
Er liebt es. Dieses Dahinschlendern in der Metropole unter der Sparrenburg. Leise plätschern die Fluten der Lutter. Aus der nahen Altstadt skandiert das knarrende Geräusch eines schlecht geölten Einzelhandelsgeschäftsrolladens. Den engen Horizont begrenzen die bewaldeten Hügel des Teutoburger Waldes, die das nahe Osnabrück gegen diese Kathedrale des Geistes abschirmen. Der Tellerrand war in Bielefeld immer schon ein Produkt, das nicht importiert werden mußte. Endet der dörfliche Blick doch häufig dort. Es sei denn, man rührt Pudding, schraubt Werkzeugmaschinen zusammen oder schenkt der undankbaren Welt Mitleid und Nähmaschinen. “Meckerpott” nennt ihn seine Frau liebevoll. Er ist ihr dankbar dafür, schließlich liefert sie ihm mit diesem Prädikat die nächste Idee für seine verbalen Eskapaden. Er will und wird “die Langsamkeit” Bielefelds erkunden, entdecken, warum diese Stadt nicht ist, was sie gern sein würde. Sein will, was sie nicht ist. Nicht wird, was sie mal werden wollte. Die Gedanken verhaken sich. Er schlendert weiter.

Am Rande eines Parks in Mitte sitzt ein Geier auf einer Wegmarke. Die AlmSchücoArena ist nicht weit. Der Nebel liegt über der Bundesligatabelle. “Luft nach unten ist immer noch”, sinniert er. Wohl wissend, das bereits einem anderen ostwestfälischen Zweitligaclub im nahen Paderborn eben diese Luft ausgegangen ist. Da half es auch nicht, Bischofssitz zu sein, eine Hostie im Anstoßkreis des alten Stadions vergraben zu haben und in Paragon einen potenten Sponsor an seiner Seite zu wissen, dessen Stadionbau im Ungewissen steht. Der Geier sitzt reglos. Noch hat er Arm. Bielefeld nicht vollends entdeckt.
Der Weg schlängelt sich durch die liebliche Altstadt bis in die Bahnhofstraße, jene “Avenue 5″, “Fifth Avenue”, “Königsallee” der Bielefelder. Wo sie ihre kleineren Geschäfte abwickeln in den Kaufhäusern, sich fragen, welchen Sinn Leffers hat und warum das Heidi Douglas mit Pommes vom güldnen “M” gekauft hat. In der City-Passage haben sie den Gegenentwurf zu Puddingstadts Kaffeeplatz-Fülle ausgeflaggt. “Bielefelder Sparrenburgtee”. Ob der wohl oben auf der Burghöhe unter der sengenden Sonne Ostwestfalens angebaut wird? Gepflückt, sortiert und verpackt von fleißigen Gadderbaumerinnen, zuvor getrocknet unter vielfachem Wenden in der Sonne von Bethel?

Genug der Gedanken. Meckerpott widmet sich an diesem Tage vor Aschermittwoch jetzt der “unerträglichen Leichtigkeit des Seins”.
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