Bielefeld-Blog: Das Weblog von Bielefeldern für Bielefelder

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Di
27
Mai '08

Bonjour Tristesse

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Vor nicht langer Zeit hat man mich “Meckerpott”, “Miesepeter”, “Schlechtredner”, “Merkelgegner”, “Steinbrück-Verachter” genannt, wenn ich von Bielefelder Stadttrips zurückkam, mit Kaufleuten in Bahnhofstraße, Obernstraße, Jahnplatz gesprochen habe und von immer noch nachlassenden Umsätzen, schlechter Käuferstimmung und eben “nicht ankommendem Aufschwung” berichtete. Heute ist nun die aktuelle Prognose Konsumklima-Index der GfK (Gesellschaft für Konsumforschung) für Juni bekanntgegeben worden. Da heißt es:

Sowohl die Erwartungen über die weitere Entwicklung der Konjunktur und der eigenen Einkommen als auch die Anschaffungsneigung seien im Mai deutlich zurückgegangen, berichteten die Konsumforscher am Dienstag in Nürnberg über die Befragung von 2000 Verbrauchern. Der Indikator für die Konjunkturerwartung sank um knapp zehn Punkte und fiel mit 13,4 Punkten auf den niedrigsten Wert seit Dezember 2006.

Größere Käufe legen die Verbraucher deswegen erst einmal auf Eis. Die Anschaffungsneigung brach um 15,7 Zähler auf minus 20,4 Punkte ein. “Wenn aufgrund gestiegener Energie- und Lebensmittelpreise sowie der Furcht vor weiteren Preiserhöhungen mehr finanzielle Mittel gebunden werden, stehen sie für andere Anschaffungen nicht zur Verfügung”, erklärten die GfK-Forscher. Entscheidend für die weitere Entwicklung des Konsumklimas sei, ob die Inflation nachlasse. “Nur wenn die Haushalte davon ausgehen können, dass ihr Einkommen auch real in diesem Jahr steigen wird und zudem die Inflationsängste weichen, werden sie auch wieder verstärkt ihren Geldbeutel öffnen.”

Welche Geldbeutel sollen sich denn bitteschön noch öffnen, wenn nicht die, die in der Bielefelder Bahnhofstraße geöffnet werden? Die miese Politik einer miesen Großen Koalition gegen die Masse der Bürger ist an ihrem Ende angekommen.

Alle wollen angeblich Horst

Die Zustimmung zur Arbeit des Staatsoberhaupts ist so hoch wie nie zuvor in seiner Amtszeit. 85 Prozent der Deutschen sind mit Horst Köhlers Arbeit zufrieden, drei Prozent mehr als Anfang März. Das sei der höchste Wert, der je im ARD-”Deutschlandtrend” für einen Spitzenpolitiker gemessen wurde, teilte der WDR am Dienstag mit.

So steht es auf “T-online”, dem von BILD befeuerten Portal des Magenta-Spitzelunternehmens. Dann frag ich doch mal einfach so in die Bielefelder Runde. Um die 50 Leute angerufen: “Sind Sie angerufen worden? Sie, Sie oder Sie?”. Also ich nicht, sie nicht, er nicht. Aber rund 1000 hat man befragt. Wer jetzt vermutet, das seien fast alles CDU/CSU-Anhänger, dem zeige ich aber den Goebbels. In einer Parteiendiktatur wie unserer geht doch alles mit rechten Dingen zu. Alles. Auch wenns um Horst geht, dem die meisten Deutschen gefühlt eher gleichgültig gegenüberstehen. Außer 95% von dem, was wir nicht mitkriegen (dürfen). Honecker hatte übrigens auch immer so um die 95% Zustimmung. Mindestens 90% davon waren SED-Mitglieder. Geht mir wech mit den Demago.., äh, Demoskopen…

Ein Blick in Düsseldorfs Blog

Es ist ja angesagt chic, über den angeblichen oder kommenden Klimawandel zu sprechen. Auch hier in Bielefeld macht Schüco direkt oder indirekt damit glänzende Geschäfte. Im Düsseldorf-Blog, stark BILD- und CDU-lastig, findet man ab und zu zwischen all dem Schicki-Micki-Gewäsch doch ein paar Perlchen, über die zu reden ist. Hier zum Klima-Hype, mit dem die Kanzleuse grüne Themen besetzen will:

Jetzt sind wir alle, nun ja, fast alle, auf Klimaschutz programmiert, beten Windräder an, haben uns im Gegenzug die Vergötterung der PS-geilen Autos abtrainiert und per Kickstart eine Öko-Industrie ins Leben gerufen. Jetzt kommt dieser John Coleman daher, der Gründer des rund um die Uhr sendenden US-Marktführers in der Wetterberichterstattung, Weather Channel, und sagt, das sei alles nicht so richtig. Schlimmer noch, er redet von “Beschiss”, dem “größten Beschiss aller Zeiten“. Und er beschuldigt die globalen Medien einer Verschwörung mit Umwelt-Extremisten.

Die veröffentlichte Meinung ist danach sicher, dass die Welttemperatur bis 2100 zwischen 1,4 und 5,8 Grad Celsius steigen wird. Danach richten sich Stromerzeuger, Autobauer, viele andere Produktionszweige und die Grünen bejubeln die entstandene Ökoindustrie. Was, wenn Coleman richtig liegt? Was, wenn der Wissenschaftler Recht hat, wenn er sagt, dass die globale Erwärmung bis spätestens 2015 aufgrund natürlicher klimatischer Schwankungen aufhören wird? Wird die Politik zulassen, dass die Entwicklung wegen mangelnder Relevanz gestoppt wird.

Natürlich nicht, eher wird der Papst evangelisch.

Der heutige Tag zum Beispiel wurde uns von den Wetterfröschen als “Saharahitzewarm” angekündigt. Tatsächlich haben wir grad gefühlte 12 Grad. Mit nichts kann man bessere Geschäfte machen als mit der Angst der Menschen. Da kann man dann gleich noch die angebliche Angst vor Menschen wie Oskar Lafontaine oder Gesine Schwan einflechten und wie BILD eine Bielefelder Emnid-Umfrage in bester SpringerBertelsmannMohn-Manier gleich mal umbiegt:

39 Prozent der Deutschen halten ihn und seine politischen Ziele für „eher gefährlich“. 47 Prozent sagen, der frühere SPD-Chef sei „eher ungefährlich“, 14 Prozent wollen sich nicht festlegen.

Klartext: 61% der Befragten halten Lafontaine letztlich für “nicht gefährlich”.

Wer sagt eigentlich, das ein Po falla oder Parlamentsdompteur Kauder gut für Deutschland sind?

Sommer ist unterkühlt

Bittere ölffentliche Schelte auch für Bielefelds NRW-Schulministerin Barbara Sommer an den Gymnasiien der Metropole. Besonders die leistungsstarken Schüler klagen über die allzu bürokratische Themenvorbereitung des Zentralabiturs. Dazu passt ein Kommentar der Rheinischen Post von heute Morgen:

Die neue Studie über die Schulpolitik in Deutschland ist allen guten Noten zum Trotz kein Hurra-Pamphlet, auch nicht für NRW mit besonders guten Noten. Immerhin wird man das erst einmal festhalten dürfen und respektieren: Man kann “der Politik” nicht vorwerfen, auf den Pisa-Schock nicht reagiert zu haben; das deutsche Schulwesen ist in Bewegung, und NRW hat entschlossen gehandelt. Die Studie ist dennoch kein Anlass für Bildungspolitiker, sich selbst zu feiern. Sie gibt vielmehr Fingerzeige, wie es weitergehen kann. So reicht es eben nicht, per Schulgesetz individuelle Förderung vorzuschreiben und von Schulen eigene pädagogische Konzepte einzufordern. Die Schulen müssen tatsächlich auch die Freiheit haben, solche Konzepte zu entwickeln. Und von Schulleitern, die wie Unternehmensführer Lehrer einstellen und nach Leistung bezahlen können, ist Deutschland Lichtjahre entfernt.

Das heimliche Fazit der Studie lautet: Immer noch ist das deutsche Schulwesen vom Obrigkeitsdenken des 19.Jahrhunderts geprägt, immer
noch werden deutsche Schulen stark zentralistisch gesteuert. Die Schule der Zukunft ist viel freier in der Gestaltung von Unterricht und muss sich viel schärfer Leistungsüberprüfungen stellen.

Keine Landeskohle für “StadtParkLandschaft”

Lange Gesichter bei den Planer der Metropole, “StadtParkLandschaft” ist an den NRW-Fördertöpfen vorbeigerauscht. Dazu die Pressemeldung der Stadt Bielefeld:

Auf der Seite www.wirtschaft.nrw.de sind jetzt im Internet die Projekte zu finden, die auf europäische- und Landesförderung aus den Themengebieten Naturerlebnisse und Tourismus setzen können. Das Bielefelder Projekt StadtParkLandschaft, eingereicht vom Umweltamt in Zusammenarbeit mit der Bielefeld Marketing GmbH, ist leider nicht dabei.

Für insgesamt 1,8 Millionen Euro sollten am Johannisberg ein Informationszentrum entstehen, die Parkplätze neu gestaltet, die Sparrenburg besser in Szene gesetzt und zu allem ein Marketingkonzept erarbeitet werden.

Das Umweltamt wie auch Umweltdezernentin Anja Ritschel zeigen sich enttäuscht, blicken aber schon wieder nach vorn. “Das Gesamtkonzept StadtParkLandschaft ist nach wie vor richtig, gut und sinnvoll”, so Ritschel. Auch deshalb habe das Projekt inzwischen schon viele Unterstützer und Unterstützerinnen gefunden. Die Idee, das Stadtgrün als wertvolle Ressource herauszustellen, es zu schützen und gleichzeitig für das Stadtimage und für die Freizeitgestaltung der Bielefelderinnen und Bielefelder qualitätvoll zu nutzen, sei nach wie vor ein wichtiges und richtiges Ziel.

Mit dem Kletterpark am Johannisberg hat es angefangen. Die Planungen für die Wiederbelebung der historischen Parkanlagen am Johannisberg werden im Sommer öffentlich vorgestellt. Im Juni beginnt zudem mit dem Sparrenmobil eine Probezeit für eine verkehrliche Verknüpfung von Sparrenburg, Altstadt und Johannisberg. Von Stillstand oder Resignation kann also keine Rede sein. Zusammen mit der Lenkungsgruppe aus Politik, Verwaltung, Pro Bielefeld e.V. und Bielefeld Marketing GmbH werden nun die weiteren Schritte beraten. Umweltdezernentin und Umweltamt setzen nun verstärkt darauf, durch neue Förderanträge, Sponsorensuche und Maßnahmen, die auch mit kleinem Geldbeutel Verbesserungen bringen, das Projekt StadtParkLandschaft fortzuführen. Anja Ritschel: “Wir sind sehr optimistisch, dass dies gelingt.”

Besonders freuen wir uns auf das “Sparrenmobil” mit Nissan-Motor.