Bielefeld-Blog: Das Weblog von Bielefeldern für Bielefelder

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Sep '08

Rolling Stone aus Lippe for Kanzler?

Auf Spiegel online, der etwas gehobenen BLÖD-Zeitung für Halbintellektuelle neoliberalen Zuschnitts wird heftigst vom SpringerBertelsmann-Blatt für den Lipper Hilfsaussenminister Frank-Walter S. – hier aus unserer Gegend und Lipper wie GAZgerd – als Kanzlerkandidat der SPD getrommelt. In einem Forum macht sich da ein offensichtlich aus dem Lipperland stammender Diskutant Luft:

“Lipper, Männer die das Zeug zum Kanzler haben!”

Das wäre mein Slogan für Steinmeier, zumindest hier in OWL;-))

Das erinnert so schön an den Herrn und Meister Steinmeiers und hat hier bei Schröder 1998 mit “Der nächste Kanzler muss ein Lipper sein!” ja auch gut funktioniert. Soweit zu den Slogans, gut. Aber Steinmeier steht wie Steinbrück für eine Agenda-Politik von der sich die SPD gerade verabschiedet und von deren Folgen sie schwer gebeutelt wurde! Ich kann also keine wirkliche Grundlage für eine Kanzlerkandidatur von Frank-Walter Steinmeier erkennen. Er würde nicht die volle Unterstützung seiner eigenen Partei haben und würde sich zu wenig von Merkels GroKo abheben. Wer für die SPD von heute antritt, wird bestenfalls ein Zählkandidat sein. Ich halte es durchaus für möglich, dass die LINKEN die zweite Kraft im Parlament werden, denn die Medienpropaganda gegen die LINKE verfängt immer weniger. Wird jedenfalls spannend!

Weiter unten spottet jemand, offensichtlich sei “Äpfel essen und wegen Afghanistan telefonieren” schon ein Kriterium, Kanzler werden zu können. Na, abgesehen davon genügt es wohl, Templins ganzer Stolz zu sein und Bimbesmäßig alles auszusitzen. Da könnte ein blutleer Technokrat mit teilweise undurchsichtigen Geheimdienstaktionen in der Vergangenheit doch durchaus eine Chance haben. Dr. Angela M. wechselt dann ins Aussenministeramt, zieht den Krieg mit Russland an der Seite der USA, Polen und den Baltenstaaten durch und Frank-Walter S. vollendet als Kanzler sein Lebenswerk, die “Agenda 2010″. Merke: Wer Freunde wie die Seeheimer, Steinbrück und Steinm. hat, der braucht sich um Deutschlands Zukunft keine Illusionen mehr zu machen. Ach ja, man könnte den Bielefelder Agenda-Fan Rainer W. aktivieren. Als “Experte”. Fragt sich nur für was. Und der Sauerländer Müntefering wickelt dann die Aktion “Die Heimat strickt an roten Schals mit schwarzen Rändern” mit 1 Eurojobbern ab. Aber bitte mit min. Habilitation abge- schlossenes Studium. Batchelor oder Master zählen da nicht. Da ist Münte eigen. Schließlich hat er sich einzigartig in der SPD hochgedient bis zu jenen Höhen, wo man die Basis nur noch als Grauschleier erkennt. Dafür sitzt man mit den wahren Herren der Republik unterm Gipfelkreuz und trinkt auf Steuerzahlers Kosten Champagner, isst Mohnkuchen und SPRINGERt ein bisschen ums Kreuzerl herum.

PS: Sehe grad einen Heli hereinschweben. Man sagt, da sitze Frau Schavan drin. Muss eine Belohnung für ihren Superjob als nicht stattfindende Forschungs-Ministeuse sein…..

Vielleicht war die Taube ein Spatz?

lapaloma.jpg
(Aus: NW Anzeigenteil. 3.09.2008)

La Paloma läßt herzlichst grüßen……

“Ökonomisch erzeugte Ungleichheit”

Es ist inzwischen zu einem leichten Spiel für soziale Demagogen geworden, dumpfe Aggressionen bei der Mehrheit der Bevölkerung gegen Minderheiten zu wecken. Der Bielefelder Konfliktforscher Wilhelm Heitmeyer hat jüngst in einer Langzeitstudie über „gruppenbezogene Menschen-feindlichkeit“ festgestellt, dass der Satz: „Ich finde es empörend, wenn sich Langzeitarbeitslose auf Kosten der Gesellschaft ein bequemes Leben machen“ eine Zustimmungsquote von über 60 Prozent erhielt. Bei sinkender Soziallage, so heißt es in der Studie, nähmen die Ressentiments gegenüber Langzeitarbeitslosen kontinuierlich zu. Das Bedürfnis wachse, „sich von Personen am unteren Rand der Sozialhierarchie abzugrenzen, indem man diesen eine negativere Arbeitshaltung zuschreibt als sich selbst“.

Wilhelm Heitmeyers erstes Analyseergebnis: „Wir müssen uns davon verabschieden, dass ausschließlich politische Ideologien wie die des Rechts-extremismus die abwertenden oder feindseligen Mentalitäten erzeugen.“ Es reiche eine ökonomisch erzeugte „Ungleichheit“, die in eine „Ideologie der Ungleichwertigkeit“ umgewandelt werde.

So weit entfernt von ausgewogenem Journalismus bzw. so nahe an Parolen der Nationalsozialisten ist BILD schon. Vornedran der auch hier in der Metropole reichlich bekannte “Journalist” Kai Diekmann. Es ist das in der Massenpsychologie alt bekannte und oft eingesetzte zynische Spiel der Oberklasse, die Aggression der Masse statt gegen ihre Ausbeuter auf die in der sozialen Hierarchie noch weiter unten Stehenden zu lenken – es geht um das Anheizen des Klassenkampfs im Armenhaus.

Testen Sie bitte mal Diekmanns Postille auf einem gewissen Örtchen. Wie früher in den ärmsten Teilen Bielefelds fein säuberlich in Quadrate geschnitten und mit einem Bindfaden zum Aufhängen dorten. Nicht mal wischen kannste mit dem Pamphlet. Dafür hat das Diekmännchen jeden Tag einen inneren Reichsparteitag, wenn es am Morgen sieht, wie toll, balkig und menschenverachtend man wieder geheadlint hat. Am schnellsten entsorgt man das Ding, wenn man ein Streichholz dranhält. Pikant ist, schaut man sich die verkaufte Auflage an, das die Leser der Postille überproportional im Prekariat zu finden sind. Also jenem Teil der Bevölkerung, über die sich ein gewisser NRW-Clement – Freund der Niedrigstlöhne und Callcenter – mal als “Schmarotzer” titulierend ausließ wie eine Schmeißfliege auf einem gewissen Örtchen. Nur war er da noch “Superminister” unter GASZgerd.

Auf den “Nachdenkseiten”heißt es dazu:

Es ist sicherlich mehr als ein Zufall, dass die Bild-Kampagne in eine Zeit fällt, wo unter anderem der Paritätische Wohlfahrtsverband, Teile der SPD, die Grünen oder die Linke die Erhöhung der Hartz-IV-Regelsätze von derzeit 351 auf 420 Euro fordern. Es wirkt nur etwas vornehmer, fügt sich aber nahezu übergangslos in diese Kampagne ein, wenn das Forschungsinstitut der Arbeitsagentur IAB [PDF - 760 KB] davor warnt, den Hartz-IV-Regelsatz anzuheben, weil das die öffentlichen Kassen jährlich zehn Milliarden Euro kosten würde – und dabei von „negativen Arbeitsanreizen“ und „potentiellen Verhaltensänderungen“ „dieses Personenkreises“ spricht.

Wenn es um die Verbesserung der Gewinne einiger hunderttausend Aktienbesitzer geht, dann sind hohe zweistellige Milliardenbeträge kein Problem, eine leichte Verbesserung der Lebenssituation von Millionen von Armen wird jedoch für unbezahlbar erklärt. Und um dagegen Stimmung zu machen, werden Hartz-IV-Bezieher als „Abzocker“ dargestellt.

Zu dieser Horrorzahl eine Erinnerung: Mit über 12 Milliarden musste der Steuerzahler für IKB, WestLB oder SachsenLB geradestehen. Um mindestens 5, eher 8 bis 10 Milliarden wurde allein durch die jüngste Unternehmenssteuerreform das Sachkapital entlastet.

Der letzte Walzer

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Tanzfreudige verbinden das finale Wiegen im Walzertakt mit Tanz. Stimmt aber nicht. Das Geheimnis um den letzten Walzer ist hier in Bielefeld gelüftet worden. Es ist rot, dreht sich und ist mit vielen Wuschelpuscheln besetzt. In Aktion tritt der letzte Walzer, bevor eine freundliche Ampel auf “Grün” schaltet und das gewaschene Fahrzeug aus einer Bielefelder Waschstraße Richtung Staubsauger entlässt. Tut mir leid für die Farbe, wird wohl der Grund sein, warum CDU- und FDP-Mitglieder da nicht waschen lassen.

Wenn Alexandra den Kübel schwingt

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Eine meiner LieblingskommentatorInnen ist Alexandra Jocobson, die für die NW aus dem Berliner Biotop der Schwachsinnigkeiten, Unsinngkeiten. Blödsinnigkeiten und Eitelkeiten meist zweitklassiger Darsteller berichtet und auch ihren Senf zur Lage dazugibt. Diesmal schwenkt sie in die allgemeine neoliberale Hetze der SpringerBertelsmann-Mischpoke über die SPD (BILD, Spiegel, stern, usw.) ein. Nicht ohne final den Kübel über Kurt Beck auszugießen.

Glühend verteidigt Kommentargigantin Alexandra die “Agenda 2010″. Jenes Machwerk und Vermächtnis des nach penibler Vorbereitung ins GAZ geflohenen Altkanzlers und glühenden Anhängers der Demokratie Putinscher Prägung (“Lupenrein”) wie das Dogma der “Unbefleckten Empfängnis”. Nicht vergessen wird auch, der “Linken” eine reinzuwürgen mit dem ebenso dämlichen wie abgeschmackten Spruch “Freibier für alle-Mentalität”.

Würde Alexandra-Mäuschen ihren getrübten Blick einmal jenseits des Bertelsmannschen Stiftungsgelabers auf die Wirklichkeit richten, würde sie erschrecken. Also tut sie das gar nicht erst. Man hat gesehen, wie die schrankenlose Verwertung des Kapitals den Sozialabbau in seiner gesamten
Vielfalt und Breite erzwingt. Hauptgesichtspunkt beim Sozialabbau ist immer die Steigerung der Profitabilität auf Kosten der Lohnabhängigen und deren Ersatzleute, die wiederum eine wichtige Rolle in der Konkurrenz der Lohnabhängigen untereinander spielen. Diese Grundlage des Sozialabbaus soll noch etwas näher spezifiziert werden, liegt sie doch einzig und allein im “Turbokapitalismus”, der “Gewinne privatisiert, Verluste sozialisiert”. Das begreift aber Alexandra nicht. Stattdessen jubelt sie über angeblich “volle Sozialkassen und 1,8 Millionen neue Arbeitsplätze”. Die tatsächliche Zahl von über 8 Millionen – statistisch weggelogenen – letztlich geringfügig Bezahlten, Aufgestockten, Minilöhnern, Tagelöhnern kommt im Leben der Kommentatorin nicht vor. Was freuen sich ostdeutsche Friseusen – das hat “mit der Globalisierung zu tun” laut solchen Leuten wie Alex – über Stundenlöhne von 3,50 € und “freiem Kaffee”, Praktikanten über immer neue unbezahlte Praktikumsstellen und Studenten über Semestergebühren, die irgendwo in den Rädchen versickern. Alles Ergebnisse jener “Reform”, die in Wirklichkeit eine einzige große Verarsche ist.

Aber das verwundert nicht weiter, ist sie doch ebenso glühende und unkritische Bewundererin von Templins ganzem Stolz auf dem Kanzlerstuhl, der zwischenzeitlich entschieden zu hoch für die Dame geworden ist. Aber unter Blinden ist ja auch die Einäugige Königin. Die Schrödersche und fast deckungsgleich Merkelsche Politik des bedingungslosen Sozialabbaus und der Umverteilung von unten nach oben ist eines der größten Verbrechen, das jemals deutsche Politiker am Volk verübt haben. Wer mir nun Orientierungslosigkeit und “Was willst Du, es geht nicht anders” vorwirft, mag gerne nach Großbritannien schauen, wo eine gewisse Margaret Thatcher das schon wesentlich früher durchexerziert hat und die Scherben einer solchen Politik gegen das Volk auf den Straßen liegen.

Ich würde all diesen Dummschwätzern und Pseudosozialwissenschaftlern gerne einmal 4 Wochen Hartz 4 auf der zentralen Hazienda der Bielefelder ARGE gönnen unter Begleitung von Bertelsmann-RTL-Kameras unter dem Titel “Ein Leben als Sozialschmarotzer, der die Gewinne der menschenfreundlichen Kapitalisten, Globalisten und Heuschreckler schmälert”. Eine bodenlose Sauerei bleibt eine bodenlose Sauerei, auch wenn sie ein Mäntelchen namens “Agenda 2010″ trägt. Gell, Ihr zukünftigen Rausgeworfenen der CommerbankDresdnerBank-Orgie (Von der Allianz für 24 Mrd. gekauft, für 9,5 Mrd. verscherbelt. So sehen Renditen von Lebensversicherungskonzernen aus)?.

Und Ihr “Key-Outfit”?

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Ach ja, die verquaste Sprache der Mode. Heidi Hagen-Pekdemir befragt vier ostwestfälische Macherinnen der Modebranche in einer Sonderbeilage der NW. Gucken Sie, verehrter LeserIn des Bielefeld-Blog, doch bitte mal an sich runter. Was entdecken Sie? Wie sieht Ihr persönliches Key-Outfit aus? Oh, Sie müssen immer noch diesen orangefarbenen Keygurt mit Ihrem Hausschlüssel dran zu den Aldiletten aus der letzten Saison tragen? Und die 3/4-Bermuda in angesagt schrillem Jöllenbeck-Pink haben Sie schon am frühen Morgen an? Dann sind Sie ja sowas von out. Sowas von Mega-Out. Die/der Frau/Mann trägt zum Frühstück das Joop-Women-Outfit mit den hippen Wollsocken, zum Knoppers um halb 10 das Knöchel umspielende Jerseyetui aus Mikrogebügeltem Cash-me-Cash-you. Zum mittäglichen Lunch treffen sich MannFrau in Doris Strätker “Gerry Weber Streetwear” und zum 5 Uhr-Tee im Bernstein kommt endlich Doris Hartwichs (Brinkmann-Gruppe, Herford) gedecktes Unisex-HerrenDamengedeck (“One World. One Geschlecht für Alle”) zum Tragen.

Ja wenn wir hier keine angesagte Modegegend sind, wo dann? Nun finden Sie mal schön Ihr persönliches Key-Outfit. Modeoutlets mit Klamotten der vergangenen Saisons haben wir ja hier wahrlich genug. Die Aldiletten sollten Sie aber vorsorglich gegen brombeerfarbene Sneakers von Nike tauschen. Brombeer ist DIE Farbe der Saison. Beim letzten Mitternachtsshopping wurden noch nie so viele Rennschuhe dieser Farbe auf der Obernstraße gesichtet.