Bielefeld-Blog: Das Weblog von Bielefeldern für Bielefelder

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Di
6
Jan '09

Schnee/Arschkarte

 

 

In Wohnhäusern mit mehreren Wohneinheiten muss die Schneeräumpflicht aufgeteilt werden. So auch bei uns.

Ganz am Anfang war das höchst unfair geregelt: Jeder wurde für eine Woche eingetragen. Schneite es in dieser Woche nicht, hatte man Glück und konnte dem nächsten Nachbarn in dessen Woche schadenfroh beim Schuften zusehen.

Natürlich hielt sich diese Regelung nicht lange. Die Schneekarte wurde eingeführt.

Jetzt hat sie jeder so lange, bis er an zwei Tagen Schnee geschippt und/oder gestreut hat.

Das hat zur Folge, dass der jeweilige Besitzer der Karte beim Anblick der feinsten Schneeflocke, die sich hauchzart wie Puderzucker auf den Bürgersteig legt, hysterisch aus dem Haus stürzt und unter viel Geschnaufe und Getue eine Schneedecke von 3/17 Millimeter mit dem Besen zuleibe rückt.

Dann gibt er die Karte weiter, und der nächste Nachbar sitzt auf glühenden Kohlen. Meist hat der dann das Pech, dass es richtig schneit, und muss sich schadenfroh vom Vorbesitzer der Karte beim Schuften zusehen lassen.

Ich selbst hatte das Kärtchen mehrere Jahre hier hängen. Ein Tag stand noch aus. Mann, was habe ich das Ding gehasst. Auch, dass ich das Stück Holz, auf dem mit Filzstift ‘Schneebeseitigung an zwei Tagen’ vermerkt war, durch eine helle, freundliche Karte mit lächelnden Schneemännern ersetzt habe, hat die Beliebtheit der Karte nicht steigern können.

Einen Morgen im letzten Winter bekam ich nur durch Zufall mit, dass der Winter heimtückisch über Nacht zugeschlagen und alles mit Blitzeis überzogen hatte. Ich legte gerade im Schlafzimmer Wäsche zusammen, da hörte ich durch das offene Fenster ein erschrockenes
‘Huuuch!’ das in ein panisches ‘Huaaa!’ umschlug. Eine Nachbarin bewegte sich auf dem Bürgersteig mit Bewegungen, die von mir als Kind der Achtziger sofort als Breakdance Figuren aus der Fernsehschule von Eisi Gulp identifiziert wurden, komplett mit einem angesetzten three-sixty-Spin.

Oh je, ich musste streuen! Aber sofort! Ich rief meine Mutter an.
‘Haben wir was zum Streuen?’
‘Ja, in der Garage.’
In der Garage? Wieso ausgerechnet da? Der Weg dorthin versprach gefährlich zu sein, denn der Bürgersteig, der zur Garage führt, ist gleich zweifach abschüssig: Runter zur Hauptstrasse, und dann noch in einem 23° Winkel geneigt. Und der Parkplatz vor den Garagen ist es auch, nur zur anderen Seite. Ideale Bedingungen, um sich gepflegt den Steiß zu prellen.

Schon der normale, nicht schräge Bürgersteig erwies sich als böse Falle. In bester Joe Cocker Manier rutschte ich mit rudernden Armen bis zum Parkplatz runter und hielt mich krampfhaft und innerlich mit dem Leben abschließend an der Schranke fest, die ohnehin nie benutzt wird. Ein mitleidiger Nachbar und echter Gentleman erbot sich, das Streusalz aus der Garage zu holen, denn ich wäre nie dort angekommen.

Am nächsten Tag hängte ich die neue und verbesserte Arschkarte dem nächsten Nachbarn an die Tür und beschloss, von nun an auch mit schadenfrohem Gesicht den anderen beim Schuften zuzusehen.

Es klappte nicht so ganz. Ein feiner, kaum wahrnehmbarer Schneeschauer von vielleicht zwei Minuten, der verdunstete, ohne den Boden auch nur zu berühren, ließ den Neuinhaber der Karte hysterisch aus der Wohnung stürzen und mit dem Besen herumfuhrwerken.

Bald darauf gab er die Karte ab.

Sie ist im Umlauf, keiner weiß so recht, wo. Aber eins ist klar:
Eines Tages ist sie wieder da. Das einzige, worauf man sich verlassen kann: Tod, Steuer, Schneekarte.

Der Schildescher Stiftsmarkt

Einmal im Jahr drehen wir Eingeborenen komplett durch:

Dann findet hier, nur 5 Fußmarschminuten von meinem Domizil entfernt, der Stiftsmarkt statt. Karussells (hm, na ja, Auto Scooter, Kinderkarussell, und ein winziges Riesenrad, also ein Widerspruch in sich), einige Fressbuden, eine Bühne mit unglaublichen Live Auftritten unglaublich unbekannter Bands, Ballons der lokalen Zeitung und natürlich Bierstände, Pommesbuden und - Massen von Menschen.

Auf dem Flohmarkt war es wieder mal ein einziges Geschiebe und Gedränge. Bekannte und Nachbarn grüßt man kurz, will man stehenbleiben, blockiert man unweigerlich den stetigen Strom an Ständen vorbei, an denen man ebenfalls nicht stehenbleiben kann (hat aber trotzdem für eine neue Handtasche gereicht, man muss sich eben gekonnt und geschmeidig wie eine Wildkatze vom Hauptstrom lösen - sprich, man tritt diesem in die Hacken und jenem auf den Fuß und stoppt einen dritten mit einem stechenden Cecille-Blick).

Am interessantesten sind dabei nicht die aus Kellern hervorgekramten (und manchmal leicht angeschimmelten) gesammelten Scheußlichkeiten auf den Tapeziertischen, sondern die Menschen und ihre unfreiwillig komischen Auftritte.

Am nächsten Tag habe ich mit vielen anderen Eingeborenen den Stiftsmarkt ein weiteres Mal heimgesucht.
Bei dem Wetter war es noch voller als am Tag zuvor. Aber auch noch lustiger. Leider fallen mir einige Sachen bestimmt nicht wieder ein, aber an zwei Begebenheiten kann ich mich noch gut erinnern.
Zudem habe ich noch das Ende eines Außengottesdienstes miterlebt, beidem das Schlusslied völlig im Getöse der 5 Meter entfernten Kircheunterging, sehr zur Erheiterung der umsitzenden Biertrinker.

An einem Stand bekam ich beim Vorbeimarschieren diesen kurzen Dialog mit:
Potentieller Kunde: ‘Die Schere dürfen Sie aber nicht offen hier auslegen, die legt man immer geschlossen hin!’
Verkäufer: ‘Das is’ gar nich’ meine Schere!’

Auf einem anderen Tapeziertisch mit Büchern lag dann auch noch das “Baumhoroskop für 1990″. Wer kauft denn das…?

Zum Schluss, beim Verzehr einer Pommes Mayo trat dann ein Comedian auf, der uns weismachen wollte, das Wort ‘Teilchenbeschleuniger’ käme aus dem Bäckereibereich, wenn der Lehrling die Quarkbällchen mit Lichtgeschwindigkeit in die Auslage…. keiner lachte.

Ach, da geht man später nochmal hin, bei dem Gedränge muss man allerdings aufpassen, dass man nicht verlobt mit dem einen, schwanger von einem anderen wieder zurück kommt…

HB Männchen for Runaways

Nostalgie überkam mich, als ich letzte Woche unsere Detmolder Straße entlangbrauste.

Da standen sie, die Überreste der englischen Kasernen, die früher von süßen Soldaten im Durchschnittalter von 22 bevölkert worden waren.

Was hatten wir doch Spaß in unserer Stammdisko damals.

Und was haben wir für obszöne Schimpftiraden von denen gelernt.

Und Fachbegriffe, die in keinem Buch verzeichnet sind, so wie „Choopter“ z.B.

Schreibweise? Fragt mich nicht, aber die Bedeutung ist jene: Ein einsamer Schafhirte, der in Ermangelung weiblicher Gesellschaft mit seinen Schafen… Halma spielt.

Oder „Beanflicker“, den Sinn dieses sympathischen Wortes behalte ich allerdings für mich (er erschließt sich jedoch dem aufmerksamen Leser).

Dann die normalen Beleidigungen, ohne die man in einer dieser Art Disko nicht lange überlebt:

„Piss off!“ und „F*ck off!“ sind natürlich die beliebtesten gewesen.

Andere führe ich hier nicht auf, die behalte ich in meinem Herzen.

Aber so mit knappen 70 auf dem Tacho auf der Detmolder, kann man sich ein paar nostalgische Tränen kaum verkneifen. Ach, schee war’s, wenn sich alle männlichen Engländer auf der Tanzfläche bei „I’m too sexy“

ihrer Kleidung entledigten und enthemmt schlenkern ließen, wenn jeden Abend mindestens eine Schlägerei losbrach oder ab und zu Bombenstimmung buchstäblich aufkam, weil wieder einmal die IRA unsere Zuflucht mit einem einzigen Anruf leerfegte.

Weniger schee war’s, wenn die Männertoilette überlief. Dann waren Frauen, die mit offenen Schuhen tanzten, im wahrsten Sinn des Wortes angepisst. Die Suppe floss dann durch das ganze Gebäude. Ich hatte zum Glück immer Turnschuhe an, erfahrener Besucher, der ich war.

Das gute an den wüsten Beleidigungen, die man von den Engländern lernte, war, dass man sie unbesorgt an nervigen Deutschen auslassen konnte. Damals verstand einen keiner. Nur große, verwirrte Augen machten sie.

Das verschaffte uns jungen Hühnern denen gegenüber einen beachtlichen Vorteil. Kam so einer zu uns rüber und fragte ungelenk auf Englisch, ob wir etwas trinken wollten, um sich dann seinem Kumpanen zuzuwenden und

ihm auf Deutsch zu erzählen, dass er uns „klarmachen“ würde, denn er nahm ja an, wir wären Engländerinnen und verstünden ihn nicht, wandten wir unsere erlernten Kenntnisse auf das Fürchterlichste an und verfluchten ihn, dass jedem amüsierten Engländer die Ohren schlackerten.

Anstatt uns ‘klarzumachen’ schlich der Deutsche beschämt mit hängenden Ohren von dannen.

Und dann stand ich da an der Ampel, versunken in Erinnerungen. Sie zeigte grün. Nichts bewegte sich. Der vor mir war aber nicht die Schnarchnase, sondern der vor ihm.

Warm war’s an jenem Tag, der Mentholqualm meiner Zigarette entwich durch das offene Fenster.

Also tat ich, was jeder erfahrene Daily Show Stammzuschauer getan hätte. Ich brüllte zum offenen Fenster hinaus:

„Move it, Douche Bag!“

Tatsächlich setzte sich der kleine Konvoi daraufhin in Bewegung. Der direkt vor mir wechselte gleich nach der Ampel auf die linke Spur – zweifellos wollte er so weit wie möglich weg von mir – und gab den Blick auf den Lahmi frei. Ich runzelte die Stirn. Und noch bevor ich entsetzt das pipigelbe Nummernschild wahrnahm, sah ich, dass er das Lenkrad auf der falschen Seite hatte.

Au weia! Ein Engländer! Und noch dazu ein Großer, grimmig in den Rückspiegel stierender! Ich setzte ein entschuldigendes Grinsen auf, exakt jenes hier, auch die Gesichtsfarbe passte in diesem Augenblick genau: :>>

Zum Glück haben die Engländer eine Menge Humor. Er grinste zurück und wackelte mit dem erhobenen Zeigefinger. Und dann setzte er auf die linke Spur, und ich schlich beschämt mit hängenden Ohren von dannen.

Wahr oder nicht?

Jobmaschine Bielefelder Berg

In seiner heutigen Sitzung hat der Verwaltungsvorstand Entscheidungen zur Geschwindigkeitsüberwachung an der Autobahn 2 am Bielefelder Berg getroffen. Unter der Prämisse, dass mit der Überwachungsanlage ein Geschwindigkeitsniveau erreicht werden soll, das im Sinne der Straßenverkehrs - ordnung die Sicherheit sämtlicher Verkehrsteilnehmer gewährleisten kann, wird dort weiter geblitzt. Da - zumindest derzeit - leider viel mehr Verkehrsteilnehmer das Tempolimit von 100 Stundenkilometern missachten als ursprünglich vermutet, soll in Gesprächen mit der Bezirksregierung alsbald geklärt werden, inwieweit auf der Autobahn 2 noch deutlicher auf die Radarmessung hingewiesen werden kann.

Gleichzeitig soll die Verwaltung kurzfristig ein Konzept erarbeiten, das aufzeigt, durch welche organisatorischen und personellen Maßnahmen eine ordnungsgemäße und praktikable Bearbeitung der Verkehrsverstöße möglich ist. Dabei soll auch geprüft werden, welche Maßnahmen unter rechtlichen Aspekten geeignet sind. Mit der Umsetzung des Konzeptes soll so schnell wie möglich begonnen werden. Sagt eine Pressemeldung der Metropolenverwaltung. Die Rede ist von an die 40.000 bisher erwischten - 0-Ton von Beamtens: “Rasern”. Na da könnt Ihr doch Eure willigen 1-Euro-Jobber unterbringen, um das zu verwalten. Bitte auch ausreichend frankieren.

Mehr Todesfälle in BI

Nach den vorläufigen Statistiken des Standesamtes sind im vergangenen Jahr 3.769 Menschen in Bielefeld verstorben. 2007 waren es nur 3.138 Sterbefälle. Damit ist ein Zuwachs von 20 Prozent zu verzeichnen. Teilt die Metropolenverwaltung lapidar mit. Das “Warum?” bleibt allerdings wie ein Regenbogen in nasser Sommerluft stehen.

Autobahnlektüre

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Der Ritt ins Ruhrgebiet zur Zentrale des Discounters unseres Vertrauens ging ebenso problemlos ab wie der Termin selbst. Wenn da nicht auf Höhe Hamm die Aufschrift auf dem Lastwagen Kopfzerbrechen bereitet hätte. “Offizieller Steuereintreiber für Rot-grüne Raffkes”. Meine Güte, das ist doch schon eine Weile her. Längst haben sie die Farbe gewechselt: Rot-schwarz. Der Zugriff allerdings ist heftiger denn je. Nächste Farbkombination: Gelb-schwarz. Mit Guido W. als Aussenminister :-(((((

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Wer sich allerdings - die Verhältnisse unserer Metropole vor Augen - der Illusion hingibt, andernorts sei es besser, wird schnell belehrt. Leer stehende Geschäftslokale in Masse. Und Stilblüten: Oben Wertegetrommel per VW Golf, unten verlassener und verfallender Kiosk.

Auf dem Besucher-Parkplatz jenes Discounters, dem bewußt ist, wie sehr er von der Krise profitiert, spielt selbst der Schnee bei - 7 bizarre Spiele.

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Aber unter Eis und Schnee grünt es bereits wieder zaghaft. Hoffnung auf Leben bei abgestellter Russengasleitung. Wie wollen die Gazproms da den Rasen ihres Lieblingsfußballer in der Republik heizen? Oder müssen die jetzt auch sparen, wie Abramowitschens FC Chelsea, der mit über einer Milliarde
- bei ihm - verschuldet ist. Was regen wir uns da noch über “Heuschrecken” oder “Raffkes” auf? Schönen blauen Himmel haben wir übrigens hier in OWL.

Einen habe ich noch: Trainer “Zecki” hat mit den Arminen seinen Vertrag verlängert…..

Westfalen-Blatt: Politische Vernunft steht hintenan

Die gute Nachricht zuerst: Das Konjunkturpaket II wird kommen. In einer Woche hat das Hickhack ein Ende - fürs Erste jedenfalls. Damit kein Missverständnis entsteht: Streit ist in der Politik nichts Schlechtes, er ist geradezu notwendig. Der Streit um das Konjunkturpaket II jedoch trägt längst absurde Züge. Wer’s nicht glaubt, möge sich in Erinnerung rufen, dass es im Kern darum gehen sollte, die Wirtschaft zu stützen und Arbeitsplätze zu sichern. Herausgekommen ist eine wochenlange Überbietungsdebatte, bei der im Stundentakt immer höhere Milliardenpakete geschnürt werden - frei
nach dem Motto: Ist der Haushalt erst ruiniert, wirtschaftet es sich ganz ungeniert. Und zweitens eine Steuerdebatte, bei der es schwer fällt, im Stimmengewirr der drei Parteien CDU, CSU und SPD den Durchblick zu behalten. Insbesondere die beiden letztgenannten haben die Koalition in eine
schwierige Lage manövriert. Hier gibt die CSU um Neu-Parteichef Horst Seehofer die Parole aus: »ohne Steuersenkungen kein Konjunkturpaket
II.« Dort kontert für die SPD die stellvertretende Parteivorsitzende Andrea Nahles: »Nein zu Steuersenkungen.« Das Ende ist absehbar: Es wird am nächsten Montag einen Kompromiss geben, der das eine tut, ohne das andere zu lassen. »Jeder weiß, dass wir ein Konjunkturpaket nicht scheitern lassen können«, hat der Außenminister und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier vielsagend wissen lassen. Ob dieses Konjunkturpaket seinen Zweck erfüllt, steht auf einem anderen Blatt. Sicher dürfte sein, dass es teuer wird, vor allem für die nächsten Generationen. Längst hat der Wahlkampf den Kampf gegen die Konjunkturkrise überlagert. Fast hat man den Eindruck, dass es um unsere Wirtschaft nicht so schlimm bestellt sein kann, wenn die Parteitaktik dergestalt dominiert. So geht es nicht mehr um die Frage, wie der Staat in der Krise agiert, sondern darum, was der Staat grundsätzlich zu tun oder zu lassen hat. Und hier stehen sich die Konzepte von Union und SPD so unversöhnlich gegenüber wie einst im Wahlkampf 2005. Das bedenke, wer die Große Koalition für die beste aller Regierungskonstellationen hält. Unbeirrt vom Marktschreiertum der Herren Sarkozy und Brown hat
Bundeskanzlerin Angela Merkel den Brüsseler EU-Gipfel gemeistert. Jetzt aber hat ihr die Schwesterpartei eine empfindliche Niederlage zugefügt. So wird sich die CDU-Vorsitzende Angela Merkel fragen lassen müssen, warum sie nun Steuersenkungen zustimmt, die sie noch vor vier Wochen beim Bundesparteitag in Stuttgart zu Recht abgelehnt hatte. Eine Steuerstrukturrefom ist in Deutschland dringend notwendig. Aber sie ist mit dieser Koalition nicht mehr zu machen - schon gar nicht in einem Jahr, das vom Dauerwahlkampf geprägt sein wird. Die Kanzlerin weiß das. Doch weil sie Seehofer und seine CSU in den nächsten Wochen und Monaten mehr braucht, als es umgekehrt der Fall ist, steht die politische Vernunft hintenan.

Ist ja nicht so falsch, liebes Westfalen-Blatt, was Ihr da kommentiert. Aber Ihr hättet noch den grandiosen Lügenboldspruch eines gewissen Herrn Seehofer bringen sollen: “Angela Merkel ist unser größtes Pfund, ein Glücksfall, mit dem wir wuchern können”. Zwei Tage zuvor warf er ihr Führungsschwäche und Untätigkeit vor. Kein Wunder, daß man den Politclowns nicht einmal das grad erst dem Lügenmaul entschlüpfte Wort glaubt. Die Templiner Rouladenbraterin ist ja bekannt dafür, den Trippelschritt im Quadrat erfunden zu haben. Und da geht nun mal Machterhalt vor Volkeswohl, Einsichtigkeit und wohl auch Intelligenz. Es sitzen nicht die Klügsten im Reichstag.