Archiv für den Monat: November 2008

Wend sauer auf „Bruder im Geiste“

Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Rainer Wend (Bielefeld), hat den Austritt des früheren Wirtschaftsministers Wolfgang Clement mit Verärgerung aufgenommen. „Ich bin sehr überrascht, aber auch persönlich enttäuscht“, sagte Wend der in Düsseldorf erscheinenden morgigen Ausgabe der „Rheinischen Post“. „Das ist eine völlig unpolitische Entscheidung und wohl Clements Naturell als Sturkopf geschuldet. Er schadet sich mehr selbst als der SPD. Die Parteiführung hat sich klug verhalten“, so der Wirtschaftspolitiker, der ein persönlich gutes Verhältnis zu dem früheren NRW-Ministerpräsidenten pflegt. Wend würdigte die Verdienste Clements. „Er hat als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen erfolgreich für das Land gearbeitet und Innovationen vorangetrieben. Als Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit hat er maßgeblich an den Sozialreformen mitgewirkt, die zum Rückgang der Arbeitslosenzahlen beigetragen haben.“

Verdienste? Innovationen? Sozialreformen?

Mensch Wend. Genosse. Gebrauch mal Deinen Verstand. Und denk mal nach: Hartz IV, Wegfall der Beschränkungen für Hedgefonds, getürkte Arbeitsmarktstatistiken, usw. Die Liste ist zu lange für diesen Blog. Aber bald kannst Du ihm ja auch Pensionsberechtigtfreundlich folgen.

Ach. Kein Verstand da zum Gebrauch? Siehste. So wurde auch der „Mann mit den längsten Mundwinkeln seit Angela Dorothea Merkel“ stets überschätzt. Passiert bei Blendern häufiger. Manche glauben, sie könnten fliegen. Andere haben noch mit anne 60 ungefärbte Haare. Wieder andere fühlen sich wie ein Kanzler, bleiben aber auf ewig ein „Mädel“. Wär ja alles nicht schlimm, wenns nicht so schlimm wär.

So Rainer. das mußte mal geschrieben werden. Verstehst doch auch Du. Oder? Ruf mal GAZgerd an, der kann Dir das verklickern. „Wie bereite ich als noch amtierender Regierungschef meinen Abgang so vor, das er gradewegs in wunderbar weiche Altersversorgungen mündet“?

Die brechreizende Beckmann-Spiegel-Allianz

Mit Rücksicht auf Zuschauer, die bestenfalls die Wahl zwischen Bielefeld und Bochum haben, holte Beckmann das Gespräch zurück an den heimischen Herd. „Man kann guter Katholik sein und rote Haare haben“, behauptete Alexander. „Katholisch sein ist eine verrückte Sache“, versicherte Gloria, um im nächsten Satz zu dementieren, was ihr Bruder mal über sie geschrieben hatte: „Ich habe keinen Putzfimmel, ich bin nur ordentlich.“

So stehts in einer Besprechung der Beckmannschen Seichtsendung von Spiegel online. Das ehemals so stolze Augstein-Blättchen verkommt immer mehr zur senilen Kleinkaropostille dünne Bretter bohrender C-Journalisten aus dem neoliberalen SpringerBertelsmannlager. Schwach. Sehr schwach. Oder schrub Grönemeyer jemals der Regensburger Heimat der Taxischen Turnerin eine Hymne? Den Anfang wüßt ich schon: „Regensburg, ich schnacksel mit Dihir…..“.
Wer partout nichts zu sagen hat, schweigt sich beim Dummbeutel Beckmann lauthals aus.

Barbara Sommer und die Hindukusch-Verteidiger

Sie freue sich sehr, dass die ohnehin schon »gute Zusammenarbeit« ihres Hauses mit der Bundeswehr nun durch eine förmliche »Kooperations – vereinbarung« weiter gefestigt werde, sagte die nordrhein-westfälische Ministerin für Schule und Weiterbildung, Barbara Sommer (CDU), Ende Oktober in Düsseldorf. Auch ihr Kooperationspartner, der Befehlshaber im Wehrbereich II, Generalmajor Bernd Diepenhorst, freute sich: ­Seiner Ansicht nach führt das bislang einzigar­tige Abkommen zu einer deutlichen Verbesserung der »politischen Bildung« an den Schulen des Bundeslandes.

Die Vereinbarung, die das Landesministerium und die Bundeswehr getroffen haben, sieht folgen­des vor: Die so genannten Jugendoffiziere der Bundeswehr sollen nicht nur wie bisher regelmäßig die Schulen in Nordrhein-Westfalen besuchen und dort – beispielsweise im Gemeinschafts­kundeunterricht – »Informationsveranstaltungen« abhalten, sondern werden außerdem in die »Aus- und Fortbildung« von Lehrern und Referendaren »eingebunden«.

Lehrkräfte erhalten ebenso wie die Angehörigen der Schulverwaltung Gelegenheit, Kasernen und andere Einrichtungen der Bundeswehr zu besichtigen und an den dort angebotenen »Semi­naren zur Sicherheitspolitik« teilzunehmen. Wie das Schulministerium weiter schreibt, wird die Einhaltung der Kooperationsvereinbarung in »regelmäßigen Gesprächen der Jugendoffiziere mit den Schulabteilungsleiterinnen und -leitern der Bezirksregierungen« überprüft.

Soso. „Seminare zur Sicherheitspolitik“. Leider erst jetzt in der „Linken Wochenzeitung“ Jungle-world gelesen. Schön, wie unsere blonde Bielefelder Geheimwaffe der Rüttgers-Truppe peu a peu für „Begeisterung“ bei den Schülern für die Belange der Truppenstärke hinsichtlich der Hindukusch-Verteidiger sorgt. Nannte das nicht mal ein Kaiser „Kanonenfutter“? Ein gewisser Herr Jung ist übrigens schon fleißig dabei mittels Forderung nach „min. 1500 Soldaten“ aus der somalischen Piratenjagd einen niedlichen kleinen Krieg zu machen.

Plädoyer für Linda

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Ich weiß ja nicht, welche Kartoffeln Sie bevorzugen, aber wir sind Linda-Fans. Wo immer auch es ein Säckchen zu erhaschen gilt, nehmen wir es. Aber Linda ist die umkämpfteste und von den Manipulierern und der Sortenmafia gehaßt. „Linda ist eine festkochende Kartoffel mit tiefgelbem Knolleninneren, die als besonders aromatisch gilt. Sie hatte im Jahr 2004 einen Marktanteil von etwa 1,4 % in Deutschland. Beim Direktverkauf von ökologisch wirtschaftenden Landwirten ist sie jedoch eine wichtige Sorte. Um die Verlängerung der deutschen Sortenprüfung ist derzeit ein Rechtsstreit anhängig.

„Europlant argumentiert, dass Linda sehr anfällig gegen Krautfäule, Knollenfäule und Virusnekrosen sowie nicht resistent gegen Nematoden und Krebserkrankungen sei. Deshalb benötige sie unnötig viel Pflanzenschutzmittel. Des Weiteren sei ihre Kocheigenschaft oftmals nicht stabil, das heißt sie verändere diese während der Lagerperiode von fest- zu mehligkochend. Im Interesse des Umwelt- und Verbraucherschutzes empfehle sie deshalb andere Sorten. Befürworter der Linda verweisen auf die ökologische Landwirtschaft, die Pflanzenschutzmittel gegenüber den ohnehin niedrigen gesetzlichen Grenzwerten weiter beschränke, sodass eine Gefährdung der Umwelt und der Verbraucher vernachlässigbar sei.“ (Quelle: Wikipedia)

Die deutschen Bauern glauben, dass das Bundessortenamt Hannover die Zulassung der Kartoffelsorte Linda absichtlich verzögert. Karsten Ellenberg von Bioland dazu in einem taz-Interview:

„Sie braucht weniger Düngemittel und kommt ohne Spritzmittel aus. Auch die Verbraucher wollen sie. Zum anderen geht es uns ums Prinzip: Konzerne dürfen nicht bestimmen, was wir anbauen und essen dürfen.“

Och, lieber Karsten Ellenberg, die Verbraucher können Sie getrost vergessen. Die stören nur bei den Abzockerspielchen. Man könnte doch jetzt ein Lehman-Derivat neu auflegen und auf die Überlebenszeit der Sorte „Linda“ wetten. Kaufen können Sie die hochspekulativen Papiere dann bei einer deutschen Bank oder bei der Berater-Bank. Wundern Sie sich aber nicht, wenn Ihr Anlagevermögen dann bald weg ist und Sie kein neues Linda-Saatgut kaufen können. Das ist dann nämlich gewollt. Sagt „V“-Mann Joe Ackermann.

Kniefall vor Clementine

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Ob die hiesige SPD noch Rückgrat und eine eigene Meinung hat? Bezweifeln wir es mal. Zum gestrigen Kniefall der Partei vor dem Chefzyniker und Superlobbyisten Wolfgang Clement liest man auf der örtlichen Webseite nichts als Kraft. Hannelore Kraft, Vorsitzende, spricht vollmundig landesweit aus, was die Leute an der Basis eigentlich in Mehrheit nicht denken:

Zur Entscheidung der Bundesschiedskommission im Parteiordnungsverfahren gegen Wolfgang Clement erklärt Hannelore Kraft, Vorsitzende der NRWSPD: „Die Bundesschiedskommission hat entschieden, dass Wolfgang Clement Mitglied der SPD bleibt. Die NRWSPD begrüßt diese Entscheidung. Es ist gut, dass sich beide Seiten bewegt haben und dass so ein Kompromiss gefunden werden konnte.“

Na dann freuen wir uns auf die nächsten Ausbrüche des Cholerikers, locker abgefedert vom reaktivierten Partei-Opa Franz M. aus dem Sauerland. Fragt sich nur, wer eine Truppe wählen soll, die vor einer schrumpeligen Clementine einen Kniefall wie weiland jener Herr in Canossa macht. „Harte Kante“ sähe anders aus.

Und so gegen kurz nach 10 Uhr kristallisierte sich heraus: Wolfgang Clement tritt nach 38-jähriger Mitgliedschaft die SPD aus. Ähmm, respektive: aus der SPD aus.

Tschüss, beleidigte Leberwurst. FDP oder CDU nehmen Dich mit Kußhand auf. Eine wahrer Lobbyist braucht doch den richtigen Stall.

Sensation: Neuer Sturmtank für Arm. Bielefeld

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Der „Kicker“, jene DFB-servile Fußballpostille, brachte es als Eilmeldung: Arm. Bielefeld hat einen neuen Stürmer der Extraklasse als Partner für König Artur verpflichtet. Bereits im Spitzenspiel der Fubabuli Hoppenheim versus Arm Bi. am Samstag wird er im schwarzblauen „Go away“-Trikot auflaufen und die Sinsheimer Vorstädter an ihren Milliardärmillionen-schweren Beinen zweifeln lassen. Roland Kentsch, „Mr. Omnipotent“ des Clubs von der Alm, hat Höhenluft geschnuppert nach dem Sieg über Leverkusen. Wie soll Hoppenheims Jungnationaler Compper den überschweren Brecher stoppen? Geht nur per Foul. Also: Elfer in der 11., Führung für Arm. Bi. Traditionell wird Daniel Halfar dann ab der 60. Kentschens Roland ersetzen und das Zweinull machen. Fertig. Arminia auf Champions-League-Kurs. Ist in noch 20 Spielen mit je 3 Punkten machbar.

Ja, so machen wir das, Roland. Vergiss aber bitte nicht, Dein „GoAway“-Trikot mit zu nehmen nach Hoppenheim.

Kelleins nächste Fettnäpfchen: Bunte LEDs

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Die NW Bielefeld zitiert – mit Zustimmung dieses Blogs – heute im Lokalteil den „Bielefeld-Blog“ und zeigt jenen wunderbaren Schnappschuß unseres Bloggers „Argonaut“ vom Moment des drohenden nächsten Kellein-Fettnapftrittes: LED-Throwings illuminieren die „Axis“-Skulptur von Richard Serra vor der Kunsthalle. Kunsthallen-Doyen Kellein zur NW: „Wir sind ein Museum und können nicht zulassen, dass jemand ein Kunstwerk verändert“.

Dünnhäutig, der Museumsmann. Dabei hats die Oetker-Stiftung doch ganz gern mit der zeitgenössischen Kunst. Ein paar bunte LEDs in der Nacht, geworfen von anonym bleibenwollenden Künstlern der Metropole, bringen ihn ebenso auf die Palme wie ein paar vom Kunsthallen-Café abgezapfte Strom-Kilowattstunden. Anstatt den Spieß umzudrehen und aus der „Kunst an der Kunst im öffentlichen Raum“ eine zeitbezogene Aktion zu machen, schmollt er. Nächster Prozeß? Und wenn, gegen wen?

Es sei wie es sei. Das Bild ist Klasse. Jetzt noch ein paar hundert LEDs an das Neue Rathaus oder die Kathedrale deutschen Spitzenfußballs, der AlmSchücoArenaIhreNeueHaupttribüne, throwen oder einen von Mehdorns ICE´s beim Zwangsaufenthalt im Bielefelder Hauptbahnhof verzieren – Bielefeld käme in die internationalen Schlagzeilen wie die berühmte Kugel an Silvester vor dem New Yorker Rockefeller-Center. Und in diese Kategorie gehört die unter die Sparrenburg geduckte Metropole doch mindestens.

Schönen Tag Euch allen da draußen. Von Jöllenbeck bis Heepen, Altenhagen bis Deppendorf. „LEDs aus Bielefeld“. Machen das Leben ein wenig bunter. Darauf ein herzhaftes Wölkchen?

Damit da jetzt keine totgehen

Okok, der ist nicht gut. Aber die Pressemeldung der Stadt Bielefeld reizte dazu:

Ab sofort sperrt der Umweltbetrieb den Sennefriedhof und den Waldfriedhof. Der Grund: Besonders bei den Kieferbeständen besteht die Gefahr des Schneebruchs. Trotz Sperrung will der Umweltbetrieb Beisetzungen weiter ermöglichen. Noch bis einschließlich Mittwoch, 26. November, bleiben die Friedhöfe gesperrt.

Der weiße Neger Wumbaba

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Heute nicht mal ganz 17 Uhr im Bielefelder Speckgürtel auf dem Weg von Brockhagen. Mystische Stimmung liegt über dem Land. Mir fiel ein Lied ein und das Buch von Axel Hacke mit Zeichnungen von Michael Sowa:

1. Der Mond ist aufgegangen
Die gold’nen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar
Der Wald steht schwarz und schweiget
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Neger Wumbaba.

usw.

Darum beneidet uns (fast) halb Europa

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So langsam findet er zu alter, strahlender Schönheit zurück. Der fast entmatschte und von seinen verlandenden Inselchen befreite Tümpel unter dem Schildescher Viadukt hat aber auch gar zu herzige Ufereckchen, wo sich das Schilf lieblich auf das angefrorene Wasser legt und die per „Powerbrand“ in diese Stadt und Gegend gelockte Führungskraft darüber sinniert, warum das Ganze hier englisch „Eule“ heißt. Er kann ja noch nicht wissen, wird es aber schnell lernen, daß der Schalk diesem Fleckchen herrliche Erde im Westen der Republik im Nacken sitzt. Dabei wollte ich doch nur bekanntgeben, daß der Bielefelder Weihnachtsmarkt heute um 11e angegangen worden ist.

„Doch nicht so kreativ“

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Da stand sie hinter der Theke und lachte, als ich ihr die Frage „Habt Ihr heute Taubrötchen?“ zuwarf. Sie konterte geschickt und richtig unblond: „Meine Chefs sind nur bedingt kreativ. Aber ich schlage denen mal vor, Brötchen zu machen, mit denen man im Frühtau zu Berge ziehen kann“. Sprachs und packte zwei Baguettebrötchen ein, die nicht angetaut aussahen. Ich kauf ja nicht so oft bei den Buben mit den auffälligen Autos und dem überraschend guten Capuccino. Wenn ihn denn die gemacht hat, die die Taubrötchen konterte. Offensichtlich kann sie auch Kaffeeautomat.

Heut basteln wir uns eine Umfrage zurecht

Die Mehrzahl deutscher Autokunden ist überraschend krisenresistent. Das ergab eine aktuelle repräsentative Online-Umfrage des Marktforschungs – instituts Innofact im Auftrag der Frankfurter Unternehmensberatung b-k-p Consulting. Rund 61 Prozent der Befragten würden trotz der herrschenden Finanz- und Wirtschaftskrise ihren Plan, in den kommenden Monaten einen Neuwagen zu kaufen, umsetzen. Besonders viele junge Leute zwischen 18 und 29 Jahren (knapp 70 Prozent), lassen sich bei ihren Kaufplänen durch die Krise wenig beeindrucken. Dagegen liegt der Anteil derer, die an Stelle eines Neuwagens einen günstigen Gebrauchten kaufen würden, gerade einmal bei 15,5 Prozent der Befragten. Noch geringer ist der Prozentsatz derer, die den Autokauf – egal ob neu oder gebraucht – erst einmal komplett verschieben würden: Er liegt bei knapp zwölf Prozent.

Die Zahl der Wasserstandsmeldungen, Kaffeesatzlesungen, Zukunftsdeutungen und Umfragen hat – gemessen an den eingehenden Pressemeldungen – eindeutig zugenommen. Ein Highlight sind stets die zurechtgebastelten Ergebnisse. Wie die oben zitierte. Fragt man zB. den Mann von Hagemann Bielefeld, sieht das ganz anders aus.

In der Fachzeitschrift Autohaus“ findet sich dann aber doch noch ein tiefergehendes Interview mit Burkhard Weller, der auf der Herforder auch eine Filiale betreibt:


Bankenkrise, Autohersteller in Not, Angst vor Arbeitsplatzverlust und Rezession – trübe Stimmung, wohin man schaut. Der Autohandel in Deutschland fürchtet eine rasante Talfahrt. Einer der größten Händler jedoch ist zuversichtlich: Burkhard Weller, geschäftsführender Gesellschafter der Wellergruppe und Präsident des Verbands der Toyota-Händler, sprach mit AUTOHAUS-Chefredakteur Ralph M. Meunzel und Frank Selzle über die Situation des Marktes und Perspektiven seines Unternehmens.

„Manchmal hilft es, die Tageszeitungen zwei Tage lang nicht zu lesen“, verrät Weller seine Strategie zur optimistischen Weltsicht. Zwar werde der Markt enger, doch sei die aktuelle Finanzkrise nicht schuld daran, dass weniger Fahrzeuge verkauft würden. Vielmehr habe man es mit einem neuen Marktniveau zu tun, auf das man sich einstellen müsse. Weller rät seinen Händler-Kollegen deshalb zur Gelassenheit: „Man darf sich nicht runterziehen lassen.“ Wenn ein Kunde zurückhaltend ist, muss man ihn abholen, so seine Devise. Außerdem brauche man mal wieder einige positive Nachrichten auf der Titelseite, so Weller: Beispiele gebe es genug, wie der sinkende Benzinpreis, die Abnahme der Arbeitslosenzahl unter drei Millionen, der rückgängige Gaspreis ab Januar. Die optimistische Sicht behält Weller, obwohl sein Unternehmen auch selbst einige Einschnitte hinnehmen muss. Die 1979 in Osnabrück gegründete Wellergruppe wird 2008 voraussichtlich das erste Mal in der Firmengeschichte keine Gewinne erzielen, schätzt Burkhard Weller.
Doch das hindert ihn nicht daran, sich das Ziel zu stecken, 2009 wieder rentabel zu sein.

Pressemeldung. 25. November 2008:

Eine aktuelle Studie von MSR Consulting bestätigt die schwierige Verkaufssituation für den Autohandel: 7% der befragten Autofahrer haben in den letzten Monaten den Kauf eines neuen PKW geplant, diesen aber erst einmal verschoben. Für 86% der Befragten ist ein Kauf in nächster Zeit sogar völlig ausgeschlossen. Diese Gruppe locken auch Anreize wie eine Verschrottungsprämie (2%) oder die neugestaltete Kfz-Steuer (1%) nicht. Selbst bei einem Nachlass von 20% würde sich nur 1% für einen Autokauf entscheiden. Von den 7% die bisher zögerten, wollen aufgrund der neuen Kfz-Steuer immerhin 32% ein neues Auto kaufen. Beinahe doppelt so viele Befragte werden sich aber dennoch keinen neuen PKW (29%) kaufen oder erst dann, wenn die Konjunktur wieder anzieht (29%). Für die Branche heißt das dringend aktiv zu werden und sich nicht alleine auf die Konjunkturpakete der Regierung zu verlassen. Es gilt rechtzeitig die Weichen zu stellen: Hersteller müssen Produktionskapazitäten, Produktpaletten und die Kostenstruktur an die neue Situation anzupassen. Außerdem gilt es das Geschäftsmodell Hersteller-Handel jetzt wirklich zu durchleuchten. Hier bedeuten schlanke Prozesse weniger Kosten für beide Seiten. Das Thema Kosten muss vor allem der Automobilhandel jetzt angehen, damit das nächste Jahr nicht zum Desaster wird.

Westfalen-Blatt: „Clement wollte Schaden abwenden“

Heute wird endgültig über einen Parteiausschluss des gestandenen Sozialdemokraten Wolfgang Clement entschieden. Parteichef Franz Müntefering ist gut beraten, dass er an der Sitzung teilnimmt, um persönlich einen Rausschmiss des früheren Wirtschaftsministers zu verhindern. Eine neuerliche Zerreißprobe kann sich die SPD nämlich nicht mehr leisten, wenn sie nicht noch mehr Mitglieder verlieren und in den Umfragen noch weiter nach unten rutschen will. Eine Entscheidung gegen Clement wäre ein verheerendes Signal an die Mitglieder der jetzt schon tief gespaltenen SPD: In dieser Partei sind eigene Meinung und Gewissensentscheidung nicht mehr gefragt, werden durch blinde Gefolgschaft endgültig abgelöst. Das sind auf jeden Fall die Lehren aus dem Durcheinander in Hessens SPD. Sicher, ohne Solidarität geht es in keiner Partei. Doch Solidarität darf nicht die eigene Meinung und das eigene Gewissen erdrücken. Da sollte Hessen eine unrühmliche Ausnahme bleiben. Clement wird jetzt parteischädigendes Verhalten vorgeworfen. Dabei wollte er nur Schaden von der Partei abwenden. Warum wird Andrea Ypsilanti nicht angeklagt? Größeren Schaden hat selten jemand der SPD zugefügt.

Ach, liebes Westfalen-Blatt. Ypsilanti zu einem Clement-Auswurf übelster Sorte heranzuziehen, ist langweilig. Das lassen wir da jetzt mal so stehen. Zum Thema „Clement“ gibt es durchaus relevantere Meinungen, die Euch diametral entgegenstehen. Aber ist es nicht ohnehin egal, was eine einstmals stolze SozialDemokratische Partei macht? Ist es nicht egal, was Müntefering schwafelt oder nicht? Wenn neben Clement jemand „herangezogen und angeklagt“ gehört, dann der ehemalige Bundeskanzler Schröder. Aber da stand die SPD wie ein geschlossener Dussel auf den Tischen und hat Hartz-seelig gefeiert. Heute ist sein Stiefelhalter Müntefering wieder Parteichef. Der hat ebenso wenig ein Gewissen, wie es der so aufopfernd verteidigte Zyniker Clement hat.

Gedanken beim sehr frühen Schneefegen

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Wir hier, die wir ja durch unsere große Nähe zu den Gebirgszügen des Teutoburger Waldes mit den Gepflogenheiten der Bergvölker durchaus vertraut sind, kennen das ja, wenn im Spätherbst die Schneelawinen abgehen und unvorsichtig außerhalb ihrer Hütten geparkte Fahrzeuge einschneien. Wie hier geschehen, denn die bessere und schönere Hälfte hatte ihren Wochendseminartrip in die nordhessischen Berge mit einem durchaus überkompakten englischen Vierrädler absolviert, den sie folglich außerhalb der Garage parkte. 4:59 Uhr war es, als ich zur Tat schritt und den Schnee nebst ein wenig Eis von den englischen Scheiben kratzte und das Ding vorheizte. Nun war der Grund beileibe nicht senile Bettflucht oder preußisch-korrekte Schneefegung des Vorplatzes. Nein, die Dame hat einen frühen Termin beim Discounter unser aller Vertrauens, dessen Sitz im Ruhrgebiet ist.

Sie macht sich denn auch pünktlich auf den Weg und nahm die A 2 unter die Allradgetriebenen Räder. Welcher Dame darf ich noch mitten in der Nacht das Auto vom Schnee befreien?

Denkanstösse. Auch für Bielefeld

Noch einmal die Frage: Warum ist unsere Gesellschaft so unbefriedigend, obgleich heute alles, was einen Rechtsstaat ausmacht, gewährleistet ist? Warum treten die Leute aus der Kirche aus? Warum verlieren Parteien und Gewerkschaften angestammte Mitglieder? Warum schimpfen die Bürger auf die Politiker und die Politiker auf die Medien? Kurz gesagt: Warum so viel Frust, wo es doch den meisten so gut geht wie nie zuvor? Natürlich gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Wir stehen zweifellos an einer Zeitenwende, die durch Globalisierung, Computertechnologie und elektronische Informations – praktiken gekennzeichnet ist und die wahrscheinlich grössere gesellschaftspolitische Veränderungen verursachen wird als seinerzeit das Hereinbrechen des technischwissenschaftlichen Zeitalters. Konkrete Probleme hat es immer gegeben. Heute aber gibt es noch etwas anderes, etwas Unwägbares, ganz und gar Unkonkretes, was die Menschen bedrückt, oft ohne dass sie sich darüber Rechenschaft geben. Alles Metaphysische, jeder transzendente Bezug ist ausgeblendet, das Interesse gilt ausschliesslich dem wirtschaftlichen Bereich: Produzieren, Konsumieren, Geldverdienen. Eine Zeitlang war das ganz schön, aber dann spürten plötzlich viele: dies kann doch nicht der Sinn des Lebens sein.

Marion Gräfin Dönhoff: „Zivilisiert den Kapitalismus“ 1997.

Dieses Buch der ehemaligen ZEIT-Herausgeberin ist überaus lesenswert, nimmt es doch Entwicklungen vorweg, die dieser Tage zum konsternierten und kopflosen Herumrennen und Handeln unserer Politiker geführt haben.

In den USA sagt der kommende Präsident Barack Obama: „Wir schaffen 2,5 Millionen neue Arbeitsplätze“.
In Deutschland sagt die verwelkte „Rose der Uckermark“: „Es wird alles noch viel schlimmer. Ojemninee. Ich weiß nicht mehr weiter“.

Das ist der Unterschied. Zurück zu Marion Gräfin Dönhoff. Es wird eine interessante Woche. Auch in Bielefeld.

Nun singen wir Heinrichs „Schäferlied“. Die Welt ist nun mal bekloppt

Bauer wird Star. Noch nie in der Geschichte war es so einfach, bekannt zu werden. Bis zu acht Millionen Menschen verfolgen jeden Montag am Fernseher, wie einsame Landwirte Frauen den Schweinestall zeigen, ihnen selbstgemachte Wurst aufs Brot legen und mehr oder weniger ungelenk zarte Bande zu knüpfen versuchen. Anstatt zum Objekt der Belustigung zu werden, avanciert der singende Schäfer Heinrich zum Medienstar. Er wird von Party zu Party weitergereicht, singt vor johlender Menge sein Lied und schreibt, umringt von jungen Damen, Autogramme. »Wahnsinn«, sagt Heinrich und schüttelt selbst den Kopf. Er weiß nicht so recht, wie ihm geschieht. Eigentlich sucht er mit Hilfe des Fernsehens nur eine Frau. Und dann ist er plötzlich ein Star. Die Berichterstattung hat sich verselbständigt. Bis zum Fernsehzeitalter entschieden die Herkunft, Geld und außergewöhnliche Begabungen darüber, ob jemand über die Grenzen seiner Stadt hinaus bekannt wurde. Im Mittelalter konnte kein Mensch ein Star werden, da durfte nur Gott angebetet und gerühmt werden. Bis die Französische Revolution 1789 die Herrschaft des Adels brach, bildete vornehme Abstammung die Voraussetzung für eine Karriere in Politik und Militär. Lediglich Musik, Literatur und Wissenschaft boten einem Bürgerssohn Gelegenheit, sich aus der grauen Masse hervorzuheben. Ohne solides Wissen und Begabung ging nichts, das Bildungsbürgertum hieß nicht ohne Grund so. Waren die Stars früher Mozart und Schiller, heißen sie heute Bohlen und Pocher. Das Fernsehzeitalter hat das jahrhundertealte Verständnis von Berühmtheit verändert: Heute sind außergewöhnlichen Talente kein Muss mehr, um im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen. Schon der Mut, vor die Kameras zu treten, kann reichen, damit jemand zum Star wird. So wie der singende Schäfer Heinrich in »Bauer sucht Frau«: Er hat die Courage, seine Schüchternheit im Umgang mit Frauen vor einem Millionenpublikum zu offenbaren. Das Fernsehen hat den Weg zum Star beliebig gemacht, Berühmtheit vervielfacht. Gefeiert wird, wer viel kann, aber auch, wer einfach so ist, wie er ist. Großartige Musiker wie Herbert Grönemeyer sind heute genauso Stars wie singende Schäfer aus dem Sauerland. Ist diese Entwicklung bedauerlich oder erfreulich? Ersteres. Denn das Fernsehen hat Berühmtheit nicht nur beliebig, sondern auch schnelllebig gemacht. Den singenden Schäfer Heinrich kennt in drei Jahren niemand mehr. Und außerdem: Wer dadurch bekannt wird, dass er in einem Dschungelcamp Kakerlaken verspeist, ist ein fragwürdiger Star. Er kommt in kein Geschichtsbuch. Komponist Beethoven, Dichter Heine, Politiker Bismarck, Wohltäterin Mutter Theresa und Weitsprungolympiasiegerin Heike Drechsler stehen bereits drin, weil sie auf ihrem Gebiet Großartiges geleistet haben. Deshalb können wir dem singenden Heinrich alles Gute bei der Suche nach einer Frau wünschen, aber wir sollten ihn nicht Star nennen.

Liebes Westfalen-Blatt, das steht Morgen in Euerm Blatt. Schon mal gemerkt, daß Ihr Medien es seit, die fleißig an diesem „Star“-Mythos mitbastelt? Was hebt Ihr denn auf Eure Seiten 1 und was druckt Ihr denn an Mist ab, den Euch die Pressestellen der Sender schicken? Laßt es doch einfach. Dann könnte Heinrich trällern, was er wollte. Tut Ihr aber nicht…..

Geballte Kompetenz. Brutto für netto.

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Aus einer e-Mail an mich zum Thema „Rede Kanzlerin Merkel/Abschwung/Krise“:

Finanzkrise, Vertrauensverlust, technologische Defizite – Kanzlerin Merkel rechnet für 2009 mit einem „Jahr schlechter Nachrichten“. Die Regierungschefin will deshalb energisch gegensteuern: Das EU-Konjunkturpaket für Innovationen solle genutzt werden, um Europa zukunftsfähiger zu machen.

Es hat immer mehr den Anschein, dass Frau Merkel zum Jagen getragen werden muss. Eigentlich ist es eine wichtige Aufgabe auch der Politik, den Bürgern Zuversicht zu vermitteln.Denn, zum Wesen der Ökonomie gehören 50 % Psychologie! Das es schwierig wird im nächsten Jahr, hat sich doch wohl herumgesprochen. Aber, unsere Grande Dame gibt sich offenbar Mühe, die Krise zusätzlich weiter zu verschärfen. Zur gleichen Zeit ist zu lesen, dass Großbritanniens Premier Brown die Mehrwertsteuer noch vor Weihnachten absenken will. Und das in einem Land des Manchester-Kapitalismus. Es ist doch immerhin erschreckend zu beobachten, wie hierzulande immer noch und immer wieder Ideologische Scheuklappen das Denken und Handeln bestimmen. Gleichzeitig wird fröhlich mit Geldverschwendungen weiter gemacht.

volkmar g.

Danke. Dem ist nichts hinzuzufügen.

In den Schuhen meiner Mutter

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Als Kind und Jugendlicher kämpfte ich oft gegen den fußfesten Pragmatismus meiner Mutter. „Zieh feste Schuhe an. Hilft gegen Matsch. Und wenn dich einer angreift, kannst du dich tretend wehren“. Was ich dann auch häufiger machte zwecks Test der Stahlkappen. Heute in der Früh wählte ich das feste Tretwerk aus eher anderen Gründen. Die über Ostwestfalen hereingebrochene weiße Pracht verwandelt sich zusehends in grauen, feuchten Matsch.

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Entgegen seiner sonstigen Gepflogenheiten entwickelte der angeleinte Warmduscher mit dem dicken Fell erstaunliche Bellattacken gegen im Schee äsende Pferde mit Decken eines bekannten Gestüts. Die Herangaloppierenden bekamen ein verächtliches „Wuff“, wohl wissend, daß ein Elektrozaun ihn und sie trennt.

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„Schneewittchens Siwmmingpool“ dachte ich, als wir an diesem romantischen See vorbeispurten. Leider zeigte sich das holde Kind nicht. Wohl doch noch zu kalt und enorm matschig. Die Schuhe meiner Mutter waren definitiv die richtige Wahl.

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Nochmal nachgetreten

„Das Saubermann-Image hat einen Fleck bekommen. Was da von der Bank gekommen ist, war das Unfairste, was ich in diesem Stadion je gesehen habe. Hoffenheim gibt immer den Dorfverein ab, macht immer auf attraktiv, lieb und nett. Sie haben diesen Platzverweis von der Bank aus provoziert. Die Entscheidung wurde maßgeblich von der Hoffenheimer Bank beeinflusst“, kritisierte Daum das Verhalten der Hoffenheimer während der Partie. Der Anlass: Ein deftiges Tackling von Kevin McKenna von der Seite gegen Hoffenheims Sejad Salihovic, das der nicht immer sichere Schiedsrichter Deniz Aytekin zu Recht mit Rot ahndete (52.). Sagte Kölns Trainer Daum nach der Heimniederlage gegen Hoppenheim. Das ist der Arminen nächster Gegner im Mannheimer Stadion.

Also Freunde, aufgepasst. Hoppenheim hat schnell gelernt. Nicht nur, wie man guten Fußball spielt, sondern auch sonst. In jeder Hinsicht. Selbst bei Frauenfußball. Millionen beflügeln manchmal auch Dorfvereine. Da man die Daumsche Aktion auch im TV sah, bleiben gemischte Gefühle, die der immer ein wenig arrogant und überheblich wirkende Hoppenheim-Trainer Rangnick auch nicht so richtig auswischen konnte. Sei´s drum. Hoppenheim wird daheim sensationell gegen die Arminia verlieren. Die hatte gestern nicht nur einmalige rote Linien auf dem in sensationellen 50 Minuten gefegten Platz sondern auch den bisherigen Tabellenführer recht souverän geschlagen. Warum soll das mit Hoppenheim nicht klappen?

Schrub ich hier ständig „Hoppenheim“?. Ja, das muß dann wohl Absicht sein. Und überhaupt, warum sponsert Dr. Oetker nicht Gadderbaum?

Verschüchterter „Insignia“

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Es hätte alles so schön werden können, bei der Marke mit dem „Blitz“ vorne an dran. Doch wo früher die Massen an Kadett, Astra, Manta, Kapitän und Olympia, ja Rekord, vorbeipilgerten – da ist heute – am Tag des neuen „Insignia“ – nichts. Keine Schnittchen, keine Bierken, keine Musik (Chopins Trauermarsch hätt schon gepasst). Schüchtern steht Europas „Auto des Jahres“ hinter einem Pfeiler beim Händler und träumt von seiner ungewissen Zukunft. „Das erste Auto, das denkt“ – so wirbt Opel für das neue Mittelklasse-Modell Insignia. Dann sollte er sich schleunigst eine neue Heimat jenseits der fast schon toten GM – Mamma suchen.

PS: Wären das nicht tolle Dienstwägen für die Spieler von Arm. Bielefeld?

NW verpennt Jürgen Höllers „Tschaka!“ um 8 Jahre

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„Du schaffst es!“, „Gib niemals auf!“, „Sorge dich nicht – lebe!“ Die Entertainer der Erfolgsgesellschaft locken Verzagte, Berufsmüde und Karrieresüchtige zu Tausenden auf ihre Motivationskongresse. Begegnungen mit den Predigern der Erschöpfungslehre

Und dann sagt er ihnen, sie seien in den Hühnerstall hineingeboren. Zu Hühnern habe man sie erzogen. Und er sagt ihnen, sie seien Adler, und sie schweigen und lauschen. Und der Hühnerstall, das sagt er ihnen nicht, ist die Gesellschaft, und Hühner sind schwach. Und die allermeisten Menschen seien Hühner, und du, sagt er ihnen, du schaffst alles, wenn du nur willst, DU, sagt er, DU kannst Adler werden! Und 1100 Adler jubeln. Der Redner heißt Jürgen Höller. Es ist Samstagnachmittag. Draußen regnet es.

So beginnt ein Essay über die „Diktatur der Optimisten“ in der ZEIT Mitte 2001. Am 8. April 2003 wurde er vom Landgericht Würzburg wegen Meineid, Untreue und vorsätzlichem Bankrott zu drei Jahren Haft verurteilt. Heute versucht er wieder auf die Beine zu kommen. Ach, Sie kennen Jürgen Höller und sein „Tschaka!“ gar nicht?

Das können wir ändern. 2009 ist in der Metropole unter der Sparrenburg das Erfolgsjahr. Ihr Erfolgsjahr! Dafür sorgt das etwas größere der Lokalbättchen, die NW. Sie bietet nämlich ganzseitig als „…ideales Weihnachtsgeschenk“ 2009 an: „Von den Besten profitieren“. Als da sind der Körpersprachenmolcho, der Tagesthemen-immer-noch-Zehrer Wickert, der Heuschrecken-Esser Nehberg, der Berufsoptimistler Horx, der Günter-Prinzip-Frädrich, der Schreihals-Ruhleder, die Motivierer Förster/Kreuz, der Netzwerk-Scherer, der Management-Radermacher, der Unternehmens – gesunder-Fournier. „Von den Besten profitieren“. Wobei der doch gar nicht dabei ist, der Tschaka-Mann.

In der Stadthalle wird es stattfinden, das – ja wie nennt man das? – „Festival der Gurus“. Sie werden hinpilgern, die Männer mit dunklem Dreiteiler und gestreiften Krawatten, Coat, Mantel, Ledertasche die erste Treppe hinauf, dazwischen Frauen mit Schlangenlederschuhen und Pumps, Kleidern, Lederhosen, Jeans. Der leichte Schweißgeruch des „Heut-geh-ich-zum-Guru“ wird ihnen anhängen. Sie werden Glitzern in den Augen haben – und bedingungslos daran glauben, was ihnen da von der Bühne der Halle heruntergeschleudert wird. „Tschaka!“. Du schaffst das. Du mußt nur dran glauben. Du mußt nur Deinen Geldbeitrag zu meinem Vortrag leisten. Du kannst auch meine Bücher kaufen.

„Sorge Dich nicht. Klebe“, sagen die Tütenkleber in der Brackweder Justizvollzugsanstalt. Hätten sie bloß rechtzeitig Jürgen Höller besucht. „Tschaka!“. 10% gewährt auch das Guruförderblättchen NW, wenn Ihr die NW-Karte und ein Abo habt. 10%. „Tschaka!“. Wär doch gelacht.

Ach so. Einen habe ich noch. Der muß aber heute Nachmittag auf hoffentlich geheiztem Rasen auf AlmSchüco dem Leverkusener Adler zeigen, daß er das bessere Torwart ist: Eilhoff.

„Tschaka!“ Du schaffst das. „Sorge Dich nicht. Halte!“. Wenn die Hütchenspiele der Banker versagen, kommt die Stunde der Gurus. Gleiches Prinzip, gleich beschissene Aussage. Gleiche Verlogenheit.

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„20 Prozent auf Allem“

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Vor dem hochdramatisch angekündigten großen Schnee schnell noch auf die Detmolder. Der Baumarkt mit gerichtlich verbotenen „20% auf Allem“ sollte es sein. Vor die Wahl gestellt, einen Engländer, einen Franzosen oder eine Rohrzange zur Demontage von Perlatoren zu nehmen, wurde es die Klassische mit dem großen Maul. An der Kasse dann ein letzter Versuch: „Wie isses denn mit 20% auf Allem?“. Die Kassiererin: „Ernaaaaaaaaa, könn wa noch 20% auf Allem?“. Erna legt bedächtig die Tiernahrung beiseite, die ja noch nie rabattiert war: „Geht noch. Der Mann is einfach zu nett“. Gesagt, getan, bezahlt. Eingepackt. Die Perlatoren werden sich freuen. Endlich hab ich die im Griff. Bin ich nicht nett?

Ein paar Pöstchen mehr für Leerkörper

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Die nordrhein-westfälische Schulministerin Barbara Sommer hat entschieden, dass in Bielefeld auch an kleinen Grundschulen Schulleitungsstellen ausgeschrieben und wieder besetzt werden, soweit die Schulkonferenzen nicht Verbünde beschließen. Das ist das Fazit eines Besuchs der Ministerin bei Oberbürgermeister Eberhard David heute. „Ich freue mich, dass die Schulministerin die Notwendigkeit erkannt hat, gegenüber der Bezirksregierung in dieser Sache Stellung zu beziehen“, so der Oberbürgermeister. Die Bezirksregierung Detmold hatte angekündigt, Rektorenstellen in Schulen mit weniger als 192 Kindern nicht wieder zu besetzen. Das widerspricht allerdings gegenwärtig weder der Rechtslage noch dem Wunsch der Eltern: Die Schul – konferenzen lehnen Grundschulverbände mehrheitlich ab und begrüßen die Absicht des Schul- und Sportausschusses, wohnortnahe Standorte zu erhalten. „Auch ich halte die Entscheidung der Bezirksregierung gegen wohnortnahe Schulstandorte für nicht vertretbar“, sagte Eberhard David im Gespräch mit der Ministerin und im Beisein von Schuldezernent Dr. Albrecht-Peter Pohle.

Eberhard David: „Es kann nicht sein, dass die Bezirksregierung Detmold einen strengeren Maßstab anlegt als andere Regierungsbezirke, wo Rektorenstellen auch an kleinen Schulen wieder besetzt werden. Dies betrifft nicht nur Schulen im ländlichen Bereich, sondern auch solche in Großstädten.“ Die rechtlichen Rahmenbedingungen seien für alle Regierungsbezirke gleich.

Ach ja. Hickhack mit Methode. Raus ausse Kartoffeln, rein inne Kartoffeln. So ganz nebenbei gibs ein paar höher bezahlte Aufsteigerpöstchen
von Besoldungsstufe A Dings nach A Bums.