Bielefeld-Blog: Das Weblog von Bielefeldern für Bielefelder

Themen anzeigen:

Februar 2008
M D M D F S S
« Jan   Mrz »
 123
45678910
11121314151617
18192021222324
2526272829  

Autoren gesucht - jetzt mitbloggen über deine Stadt!

Di
5
Feb '08

Pornographie in Bielefeld erlaubt

Aber dazu muß man die Pressemitteilung der Stadt richtig lesen:

Am Mittwoch, 13. Februar, begleitet die VHS in der Reihe “Theater hautnah” die Inszenierung des Schauspiels “Pornographie” von Simon Stephens. Dramaturgin Christina Richter-Nilsson führt zwischen 20.00 und 21.30 Uhr im Stadttheater (Treffpunkt: Pforte, Brunnenstraße 3) in das Werk ein.

In diesem Stück geht es allerdings nicht um Sex, sondern um die Obszönität der Verhältnisse. Im Mittelpunkt steht die Frage nach der Wirkung extremer Ereignisse auf Metropolen und ihre Bewohner. Kern des Schauspiels ist der Terroranschlag auf das Nahverkehrsnetz in London am 7. Juli 2005, bei dem 56 Menschen starben. Es wird die menschliche Binnenperspektive zu den Ereignissen gezeigt. Dies macht deutlich, dass in den Menschen und in ihren Beziehungen längt schon ein Grad der Verrohung herrscht, der mit einem Verlust von Scham, Grenzen und Regeln einhergeht. Die Inszenierung von Philipp Preuss hat am 14. März im Theater am Alten Markt Premiere.

Hingehen, fragen und verbale Ohrfeigen verteilen

Auf der Website des CDU Kreisverbandes findet sich ein Eintrag:

CDU Ratsfraktion
06.02.2008 – 19 Uhr
Herzliche Einladung zum “politischen Aschermittwoch” in das Triebwerk (Ravensberger Park). Ehrengast ist Landesumweltminister Eckehard Uhlenberg.

Man sollte hingehen, fragen, was die Phantastereien – um hier nur stellvertretend ein paar überregionale Highlights zu nennen – bezüglich “Rauchverbot”, “Handyverbot”, “Winterreifenpflicht”, “Mehrwertsteuererhöhung”, Unternehmenssteuersenkungen”, “Verschärfung Hartz 4″ usw. sollen. Man sollte fragen, für wen die Politik, die sie so sinnentleert machen, gemacht wird. Man sollte fragen, wem diese Politik dient. Man sollte fragen, wer der Nutzniesser dieser Politik ist, wenn es der Bürger sichtbar nicht ist. An Aschermittwoch sind solche Fragen erlaubt. Da halten es die Damen und Herren Politiker eher für eine Art Büttenrede des Fragenden. Sonst mögen unsere Polit”größen” derlei Fragen weniger.

Fragen Sie also ruhig am 6. Februar. Antworten werden Sie nicht bekommen. Und wenn doch, werden sie nicht ehrlich sein. Wen wundert, das der “Beruf Politiker” ziemlich ganz unten auf der Skala der angesehenen Berufe steht? Sage mir keiner, hier in Bielefeld sei das anders.
Aber ein paar verbale Ohrfeigen zu verteilen wäre sicher angemessen. Danach werden sie sich bei den nächsten Entscheidungen darauf berufen, arg aufs Ohr gehauen worden zu sein und nicht mehr zuhören zu können…

Pödchens Tod

podchens-tod.jpg

Da ruht es nun, das iPödchen. Der Tod kam in Raten. Eine rasch vorgenommene Notoperation mittels neuem Akku konnte das kleine Pödchen auch nicht mehr retten. Bei Gravis im Wellehaus sagten die Jungs ihr lakonisch: “Putt. Mutt Du neuen haben”. Sie hatten. Aber Pödchen wollten sie nicht. Die Einstellung bei ebay zeitigte schnellen Verkauf. Der Junge wollte ihn als Ersatzteillager. Eine Patientenverfügung hatte Pödchen ja nie unterschrieben. Sie gab Pödchen hin und verfluchte Apples beschissenen Akku. Nach einigen Tagen eine Mail: Kann Ihren iPod nicht gebrauchen. Ich hab einen neuerer Generation”. “Schicken Sie ihn mir zurück.”, mailte sie nur. Wozu diskutieren? Das neue kleinere iPödchen hatte mittlerweile die Stelle des alten Pödchens eingenommen, da gab es nun kein Vertuen mehr. Wie das so ist in der Wegwerfgesellschaft chinesischer Billigproduktion. Urpödchen wird eine letzte Ruhestätte in einer der vielen unergründlichen Schubladen bekommen. Da wo schon ein paar Siemens und Nokias liegen. Einäschern wäre pietätlos. Wenn man ihn drückt, seufzt sein Display leise auf. Bis das der Akku Euch für immer scheidet.

Wie Mausepfote nach Saharamarsch

“Ma ma (mach mal) Hähnchen Marengo heute”. Die Order war klar. Aber Hähnchen Marengo hier in BI-West ist was anderes als das “Hähnchen Marengo”, das sie kennen. Hier enthält es zwar auch Hähnchenteile. Dafür aber keine Tomaten, keine Zwiebeln, kein Weißwein. Kurz: Das Hähnchen Marengo, das Sie kennen, hat mit dem Bielefelder Westen – “Hähnchen Marengo” nicht mal optisch Ähnlichkeit. Wenn, ja wenn da nicht das Rapskernöl zum Anbraten der Hähnchenteile wäre. “Schmeckt wie Mausepfote nach Saharamarsch”, konstatierte sie kurz und knapp. Sie mußte es ja wissen, hatte sie doch jahrzehntelang virtuell für die Untergrundarmee der Saharamäuse “Hähnchen Marengo” gekocht. Als der Reis schließlich gedämpft war, gab es Hähnchen Marengo “wie immer”. Er hatte einfach das Rapskernöl durch Olivenöl ersetzt. Und weg war er, der Geschmack von “Mausepfote nach Saharamarsch”.

050208-006.jpg

Unruhige Arminenfan-Daumen

arturdaumen.JPG

Artur Wichniarek, polnischer Sturmtank von Arm. Bielefeld, ist sauer. Da bekam er vor dem Spiel gegen den VfL Wolfsburg Nettigkeiten, devoten Königsbeifall und den Titel “Meister Arm-Stürmer”. Während und nach dem Spiel kippte die Fanstimmung dann mit der Leistung der Truppe auf dem grünen Rasen. “Wir-haben-die-Schnauze-voll”-Rufe waren noch das Gelindeste. So ist das nun mal in der Arena. “Daumen hoch” und “Daumen runter” wechseln sich bei den heißblütigen Ostwestfalen rasend schnell ab. Alm ist wie San Siro, nur nicht so Mailändig. Angesichts der bisherigen Bilanz von Übungsleiter Zecki Frontzeck und dem bisherigen Verlauf der Saison ist das alles aber nicht sehr verwunderlich. Verlieren macht traurig. Fans leiden nun mal und haben keinen allzu großen Bock auf die erneute Ausweitung des Bundesligatitels “Rekordauf- und absteiger”.

Bielefeld. Oder: Die Entdeckung der Langsamkeit

250108-004.jpg

Er liebt es. Dieses Dahinschlendern in der Metropole unter der Sparrenburg. Leise plätschern die Fluten der Lutter. Aus der nahen Altstadt skandiert das knarrende Geräusch eines schlecht geölten Einzelhandelsgeschäftsrolladens. Den engen Horizont begrenzen die bewaldeten Hügel des Teutoburger Waldes, die das nahe Osnabrück gegen diese Kathedrale des Geistes abschirmen. Der Tellerrand war in Bielefeld immer schon ein Produkt, das nicht importiert werden mußte. Endet der dörfliche Blick doch häufig dort. Es sei denn, man rührt Pudding, schraubt Werkzeugmaschinen zusammen oder schenkt der undankbaren Welt Mitleid und Nähmaschinen. “Meckerpott” nennt ihn seine Frau liebevoll. Er ist ihr dankbar dafür, schließlich liefert sie ihm mit diesem Prädikat die nächste Idee für seine verbalen Eskapaden. Er will und wird “die Langsamkeit” Bielefelds erkunden, entdecken, warum diese Stadt nicht ist, was sie gern sein würde. Sein will, was sie nicht ist. Nicht wird, was sie mal werden wollte. Die Gedanken verhaken sich. Er schlendert weiter.

200108-001.jpg

Am Rande eines Parks in Mitte sitzt ein Geier auf einer Wegmarke. Die AlmSchücoArena ist nicht weit. Der Nebel liegt über der Bundesligatabelle. “Luft nach unten ist immer noch”, sinniert er. Wohl wissend, das bereits einem anderen ostwestfälischen Zweitligaclub im nahen Paderborn eben diese Luft ausgegangen ist. Da half es auch nicht, Bischofssitz zu sein, eine Hostie im Anstoßkreis des alten Stadions vergraben zu haben und in Paragon einen potenten Sponsor an seiner Seite zu wissen, dessen Stadionbau im Ungewissen steht. Der Geier sitzt reglos. Noch hat er Arm. Bielefeld nicht vollends entdeckt.

Der Weg schlängelt sich durch die liebliche Altstadt bis in die Bahnhofstraße, jene “Avenue 5″, “Fifth Avenue”, “Königsallee” der Bielefelder. Wo sie ihre kleineren Geschäfte abwickeln in den Kaufhäusern, sich fragen, welchen Sinn Leffers hat und warum das Heidi Douglas mit Pommes vom güldnen “M” gekauft hat. In der City-Passage haben sie den Gegenentwurf zu Puddingstadts Kaffeeplatz-Fülle ausgeflaggt. “Bielefelder Sparrenburgtee”. Ob der wohl oben auf der Burghöhe unter der sengenden Sonne Ostwestfalens angebaut wird? Gepflückt, sortiert und verpackt von fleißigen Gadderbaumerinnen, zuvor getrocknet unter vielfachem Wenden in der Sonne von Bethel?

28122007-010.jpg

Genug der Gedanken. Meckerpott widmet sich an diesem Tage vor Aschermittwoch jetzt der “unerträglichen Leichtigkeit des Seins”.