Heute Morgen gelang es mir nicht, ein prustendes Lachen zurückzuhalten und beinahe den Kaffee über den Tisch zu spucken. Unser geliebtes “größtes” Lokalblättchen NW macht auf der Seite 1 mit dieser allerliebsten Headline auf:

Niedlich, was? Wenn da nicht Einiges in der noch nicht gleichgeschalteten Springer/Bertelsmann/Mohn-Medienlandschaft durchsickern würde. So habe Klaus Zumwinkel keine Kaution hinterlegt, sondern seinen - immer noch angeblich, da nicht angeklagt und verurteilt - “hinterzogenen” Steuerbetrag nachgezahlt. Was ihm ja auch angesichts von Aktienverkäufen des selbst gesteuerten gestiegenen Aktienkurses der Post nicht schwerfallen sollte. Zwischen dem von wem wohl? bestellten widerlichen Medienrummel und pünktlich vor dem Haus des ehemaligen Postchefs lungernden Kamerahorde begleiteten Mitnahme des Liechtensteiner Poststifters und den heute unter dem Jubel der Springer/Bertelsmann-Presse anlaufenden “”gewaltigen
Fahndungen” (Es gibt überhaupt nur knapp 2500 Steuerfahnder in Deutschland…) liegen bereits Tage und ein Wochenende. In Bielefeld und Ostwestfalen konnte man den Rauch aus einer ganzen Reihe von brennenden Kaminen riechen.
“Steuer-Razzien bringen Geldsegen für Steinbrück” ist zunächst mal völliger Blödsinn und dient nur dazu, Lieschen Müller - wie auch im TV mit Zumwinkel geschehen - zu demonstrieren, welche Macht der Staat doch hat. Im Gegensatz zum Bürger, der die nicht zur Verantwortung ziehen kann, die Milliarden bei den Banken ungeprüft haben versenken lassen: Die Bundesregierung und die verantwortlichen Politiker. Eine Fahndung und Durchsuchung an sich bringt zunächst mal nur - wenn überhaupt - Unterlagen. Diese werden geprüft, abgeglichen und irgendwann gibt es einen Bescheid. Und bis dahin haben Heerscharen von Anwälten, Steuerberatern oder Wirtschaftsprüfern bereits dafür gesorgt, das nicht zuviel fließt. “Ein paar hundert Millionen Steuergelder” erwartet die Bundesregierung. Mehr nicht? Angesichts der angeblichen Milliarden, die in Liechtenstein illegal eingelagert wurden, wäre das ein sehr mageres Ergebnis.
Was das alles mit Bielefeld und Gütersloh zu tun hat? Gemach. Eine ganze Menge. Da gibt es in Gütersloh eine gemeinnützig anerkannte Stiftung, in die der Bertelsmann-Konzern seine nicht gezahlten Steuern transferiert, um sogleich mit “Forschungsergebnissen” der Allgemeinheit etwas Gutes zu tun. Wer alles gekauft, geschmiert und bezahlt wird, ist weithin unbekannt. Dann gibt es hier in Bielefeld einen sehr weit verzweigten Puddingkonzern, der weltweite Dependancen hat. Inwieweit wirklich jeder Euro an Steuern abgeführt wird, ist sicher auch dem Bielefelder Finanzamt Stadt nicht bekannt. Dann ist da ein Werkzeugmaschinenkonzern, dessen Chef ebenfalls nach wie vor unter schwerer Anlage steht, Gelder verschoben oder nicht deklariert zu haben. Danngibt es im nahen lippischen Schieder einen Möbelkonzern, dessen Chefs weit an der Steuer vorbei und mit Lug und Trug agieren. Die Rechnungen hatten und haben die Mitarbeiter zu zahlen. Dann gibt es in Osnabrück einen Kahrmann-Konzern, der sich hoher Löhne entledigen wioll und einfach “die Akquise neuer Aufträge” für die Cabriofertigung vergessen hat. was unser kleiner Windbeutel Windhorst hinter dfen Kulissen bei Balda in Oeynhausen tut, sieht man nur als Auswirkung auf die Arbeitsplätze. Es ist wohl ziemlich Unheilsames. Gradezu enttäuschend wäre es, wenn es Legales wäre.
Wenn man sieht, was “die Reichen” für die Stadt Bielefeld oder die Region Ostwestfalen tun, wischt man sich die Augen: So gut wie nichts. Wenn man doch einmal ein finanzielles Engagement für die Region entdeckt, dann hat es klare eigennützige Gründe. Zeiten, in denen Unternehmer die “Oetkerhalle” oder die “Kunsthalle” oder “Delius-Eisbahn” stifteten, sind offenbar vorbei. Da gibt es global andere Anlagemöglichkeiten für Kohle. Kein Wunder, wenn sich mir der Magen umdreht, wenn ich die BILD-Kommentare dümmlichster und hetzerischster Art lese, die vor Kamerawirksamem Entsetzen aufgerissenen Kuhaugen eines CDU-Fraktionschefs sehe und daran denke, das die, sie sich jetzt echauffieren in nicht allzu ferner Zeit wieder an den Tischchen derer hocken, die sie jetzt “verurteilen”. Diese Heuchelei ist es, die einen auf die Palme bringt.
Aber in wenigen Tagen werden wir erleben, wie die Medien einen Schwenk machen: Aus den “Steuergaunern” werden “Systemopfer” und “Leute, die als Leistungsträger und Elite zuviel dafür zahlen müssen, das Hartz 4-Empfänger zuviel Geld für nichts bekommen”. Abwarten Leute, das wird hier bei uns nicht anders sein als im moralisch versifften Berlin. Die nächsten Bertelsmann-Häppchen aus der Hand von Liz Mohn warten in der Bertelsmann-Botschaft “Unter den Linden 1″ auf die moralisch so starke Superkanzlerin und den flotten Milliardenversenker Peer Steinbrück und den Kauder, den Po falla, den Heiler, den Röttgen, den Kampeter, den Wend, die Strothmann…… Insofern hat unsere provinzielle Gegend weitaus mehr mit Berlin und der Affäre zu tun, als Lieschen Müller sich vor den Deichmannschen Schaufenstern mit den chinesischen Billigstschuhen in der Bahnhofstraße träumen läßt. Bauern gelten nun mal als “Bauernschlau”. …
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