Bielefeld-Blog: Das Weblog von Bielefeldern für Bielefelder

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So
9
Nov '08

Logistikerstimmung auch in Bielefeld mies

Gespräch mit einem Bielefelder Umzugsunternehmer, der bis Juni noch guter Dinge war: “Ja klar geht die Krise nicht an uns vorbei. Die Leute sparen, wo sie können”. Dazu passt die Meldung aus der Branche: In den vergangenen drei Monaten hat sich die Stimmung in der Logistikbranche merklich getrübt. Das hat eine Umfrage des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) unter 118 Firmen ergeben, die dem morgigen Tagesspiegel vorliegt. Während im August noch 26 Prozent der Befragten angaben, bald Personal einstellen zu wollen, waren dies Ende Oktober nur noch 16,7 Prozent. Viele Unternehmen wollen sogar Stellen abbauen: Fast 46 Prozent wollen sich von ungelernten Mitarbeitern trennen, 14 Prozent wollen Facharbeiter entlassen. Unter Einkäufern und anderen Höherqualifizierten dürfte es dagegen keinen Jobabbau geben.

Attac spottet der Bankenkrise

Pressemitteilung Attac
Frankfurt am Main, 6.11.08

Der preisgekrönte Tatort-Regisseur Thomas Bohn hat für das globalisierungskritische Netzwerk Attac einen 52-Sekundenspot zum Thema Bankenkrise entwickelt. Der Film wirkt zunächst wie der Werbespot einer Bank – dann aber wird deutlich, dass mit der Bank und ihren Mitarbeitern einiges nicht in Ordnung ist. Eine alltägliche Beratungssituation in einer Bank entwickelt sich zur Groteske. Astrid Schaffert von Attac hat die Erstellung des Spots begleitet: “In 52 Sekunden lässt sich aktuelle Wirtschaftskrise natürlich nicht erklären. Doch durch den Spot wird das komplexe Thema für einen kurzen Augenblick in den Kinosaal geholt. Er unterstreicht mit Schmunzeleffekt, dass nun schnell etwas geschehen muss und lädt die Zuschauer ein, sich mit dem Thema eingehender zu befassen.”

Der Trailer mit dem Titel “Ihr Bestes” startet am heutigen Donnerstag in zahlreichen Kinos. Er wird sowohl im Vorprogramm des neuen James-Bond Films gezeigt als auch von “Let´s make Money”, dem neuen Dokumentarfilm von Erwin Wagenhofer (“We feed the World”). Weiter wird “Ihr Bestes” die Fangemeinde von “You tube” um einen amüsanten Spot bereichern.

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Am Ende bleibt einem das Lächeln dann doch ein wenig im Halse stehen, gell Herr Lehman?

Arminen-Punkte im EDEKA?

Nur wenn heute einer ins Mikro sagt: „Dann müssen wir die Punkte eben woanders holen.“ flippe ich aus. Wo denn noch? Im EDEKA um die Ecke? Markus Freise in “blogboys.de” zum Spiel der Arm. Bielefeld gegen M.gladbach.

Der 9. November

9november.jpg

Der 9. November ist der 313. Tag des Gregorianischen Kalenders (der 314. in Schaltjahren), somit bleiben 52 Tage bis zum Jahresende. Da auf dieses Datum eine Reihe von Ereignissen fallen, die in der Geschichte Deutschlands einen politischen Wendepunkt markierten, wird der 9. November auch als „Schicksalstag der Deutschen“ bezeichnet. Aus der neueren Geschichte sind es vor allem die “Reichspogromnacht” und der “Fall der Mauer”, die mit diesem Datum verbunden sind. Aber es gibt noch mehr: 9. November 1918: Novemberrevolution. Maximilian von Baden verkündet eigenmächtig die Abdankung von Kaiser Wilhelm II. und betraut Friedrich Ebert mit den Amtsgeschäften. Der Sozialdemokrat Philipp Scheidemann ruft vom Reichstags gebäude aus die „deutsche Republik“ aus. Fast gleichzeitig verkündet Karl Liebknecht vom Berliner Stadtschloss aus die deutsche Räterepublik.

Womit wir bei den ehemals so stolzen Sozialdemokraten wären, von denen in diesen Tagen nur noch ein linkes und ein rechts Häufchen übrig geblieben sind, über die ein gewisser Franz Müntefering glaubt, zu wachen.

Hier in der Metropole ist die Nacht vom 9. auf den 10. November unauslöschbar mit Grauenhaftigkeiten – wie hier in der Niedernstraße – verbunden, die in der Fotosammlung des Stadtarchives dokumentiert sind:

reichsprogromnacht-bielefeld.jpg
(Stadtarchiv Bielefeld, Bestand 400,3/Fotosammlung, Nr. 91-7-33)

„Das Datum, der 9./10. November 1938, bedeutete nicht nur, dass alle Synagogen in Deutschland abgebrannt wurden, sondern dass die Nazis viele jüdische Männer verhafteten, dass man jüdische Geschäfte plünderte und die Scheiben zerschlug. Von da an wurde das Leben für uns Juden mehr und mehr unerträglich”, erinnerte sich auf der Webseite der Stadt 2002 die 1924 in Bielefeld geborene Jüdin Helga Ravn. In der Pogromnacht brannten Gliederungen der NSDAP die Bielefelder Synagoge an der Turnerstraße nieder, zerstörten jüdische Geschäfte, verhaftete die Polizei Dutzende Juden, die anschließend nach Buchenwald verbracht wurden.

Und die andere Seite des 9. November? Der Mauerfall vor 19 Jahren? Die Euphorie (“Wahnsinn. Wahnsinn.”), die Tränen und die damals im Zweitaktduft der Trabis und Wartburgs überschäumende Freude haben sich gelegt und sind einer gewissen Normalität gewichen. Deutschland ist wieder eins. Ob es glücklicher ist als vor dem 9. November 1989, mag jeder für sich selbst entscheiden. Unglücklich finde ich unsere heutige Politik, die allzu sehr von leeren Floskeln lebt und in der sich ein Christian Wulff zum Begriff “Pogrom” mit Blick auf die berechtigte Kritik an Managervergütungen und – handlungen versteigt. Mehr als unglücklich auch ein großer Teil der Presse und anderen Medien, die im berüchtigten Stile und der Wortwahl eines “Stürmer” oder “Völkischen Beobachter” der Nazizeit über Andersdenkende oder Schwache so lange hetzen, bis zu ab(ge)treten oder als “Schmarotzer” beschimpft werden.

Insofern hat Deutschland so, so oder so aus seiner jüngeren und jüngsten Geschichte erstaunlich wenig gelernt oder lernen wollen.

9november2.jpg

Vergangen, neu geworden und wenig gelernt? Deutschland im November 2008.