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Da ich bereits heute Morgen über die neue Kesselbrink-Magistrale schrub, hier ein Nachklapp aus Frankfurt/Main. Geschrieben auf dem Blog http://gig.antville.org/ der Frankfurter Journalistin Andrea Diener zur Einweihung eines weiteren Monumentalbaus auf dem Flughafen der Bembelstadt. Auch andernorts findet man die “neue Architektur” nicht unbedingt vom Stuhle hauend.
Es gibt nicht einmal anständige Architektur, da fängt das ja schon an. Im Industriepark, nicht weit vom Großereignis, gibt es sogar Architektur von Weltrang: Das Verwaltungsgebäude von Peter Behrens, das ist lange her. Inzwischen werden nur noch Wellblechkuben gebaut und bunt angemalt, die Verwaltung sitzt in Glasklötzen mit traurigen Büschen davor. Einfallslosigkeit auch bei der Airport City: Glasklötze, Glasklötze und Glasklötze, aufgelockert durch ein paar florale Arrangements, dann wieder Glas und Stahl und der Geruch nach miesem Kaffee, fettigen Pommes und Parfum.
Baby if we try, we can ride across the sky / Heading for this growin’ airport city
Ja, die Airport City wächst. Eine Stadt, in der man nicht sein will, aber hin und wieder sein muß, weil es nicht anders geht. Das Schwarzwaldstübchen hat zugemacht, seine Zeit ist vorbei. Im Airrail Center hat sich Starbucks eingemietet, wie überall. Hotels, wie überall, teurer Kaffee, wie überall. Nichts, was man besingen müßte.
Es ist schon lange her, seit ich den Udo J. im Bademantel und mit Kamillenteeglas interviewte und mit der Überschrift (Heute Headline) “Udo, Babyspeck und rote Rosen” ins lesende Volk warf. Heute Abend werden wir in Hamburg ein wenig Bohnerwachs schnuppern und greichischen Wein trinken. Ich werde berichten….
Glaubt man den Lokalblättchen, tut sich was am Kesselbrink. Auf der Brachfläche “Ehemaliges Hallenbad” soll ein U-förmiges Gebäude in Weltstadt-architektur entstehen. Angeblich schon Ende 2009 fertig. Hauptmieter will der Bau – und Liegenschaftsbetrieb NRW werden, so die Planer Christoph Borchard und Sascha Dietrich.
Man mag es kaum glauben. Soll doch unbestätigten Berichten das Telekom-Building (siehe oben im Kopf des Bielefeld-Blog) bem Abriß genau auf jenes Grundstück fallen und als liegende Skulptur “Urbane Räume in Hochkant” den Kesselb. queren.
Meine Sympathie mit den Herrschaften vom AJZ hält sich gewiss in Grenzen, spätestens seit dort vor Jahren Bombenbauanleitungen gedruckt wurden, von denen man sich nicht distanzieren mochte.
Was die NW heute berichtet, gibt jedoch sicher manchem zu denken: das Arbeiterjugendzentrum muss 840 Euro Strafe für eine Diskoveranstaltung am Karfreitag zahlen. An diesem “stillen Feiertag” sind von Gesetz wegen alle Tanz-, Vergnügungs- und Musikveranstaltungen verboten, und zwar unabhängig davon, ob sich überhaupt jemand gestört fühlt.
Liebe Kollegen von der NW: “mit Religion nichts am Hut” zu haben, ist ein Grundrecht, dass sich unschwer aus der UN-Menschenrechtscharta und auch aus dem Grundgesetz ableiten lässt – etwa ein Drittel der Bevölkerung nimmt es aktuell für sich in Anspruch. Statt schadenfroh zu titeln, solltet ihr hinterfragen, warum wir solche diskriminierenden und bevormundenden Gesetze haben, die längst nicht mehr der gesellschaftlichen Wirklichkeit entsprechen.




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