Bielefeld-Blog: Das Weblog von Bielefeldern für Bielefelder

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So
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Nov '08

Mantelhaus – ein Abgesang

Nun ist es bald soweit – das Mantelhaus erstrahlt in neuem Glanze – frisch renoviert. Spielte ich einst noch mit dem Gedanken in ein schönes, neu renoviertes Appartement mit Westbalkon, Blick bis zum Teuto und Sonnenuntergängen (zurück)zu ziehen, hat sich dies nun erledigt.

Abgesehen von den vermutlich jetzt grenzwertigen Mietpreisen (wo es vorher schon nicht billig war mit 320 euro all inkl. für 28qm) hat man nämlich – vermutlich aus Faulheit – die Balkone wegrationalisiert und einfach eine simple, durchgehende Glasfront plan zur Hauswand gezogen. Damit hat man zwar vielleicht 3-4 qm Wohnfläche gewonnen, aber gleichzeitig “Balkonien” vernichtet.

Nungut – es werden sich schon Leute finden, die es trotzdem bewohnen werden. Aber für mich persönlich ist der Hauptanreiz weggefallen.

Ade geliebtes Mantelhaus… 4 Jahre hatte ich mich dort sehr wohlgefühlt.

Wer bietet eine Alternative? Ruhig, Westbalkon, hoch gelegen und Altstadtlage gesucht. Es gibt doch nichts schöneres, als abends von der Arbeit nach hause zu kommen und noch Sonne zu geniessen. Nicht hinter Glasscheiben, sondern auf einem echten Balkon.

Bankenkrise? Nicht bei uns!

Neue Bank

Sitzen und Gucken

sitz-und-sch.jpg (Textauschnitt Website).

SEX APPEAL.

Über 32 Millionen junge Erwachsene im Alter von 16-45 Jahren gehen regelmäßig aus, diskutieren, entscheiden, setzen Trends. Sie sind dynamisch und kommunikativ, erlebnis- und markenorientiert, erfolgreich und selbstbewusst. Und sehr begehrt – aber schwer erreichbar. Gehen Sie mit den Leuten aus.
Sit&Watch vermittelt Ihnen diese Zielgruppen punktgenau. Ohne klassische Streuverluste.

Ja, nun zieren Sie sich bitte nicht so. Gehen Sie dahin, wo die Leute sind. Sitzen Sie mit ihnen gemeinsam auf der Schüssel und betrachten Sie, was die Bielefelder so alles am stillsten aller Örtchen werblich anrichten. In “Marketers and Pioneers 002″ von Oktober wurde nun ihre Kampagne für die RTL II-Serie “Dexter” vorgestellt. Aus Fliesen – und Wandaufklebern haben die beiden Klowerber Harry Leyendecker und Daniel de Juan aus der Meller Straße gar furchtbar Erschröckliches bauen lassen. Passen Sie also bitte auf, wenn Sie demnächst dahin müssen, wo selbst der Kaiser zu Fuß hingeht und Prekariatssender sie “punktgenau” da packen, wo sie empfindlich sind.

Muuaaaaaarggg. Was können wir froh sein, das die Klowerber noch nicht die Haptik entdeckt haben. Stellen Sie sich vor,Sie sitzen so da und sinnieren vor sich hin und zwei kalte Hände kommen aus der Schüssel und ……… Unvorstelllbar? “Sit & Watch” ist ja noch nicht am Ende aller Ideen. Geruch fehlt übrigens auch noch.

Westfalen-Blattliches “Doppeldenk”

damlicher-kommentar.jpg

Ach ja. Da hebt das Westfalen-Blatt an, vor dem Wahlgang am Dienstag nochmal über Andrea Ypsilanti herzufallen und den Herrn Walter, der bisher meines Wissens die politischen Entscheidungen allesamt mittrug ob seines jetzigen Parteitagstheaters zum “Helden” zu stilisieren. Dabei ist der farblose abgehalfterte Kerl aus der Seeheimer Kreismitte nichts anderes als ein Parteifeind. Eine Zusammenarbeit der hessischen SPD und der Linken wird von den Medien und von der Politik bis hin zur SPD als Wortbruch moralisch verdammt. Doch bei der Kampagne gegen Andrea Ypsilanti ging es in Wahrheit nie wirklich um Moral. „Glaubwürdigkeit“ wurde und wird als politisches Kampfmittel eingesetzt, um eine unerwünschte politische Mehrheit zu verhindern.Das belegt bereits der völlig unterschiedliche öffentliche Umgang mit den Koalitionsaussagen der Grünen in Hamburg: “Es mag rechnerisch eine Mehrheit für dieses Bündnis geben, doch es passt inhaltlich nicht”, erklärte die Landesvorsitzende der GAL Anja Hajduk vor der Wahl und ging dennoch mit Ole von Beust zusammen.

Die Bildung von solchen politischen Mehrheiten – wie in Hessen – mit (vorgeschobener) moralischer Empörung zu bekämpfen, ist deshalb Ausdruck einer Doppelmoral, die das demokratische Mehrheitsprinzip außer Kraft setzen will. Hajduk in Hamburg und Ypsilanti in Hessen werden mit zweierlei Maß gemessen, weil den politischen Wortführern die schwarz-grüne Mehrheit im Norden passt und die mögliche linke politische Mehrheit, die sowohl in der Bürgerschaft der Hansestadt als auch im hessischen Landtag möglich wäre, politisch nicht passt.

Die hessische Seltsamkeit des Herrn Walter liest sich dann in den Prssediensten so:

Entsetzen erfasst die Delegierten während Walters Rede. Ypsilanti und SPD-Generalsekretär Norbert Schmitt hören den Ausführungen des 40-Jährigen mit versteinerter Miene zu. Allen im Saal ist klar, dass hier einer mehr als nur Kritik an einigen Passagen des Koaltionsvertrags äußert: Walter stellt das Projekt einer rot-grünen Minderheitsregierung grundsätzlich in Frage.

Bis zum Wochenende glaubten sich die Koalitionäre der Unterstützung des SPD-Vizes sicher zu sein. Immerhin hatte Walter nicht nur die Passagen zur Verkehrs- und Wirtschaftspolitik im Koalitionsvertrag mit ausgehandelt. Auch stimmte er im Landesvorstand dem Vertrag zu, wie mehrere Teilnehmer berichten. Doch nun übt er Fundamentalkritik. “Das Wort Irrsinn ist ja wohl berechtigt”, empört sich ein führender Sozialdemokrat.

In seinem Buch „1984“ bezeichnet George Orwell dieses nur vordergründig nach moralischen Prinzipien Agieren als „Doppeldenk“. Er wollte damit die Durchsetzung eines Denkens anprangern, das aus Gründen des Machterhalts Denkwidersprüche stets im Sinne des herrschenden Denkens auslegt und mit aller Macht zur herrschenden Meinung macht.

Das Asperger-Syndrom

krise-herbeischreiben.jpg

Na, wieviel Krise hätten Sie denn heute gern? Beim Blättern in den heimischen Presseelaboraten fühlt man sich unweigerlich an das “Phantom der Oper” erinnert. Man sieht es nicht, weiß aber, das es da ist. Wenn nicht, schreibt oder ruft man es so lange herbei, bis es dann endlich wirklich da ist. Dann kann man barmen, jammern und vor allem – wie in diversen Branchen – mal vorsorglich mit Hinweis auf die “ach so schlechte Lage” die Löhne dahin drücken, wo sich eine Verlagerung in östliche Länder und nach China nicht mehr lohnt. Was da in der Sonntagsausgabe des Westfalen-Blattes getitelt wird, sind Kassandra-Rufe. Das Gefühl, man sehne sich nach “Krise”, verfolgt den Leser, der sich klug macht, was unter “Kassandrarufen” zu verstehen ist. So ganz nebenbei trifft er auf ein Syndrom, von dem die Medien ganz generell befallen sind: Juchhuuu, die vermeintlich schon dräuende schlechte Nachricht mal vorsorglich ganz groß bringen. Jetzt, wo per Steuergelder (wurden Sie eigentlich von Kanzlerin und Bufinami gefragt?) die Hütchenspieler erst mal “gerettet” sind und fröhlich weitermachen, braucht die Sensation ja neue Nahrung. Die gezeigten Herren stehen allesamt für klotzige Gewinne und der Eine oder Andere hat sicher auch den einen oder anderen Lehman in Papierform im Tresor gehabt.

(Das Kassandra-Syndrom wird in der heutigen Psychologie oft in Zusammenhang mit dem Asperger-Syndrom genannt. Das Asperger-Syndrom stellt eine leichte Form des Autismus dar und zeigt sich in einer Reihe von Symptomen, in denen auch die Umrisse des Kassandra-Stoffes zu erkennen sind. Die Betroffenen leben nach einem selbst erstellten Schema (die “Vorhersagen”), reagieren unangemessen auf Verständnislosigkeit der Außenwelt und entwickeln neben sprachlichen und verhaltenstechnischen Besonderheiten nicht selten auch Inselbegabungen und hohe Intelligenz. Tony Attwood, ein auf das AS spezialisierter Psychologe, hat den Kassandra-Begriff (als “cassandra phenomenon”) in die Studien des AS eingeführt und Aspekte der Krankheit damit in Zusammenhang gebracht).

Día de Muertos*

allerseelen.jpg

*Das mexaikanische Totenfest (Allerseelen).