Berlin. Ende Januar ermöglichte das Jugendmedienzentrum (JMZ) 100 Nachwuchsjournalisten, Bundesministerin Ulla Schmidt zur aktuellen Gesundheitspolitik zu befragen.
Schon das Einladungsschreiben der Gesundheitsministerin in der Broschüre des Jugendmedienzentrums machte deutlich, in welche Richtung der Jugendpressetag in Berlin gehen würde. Neben Lobeshymnen über die eigene Politik und den großartigen Gesundheitsfond erklärte Frau Schmidt hier gleich in zwei Sätzen hintereinander, dass sie sich sehr freue mit uns zu diskutieren. „Wir“ waren in diesem Fall engagierte Nachwuchsjournalisten, die scheinbar interessierter waren als die Gesundheitsministerin erwartet hatte. Vor allem jedoch kritischer.
Freundlich, aufgeschlossen und mit einem Hauch von Arroganz betrat Ulla Schmidt die Rednerbühne und begrüßte 100 junge Menschen, die mehr Fragen hatten als die eine Stunde zuließ. Was für eine unglaubliche Chance, dachten wir noch und hofften unseren Wissensdurst mit eloquenten Antworten der Ministerin stillen zu können. Eloquent waren ihre Antworten. Durst löschen konnte der Kaffe im Anschluss jedoch besser.
Mit Hilfe diverser Artikel, Internetseiten und Gesprächen mit Ärzten hatten wir uns vorbereitet. Eine Woche lang war der Gesundheitsfond das dominierende Thema in unseren Köpfen, und dann speiste man uns mit vorgefertigten Floskeln und empörungswerten „Totschlagantworten“ ab. So hörten wir mehrmals, dass von uns zitierte Umfragen, Statistiken oder Interviews so gar nicht existierten aber auch für den Kommentar „Ich bezweifle, dass Privatpatienten eine bessere Behandlung bekommen als gesetzlich Versicherte“ war sich die Politikern nicht zu schade. Da lässt sich nur vermuten, dass sie es als Privatversicherte einfach nicht besser weiß.
Weder auf die Frage inwiefern es fair ist, dass nun die Allgemeinheit dafür zahlen muss, wenn der einzelne raucht, noch wie sich die Zuzahlung von einem Prozent des Gehalts aber fünf Prozent der Behandlung errechnen lässt, gab es eine Antwort. Dafür vermittelte Ulla Schmidt uns das Gefühl uns nich ernst zu nehmen. Zu der Festestellung, dass Krankenkassen bereits hausärztliche Gutachten zu beeinflussen versuchen, um mehr Geld für ihre Patienten zu bekommen äußerte sie nur, dass Verbrechen bestraft würden.
So wenig befriedigend wie der Auftritt der Gesundheitsministerin war, so einmalig war jedoch die Möglichkeit, die das JMZ uns bot. Als jugendlicher Nachwuchsredakteur direkte Fragen an ranghohe PolitikerInnen stellen zu dürfen ist ein Highlight jeder Schülerzeitungskarriere. Nur wenige haben die Möglichkeit, so hautnah in den tatsächlichen Alltag eines Journalisten rein zu schnuppern. Auch der anschließende Rundgang durch das Robert-Koch-Institut war etwas Besonderes. Naturwissenschaftler der zentralen Einrichtung der Bundesregierung informierten über Methoden der Krankheitsprävention und gewährten einen Einblick in ihre Labore.
Zurückblickend war der Jugendmedientag wieder einmal eine gelungene Veranstaltung des JMZ und ein typischer Fall politischer Wahrheit.








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