Das Ding namens “Eventcenter” nahe der Weberschen Tennisarena in Halle liegt dick und bräsig weiß in der ostwestfälischen Landschaft. Da tritt dann schon mal Dudelheini Silbereisen mit seiner sibirischen Helene auf und geigen andere Barden der seichten Kunst ihre Liedchen. Schön ist das Ding nicht. Aber es wird seinen leckeren Deckungsbeitrag zur Weberschen Kostenrechnung leisten. Was man alles so auf der Basis von Klamotten anstellen kann. Clever, der “Schneider von Halle”. Offensichtlich hatte er nie Besuch von den Lehman-Brothers.
Autoren gesucht - jetzt mitbloggen über deine Stadt!
Das Institut der Deutschen Wirtschaft, bezahlte Meinungsmacher aus Köln, hat unsere heimische Demoskopiefabrik TNS Emnid mal wieder was abfragen lassen. Hier die Pressemeldung, die offensichtlich vom ganz großen Mist ablenken und ein bißchen “Empörung” erzeugen soll. Abgesehen dabvon, daß wohl kein klar denkender Mensch einem Interviewer sagen würde, wann er wen wofür “schwarz” beschäftigt:
Jeder dritte Deutsche lässt schwarz arbeiten
Die Nachfrage nach Haushaltshilfen steigt und steigt – doch die meisten Deutschen beschäftigen Putz- und Bügelhilfen schwarz. Fast jeder Dritte hat einer Studie zufolge im Jahr 2007 Schwarzarbeiter beschäftigt und im Schnitt rund 1000 Euro bezahlt. Ein schlechtes Gewissen hat kaum jemand.
Schwarzarbeit ist in deutschen Haushalten weit verbreitet. Das ergab eine am Dienstag veröffentlichte Umfrage von TNS-Emnid für das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Vor allem Handwerker werden demnach gerne schwarz beschäftigt – ihr Anteil an der Schwarzarbeit machte im Jahr 2007 19 Prozent aus. Aber auch die Kosten für Kinderbetreuung, Gartenarbeit, Bügelservice oder Putzhilfen werden häufig am Finanzamt vorbei abgerechnet – ihr Anteil: 16 Prozent. Im Schnitt zahlte jeder dritte Deutsche den illegal Beschäftigten übers Jahr gerechnet 1000 Euro.
Allein die Überschrift zu der Meldung der bezahlten Salbader und Kaffeesatzleser ist angesichts dessen, was zur Zeit in Banken, Industrie und Politik abgeht, unverschämt. Da werden Milliarden um Milliarden versenkt, der Staat immer mehr in die jahrzehntelang wirkenden Verbindlichkeiten getrieben und dann kommt diese Mischpoke mit “Schwarzarbeit”? Nennen wir es einfach mal “Notwehr”, dann wird ein Schuh daraus.
Diese Mietmäuler vom Institut der Deutschen Wirtschaft veröffentlichten noch am 24.4. 2008 diese Prognose:
Vor diesem Hintergrund erwartet das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) in seiner Frühjahrsprognose – wie bereits im vorigen Herbst – zwar für die Bundesrepublik ein geringeres Wachstumstempo als 2007, schließt eine Rezession aber derzeit aus (Tableau): Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird 2008 voraussichtlich um 1,7 Prozent zulegen, für das kommende Jahr kann noch mit einem Plus von 1,4 Prozent gerechnet werden.
Pfffffffffffffffffft. Soviel zum Thema “Experten”. Geht mir fort!
Blöder Karnevalsdienstag. Keiner kümmert sich richtig um mich. Alle gruscheln sie an irgendwas rum. Draußen scheint die Sonne. Gut, daß ich (noch) nicht lesen kann. Mir würden sonst wohl die Haare zu Berge stehen. Sagt Herrchen immer. Nicht mal auf die Sparrenburg will er mit mir gehen.
Die Bundestrainerin lobte auch die hervorragenden Bedingungen im Quartier in Marienfeld und freute sich, in Bielefeld spielen zu dürfen. „Hier könnten wir öfters spielen”, freute sich die 44-jährige.
DFB-Bundestrainerin Silvia Neid heute auf der Pressekonferenz in Marienfeld zum morgigen Länderspiel (16 Uhr) gegen China. Ja, so ein Zweitligataugliches Stadion, das hat schon was. Auch wenn es garantiert nicht ausverkauft sein wird. Das möchte man bei Hausherr Arm. Bielefeld wahrscheinlich auch nicht. Bei ausverkaufter neuer Osttribüne würden ja auch die schönen blauen und bei Regen naß werdenden Sitzchen verdeckt. Die “besten Plätze der Stadt” sind ohnehin weiter oben und mit Kaviarschnittchen verbunden.
Im Jahr 2008 wurden in Deutschland nach Mitteilung des Statistischen Bundesamtes (Destatis) 87,9 Millionen Hektoliter Bier konsumiert; diese Menge schließt auch Biermischungen, aber nicht alkoholfreies Bier und Malztrunk ein. Auch wenn nicht
jede/r Bier trinkt und manche umso mehr – rein rechnerisch ergibt sich daraus ein durchschnittlicher jährlicher Verbrauch von 123,9
Liter Bier je potenziellem Biertrinker (Personen im Alter von 15 Jahren und älter). Diese Menge entspricht etwa einer kleinen Flasche Bier oder exakt 0,34 Liter pro Tag. Der Inlandsverbrauch errechnet sich aus dem versteuerten Absatz, in dem auch die importierten ausländischen Biere enthalten sind, zuzüglich Bier, das von Brauereien unentgeltlich als Haustrunk an Ihre Angestellten abgegeben wird. Exporte sind im Inlandsverbrauch nicht enthalten.
Ich bekenne: das letzte Bier war ein 0,3l-Radeberger. Im Januar. Danach nichts mehr. Und bei Ihnen?
Die Berliner Kassiererin “Emmely”, die Pfandbons im Wert von 1,30 Euro unterschlagen haben soll und deshalb gekündigt wurde, hat den Rechtsstreit auch in zweiter Instanz verloren. Das Landesarbeitsgericht erklärte die fristlose Kündigung durch ihren Arbeitgeber heute für wirksam. Es seien alle Voraussetzungen für eine Verdachtskündigung erfüllt, urteilten die Richter. Damit bestätigten sie die Vorinstanz. Der Fall hatte über die Grenzen Berlins hinaus Schlagzeilen gemacht, weil die Kassiererin Barbara E. und Gewerkschafter dem Unternehmen vorwarfen, den Vorfall als Grund für die Kündigung nur vorzuschieben.
Ich habe ja immer gesagt, die Justiz sei die einzig verläßliche, gerechte Größe in diesem Land. Urteile werden ausgewürfelt, drohende Gefängnisstrafen per Verschlafen des Termins in Geldstrafen korrigiert, aufgeweckte Staatsanwälte weggemobbt oder strafversetzt. Und manchmal fliegt eben auch jemand wegen lumpiger 1,30 €. Was gäbe ich darum, mit der Faust dreinschlagen zu können, diese perverse Mischpoke bei den Haaren zu greifen und mit der Nase im Mist auf das hinzuweisen, was derzeit im Banksterunwesen gang und gäbe und von “ganz oben” sogar gedeckt ist: Gauner in Nadelstreifen, Bescheisser, Betrüger ohne Charakter. Schon einen angeklagt gesehen? Eben. Bei 1,30 € wäre das wohl eher passiert als bei X Milliarden. Vielleicht können Steinbrück und Dr. Murkel aber auch nur nicht bis drei zählen.
Sollte die gelbe neoliberale Gefahr des Guido Westerwelle samt ihren Niebels, Brüderles und vorbestraften Ex-Ministern im Herbst mit an die Macht kommen, ist sogar noch eine Steigerung drin. Wer mit seiner Denke “18% Freibier für alle und für Wenige das Meiste” die komplette Weltwirtschaft fast aushebelt, den lieben die Leute und wählen eine solche Partei. Siehe Hessen.
Wer da meint, hiesige Richter an Amts – und Langricht würden derlei Urteile “Im Namen des Volkes” nicht sprechen, darf sich gerne einmal die Entscheidungen aus 2008 anschauen. So viel Holz können sämtliche Pferde Ostwestfalens gar nicht kotzen, wie da rumliegt. Die Damen und Herren im schwarzen Talar mit den Binden vor den Augen steigen einfach drüber.
Ach ja: Unsere extrem intelligente Bundesregierung unter Dr. Murkel denkt grad darüber nach, Opel einen “Schnellkredit” zu geben. Und das vor dem Hintergrund des “Rekordabsatzes und besten Monats seit 5 Jahren”. GM hat Hochstirn Steinbrück schon mal die Kontoverbindung bei der Citybank Detroit gefaxt. Bei Lehman hat so ein Manöver trotz bekannt gewordener Insolvenz ja auch in der KfW geklappt. Konsequenzen? Siehe weiter oben unter “Richter”. Bitte aufpassen, meldet Radio Bielefeld soeben. Oben am Niederwall kotzt grad wieder ein Pferd Holz.
Zum Start der Online Lernplattform scoyo setzt fischerAppelt, furore das Bertelsmann Tochterunternehmen mit einer
umfassenden Kampagne in Szene. Unter dem Claim “Mach dich schlau.”, soll das Lernportal bei Eltern sowie Schülern der Klassen eins bis sieben bekannt gemacht werden. Dazu wird es ab April neben Print-Motiven auch verschiedene Online- sowie Below the Line Maßnahmen geben. “Als interaktives Lernportal verbindet scoyo auf einzigartige Weise Lehrinhalte mit Unterhaltung. Wir freuen uns sehr, dieses innovative Format mit einer Kampagne unterstützen zu können”, so Tobias Schlösser, Geschäftsführer von fischerAppelt, furore. Die Agentur hatte sich Ende 2008 in einem mehrstufigen Pitch als Lead-Agentur durchgesetzt.
Neben der Werbung zeichnet sich fischerAppelt auch für die PR von scoyo verantwortlich. Diese wird vom Münchener Standort der
Agenturgruppe betreut, der auf eine langjährige Erfahrung in der Marken-PR für die Bereiche Education & Entertainment mit Kunden wie Lego und Disney zurückblicken kann. Aus einer Pressemeldung der für ihre Arroganz sehr beliebten Hamburger Werbe- und PR-Butze.
Schön, wie man sich – reichlich honoriert – für die “Ziele” der Gütersloher Bertelsmann-Krakentochter für 19,99 €/Monat begeistern kann. Kaufen Sie Ihrem Kind lieber für 19,99 €/Monat eine Kiste Äpfel. Der Schritt hin zu Reinhard Mohns beschissenem “Quartals-Vorschlagsband” aus dem hauseigenen “Buchclub” ist vorprogrammiert.
Also Freunde, Ihr müsst jetzt sehr tapfer und stark sein. Ab sofort liest Wolfgang “Stasi 2.0″ Schäuble auch im Bielefeld-Blog mit. Und das kommt so: Obwohl CDU/CSU nach der Wende lecker mit sogenannten “Blockflöten” aus ehemaligen Blockparteien angereichert wurden, ist die “Die Linke” im Visier des Verfassungsschutzes, weil sie angeblich “Nachfolgerin der SED” sei. Ach ja, seufz. Wie Agitation und Agitprop in einer angeblichen Demokratie geht, führt uns ja grad Ex-FDJ-Sekretärin und mutmaßliche “IM Erika” Dr. Angela Murkel im siffigen Polit-Berlin mit ihrem Weg in den Staatskapitalismus vor. Banken – staatlich. Opel – staatlich. Schaeffler – staatlich. Passt zwar alles nicht zu dem, was die Union und die FDP jahrzehntelang gepredigt und die Splitterpartei SPD schließlich mit den Grünen im Boot unter GAZgerd so ganz gegen ihre eigentliche Wählerklientel vollendete, aber lassen wir das mal so stehen. Wir wissen ja alle noch, was aus der populistischen “Rettung” des damaligen Holzmann-Konzerns in Franfurt durch den lippischen Gummistiefler wurde.
“Die Linke” hat im Gegensatz zu “staatstragenden” Parteien eine aktuelle Website. Unter “Sonntag, 22. Februar 2009″ prangt der Eintrag, der Bielefelder interessiert und worüber man in den Holzmedien der Metropole eher rudimentär liest (“Bähh, Linkspartei, bäähh. Ab in die Schmuddelecke”):
Bürgerbegehren in Sachen Stadtbibliothek
Einfach mal lesen. Und das sei den hochtrabenden und in den letzten Jahren so katastrophal versagenden Staatsparteien mal ins Stammbuch geschrieben: Wer zu doof ist, die rechte NPD zu verbieten oder es eventuell auch gar nicht will, der soll das Maul über Andere halten. Auf dem rechten Auge ist die “bürgerliche Mitte” traditionell ziemlich blind. Das, was wir gegenwärtig als “Krise” im Finanzwesen und zunehmend der Realwirtschaft präsentiert bekommen, hat sehr viel mit der Politik der CDU/CSU/FDP/SPD/Grünen zu tun. Hier in Bielefeld ist es an der Zeit, die Schnarchnasen aufzumischen. “Hundert Jahre Kesselbrink wie er sich heute präsentiert” ist zum Beispiel kein erstrebenswertes Ziel.
2000 Jahre ist sie her, die Varus-Schlacht, als Hermann der Cherusker die stolzen Römer hier stoppte. Mythen und Sagen ranken sich um Ort und Tat. Aber ein tapferer Bielefelder Lehrender (ob er persönlich dabei war, läßt er offen) namens Jürgen Buchmann
hat in seinem noch unveröffentlichten Buch “Helden. Geschichten aus OWL” die Briefe des Quintilius Varus an Tacitus aufgeschrieben. Wir dürfen schon einmal exclusiv in die beiden ersten Briefe schauen und lesen Köstliches:
ALLES KLAR IN OSTWESTFALEN.
DIE GEHEIME KORRESPONDENZ
DES QUINTILIUS VARUS
Die Frage, wo die Varusschlacht stattfand, ist in mehr als 700 Untersuchungen diskutiert worden. Sehr viel seltener wurde die Frage geprüft, ob sie überhaupt stattfand. Der folgende, bisher unpublizierte Briefwechsel wirft darauf ein neues Licht.
I.
Varus Tacito salutem.
Mein lieber Tacitus! Die germanische Expedition gestaltet sich vollständig anders als vorgesehen. Wir sind nirgends auf nennenswerten Widerstand gestoßen. Lediglich das Fünfte Pionierbataillon unter Gaius Manilius wurde bei dem taktischen Versuch, die Rheinbrücke bei Köln abzureißen, zurückgeworfen. Ich habe mich darum entschlossen, die Legionen unter Gnaeus Lerius in Xanten zurück-zulassen und den Weg nach Ostwestfalen-Lippe mit einer Bedeckung von lediglich einhundert Mann aus der Decima Nona Augusta allein fortzusetzen. Unser Ziel wird Bielefeld sein, die Kapitale des Landes. Ein heckenschneidender älterer Herr, der uns in Harsewinkel am Gartenzaun den Weg erklärte, machte viel Rühmens von dem Ort, der sechzehn Beerdigungsinstitute besitzen soll.
Ich schreibe dies in dem Lager, das wir heute bei Borgholzhausen zu Füßen des Teutoburger Waldes aufgeschlagen haben. Das Städtchen ist für seine Lebkuchen bekannt; als Nachtmahl war dennoch wie seit Tagen nur Pickert mit Rübensirup zu erhalten, das Einzige, wovor die Truppe sich fürchtet. Die Männer fassten missvergnügt Essen, beaufsichtigt von Sextus Abulenius, unserem Centurio, der mit der unnachgiebigsten seiner Mienen ihre Feldgeschirre füllte.
Inzwischen ist es Mitternacht. Weit entfernt, irgend-wo in der undurchdringlichen Finsternis, kläfft ein Hund. Das Lager liegt im Schlaf, und nichts ist zu hören als die Parole der Wache „Livia Augusta“ und die wiederkehrende Antwort „Semper felix faus-taque“: der militärische, pendelnde Puls der Nacht, der jedem Soldaten aus dem Halbschlaf vertraut ist, präzise wie der Mechanismus einer alexandrinischen Klepsydra. Ich blicke auf und sehe an dem samt-schwarzen Himmel die gleiche Milchstraße funkeln, die ihren Silberstaub über die Zypressen von Rom streut. Und während ich die Decke über meinen Kopf ziehe, frage ich mich, wann ich wieder zu Hause sein werde.
Am späten Vormittag sind wir in Werther einmarschiert, einen Ort, der für die Schönheit seiner Frauen und seine Bonbons bekannt ist. Die Eindrücke sind mehr oder weniger die gleichen wie überall, wo wir einmarschieren, sei es in der Cyrenaica, Cappa-docia oder Germania Inferior: Die Straßen gesäumt von Barbaren, die halb verblüfft, halb misstrauisch unsere Rüstungen begaffen; schreiende Kleinkinder, kichernde Teenies und Ordnungskräfte, die schwitzend den Verkehr umleiten. Ich wurde gefragt, ob unser Zug angemeldet sei. Meine in lateinischer Sprache gegebene Antwort, wir seien im Auftrag des Göttlichen Augustus gekommen, um Ostwestfalen-Lippe zu pazifizieren und der Herrschaft des Senats und des Römischen Volks zu unterwerfen, schien den Mann zu beeindrucken; er gab achselzuckend den Weg frei.
Die Manieren der Einheimischen haben im allgemeinen wenig Gefälliges. In Huxohl, einer Ortschaft, die aus einem Zapfhahn und einer Kegelbahn besteht, zog ich Erkundigungen über den Weg nach Bielefeld ein und empfahl mich mit einem verbindlichen Lebwohl, „Fac valeas.“ Der Flegel warf mir einen Blick zu und erwiderte säuerlich „Fuck yourself. “
Ich sende Dir diesen Reisebericht mit einer Brieftaube, die nach Xanten zurückeilt, pünktlich genug, wie ich hoffe, für ihre gefiederte Kollegin, die nach Rom geht. Vale.
II.
Varus Tacito salutem.
Heute am frühen Nachmittag marschierten wir in Bielefeld ein. Ich ließ die Männer auf dem Kesselbrink antreten, pflanzte den römischen Adler und die Rutenbündel auf und ergriff in einer kurzen, aber würdigen Zeremonie im Namen von Senat und Volk von Rom Besitz von dem Land, nicht ohne an die Wohltaten des Göttlichen Augustus in der Vergangenheit zu erinnern und Freundschaft und Schutz des Römischen Volks in Aussicht zu stellen.
Zwei Uniformierte, deren Fahrzeug sich mit Sirene und Blaulicht den Weg durch die zusammengeström-te Menge gebahnt hatte, forderten mich auf, meine Papiere vorzulegen. Ich ließ ihnen von meinem Adjutanten eine vorbereitete Mappe überreichen, die Bilder von Korinth und Karthago enthielt, vorher und nachher. Gaius Sempronius, unser Artillerie-offizier, unterstrich entgegenkommend, es werde nicht mehr als eine halbe Stunde brauchen, um eines unserer Katapulte zu montieren, und nur einen Bruchteil dieser Zeit… er unterbrach sich, um einen Blick auf das gegenüber befindliche Polizeipräsi-dium zu werfen. Die Beamten blätterten mit erkennbarer Nervosität in unserer Dokumentation. Eine mit dem Handy geführte Debatte mit einem Vorgesetzten konzentrierte sich, parallell zur Montage unseres Katapults, auf geeignete Formen der Deeskalierung. Schließlich ersuchte man uns, zunächst auf den Johannisberg abzurücken, ein Gelände am Teutoburger Wald, das sich besser zum Lagerplatz eigne.
Nach kurzer Beratung mit meinen Offizieren und Prüfung der Karten erklärte ich mich einverstanden. Unter Blaulichtgeflacker verlegte die Truppe auf die bezeichnete Höhe, wo wir das Lager aufschlugen. Trotz der Proteste hinzugeeilter Zivilisten gelang es unseren Fourageuren, in einem nahegelegenen Wildpark zwei Wisents zu erlegen, eine Art wilder Rinder, an denen die Wälder Germaniens reich sind und die eine willkommene Abwechslung zu unserem Pickert mit Rübensirup lieferten.
Schon spreizt meine gurrende Post ihr Gefieder: Vale.

Jürgen Buchmann, geboren 1945 in Schaumburg-Lippe, promovierte in Philosophie und Klassischer Philologie und lebt seit 1975 als Schriftsteller und Lehrender der Universität in Bielefeld, umgeben von Grammatiken, Musikinstrumenten und lippischen Landkarten. Sein literarisches Werk umfasst neben der HERMANNSVERFINSTERUNG Satiren, Essays, Reden, Parodien, Über-setzungen und poetische Prosa. Ein Sammelband mit dem LOGBUCH VOM MEER DER FINSTERNIS, der PHANTASTISCHEN TOPOGRAPHIE DER HANSESTADT LÜNEBURG, der GRAMMATIK DER SPRACHEN VON BABEL und der EINSCHIFFUNG NACH CYTHERA ist unter dem Titel ABWESENHEITEN für 2009 vorgesehen.
Mehr zu Autor und zum Bielefelder Verlag erclickt man sich hier.
Naive Menschen mögen sich ja von den hiesigen Politgrößen, der IHK und dem Handwerksverband Sand in die Augen streuen lassen, die Realität übertrifft aber bei weitem das gefühlt Geahnte. Bei der Lehrstellenversorgung protzen Bielefeld mit Platz 171, Herford 176 und Detmold mit 175. Lediglich Paderborn “glänzt” mit Platz 146. Und das im bundesweiten Vergleich. Ein Armutszeugnis ohnegleichen. Das BIBB – Bundesinstitut für Berufsbildung – hat jetzt diese Zahlen vorgelegt. Wir, die wir hier ständig große Reden hören, welch Hort der Glückseligkeit OWL sei, greifen uns ein weiteres Mal an den ohnehin schon geplagten Kopf. Schlusslichter in ganz Deutschland. Hat was von Arm. Bielefeld. Stimmts? Wird aber auf dem Rücken der Jugendlichen ausgetragen. Peinlich auch, weil die zu allem ihren billigen Senf hinzugebende Bertelsmann-Stiftung hier ansässig ist. Aber die hat für den zuständigen Minister Olaf “Tranflöte” Scholz SPD sicher schon das Patentrezept “Jugendliche zahlen ihre Ausbildungsplätze bei Vollzeitbeschäftigung selbst. Das Nullsummenspiel” in der Schublade. Man hat nur noch keinen neuen Schreibtisch für den passenden Lobbyisten im Berliner Sumpf gefunden.







1 Kommentar »