Die Mehrzahl deutscher Autokunden ist überraschend krisenresistent. Das ergab eine aktuelle repräsentative Online-Umfrage des Marktforschungs – instituts Innofact im Auftrag der Frankfurter Unternehmensberatung b-k-p Consulting. Rund 61 Prozent der Befragten würden trotz der herrschenden Finanz- und Wirtschaftskrise ihren Plan, in den kommenden Monaten einen Neuwagen zu kaufen, umsetzen. Besonders viele junge Leute zwischen 18 und 29 Jahren (knapp 70 Prozent), lassen sich bei ihren Kaufplänen durch die Krise wenig beeindrucken. Dagegen liegt der Anteil derer, die an Stelle eines Neuwagens einen günstigen Gebrauchten kaufen würden, gerade einmal bei 15,5 Prozent der Befragten. Noch geringer ist der Prozentsatz derer, die den Autokauf – egal ob neu oder gebraucht – erst einmal komplett verschieben würden: Er liegt bei knapp zwölf Prozent.
Die Zahl der Wasserstandsmeldungen, Kaffeesatzlesungen, Zukunftsdeutungen und Umfragen hat – gemessen an den eingehenden Pressemeldungen – eindeutig zugenommen. Ein Highlight sind stets die zurechtgebastelten Ergebnisse. Wie die oben zitierte. Fragt man zB. den Mann von Hagemann Bielefeld, sieht das ganz anders aus.
In der Fachzeitschrift Autohaus” findet sich dann aber doch noch ein tiefergehendes Interview mit Burkhard Weller, der auf der Herforder auch eine Filiale betreibt:
Bankenkrise, Autohersteller in Not, Angst vor Arbeitsplatzverlust und Rezession – trübe Stimmung, wohin man schaut. Der Autohandel in Deutschland fürchtet eine rasante Talfahrt. Einer der größten Händler jedoch ist zuversichtlich: Burkhard Weller, geschäftsführender Gesellschafter der Wellergruppe und Präsident des Verbands der Toyota-Händler, sprach mit AUTOHAUS-Chefredakteur Ralph M. Meunzel und Frank Selzle über die Situation des Marktes und Perspektiven seines Unternehmens.
“Manchmal hilft es, die Tageszeitungen zwei Tage lang nicht zu lesen”, verrät Weller seine Strategie zur optimistischen Weltsicht. Zwar werde der Markt enger, doch sei die aktuelle Finanzkrise nicht schuld daran, dass weniger Fahrzeuge verkauft würden. Vielmehr habe man es mit einem neuen Marktniveau zu tun, auf das man sich einstellen müsse. Weller rät seinen Händler-Kollegen deshalb zur Gelassenheit: “Man darf sich nicht runterziehen lassen.” Wenn ein Kunde zurückhaltend ist, muss man ihn abholen, so seine Devise. Außerdem brauche man mal wieder einige positive Nachrichten auf der Titelseite, so Weller: Beispiele gebe es genug, wie der sinkende Benzinpreis, die Abnahme der Arbeitslosenzahl unter drei Millionen, der rückgängige Gaspreis ab Januar. Die optimistische Sicht behält Weller, obwohl sein Unternehmen auch selbst einige Einschnitte hinnehmen muss. Die 1979 in Osnabrück gegründete Wellergruppe wird 2008 voraussichtlich das erste Mal in der Firmengeschichte keine Gewinne erzielen, schätzt Burkhard Weller.
Doch das hindert ihn nicht daran, sich das Ziel zu stecken, 2009 wieder rentabel zu sein.
Pressemeldung. 25. November 2008:
Eine aktuelle Studie von MSR Consulting bestätigt die schwierige Verkaufssituation für den Autohandel: 7% der befragten Autofahrer haben in den letzten Monaten den Kauf eines neuen PKW geplant, diesen aber erst einmal verschoben. Für 86% der Befragten ist ein Kauf in nächster Zeit sogar völlig ausgeschlossen. Diese Gruppe locken auch Anreize wie eine Verschrottungsprämie (2%) oder die neugestaltete Kfz-Steuer (1%) nicht. Selbst bei einem Nachlass von 20% würde sich nur 1% für einen Autokauf entscheiden. Von den 7% die bisher zögerten, wollen aufgrund der neuen Kfz-Steuer immerhin 32% ein neues Auto kaufen. Beinahe doppelt so viele Befragte werden sich aber dennoch keinen neuen PKW (29%) kaufen oder erst dann, wenn die Konjunktur wieder anzieht (29%). Für die Branche heißt das dringend aktiv zu werden und sich nicht alleine auf die Konjunkturpakete der Regierung zu verlassen. Es gilt rechtzeitig die Weichen zu stellen: Hersteller müssen Produktionskapazitäten, Produktpaletten und die Kostenstruktur an die neue Situation anzupassen. Außerdem gilt es das Geschäftsmodell Hersteller-Handel jetzt wirklich zu durchleuchten. Hier bedeuten schlanke Prozesse weniger Kosten für beide Seiten. Das Thema Kosten muss vor allem der Automobilhandel jetzt angehen, damit das nächste Jahr nicht zum Desaster wird.
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