Bielefeld-Blog: Das Weblog von Bielefeldern für Bielefelder

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März 2009
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Do
12
Mrz '09

Warum hält Stadtverwaltung nicht die Klappe?

Zurzeit sind verschiedene Beträge für die Kosten der Kommunalwahl öffentlich im Umlauf. Deshalb stellt das Wahlamt jetzt erneut die Kostenkalkulation vor. Danach kommen für die separate Kommunalwahl am 30. August auf die Stadt Bielefeld zusätzliche Kosten in Höhe von rund 203.000 Euro zu. Nach Angaben von Gerd Herjürgen, Leiter des Wahlteams, erhöhen sich bei einem gesonderten Wahltermin die Sachkosten um 163.000 Euro, die Personalkosten um 40.000 Euro, welche bei einer verbundenen Wahl eingespart werden könnten. Pressemeldung Stadt Bielefeld.

Das hättet Ihr gern in der Verwaltung an der Niedernstraße. Wenn aber Ziel der Mehrheit bzw. Entscheidung von Gerichten ist, es so nicht zuzulassen, dann haltet einfach die Klappe. Und hört einfach auf, von “Einsparungen” zu quacken. Die Chancen dazu seht ihr doch ohnehin nicht. Wem untersteht das Wahlamt? Dem “brillianten” Verwaltungsfachmann?

Arvatoisch und Gilde(un)meisterlich

its-rain-again.jpg

Welch eine Tristess in der gewaltigen Metropole an den Ufern der reißenden Lutter. Schnürlregen vom Feinsten begleitet die Fahrt vom Südwesten in den hohen Jürmker Norden und zurück. Die Ampel am Süring springt auf “rot”. Ich halte und schlage mir mit der flachen Hand an die Stirn. Die junge Dame nebenan im neuen Opel Agila schaut konsterniert zu mir herüber. Wie sollte ich ihr Gebärdensprachtauglich vermitteln, daß ich jetzt per WDR 2 über 1,5 Stunden einer Winnenden-Gehirnwäsche in Sachen Amoklauf unterzogen worden war? Alle, wirklich alle, kamen sie zu Wort. Die sich selbst ins Spiel bringenden Psychologen, die Winnender Metschgermeister “Isch konnt kaum abbeite….”, die Wichtigen, die völlig Unwichtigen einschließlich der Politiker. Irgend ein wachmännisch Tätiger – den Firmennamen nannte er, ich hab ihn aber vergessen – brachte die Variante ins Spiel, die man “Arvatoisch” nennt. Erfunden vom Bertelsmann-Tochterunternehmen Arvato in Gütersloh, das ja bis zum Nato-Waffentransport für Kohle alles macht: Alle Schulen einzäunen, perfekte Zugangskontrolle per – bei Arvato gedruckter und verwalteter – Codekarte und zentrale Erfassung aller Schüler bei Arvato (der wußte wohl noch nicht, daß das alles schon per Datenabgleichung mit Teledumm, Schäuble-Ministerium und Mehbahn passiert ist). Kontrollieren würde der Typ im Radio das Ganze dann im nachtblauen Aufseherdreß mit großem, verschlungenem “A” (nein, wo denken Sie hin, nicht “Arschloch”) auf der rechten Brustseite. Aussehen könnte das Schulkonstrukt der Zukunft nach einem Entwurf der Architekten der Arminia-Haupttribüne grob skizziert in etwa so:

schulen-hinter-gittern.jpg

Dann entließ man mich in den Westdeutschen Rundfunkswerbeblog. Die anschließenden Nachrichten Winnenden von vorne bis fast hinten, bis der Name unseres Bielefelder Werkzeugmaschinenkonzerns fiel. “Gildemeister entläßt 800 Mitarbeiter, darunter 500 Zeitarbeiter”. Ah ja. Alle über Bord. Von Clement so genial eingeführte Zeitarbeiter natürlich zuerst. War bei den Gildemeisters nicht erst kürzlich “Happy Aufruhr” ob der Superzahlen und zu suchender Neueinstellbarer? Wie schnell das alles heutzutage geht. Krise beflügelt eben. Man braucht sich damit noch nicht einnmal mehr viertelherzig rechtfertigen. Alles andere regelt die ARGE.

Ich drückte dem Radio den Ausknopf. Es reichte. Es regnete immer noch. Selbst im Südwesten der gigantischen Stadtlandschaft am Teutoburger Wald.

Der nächste Phrasen-Chef bläst ins Posthorn: “Roadmap to Value”

Wer einen Mann wie Appel hat, ebenso wie Vorgänger Klaus “Steuerkürzer” Zumwinkel ehemaliger McKinsey-Mann, der weiß: Jetzt wird gequatscht, was das Zeug hält und mal wieder umgekrempelt. Ergebnis danach: Wie immer. Nur anders. So sind sie die Beraterchen. Die Börsenzeitung nimmt uns so richtig den Spaß, wenn demnächst die gelben Wägelchen unsere Briefe und Pakete auf der neuen “Roadmap to Value” nicht mehr pünktlich anliefern:

“First Choice”, “Roadmap to Value”, “IndEx”, “Every One Counts” – es ist allerhand, was sich die Deutsche Post so alles an Programmen ausdenkt. Und die genannten Initiativen sind nur einige aus der Vielzahl von Aktivitäten der Bonner auf diesem Gebiet.
Jetzt will der seit einem Jahr amtierende Vorstandschef Frank Appel auch noch mit nichts weniger als einer “Kulturrevolution” punkten. Vollmundig hat er die Strategie 2015 auf einem “Event” in Bonn präsentiert.

Doch der Berg kreißte und gebar eine Maus: Jede Menge Berater-Kauderwelsch für Anspruch, Leitbild und Kundenversprechen
sind herausgekommen. Das greifbare Resultat des Konzerns, der bekannt ist für das exzessive Anheuern von Beratern, ist eine Namensänderung; aus der Deutschen Post mit dem unschönen Zusatz “World Net” wird künftig “Deutsche Post DHL”. Da werden sich Kunden, Beschäftigte und Investoren aber freuen, deren Wohl der ehemalige McKinsey-Manager entdeckt und bei denen er ein unverwechselbares Profil gewinnen möchte.

Der “neue” Name soll die beiden Säulen symbolisieren, auf denen der Konzern inzwischen steht: Brief und Logistik, Tradition und
Zukunft, Cash-flow und – nach dem Ende der Krise hoffentlich – Wachstum. Appel weiß, das Briefgeschäft, das die (Porto-)Kasse füllt, war nie so wertvoll wie heute. Die Postbank hat keine Zukunft mehr unter dem Post-Dach; das Abenteuer DHL-Amerika mit horrenden Verlusten ist weitgehend abgearbeitet. Die Folgen tragen die Aktionäre mit Milliarden-Fehlbetrag und Dividendenkürzung. Der Kurs liegt nahe dem erst jüngst markierten Allzeittief, das Papier hat sich 2008 deutlich schlechter entwickelt als die Aktien der Rivalen TNT, UPS und Fedex, und der Marktwert sank auf 9 Mrd. Euro.

Das Motto “Wir kaufen nix” hat Appel nach der milliardenschweren Einkaufstour seines Vorgängers Klaus Zumwinkel längst ausgegeben. Zu recht. Auch jetzt will er nicht antizyklisch zu gesunkenen Bewertungen akquirieren, sondern Bares horten und neue Schulden vermeiden. Und das ist auch angebracht. Appel will Komplexität aus der Gruppe herausnehmen, die damit effizienter und kostengünstiger werden soll. So einfach ist das. Ganz simpel bewegt sich der Konzern heute fast wieder dort, wo die Bundespost früher war: beim Brief als Cash-cow. Doch heute gibt es, anders als damals, E-Mails.

Wann fährt endlich mal jemand diesen unsäglichen Quatschern, Umbauern und Theoretikern so richtig in die Parade? Bisher hat keiner dieser Nadelstreifenvögel bewiesen, daß seinen hohlen Phrasen wirkliche positive Taten folgen. Außer, daß sie ihre eigenen Taschen prall füllen.

Welcher Moses wird das Wasser queren?

obersee2.jpg

Das wird ein großes Weihnachten 2009 am größten See der kleinen Weltmetropole. Der Obersee soll zum Feste geteilt sein. Bis dahin ist ja ein neues Stadtoberhaupt erkoren. Schade. Ich hätte zu gern David als Moses das Wasser teilen sehen. So müssen wir warten, ob es ein Landgraf, ein Clausen oder Marianne sein wird. Oder jemand vom gelben neoliberalen Ufer, will die FDP doch eventuell auch noch einen KandiatenIn ins Rennen schicken. Die Miterfinder der gegenwärtigen Finanzscheiße meinen ja, überall jetzt mitreden zu müssen. Wenn es nicht klappt, kann ja stellvertretend Guido Westerwelle mit eingefräster “18″ unter den Sohlen mitlaufen.

(K)ein Wort zu Winnenden

Nö, ich reihe mich jetzt nicht in die Tausendschaften ein, die das schreckliche Ereignis in der Baden-Württembergischen Kleinstadt kommentieren, analysieren, immer schon “alles besser wußten”, verbieten und vorauseilend abstrafen wollen. Ich werde auch die sage und schreibe drei Extraseiten in den heimischen Gazetten nicht lesen.

Es sei einfach zitiert, was ich in einem Kommentar des Westfalen-Blattes fand:

»Kein Jugendlicher darf in Parallelwelten flüchten. Wir müssen Kinder und Jugendliche stark machen, damit sie in der realen Welt klarkommen«, sagte Kerstin Griese (SPD), Vorsitzende des Bundestags-Familienausschusses. Dazu bedarf es großen Rückhalts. In der Schule, die Kinder nicht nur mit Lehrstoff füttern darf, sondern sie zu Persönlichkeiten reifen lassen muss. In der Familie, die spüren muss, wenn Frust und Verzweiflung bei einem Heranwachsenden unerträglich werden. Wir müssen uns um unsere Kinder kümmern: Das ist die Lehre aus Winnenden.

Eben. Und da sieht man eher nichts. Außer hirnlosem Tam-Tam, gierigen Managern und Bankstern, heillos überforderten Politikern, Berufsbetroffenen, Salbadern, TV-Medien, die man besser ausschaltet und Print, der grade mal zum Auslegen des Fußbodens bei der Renovierung taugt. Vorbilder? Vom Medienhype gemachte Ministernchen a la Heidi K. oder “Superstars” mit Tagesverfall –
datum. Oder ganz neu: Ministerkopien mit selbstgebastelter “Wirtschafts”erfahrung in Unternehmen, die sich vehement dagegen wehren, in den Topf geworfen zu werden. Legt die Streichhölzer an BILD.