
Sie kann ihn einfach nicht mehr sehen, den Stapel roter Bücher mit dem eingeprägten “SPD”. Parteibücher, nichts als Parteibücher. Rote Parteibücher. Wenn die SPD-Landtagsabgeordnete und Vorsitzende der SPD Bielefeld, Helga Giesselmann, durch die Räume in der Bielefelder Arndtstraße 6 – 8 geht, versucht sie immer, den Stapel mit den roten Büchern weiträumig und mit dem Rücken zu ihm gewandt, zu ignorieren. Aber täglich bringt die Post neue, frische oder auch ganz Alte. Menschen kommen vorbei, die das rote Parteibuch von 1933 bis 1945 aus Angst vor den braunen Schergen vergraben hatten, zu sehr war es Symbol eines “anderen Deutschland”. Jetzt, zu Zeiten der Schäubleschen “Demokratie” haben sie die Nase endgültig voll. Manch einer trägt das rote Buch persönlich in die Arndtstraße, seufzt und bemerkt verbittert: “Willy wäre auch aus seiner Partei ausgetreten”. Als Gerhard Schröder 1998 anfing mit dem Ende, hatte die SPD noch 755 000 Mitglieder, Ende 2006 waren es noch 565.000. Als ein gewisser neoliberaler Menschenverleiher gegen Billiggeld, Clement heißt er, hier noch Ministerpräsident und später Schröders Superminister war, gab es allein in NRW 40% Parteiaustritte mehr. Die Wähler reagierten. Aber die SPD hat nichts gelernt.
Wie auch, wenn man heute Morgen in der NW liest, was sich “Wirtschaftsexperte” MdB/SPD Rainer Wend im Interview mit der Berliner NW-Korrespondentin Alexandra Jacobsen zurechtgelegt hat. Es geht um die Tolerierung der Frau Ypsilanti durch die “Linke” in Hessen. Da ist dann in schönster neoliberaler Diktion die Rede von der aus “früheren Kommunisten, aus Sektierern und frustrierten Sozialdemokraten” bestehenden Partei “Die Linke”. Das Wendsche Pamphlet, dessen dümmliche Details wir hier nicht bis ins Kleinste erörtern wollen, endet mit den Worten “Dieses Bundesland (NRW) muß verlässlich geführt werden. Das geht mit den Linken nicht”. Nein, lieber Rainer, das geht mit all den Menschen nicht, die bei neoliberalen Ansichten einen dicken Hals kriegen. Und davon sind die wenigsten Mitglieder der “Linken” sondern einfach nur denkende, aufmerksame Bürger, die sehr genau verfolgen, welchen Haufen Mist Ihre Partei im Verein mit der Union und Sie in den letzten Jahren angehäuft haben. Ihre und Ihrer Geistesgenossen Tiraden gegen “Die Linke” sind leicht durchschaubar: Die Argumente sind ausgegangen, die stocksauren Bürger beginnen die “Abstimmung mit den Füßen”. Die findet in den Streiks und später in den Wahllokalen ihren Niederschlag.
Was macht man mit Mist? Ausmisten.

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