Bielefeld-Blog: Das Weblog von Bielefeldern für Bielefelder

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März 2009
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Di
24
Mrz '09

Angepasst. Verdrängt. Hauptsache unscheinbar. Die deutsche Feigheit

Das alles wiederum machte der stalinhaft-klammheimlichen Kohl-Killerin Merkel Mut, und sie erklärte plötzlich immer öfter, immer lauter, immer schamloser: „Ich war keine Heldin. Ich habe mich angepasst.“ In einer Rezension von Jana Hensels Buch „Zonenkinder“, der traurigen Geschichte der lustigen Ostdeutschen im neuesten Deutschland, ging Angela Merkel sogar noch weiter. Sie machte aus ihrer Vergangenheit ihre und unsere Gegenwart. Sie schrieb, die stilbildenden Folgen dieses Satzes genau einkalkulierend, sie „halte die Regeln, die sich die Zonenkinder auferlegten, für absolut praktikabel: Nichts sagen, Mund halten, alles andere führt zu Chaos.“ Eine solche Extrem-Untertanin darf jetzt also das Drehbuch von sechzig Millionen westdeutschen Leben umschreiben.

Maxim Biller, FAZ.net

Das erinnert mich an einen Besuch aus Dresden. Nicht einmal sehr lange her. Zu DDR-Zeiten “innerer Widerstand”. Die von Dr. Merkel so glorifizierten Regeln “Nichts sagen, Mund halten, alles andere führt zum Chaos”. Sagte er damals. Sagt er heute. Perfekt. Sich aber aufgeigen über die “gemessen an Dresden mickrige Bielfelder Altstadt”, das brachte er fertig. In seiner inneren Nische verharrend hätte er das zu DDR-Zeiten wohl nicht gewagt, zu sagen. Da war die Frauenkirche ein angekokelter Steinhaufen, das Schloß ein Trümmerfeld und man wurde von mißmutigen Kellnern in die Schlange der “Sättungsbeilage” Erbittenden eingeteilt. Wer das Ganze letztlich gezahlt hat, hat er verdrängt. Daß Dresden sämtliche städtischen Wohnungen – mit Steuergeldern gebaut – an eine “Heuschrecke” verhökerte und plötzlich Schuldenfrei dastand, hat er verdrängt.

Deutsche Verdrängung. Ganz normaler Alltag heute.

So wischt die Regierung die Steueraugen

24. März 2009, 11:26 Uhr “mehr Netto” von baki
Die kleinen und mittleren Einkommen haben ein Plus
von 1 -15 EUR mehr im Geldbeutel monatlich – super!
Braucht ein 10.000 EUR Gehaltsempfänger wirklich ein
Steuergeschenk? Und hat man einmal hinterfragt, welcher
Aufwand betrieben werden muß, damit das “Steuergeschenk”
im März verteilt werden kann! Von den Kosten ganz zu
schweigen !!!

Das ist der Beitrag eines Foristen auf T-online (wird von BILD redaktionell gefüttert) auf diese Sensationsnachricht aus dem Dunstfeld der Regierung:

Deutsche Arbeitnehmer können sich ab März über mehr Nettolohn freuen. Denn die Reformen der Regierung beginnen zu wirken und kommen damit endlich bei den Bürgern an. Je nach Verdienst bekommen Arbeitnehmer im März bis zu 85 Euro mehr, wie aus einer Berechnung des IT-Dienstleisters Datev hervorgeht. Der Netto-Bonus ist eine direkte Folge des Konjunkturpakets der Regierung, das rückwirkend zum 1. Januar in Kraft getreten war, aber erst jetzt durch die Umstellung der Gehaltsprogramme zu wirken beginnt. Insgesamt werden die Steuerzahler so bis 2010 um 18 Milliarden Euro entlastet. In unserer großen Steuertabelle erfahren Sie, wie viel Sie im März einmalig mehr überwiesen bekommen – klicken Sie sich rein!

Was ich dann auch getan habe. Ergebnis: Millionen bekommen schlichtweg nichts oder können nichts geltend machen. Die Tabelle beginnt nämlich erst bei 1.800 € brutto. So sieht “Augenwischerei” aus.

Feinstaubhysterischer Regulierungswahn

feinstaubhysterie.jpg

Sie haben sich nun die Osterfeuer vorgenommen, die offensichtlich mit normalen Verwaltungsaufgaben nicht ausgelasteten Ärmelschonerträger im Schildaer Hauptamt. Eine neue “Osterfeuerverordung” zur Richtlinie 22 b, Absatz 22.1 in Ergänzung der Feuerverordnung von 1933, Kapitel 7 mit Modernisierung durch die Europäische Union am 22.3.1999 soll regeln, wie das moderne Osterfeuer in der Metropole auszusehen hat. Nicht zu hoch, von genau festgelegtem Kegeldurchmesser an der Basis und bloß nicht zuviel Grünschnitt von den Bürgern. MannoMann, was waren das noch für schöne Zeiten, als man – es gab noch keine Vorschrift 77.a in der Fassung 78.b mit Kommentar von 79.c – ohne Helm Fahrrad fahren konnte, Osterfeuer so hoch sein durften, wie die Bürger darauf seit Jahrhunderten Lust hatten, Gurken nicht staatlich vermessen und Bananen nicht im Gelbanteil festgelegt waren.

Uns Metropolisten könnte ja nach der OB-Wahl ein “brillianter” Verwaltungsfachmann drohen. Dann wird es nur noch zwei Osterfeuer geben. Eines, wenn das Rathaus angekockelt wird und eines, wenn die gigantisch nutzlos angewachsenen Vorschriftsakten von Bürgern angezündet werden, die die Schnauze von der Regulierungswut voll haben. In keinem Land der Erde übrigens wird soviel Rechtsliteratur gedruckt. Deutschland bestreitet 60% des Weltaufkommens an derartiger Festlegungs – DrangsalierungsVerurteilungs_Kommentar-Literatur. Juristen mit erstem und zweitem Staatsexamen sind darauf sicher stolz. Aber die erleben ja auch einen inneren Reichsparteitag, wenn wieder neue Gesetze auf den Markt geworfen werden. Sichert ihre Jobs.

Noch mehr Schrott

Die Bundesregierung will die bislang auf 1,5 Milliarden Euro begrenzte Fördersumme für die staatliche Abwrackprämie um bis zu eine Milliarde Euro aufstocken. Das erfuhr die in Düsseldorf erscheinende “Rheinische Post” (heutige Ausgabe) aus Regierungskreisen. Es gebe eine “ressortübergreifende Einigung” darüber, dass die konjunkturstützende Maßnahme für die kriselnde Autoindustrie verlängert werde, sollte der Fördertopf, wie von Automobilverbänden erwartet, bis Ostern ausgeschöpft sein, zitiert die Zeitung ein Regierungsmitglied. Die Verlängerung der “Umweltprämie” könnte im Koalitionsausschuss nach Ostern beschlossen werden. Sowohl Kanzleramt als auch das Auswärtige Amt und die beteiligten Ministerien für Finanzen und Wirtschaft haben demnach ihr
Einverständnis gegeben.

Mehr als “weiter abwracken” fällt ihnen also nicht ein?

Wem wirft der Fleischhauer nun den Schalke-Knochen zu?

fleischhauerknochen.jpg

“Draußen vor der mittelgroßen Stadt stehen sich die Zeilenschinder die Füße platt”. Es gibt was zu erwarten auf Skandal-Schalke. Der Rhedaer Billigstfleischhauer und Toaster-Einsauer an der Spitze des Aufsichtsrates gefällt sich sichtlich in der Rolle des großen Schalke-Dompteurs. Nun soll also Trainer Rutten den Kopf hinhalten. Die kleinen Zeilenschinder und aufgeregt-ins-Mikro-Huster haben schon Griffel und Mikrofonie gespitzt und belagern die Vereinsbutze der GAZProm-Kicker.

Merkt eigentlich keiner, wer gehen müßte? Tut den Tönnies und seinen Nikotin hustenden Marionetten-Präsidenten Schnusenberg weg und stellt da ein paar hin, die wirklich noch Schalke 04 im Hintern haben und königsblaue Lieder auswendig können. Dann wirds auch was mit dem Schalker “Greisel”. Wo wir schon Fußball am Wickel haben, schnell noch wat zu Amminnia. Da barmt man wieder ob des fehlenden Geldes. Nicht einmal begabte Zweitligakicker wollen in die geduckte Metropole unter der Sparrenburg. Klar, wer hat schon große Lust, jedes Jahr vor prächtiger, halbleerer Haupttribüne seinen Arsch für jenen Platz hinzuhalten, der als “Saisonziel” ausgegeben ist: einer über dem Abstieg.

Hoch die Tassen

Nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) haben im Jahr 2008 in Deutschland ansässige Unternehmen 340,0 Millionen Liter Schaumwein abgesetzt, das waren 1,7% mehr als im Vorjahr. Der Absatz berücksichtigt sowohl die im Inland produzierten Schaumweine als auch die importierten ausländischen Produkte (zum Beispiel Champagner).

Und wie ist es mit Volkes Mund? Heißt es da nicht: “Wer Sorgen hat, hat auch Likör”? Übrigens: In diesem Markt mischt die Bielefelder Oetker-Gruppe kräftig mit. Bitteschön:

Henkell & Co. Sektkellerei KG, Wiesbaden Söhnlein Rheingold Sektkellerei GmbH, Wiesbaden Fürst von Metternich Sektkellerei GmbH, Johannisberg Deinhard KG, Koblenz Kupferberg Sektkellerei GmbH, Mainz Kurpfalz Sektkellerei AG, Speyer JWG Johannisberger Weinvertrieb KG, Schloss Johannisberg Gorbatschow Wodka KG, Berlin Scharlachberg Weinbrennerei GmbH, Bingen

Na dann: Skål!

Ausgerechnet Commerzbank

horroridiotie.jpg

Wenn man die Aufmacherzeile stürzt, also von oben nach unten oder umgekehrt laufen läßt, liebe NW, könnte man mit fast doppelt so großen Buchstaben aufmachen. Dann liefe dem einen oder anderen Leser noch mehr Schauer über den Rücken, wenn ausgerechnet eine der wohl schlechtesten Banken, die es gibt, die Commerzbank, von “Minus 7 Prozent Wirtschaftswachstum” unkt. Das wäre so, wie wenn ein Pleitier anderen erklärt, wie man vernünftig mit Geld umgeht. Diese Unken sind es im Verein mit unseren fatal fähigen Politikern, die herbeireden und herbeischreiben, was denn doch bloß mal endlich kommen solle. Menetekel um Menetekel jagt durch den Blätterwald, jeder gibt gefragt oder ungefragt seinen Senf dazu. Hochzeit der Kaffeesatzrührer.

In den vergangenen 14 Tagen waren wir häufig auswärts essen. Ob hier in der Metropole, im Speckgürtel oder in Bayern. Kein Restaurant war nicht gut bis sehr gut besetzt. In keinem Restaurant saßen Gäste in Dr.-Murkel-Habitus (Hängende Mundwinkel und Menetekel-Blick). Überall wurde gelacht, gescherzt und gut und viel gegessen und getrunken. Man sollte den virtuellen Spaten heben und die prognostizierenden Unken von den einschlägigen Instituten erschlagen. Die nämlich haben noch vor 5 Monaten “blühende Landschaften und Aufschwung, der ankommt”, an die Plakatwände geschlagen. Welche Methodik steckt hinter der aufbauschenden Panikmache?

Viel schlimmer ist, wenn das Basislager an feinen Täfelchen leer ist und das dann so aussieht:

basislager-leer.jpg

Aber das ist Euch ja nicht schreibenswert.