Bielefeld-Blog: Das Weblog von Bielefeldern für Bielefelder

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Di
2
Dez '08

Hurra, “wir sind Merkel”

Im Wettstreit um die Zuneigung der Bürger muss sich die Bundeskanzlerin keine Sorgen machen. Sie ist in jedem Fall beliebter als George W. Bush und viele mögen sie lieber als den heiligen Vater. Das zeigt eine Umfrage unter 6645 Erwachsenen in Europa.

Sorry, aber langsam nimmts paranoide Züge an. Kommt mir vor wie die - gesteuerte - Berichterstattung seinerzeit vom 47. Baddeidag der großen Baddei in Leipzsch anno Mauermal. Man könnte jetzt anfangen, die “Rose der Uckermark” in Bronze zu gießen und landesweit aufzustellen. Bei uns in der Metropole wär doch noch ein Sockel vor der Handwerkskammer frei. (Obwohl sie Bismarck an Statur übertrifft). Der - leider schweigenden oder leidenden? - Mehrheit der Republik rollt es langsam aber sicher die Fußnägel hoch.

“Was den Staat ausmacht”

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Die Christlichen Demotraktaten bereiten ihrem Helden Roland I von Wiesbaden schon den Boden für die Hessenwahl im Januar 2009: Die CDU will ein Bekenntnis zur deutschen Sprache ins Grundgesetz aufnehmen. Auf dem CDU-Parteitag stimmte heute in Stuttgart gegen den Willen der Parteiführung eine große Mehrheit dafür, einen entsprechenden neuen Zusatz für die Verfassung zu fordern. Dieser soll lauten: “Die Sprache in der Bundesrepublik ist Deutsch.”

Die Partei sieht darin keine Gefahr, dass Bevölkerungsgruppen ausgegrenzt werden, die eine andere Muttersprache haben. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Maria Böhmer, sagte: “Deutsch ist das Band, das uns verbindet.” Sprache sei die Grundlage für den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Das gelte auch für die Integration von Migrantinnen und Migranten.

Kritik kam jedoch von der Türkischen Gemeinde in Deutschland. “Erneut bedienen einige Politiker in der CDU vorhandene Ängste und Klischees gegen - über Migrantinnen und Migranten”, erklärte der Vorsitzende Kenan Kolat. “Wir verstehen dieses Vorhaben als Assimilierungsdruck und mit demo - kratischen Gepflogenheiten nicht vereinbar.” Der Verein Deutsche Sprache (VDS) begrüßte dagegen den CDU-Beschluss. “Der VDS hat lange dafür gestritten, dass die deutsche Sprache Verfassungsrang erhält”, sagte sein Vorsitzender Walter Krämer. Dies werde das Ansehen des wichtigsten Kulturgutes erhöhen.

In der Debatte hatte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla darum gebeten, von einem entsprechenden Beschluss jetzt abzusehen und den Punkt später zusammen mit anderen möglichen Verfassungsergänzungen zu diskutieren. Saarlands Ministerpräsident Peter Müller meinte hingegen, die Partei müsse sich klar dazu bekennen, “was den Staat ausmacht”. Neben der Flagge gehöre dazu auch die deutsche Sprache. Am Ende widersetzten sich die Delegierten im Sinne Müllers der Parteiführung und stimmten erstmals auf dem Parteitag gegen sie.

Pffffffffffft. 1. Wenn schon, dann bitte “Bielefelderisch” und 2. bezogen auf Frankreich, bitte ab sofort “Gehsteig” statt “Trottoir”. Als sonst eher kritisch der blaugelben Spaßpartei Gegenüberstehender, halte ich es diesmal mit Guidos Leuten: Für die FDP ist die CDU-Forderung nach einem Bekenntnis zur deutschen Sprache im Grundgesetz ein populistisches Ablenkungsmanöver. Nach wie vor weigere sich die CDU, ein Staatsziel Kultur in die Verfassung aufzunehmen, sagte der FDP-Kulturpolitiker Christoph Waitz am Dienstag in Berlin. Die FDP-Bundestagsfraktion plädiere seit Jahren dafür. Dazu gehöre dann selbstverständlich auch die deutsche Sprache. Bereits jetzt sei in mehreren Paragrafen geregelt, dass Deutsch die Amtssprache in Deutschland ist.

Aber wir sind ja schließlich in Deutschland. Da muß alles geregelt sein. Nur die elementar wichtigen Dinge nicht. Die passen nämlich nicht in Politikerhirne.

Riesenspielzeuge

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Auf den Wiesen im Speckgürtel rings um die Metropole liegen sie schon, die Riesenspielzeuge. Demnächst, so wird von Bielefeld-Marketing kolportiert, werde damit die Sendung “Schlag den Raab” hier in der Hauptstadt Schilda gedreht. Wer es schafft, gleichzeitig auf einem Bein Mundharmonika spielend, mit dem Hinterteil mehr als 3 dieser Heudinger 100 Meter zu bewegen, kriegt einen Gutschein von MacDoof am Südring (Große Pommes, Doppelburger mit Käse, große Cola und 1 Monopoly-Los), eine Ehrentafel am Rathaus, einen Plattenvertrag vom Dieter Bohlen, Stuhl in der 1. Reihe bei Heidis K. “Germanies next Flopmodel” und den Titel: “Klügster und stärkster BielefelderIn“. .

Bauer Heinrich?

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Links hinterm Baum dachte ich eine Figur zu sehen, die etwas Schafsbäuerliches an sich hatte. Was ich hier in der Senne allerdings vermißte, waren die Kohorten bekloppter Weibsen, die der neuen RTL-Elitefigur zugeifern: “Heinrich, ich will ein Schaf von Dir!”.

Nun klettern sie wieder

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Chinas Weihnachtsindustrie war im Sommer fleißig. Heuer gibts auch wunderliebste Pyramidentannen in glasklar mit LED-Leuchten. Irrsinnig. Romantisch. Kann man auch Ostern, Pfingsten und zur Kirmes anmachen. (Gesehen im Handelshof gegenüber der Heeper Müllverbrennungsanlage). Da kriegt das Weihnachtsfest doch gleich eine ganz andere Bedeutung.

Seifenschaum für die Metropole

In Nordengland gibt die Polizei jetzt Seifenblasen-Tinktur an betrunkene Raufbolde aus. Bald auch hier?

Diese fantastische Idee wird ohne Zweifel ihren Siegeszug auch auf dem Kontinent antreten, und so sehen wir jetzt schon vor uns, wie bald der sündige Hamburger Kiez, die Düsseldorfer Altstadt und die Fußgängerzone von Bielefeld am Wochenende wie ein einziges Schaumbad anmuten werden, weil lauter Besoffene mit glänzenden Augen eine Seifenblase nach der anderen in die Luft pusten. (http://www.tagesschau.de/schlusslicht/seifenblasen100.html)

Dr. Helmut Merkel

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Unter Helmut Kohl war die CDU nicht viel mehr als ein Kanzlerwahlverein. Debatten, Kritik gar, waren nicht erwünscht und führten zur sofortigen Abstrafung des Störenfrieds. Dann kam Angela Merkel. Sie machte die Fenster auf. Endlich durfte die CDU wieder Volkspartei sein: eine Partei mit Strömungen, in der man auch einmal um den besten Weg ringen kann. Weil sich die SPD als Mit-Bewerber immer wieder zuverlässig selbst aus dem Spiel nimmt, könnte die CDU inzwischen sogar die einzige verbliebene Volkspartei sein, wie es NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers gestern fast beschwörend ausdrückte. Doch davon kann überhaupt keine Rede sein.

Nachdem der neue CSU-Vorsitzende Horst Seehofer seine Teilnahme abgesagt hat, war Friedrich Merz der größtmögliche denkbare Störenfried auf dem CDU-Parteitag in Stuttgart. Er hat nicht enttäuscht. Da, wo Angela Merkel sich um eine klare Antwort drückte, wie die Konjunktur zu stützen sei, gab Merz eine ebenso einfache wie geniale Antwort: Die Steuerzahler müssen entlastet werden, jetzt, sofort. Dafür erhielt er viel Applaus - Applaus, der zeigt, dass viele in der CDU denken wie er. Nur öffentlich sagen mochte das niemand: Peter Müller nicht, Roland Koch nicht, Christian Wulff nicht und auch nicht Jürgen Rüttgers. Die drei Letztgenannten hatten dabei ihre Stellvertreter-Wahlen im Blick. Sie erhielten deutlich bessere Ergebnisse als vor zwei Jahren in Dresden. Dafür nahmen sie in Kauf, im Verhältnis zur Kanzlerin nur noch Ministerpräsidentchen zu sein.

Angela Merkel hat ihre Partei im Griff, im Würgegriff. Nur, wer nichts mehr werden will, kann es sich leisten, seine Meinung offen zu sagen - so wie Friedrich Merz, der beste Mann, den die CDU bald nicht mehr hat. Er war es auch, der sich traute, das böse L-Wort zu sagen: Leipzig. Auf dem Leipziger Parteitag vor fünf Jahren hatte die CDU noch einen klaren programmatischen Kompass. Jetzt richtet sich die Partei nur noch nach einer Person: der Kanzlerin. Was genau unterscheidet Merkel da noch von Kohl? Wie sehr die CDU-Vorsitzende ihrem Vorgänger ähnelt, zeigt nicht zuletzt ihr Verhalten in Krisensituationen: Sie sitzt sie aus. Was aber ist, wenn die Wirtschafts- und Finanzkrise nicht von alleine verschwinden mag? (Westdeutsche Zeitung).

Da hat die NW ja mal wieder den Morgenkaffee versalzen, denn auf Seite 2 jubelt unsere Alexandra Jacobsson über “die ruhige Hand” der “welken Rose der Uckermark”, deren Wirtschafts- und Finanzverstand sich in 3 Jahren Regierung doch als arg bescheiden herausstellte. Aber wenn man von solchen untertänig dienernden Granden wie Rüttschers, Po falla, “Lippe” Koch und “Weichei” Wulff umgeben ist, glaubt man wahrscheinlich, man könne fliegen und barfuß übers Wasser gehen. Das kann selbst Superstar Obama nicht, wie die Zusammensetzung seines Kabinetts mit “No Changers” jetzt schon zeigt.

Na denne. Sitzen wirs aus. Die Zeche zahlen ohnehin nicht die Freunde der Dr. Helmut Angela Merkel-Koch, der einzig wahren Tochter des Saumagenschlächters aus Oggersheim. Wohin das geführt hat, wissen wir alle. Pisa läßt grüßen. GAZgerd hat es den Boden für seine Harakiri-Reformen bereitet.

Ergänzend dazu ein Kommentar aus der Süddeutschen Zeitung, München:

CDU-Parteitag in Stuttgart: Merkels Melissengeist

Wer die soziale Marktwirtschaft exportieren will, der muss sie erst einmal zu Hause bewahren. Wer so tut, als sei dort alles in Ordnung, und Angela Merkel tut so, ist unglaubwürdig: Mehr als zehn Jahre lang hat die Politik, auch die Politik der Angela Merkel, Deutschland zum bloßen Standort kleingeredet. Die deutsche Leitkultur bestand in der Ökonomisierung aller Lebensbereiche sowie im Um- und Abbau des Sozialstaats. Die Wertedebatte beschränkte sich darauf, den Wert von niedrigen Steuern und sinkenden Lohnnebenkosten zu betonen. Und während die Steuern sanken, kroch in den Schulen und Kindergärten der Schimmel die Wände hoch.