Bielefeld-Blog: Das Weblog von Bielefeldern für Bielefelder

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Mo
24
Nov '08

Damit da jetzt keine totgehen

Okok, der ist nicht gut. Aber die Pressemeldung der Stadt Bielefeld reizte dazu:

Ab sofort sperrt der Umweltbetrieb den Sennefriedhof und den Waldfriedhof. Der Grund: Besonders bei den Kieferbeständen besteht die Gefahr des Schneebruchs. Trotz Sperrung will der Umweltbetrieb Beisetzungen weiter ermöglichen. Noch bis einschließlich Mittwoch, 26. November, bleiben die Friedhöfe gesperrt.

Der weiße Neger Wumbaba

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Heute nicht mal ganz 17 Uhr im Bielefelder Speckgürtel auf dem Weg von Brockhagen. Mystische Stimmung liegt über dem Land. Mir fiel ein Lied ein und das Buch von Axel Hacke mit Zeichnungen von Michael Sowa:

1. Der Mond ist aufgegangen
Die gold’nen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar
Der Wald steht schwarz und schweiget
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Neger Wumbaba.

usw.

Das Warten hat ein Ende!

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Die Altherrenriege erklärt die Met-Saison für eröffnet!

Blick zurück

Darum beneidet uns (fast) halb Europa

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So langsam findet er zu alter, strahlender Schönheit zurück. Der fast entmatschte und von seinen verlandenden Inselchen befreite Tümpel unter dem Schildescher Viadukt hat aber auch gar zu herzige Ufereckchen, wo sich das Schilf lieblich auf das angefrorene Wasser legt und die per “Powerbrand” in diese Stadt und Gegend gelockte Führungskraft darüber sinniert, warum das Ganze hier englisch “Eule” heißt. Er kann ja noch nicht wissen, wird es aber schnell lernen, daß der Schalk diesem Fleckchen herrliche Erde im Westen der Republik im Nacken sitzt. Dabei wollte ich doch nur bekanntgeben, daß der Bielefelder Weihnachtsmarkt heute um 11e angegangen worden ist.

“Doch nicht so kreativ”

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Da stand sie hinter der Theke und lachte, als ich ihr die Frage “Habt Ihr heute Taubrötchen?” zuwarf. Sie konterte geschickt und richtig unblond: “Meine Chefs sind nur bedingt kreativ. Aber ich schlage denen mal vor, Brötchen zu machen, mit denen man im Frühtau zu Berge ziehen kann”. Sprachs und packte zwei Baguettebrötchen ein, die nicht angetaut aussahen. Ich kauf ja nicht so oft bei den Buben mit den auffälligen Autos und dem überraschend guten Capuccino. Wenn ihn denn die gemacht hat, die die Taubrötchen konterte. Offensichtlich kann sie auch Kaffeeautomat.

Heut basteln wir uns eine Umfrage zurecht

Die Mehrzahl deutscher Autokunden ist überraschend krisenresistent. Das ergab eine aktuelle repräsentative Online-Umfrage des Marktforschungs – instituts Innofact im Auftrag der Frankfurter Unternehmensberatung b-k-p Consulting. Rund 61 Prozent der Befragten würden trotz der herrschenden Finanz- und Wirtschaftskrise ihren Plan, in den kommenden Monaten einen Neuwagen zu kaufen, umsetzen. Besonders viele junge Leute zwischen 18 und 29 Jahren (knapp 70 Prozent), lassen sich bei ihren Kaufplänen durch die Krise wenig beeindrucken. Dagegen liegt der Anteil derer, die an Stelle eines Neuwagens einen günstigen Gebrauchten kaufen würden, gerade einmal bei 15,5 Prozent der Befragten. Noch geringer ist der Prozentsatz derer, die den Autokauf – egal ob neu oder gebraucht – erst einmal komplett verschieben würden: Er liegt bei knapp zwölf Prozent.

Die Zahl der Wasserstandsmeldungen, Kaffeesatzlesungen, Zukunftsdeutungen und Umfragen hat – gemessen an den eingehenden Pressemeldungen – eindeutig zugenommen. Ein Highlight sind stets die zurechtgebastelten Ergebnisse. Wie die oben zitierte. Fragt man zB. den Mann von Hagemann Bielefeld, sieht das ganz anders aus.

In der Fachzeitschrift Autohaus” findet sich dann aber doch noch ein tiefergehendes Interview mit Burkhard Weller, der auf der Herforder auch eine Filiale betreibt:


Bankenkrise, Autohersteller in Not, Angst vor Arbeitsplatzverlust und Rezession – trübe Stimmung, wohin man schaut. Der Autohandel in Deutschland fürchtet eine rasante Talfahrt. Einer der größten Händler jedoch ist zuversichtlich: Burkhard Weller, geschäftsführender Gesellschafter der Wellergruppe und Präsident des Verbands der Toyota-Händler, sprach mit AUTOHAUS-Chefredakteur Ralph M. Meunzel und Frank Selzle über die Situation des Marktes und Perspektiven seines Unternehmens.

“Manchmal hilft es, die Tageszeitungen zwei Tage lang nicht zu lesen”, verrät Weller seine Strategie zur optimistischen Weltsicht. Zwar werde der Markt enger, doch sei die aktuelle Finanzkrise nicht schuld daran, dass weniger Fahrzeuge verkauft würden. Vielmehr habe man es mit einem neuen Marktniveau zu tun, auf das man sich einstellen müsse. Weller rät seinen Händler-Kollegen deshalb zur Gelassenheit: “Man darf sich nicht runterziehen lassen.” Wenn ein Kunde zurückhaltend ist, muss man ihn abholen, so seine Devise. Außerdem brauche man mal wieder einige positive Nachrichten auf der Titelseite, so Weller: Beispiele gebe es genug, wie der sinkende Benzinpreis, die Abnahme der Arbeitslosenzahl unter drei Millionen, der rückgängige Gaspreis ab Januar. Die optimistische Sicht behält Weller, obwohl sein Unternehmen auch selbst einige Einschnitte hinnehmen muss. Die 1979 in Osnabrück gegründete Wellergruppe wird 2008 voraussichtlich das erste Mal in der Firmengeschichte keine Gewinne erzielen, schätzt Burkhard Weller.
Doch das hindert ihn nicht daran, sich das Ziel zu stecken, 2009 wieder rentabel zu sein.

Pressemeldung. 25. November 2008:

Eine aktuelle Studie von MSR Consulting bestätigt die schwierige Verkaufssituation für den Autohandel: 7% der befragten Autofahrer haben in den letzten Monaten den Kauf eines neuen PKW geplant, diesen aber erst einmal verschoben. Für 86% der Befragten ist ein Kauf in nächster Zeit sogar völlig ausgeschlossen. Diese Gruppe locken auch Anreize wie eine Verschrottungsprämie (2%) oder die neugestaltete Kfz-Steuer (1%) nicht. Selbst bei einem Nachlass von 20% würde sich nur 1% für einen Autokauf entscheiden. Von den 7% die bisher zögerten, wollen aufgrund der neuen Kfz-Steuer immerhin 32% ein neues Auto kaufen. Beinahe doppelt so viele Befragte werden sich aber dennoch keinen neuen PKW (29%) kaufen oder erst dann, wenn die Konjunktur wieder anzieht (29%). Für die Branche heißt das dringend aktiv zu werden und sich nicht alleine auf die Konjunkturpakete der Regierung zu verlassen. Es gilt rechtzeitig die Weichen zu stellen: Hersteller müssen Produktionskapazitäten, Produktpaletten und die Kostenstruktur an die neue Situation anzupassen. Außerdem gilt es das Geschäftsmodell Hersteller-Handel jetzt wirklich zu durchleuchten. Hier bedeuten schlanke Prozesse weniger Kosten für beide Seiten. Das Thema Kosten muss vor allem der Automobilhandel jetzt angehen, damit das nächste Jahr nicht zum Desaster wird.

Westfalen-Blatt: “Clement wollte Schaden abwenden”

Heute wird endgültig über einen Parteiausschluss des gestandenen Sozialdemokraten Wolfgang Clement entschieden. Parteichef Franz Müntefering ist gut beraten, dass er an der Sitzung teilnimmt, um persönlich einen Rausschmiss des früheren Wirtschaftsministers zu verhindern. Eine neuerliche Zerreißprobe kann sich die SPD nämlich nicht mehr leisten, wenn sie nicht noch mehr Mitglieder verlieren und in den Umfragen noch weiter nach unten rutschen will. Eine Entscheidung gegen Clement wäre ein verheerendes Signal an die Mitglieder der jetzt schon tief gespaltenen SPD: In dieser Partei sind eigene Meinung und Gewissensentscheidung nicht mehr gefragt, werden durch blinde Gefolgschaft endgültig abgelöst. Das sind auf jeden Fall die Lehren aus dem Durcheinander in Hessens SPD. Sicher, ohne Solidarität geht es in keiner Partei. Doch Solidarität darf nicht die eigene Meinung und das eigene Gewissen erdrücken. Da sollte Hessen eine unrühmliche Ausnahme bleiben. Clement wird jetzt parteischädigendes Verhalten vorgeworfen. Dabei wollte er nur Schaden von der Partei abwenden. Warum wird Andrea Ypsilanti nicht angeklagt? Größeren Schaden hat selten jemand der SPD zugefügt.

Ach, liebes Westfalen-Blatt. Ypsilanti zu einem Clement-Auswurf übelster Sorte heranzuziehen, ist langweilig. Das lassen wir da jetzt mal so stehen. Zum Thema “Clement” gibt es durchaus relevantere Meinungen, die Euch diametral entgegenstehen. Aber ist es nicht ohnehin egal, was eine einstmals stolze SozialDemokratische Partei macht? Ist es nicht egal, was Müntefering schwafelt oder nicht? Wenn neben Clement jemand “herangezogen und angeklagt” gehört, dann der ehemalige Bundeskanzler Schröder. Aber da stand die SPD wie ein geschlossener Dussel auf den Tischen und hat Hartz-seelig gefeiert. Heute ist sein Stiefelhalter Müntefering wieder Parteichef. Der hat ebenso wenig ein Gewissen, wie es der so aufopfernd verteidigte Zyniker Clement hat.

Gedanken beim sehr frühen Schneefegen

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Wir hier, die wir ja durch unsere große Nähe zu den Gebirgszügen des Teutoburger Waldes mit den Gepflogenheiten der Bergvölker durchaus vertraut sind, kennen das ja, wenn im Spätherbst die Schneelawinen abgehen und unvorsichtig außerhalb ihrer Hütten geparkte Fahrzeuge einschneien. Wie hier geschehen, denn die bessere und schönere Hälfte hatte ihren Wochendseminartrip in die nordhessischen Berge mit einem durchaus überkompakten englischen Vierrädler absolviert, den sie folglich außerhalb der Garage parkte. 4:59 Uhr war es, als ich zur Tat schritt und den Schnee nebst ein wenig Eis von den englischen Scheiben kratzte und das Ding vorheizte. Nun war der Grund beileibe nicht senile Bettflucht oder preußisch-korrekte Schneefegung des Vorplatzes. Nein, die Dame hat einen frühen Termin beim Discounter unser aller Vertrauens, dessen Sitz im Ruhrgebiet ist.

Sie macht sich denn auch pünktlich auf den Weg und nahm die A 2 unter die Allradgetriebenen Räder. Welcher Dame darf ich noch mitten in der Nacht das Auto vom Schnee befreien?

Denkanstösse. Auch für Bielefeld

Noch einmal die Frage: Warum ist unsere Gesellschaft so unbefriedigend, obgleich heute alles, was einen Rechtsstaat ausmacht, gewährleistet ist? Warum treten die Leute aus der Kirche aus? Warum verlieren Parteien und Gewerkschaften angestammte Mitglieder? Warum schimpfen die Bürger auf die Politiker und die Politiker auf die Medien? Kurz gesagt: Warum so viel Frust, wo es doch den meisten so gut geht wie nie zuvor? Natürlich gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Wir stehen zweifellos an einer Zeitenwende, die durch Globalisierung, Computertechnologie und elektronische Informations – praktiken gekennzeichnet ist und die wahrscheinlich grössere gesellschaftspolitische Veränderungen verursachen wird als seinerzeit das Hereinbrechen des technischwissenschaftlichen Zeitalters. Konkrete Probleme hat es immer gegeben. Heute aber gibt es noch etwas anderes, etwas Unwägbares, ganz und gar Unkonkretes, was die Menschen bedrückt, oft ohne dass sie sich darüber Rechenschaft geben. Alles Metaphysische, jeder transzendente Bezug ist ausgeblendet, das Interesse gilt ausschliesslich dem wirtschaftlichen Bereich: Produzieren, Konsumieren, Geldverdienen. Eine Zeitlang war das ganz schön, aber dann spürten plötzlich viele: dies kann doch nicht der Sinn des Lebens sein.

Marion Gräfin Dönhoff: “Zivilisiert den Kapitalismus” 1997.

Dieses Buch der ehemaligen ZEIT-Herausgeberin ist überaus lesenswert, nimmt es doch Entwicklungen vorweg, die dieser Tage zum konsternierten und kopflosen Herumrennen und Handeln unserer Politiker geführt haben.

In den USA sagt der kommende Präsident Barack Obama: “Wir schaffen 2,5 Millionen neue Arbeitsplätze”.
In Deutschland sagt die verwelkte “Rose der Uckermark”: “Es wird alles noch viel schlimmer. Ojemninee. Ich weiß nicht mehr weiter”.

Das ist der Unterschied. Zurück zu Marion Gräfin Dönhoff. Es wird eine interessante Woche. Auch in Bielefeld.