Bielefeld-Blog: Das Weblog von Bielefeldern für Bielefelder

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Okt '08

Renaissance von “Geiz ist geil”

Die Läden sind oft trist, die Waren einfach nur billig. In den Filialen der EuroShops haben alle Artikel eines gemein: Sie kosten nur einen Euro – vom Brillenetui bis zur Klobürste. Die Waren kommen überwiegend aus Fernost oder sind Restposten. Zielgruppe sind “alle, die sparen müssen und alle, die sparen wollen”. Diese EuroShops, Resterampen, Mäc-Geiz-Läden oder Textildiscounter wie Kik, Takko und NKD sind in den Innenstädten schon länger auf dem Vormarsch, oft sogar in guten Lagen. In Zeiten schwächelnder Konjunktur und flauer Konsumstimmung gewinnen sie zunehmend Kunden. Auch hier in Bielefeld. Auch hier in OWL. “Die Gruppe derjenigen, die sich in Deutschland nichts mehr leisten kann, wächst”, beobachten Handelsexperten und sprechen sogar von einer dramatischen Entwicklung.

“Die vor uns liegende Zeit ist die perfekte Zeit für Discounter”, betont Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub. Profitieren könne von der neuen Sparsamkeit der Bundesbürger sicher die Tengelmann-Billigkette Kik mit ihren mittlerweile 2239 Filialen, hofft er. Allein im vergangenen Jahr konnte Kik, die auch mit dem Slogan “Nur nackt ist billiger! – Kleidung clever kaufen” werben, kräftig wachsen. Der Umsatz stieg um 6,5 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro. Allein in Deutschland sieht Tengelmann (Plus, Kik, Obi) ein Potenzial für insgesamt 3000 Filialen.

Herrliche Aussichten. Billigramsch aus Fernost. Dazu demnächst der “Billig-Caffeé” im Shop nebenan mit Blick auf die wühlenden Massen. Aufschwung, der angekommen ist, schlägt sich offensichtlich bltzschnell in aufgerissenen Kartons mit Absender “Made in China” wider. Und von den Rundständern bei KIK wollen wir gar nicht reden.

Ein winzig kleines Schnippchen

kaminofen.jpg

Der neue Kaminofen ist angeschlossen und angeheizt. Noch stinkt er ziemlich und muß eingebrannt werden. Das – wenn auch winzig kleine – Schnippchen, das dem Gasversorger Stadtwerke damit geschlagen werden kann, freut aber jetzt schon. Teutobuchen, wir feuern an.

11 Millionen in “Hotel Mamma”

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) zum Welttag des Mannes mitteilt, lebten 2007 bundesweit 40 Millionen Jungen und Männer in Privat – haushalten. Davon waren 11,0 Millionen ledige Söhne, die im elterlichen Haushalt wohnten. Von den 29 Millionen Männern waren knapp zwei Drittel (64%) Ehemänner, 26% Alleinstehende, 9% Partner in einer Lebensgemeinschaft und knapp 1% alleinerziehende Väter. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse des Mikrozensus, der größten jährlichen Haushaltsbefragung in Europa. Ehemänner waren 2007 im Durchschnitt 54,9 Jahre alt und somit rund zwei Jahre älter als alleinerziehende Väter mit einem durchschnittlichen Alter von 52,6 Jahren. Allein – stehende Männer hatten ein Durchschnittsalter von 45,8 Jahren. Mit 40,4 Jahren gut fünf Jahre jünger waren Lebenspartner. Sechs von zehn Männern (60%) gaben an, ihren Lebensunterhalt überwiegend durch Erwerbs- oder Berufstätigkeit zu finanzieren. Rund drei von zehn Männern (29%) bestritten ihren überwiegenden Lebensunterhalt durch Rente oder Pension. Etwa jeder zehnte Mann (11%) hatte andere Quellen des überwiegenden Lebensunterhalts, zum Beispiel Arbeitslosengeld, Leistungen durch Hartz IV, Unterhalt durch Angehörige oder das eigene Vermögen.

Herrliche Pressemeldungen aus Wiesbaden. Leider gibt es keine detaillierten Zahlen für Bielefeld und OWL. Aber weiter:

Zwei Drittel (66%) der Männer betreuten keine Kinder im Haushalt. Hierzu zählen auch Männer, deren Kinder bereits aus dem Haushalt ausgezogen sind. 25% der Männer zogen in einer Ehe, einer Lebensgemeinschaft oder als allein erziehender Vater mindestens ein Kind unter 18 Jahren groß. Bei 8% der Männer waren alle im Haushalt lebenden Kinder bereits volljährig.

Zweierlei Sicht und verschleuderte Steuermilliarden

Heissa, was brandete da gestern Jubel auf. Die neusten Arbeitslosenzahlen wurden präsentiert. Donnalüttchen: Unter 3 Millionen. Wat jetet dem Land doch jut. Das Westfalen-Blatt mündet in den Jubel ein und kommentiert blauäugig-hilflosängstlich, was da an offizieller Propaganda aus Nürnberg herüber – schwappt::

Toll, wer hätte noch vor kurzem mit so einem Erfolg gerechnet? Die Arbeitslosigkeit ist auf dem niedrigsten Stand seit 16 Jahren. Weniger als drei Millionen, hurra! Solcher Jubel wäre die normale Reaktion auf die Zahlen aus Nürnberg. Doch an die Stelle von Korkenknallen und Begeisterung über das
deutsche Jobwunder tritt besorgte Skepsis, wie viel vom Erreichten wir denn wohl wieder verlieren werden. Dabei sind die Zukunftsaussichten gar nicht so düster, wie sie es noch vor einigen Jahren gewesen wären. Natürlich wirkt sich die Konjunkturflaute auf den Arbeitsmarkt aus. Nicht nur bei den Zeitarbeitern und befristet Beschäftigten der Autoindustrie ist das bereits der Fall. Und natürlich sind die Folge der Finanzkrise noch unwägbar. Dennoch besteht die berechtigte Hoffnung, dass wir diese Delle besser überstehen als so manch anderen konjukturellen Abschwung in der Vergangen – heit. Seit der Agenda 2010 hat sich nämlich etwas gewandelt auf dem deutschen Arbeitsmarkt: Aus den oftmals behäbigen Arbeitsämtern sind vieler – orts rührige Vermittlungszentren geworden, die die Menschen nicht nur verwalten, sondern ihnen wirklich weiterhelfen. Und schon manch Arbeitsloser, den man zuvor nicht mit gutem Gewissen arbeitssuchend nennen konnte, hat sich dank verstärkten Drucks wieder aufgerafft. Vergangene Katastrophenzahlen von fünf Millionen Arbeitslosen sollten deshalb Geschichte sein. Und bleiben.

Da kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, der Kommentator kenne Jobcenter eher aus den blumenreichen Schilderungen ihrer Leiter denn der rauhen Wirklichkeit. In den “Nachdenkseiten” lesen wir eine ganz andere Sicht der offiziellen geschönten Zahlen:

Den „Nachdenkseiten” zufolge befindet sich die Zahl der Erwerbslosen in Deutschland auf einem dramatischen Stand. Die Empfänger von Arbeits – losengeld I und II hätten im Vergleich zum Jahr 2005 um 441.000 zugenommen. Unter Bezug auf öffentliche Statistiken setzten sich die Arbeits – losenzahlen von insgesamt ca. 9.647.540 Erwerbslosen im September 2008 (vorläufig) wie folgt zusammen: Arbeitslosengeld I – 807.222 und Arbeitslosengeld II – 4.897.834. Hinzu kommen Bezieher von Sozialgeld: 1.872.730, Menschen in Fortbildungsmaßnahmen: 1.600.000, Ein-Euro-Jobber: 329.745 und Menschen, die nach der “58er-Regelung” automatisch aus der Statistik fallen: 140.000 (Juni). Sie werden statistisch sämtlich nicht mitgezählt. 1,3 Mio. Menschen erhalten inzwischen zusätzlich zu ihrem Verdienst Arbeitslosengeld II. Die Zahl der geringfügig Beschäftigten ist vom 5,5 Millionen im Jahr 2003 auf 7,02 Mio. im Jahr 2008 gestiegen. Inzwischen kämpfen die Armutsküchen um Lebensmittelspenden, weil sie die 800.000 Bedürftigen kaum noch versorgen können.

Aber: Man sieht nur die im Lichte. Die im Dunklen sieht man nicht. Dazu passt diese Meldung vom 29.10. und die Frage, ob Sie denn schon bei den Stadtwerken vorstellig geworden sind und die Senkung Ihrer Stromrechnung angemahnt haben:

Die Bundesregierung verzichte auf rund 35 Milliarden Euro Steueraufnahmen aus den Extraprofiten der Stromversorger aus dem Emmissionshandel, lautet der Vorwurf der Fraktion DIE.LINKE im Bundestag. Auf eine Anfrage hätte die Bundesregierung erstmals einräumen müssen, die Abschöpfung der so genannten „windfall profits” weder geprüft noch angestrebt zu haben. Sie habe angeblich nicht einmal Kenntnisse über die ungefähre Höhe dieser enormen Sondergewinne zu Lasten der Stromkunden, kommentiert Eva Bulling-Schröter, umweltpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. “Die Kasse von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück dürfte angesichts der Finanzkrise ein riesiges Loch aufweisen. Dennoch verzichtet die Bundesregierung darauf, die leistungslos erzielten Extraprofite aus dem Emissionshandel abzuschöpfen. Die fallen noch bis 2012 in einem Umfang von rund 7 Milliarden Euro im Jahr an, weil die Zertifikate bis dahin an die Stromversorger fast vollständig verschenkt, statt versteigert werden”, so Bölling-Schröter.

Da haben die Energielobbyisten im Bundestag ja ganze Arbeit geleistet und können sich schon mal vor dem Hintergrund der grandiosen neuen KfZ-Steuerschenkung für Zeh oh Zwei-Schleudern einen neuen Kuh 7 bestellen. Das ist Politik vom Feinsten. Da hat jeder Bürger was davon.

Halloween Konkurrenz für Allerheiligen + Reformationstag?

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Der Kürbiskult am heutigen 31.Oktober macht den kirchlichen Feiertagen Konkurrenz. Besonders für die Spielwaren- und Süßwarenindustrie ist Halloween ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Für Kirchenvertreter wie die Landesbischöfin der evangelischen Kirche in Niedersachsen, Margot Käßmann, ist Halloween „ein Kürbiskult, der durch die Werbeindustrie nach Deutschland gekommen ist“. Für andere wie die Spielwaren-Industrie oder die Süßwaren – branche ist es ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Für Millionen Kinder, Jugendliche und zunehmend auch Erwachsene ist der 31. Oktober längst ein fester Termin – Verkleidung, abendliche Züge durch die Straßen und Partys inklusive.

Der Spaßcharakter der Umzüge und Veranstaltungen will so gar nicht zum Ernst des katholischen Allerheiligentags passen, der am 1. November folgt, in den fünf südlichen und südwestlichen Bundesländern gesetzlicher Feiertag ist und an dem seit Jahrhunderten der Toten gedacht wird. Der Sprecher des Erzbistums München, Winfried Röhmel, bat die Anhänger des Klamauks denn auch um Rücksicht und Toleranz. So liest man heute zB. in “Focus”.

In seinem Blog “Blog ad sinistram” sinniert Roberto J. de Lapuente über “St. Martinstag oder Halloween”:

Das Schwinden des Martinstag zugunsten von Halloween ist sicherlich keine isolierte Erscheinung, sondern geht Hand in Hand mit der geistig-moralischen Umstrukturierung unserer Tage, in denen Nehmen seliger denn Geben ist. Wir zeigen unseren Kindern sowieso schon viel zu häufig, dass nur das Materielle von Bedeutung ist, man sich vor allem am Haben zu orientieren habe. Der Sozialarbeiter ist nichts, aber der Rechtsanwalt alles – solche Einteilungen lehren wir schon unseren Kindern. Und an Halloween zeigen wir ihnen, wie man es zu was bringt in dieser Welt, während es der Heilige Martin, dieser armselige Trottel, zu nichts gebracht hat, weil er aus seinem Mantel nicht zwei oder drei machen konnte, sondern diesen auch noch halbierte.

Mal sehen, wie sich das Kürbistheater hier in der Region auswirkt…

Arm. BI kann bei Bayern “eigentlich nichts verlieren”

Mit “Kompaktheit, Mut und Überzeugung” möchten die Blauen in München überraschen. Mit dieser Formel hatten die Blauen am vorigen Samstag einen Punkt aus Schalke entführt, bevor sie gegen Cottbus am eigenen Leibe erfuhren, wie schwierig es ist, gegen einen defensiv gut organisierten Gegner zu spielen. Auf die Frage, ob die Partie in München, wo man als klarer Außenseiter antritt und somit eigentlich nichts zu verlieren hat, das einfachste Spiel der Saison sei, antwortet Frontzeck dann auch: “Das kann man so sehen. Andererseits war das Spiel gegen Cottbus objektiv das schwerste, weil jeder erwartet, dass man die Mannschaft zuhause aus dem Stadion fegt.” So liest es sich auf der Webseite der Arm. Bielefeld vor dem morgigen Spiel bei Bayern München. Wird schon klappen. Fehlen ja jede Menge Stammspieler bei den Alm-Buben. Hießen sie 1899 Hoffenheim, würden sie um den Sieg spielen……