Stellen Sie sich vor, Sie hätten im Oktober ein Auto gekauft. Ein kleines, blaues, nicht zu teuer, ganz neu – das erste neue Auto in Ihrem nicht mehr ganz jungen Leben- und Sie sind stolz auf sich, dass Sie sich für eines einer Marke entschieden haben, die noch in Deutschland gebaut wird.
Stellen Sie sich vor, Sie warten auf Ihr Auto. Zunächst sehr geduldig, denn man hatte Ihnen 5 Wochen Lieferzeit avisiert. Freundlich nickend haben Sie diese akzeptiert, denn das alte Auto ist zwar alt, fährt aber noch. Nur die Ruhe. Stellen Sie sich nun vor, die 5 Wochen sind verstrichen und Sie fragen, wie es Ihrem Naturell entspricht, freundlich nach, wann es denn nun geliefert wird, Ihr schönes, neues, kleines blaues Auto. Sie werden für weitere 2 Wochen vertröstet, aber dann soll es wirklich da sein.
Stellen Sie sich vor, Sie drängen jetzt ein wenig, denn Weihnachten naht, draußen ist es kalt, die Batterie Ihres alten Autos will auch nicht mehr so recht. Sie fragen nach und es heißt, Ihr Auto soll in 3 bis 4 Tagen ankommen. Sie müssen nur noch den fälligen Betrag zahlen, eine Versicherungsbescheinigung und Ihren Ausweis einreichen und dann haben Sie es: Ihr schönes, neues, kleines… Sie wissen schon.
Sie zahlen also einen Betrag an das Bielefelder Autohaus, bringen Ihren Ausweis dorthin, ebenso die Versicherungsbescheinigung. Stellen Sie sich vor, nix passiert. Kein Anruf: Ihr Auto ist zugelassen, wir freuen uns… Sie fragen nach.
Stellen Sie sich vor, man sagt Ihnen, Ihr Auto sei zwar geliefert, könne aber nicht zugelassen werden, da der Autohersteller die Produktion reduziert habe und aus diesem Grund nur noch einmal in der Woche Briefe drucke. Hm.
Stellen Sie sich nun noch ganz kurz vor, Sie sind inzwischen, entgegen Ihrem Naturell, ziemlich ungehalten und möchten endlich Ihr bereits bezahltes, schönes, neues blaues… in Empfang nehmen.
Nun erzähle ich Ihnen etwas, was Sie sich nicht mehr vorstellen können: Energisch verlangen Sie eine Erklärung und eine verbindliche Zusage, dass Ihr schönes, neues usw. Auto zugelassen wird. Da erklärt Ihnen der Verkäufer, dass Sie morgen -am 10.12.08- in der Zeitung lesen werden, dass das Autohaus, dem Sie Ihr Vertrauen, Ihr Geld inzwischen auch Ihr altes Auto und Ihren Ausweis überlassen haben, Insolvenz angemeldet hat.
Stellen Sie sich vor: Das hat die ganze Zeit niemand gewusst. Die Insolvenz kam aus heiterem Himmel. Niemand konnte das ahnen. Natürlich hat man weiter Verträge geschlossen und Geld und Ausweise und Versicherungsbescheinigungen eingenommen. Können Sie sich das vorstellen?
Nein? Ich auch nicht. Ich werde morgen meine Anwältin befragen, ob sie sich das vorstellen kann. Und ob sie sich vorstellen kann, dass ich mein schönes, kleines, blaues neues Auto wohl bekommen werde. Oder ob ich wohl mein Geld zurückbekomme, oder mein altes Auto, das ich bereits übergeben hatte.
Können Sie sich vorstellen, dass ich nun nichts mehr habe? Weder mein Geld, noch mein altes Auto und schon gar kein schönes, neues, kleines blaues Auto?







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