon! Widerspruch gibt es nicht, und auf Zustimmung können die wahren Herrscher in Deutschland verzichten.

“Duckhome” startet den Bankenmontag mit wahren Boshaftigkeiten. Lesenswert hier.

Potz Blitz

Weit über 100 Journalisten erwartet Opel zum Besuch von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel am Dienstag (31. März 2009) im Insignia-Werk in Rüsselsheim. Begleitet wird sie dabei vom hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch, Verteidigungsminister Franz Josef Jung sowie dem hessischen Wirtschaftsminister Dieter Posch. Mehr als 3000 Mitarbeiter wollen die Ansprachen von Angela Merkel und Roland Koch in einer Werkshalle verfolgen. Zunächst informieren sich die Kanzlerin und ihre Begleiter bei einem Rundgang durch die Insignia-Fertigung. Anschließend sprechen neben Merkel und Koch auch General Motors Europa-Präsident Carl-Peter Forster, Opel-Chef Hans Demant sowie der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Klaus Franz, vor den Mitarbeitern und geladenen Gästen. Forster unterstrich jetzt bereits im Vorfeld die Bedeutung des Besuchs: “Wir bedanken uns vor allem bei der Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel und Ministerpräsident Roland Koch, dass Sie die Gelegenheit wahrnehmen, sich persönlich ein Bild von Opel in Rüsselsheim zu machen, vom hohem Qualitätsniveau unserer Automobilproduktion und unserer technologischen Entwicklung”. … sagt eine Opel-Pressemitteilung über den morgigen Auftritt der Bundeskanzleuse. Sagte diese nicht vollmundig: “keine Staatshilfen für Ausnahmen”? Oder gilt das nicht, wenn Wahlkampf ist und Populismus angesagt? Wenn ich Opelaner wäre, würde ich mich mit dem Rücken zum Podium stellen. Sitzen werden sie nicht dürfen, wenn Templins begnadeteste Rouladenbraterin ihre Weisheiten zum Besten gibt und neben dem brutalstmöglichen Aufklärer, dem Koch der Köche, steht. Warum wirft der eigentlich nicht ein paar Milliarden aus den in Liechtenstein gebunkerten “jüdischen Vermächtnissen” auf die Insignia-Bänder? Insignia. “Insignia, powered bei CDU”. Die Räder aus Continental-Restbeständen sind doch schon tiefschwarz. Und die Sonderversion “Politheuchler” ist doch schnell gestylt. Ein bißchen Mitleid, ein Schuß Populismus, umrühren, Chromleisten dran. Fertig. Freuen wir uns auf Morgen. Bei Hagemann haben sie Breitwandschirme aufgestellt. Man kann also direkt zugucken, wie Opel zum Wahlkampfthema zwischen die Mühlsteine der Laberer gerät. US-Präses Obama watet derzeit noch auf gestapelten Opel-Patenten trocken über den Erie-See unweit Detroit.