Bielefeld-Blog: Das Weblog von Bielefeldern für Bielefelder

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Fr
12
Dez '08

Jetzt schon fast so schön wie Kesselbrink und Neumarkt

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Als ich heute so am Rande des drittwunderschönsten Ortes der Stadt parkierte, fiel mir diese Aufschrift auf. Jawoll. Nicht das Auto. Da schleicht sich also so ein Rheda-Wiedenbrücker Blog in die Metropole. Klamm und heimlich. Na gut. Demnächst kostet das Stadtmaut. Wo kommen wir denn sonst hin.

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Nachdem ich den Blick vom Blog losreißen konnte, richtete ich ihn zum Himmel. Wo ein paar ganz liebreizende Sternlein vom nahenden Weihnachtsfeste kündeten.

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Da liegt es buntig und strahlend und stellenweise ziemlich versaut da. Ortwin Goldbeckchens Riesenspielzeug. Aber ich bin sicher, der Weihnachtsmann David schenkt Goldbeckchens Sauberkeitstruppe Besen, Schaufel und den Blick nach unten:

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Dann können die Damen und Herren Sponsors auch mal wieder durch die hohle Gasse im zugigen Neuen Bahnhofsviertel marschieren. Da soll es ja jetzt Glühwein geben. Auf einem kargen Weihnachtsmarkt. Mit Plastesternen oben drüber. Das können sie Goldbeckchen nun wirklich nicht abschlagen. Wo er sich so bemüht, die Metropole an Weltstädte anzugleichen.

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Varus, Varus…..

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Neulich im tiefsten lippischen Forst hinter der Detmolder Stadtgrenze. Ein Zwerg steht mitten auf der Provinzgasse und kreischt: “Varus, Varus, wo bist Du?” Varus, der weltgewandte Römer, antwortet nicht. Er sitzt nämlich im “Office” der Detmolder Werbebutze k-konzept und ratscht bei einem Glas Vapolicella 2009 vom Aldi mit den genialen Kreativen von der Heidenoldendorfer Straße über ihr Konzept zum Varusjahr 2009. Eben jener Zwerg mit Namen Zwermann (Warum packen die hier immer “-mann” an alles dran?) wird darin eine tragende Rolle spielen. Varus senkt den Kopf. Denkt tief nach. Nimmt noch einen Schluck vom Aldi-Roten und seufzt: “Ihr seid so provinziell wie damals vor 2000 Jahren, als ihr angeblich mich und meine Legionen mit dem Bauern Hermann an Eurer Spitze geschlagen habt”. Sprachs, klopft sich den aus Umbrien mitgebrachten Staub von den Sandalen und steigt in seinen roten Ferrari. “Avanti idioti”, rief es noch aus dem geöffneten Schiebedach, Marke “Fiat lux”. Dann rauschte er davon. Richtung A 33. Bloß weg von diesem Landstrich, wo sie einen Zwerg zum Helden erküren.

Wort des Morgens: “Kekskrise”

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Sie sind krachig auf der Zunge. Süß im Abgang. Von jenem leicht herben Beigeschmack des gegenwärtigen Krisengeschwafels ungezeichnet. Sich mit ihnen abzugeben ist, wie einem Banker etwas zu glauben: Viel, viel schneller alle als geplant. Kekse aus dem Hause Kraume. Genauer: Weihnachtskekse. Aufessen, bevor sie weg sind. Dann hätten wir statt des Jahreswortes “Finanzkrise” eine “Kekskrise”.

Die “Nebenregierung von Gütersloh”

Bertelsmann ist nicht der nette Bücheronkel von nebenan. Die Bertelsmann-Stiftung ist ein knallharter neoliberaler Think Tank mit hohem Einfluss in der Politik. Seine Bedeutung wird offenbar immer noch unterschätzt. Der Diplom-Soziologe Steffen Roski, Mitglied im Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler(BdWi) und bei Attac: “Die ‘Nebenregierung in Gütersloh‘ wirtschaftet de facto mit öffentlichem Geld, weil der Bertelsmann-Eigentümer Mohn durch die Übertragung von drei Vierteln des Aktienkapitals auf die Stiftung gut zwei Milliarden Euro Erbschafts- oder Schenkungssteuer gespart habe und die jährliche Dividenden-Zahlung an die Stiftung steuerfrei sei. Insofern gebe sie mit ihrem Jahresetat von rund 60 Millionen Euro nicht mal annähernd soviel aus, wie sie den Fiskus koste. Der Soziologe und internationale Stiftungsforscher Frank Adloff nennt es einen unhaltbaren Zustand, dass sich die Stiftung vor keinem Parlament oder Rechnungshof für den Einsatz dieser Gelder rechtfertigen müsse.“

Gelesen auf “Neue Rheinische Zeitung” in Zusammenhang mit diesem Thema:

Blicken wir zurück, wie alles anfing. Am 17. Oktober 2007 kam aus Gütersloh frohe Botschaft für Arbeitgeber. Die dort ansässige „Bertelsmann-Stiftung“ teilte stolz mit, dass ein von ihr selbst in Auftrag gegebener Entwurf für ein neues Arbeitsgesetzbuch von der Politik dankbar aufgegriffen wurde. „Was im Sozialrecht möglich ist, sollte im Arbeitsrecht auch möglich sein“, wurde verkündet. Die Bertelsmann-Stiftung hatte zuvor schon maßgeblich an der „Reform der Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe“ mitgewirkt – bekann als Hartz IV.

Wie bekannt, hat die Geistesgröße im Arbeitsministerium, Olaf Scholz/SPD, dann ja auch freudigst zugegriffen. Spart Rechner- und Beamtenkapazität, wenn Gütersloh das gleich mal für alle ausformuliert. Genial, wie die Traktatdrucker aus dem nachbarlichen Provinzkaff sich die “Elite” zur Brust nehmen.

Räuberpistole unter der Sparrenburg

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Mannomann, was rauscht da heut Morgen für eine Räuberpistole durch die Blätter des Metropolchens. “Steuerrazzia bei Einzelhandelschef”. Ok. Stefan Genth, ehemals Hauptgeschäftsführer des Einzelhandelsverbandes HDE zu Bielefeld, ist heute Obereinzelhändler des deutschen Handels und als Person nicht unbedingt ein Obersympath. Aber wer schon mal miterlebt hat, was es heißt, wenn nervöse Bielefelder Steuerfahnder an der Haustür klopfen, kann verstehen, daß ihm die Sprache wegbleibt. Angezeigt hat ihn ein ehemaliger Mitarbeiter hier in der Sparrenmetropole, der sich “wie ein Sklave fühlte”, ehemals von Genth wegen “Diebstahls” (der Mann wurde einschlägig verurteilt) vor Gericht gebracht wurde und nun behauptet, er habe “schwarz am privaten Genth-Haus arbeiten müssen”. Nun gut. Wird sich ja zeigen. Aber Bielefelds Steuerfritzen sind bekanntermaßen verdammt schnell mit Durchsuchungen, Mutmassungen und Anschuldigungen. Wenn man dann erlebt, wie das alles Kartenhausmäßig zusammenfällt, fragt sich, was da so an den Schreibtischen der Staatsgewalt gedacht, getan und eingeleitet wird. “Anfangsverdacht” heißt das. Dank der Medien werden daraus dann “Schwere Vorwürfe” und “Bis zum Beweis Unschuldige” stehen öffentlich als Angeklagte da. Lassen wir uns überraschen. Im Falle des ehemaligen Chefs einer Bielefelder Sicherheitsfirma, dem ebenfalls die private Butze auf den Kopf gestellt wurde, ist tiefstes Schweigen seitens der Steuerbehörden angesagt. Klar, erstmal Rabatz machen. Erinnert verdammt an Zumwinkel, wo plötzlich 250.000 Tsd. Euro “verjährt” waren, weil die Behörden geschlafen haben. Wie meist. Nur bei Joe Ackermann in Frankfurt, wo vorsätzlich faule Papiere an den Staat verkloppt wurden, da greift niemand zu….. Ein Schelm, wer Dusseliges dabei denkt.

Genth sagt, der Mann, ein Ex-Jugoslawe, habe ihn “erpreßt” und der Mann behauptet, Genth habe ihn “erpreßt”. Jetzt preßt der Staat.