Das hat mal nicht unbedingt etwas mit Bielefeld zu tun, obwohl das Ding sicher auf jedem zweiten Rechner jeden Tag, jede Stunde, jede Minute zur Suche im Internet angeclickt wird: Die nette buntige Konstruktion mit den sechs Buchstaben “Google”. Google findet alles. Schnell wie ein Windhund. Flink wie ein Wiesel. Hart wie Kruppstahl. Oder so ähnlich. Findet auch via “Google-Earth” den schönen Bielefelder Ort “Kesselbrink”. Und wenn Sie Glück haben und die Google-Findekamera erfasst Sie schräg, kann man Sie im Internet auch in Timbuktu sehen. So weit. So schön. Web 2.0. Niedlich? Nein. Eher ziemlich gefährlich.
Aber Menschen wie Robert Basic, der das Weblog “Basic Thinking” betreibt und ein ziemlich kluger Kopf ist, wenn es ums Internet und besonders um Google geht, sieht das weitaus differenzierter.
Robert Basic hat jetzt die DLD (Europe’s conference for the 21st century, covering digital innovation, science and culture and bringing together thought leaders from Europe, the Middle-East, America and Asia. The three-day event is chaired by publisher Hubert Burda and investor Joseph Vardi and hosted by Stephanie Czerny and Marcel Reichart) in München besucht. Was er dort vorfand, beschreibt er auf seinem Blog, insbesondere eine abartige Neugründung namens “DNA-to-go”, hinter der - raten Sie mal…. ein Google-Gründer bzw. dessen Frau stecken. Wenn Ihnen angesichts der Schilderung des Start-ups Gedanken an Heinrich Himmler, Euthanasie, Nazi-Rassenthema, usw. kommen, sind Sie schon auf der richtigen Spur. Hier eine Leseprobe von Robert Basic:
Am erschreckendsten fand ich “DNA-to-go” (Di, 12:00 Uhr). Dort durfte Anne Wojcicki (Frau von Sergey Brin, Google-Gründer, der ihre Firma finanziell backtupt) zusammen mit Linday Avey (Mitgründerin) und Esther Dyson (Financier) ihre Firma 23AndMe vorstellen. Was diese Firma macht? Für rund 1000 USD kann man sein Genom analysieren lassen. Golem:
23andMe will Nutzern die Möglichkeit geben, anhand der eigenen Gene mehr über die eigene Herkunft sowie genetische Veranlagung zu erfahren. Nutzer sollen das eigene Genom entdecken und durchsuchen können oder erfahren, was aktuelle Forschungsergebnisse für die eigene genetische Veranlagung bedeuten. Zudem kann das eigene Genom mit denen anderer Familienmitglieder oder Freunden verglichen werden, sofern diese auch 23andMe nutzen. Zudem will 23andMe anhand der Gene aufzeigen, wo die eigenen Wurzeln liegen und Nutzern die Möglichkeit geben, aktiv an neuen Forschungsprojekten teilzunehmen.
Erschreckend war die grundpositive Darstellung des Projekts, man wolle ja nur helfen. Immerhin könne man damit erkennen, wer mit wem verwandt ist (promt hatte sich nachher einer aus dem Publikum als Macher einer Stammbaumseite geoutet und gefragt, ob man denn sowas auch auf seiner Seite anbieten und einbauen könnte, was ein Zufall…), welchen gesundheitlichen Risiken man ausgesetzt ist, man könne personalisierbare Medikamente herstellen und individuelle Werbung wäre auch denkbar. Durch den Aufbau einer umfassenden Gendatenbank wird man besser das Genom verstehen lernen. Und damit bessere Services anbieten können. Ich weiß nicht warum ich in dem Moment wie ein Genterrorist dachte, aber vor meinem geistigen Auge formte sich der Slogan “das vierte Reich”. Immerhin checkt zB die Firma nicht, ob die Probe nun von dir oder einer anderen Person sei. Dass dabei auch rauskommen könnte, dass man nicht der Vater des Kindes sei, wäre noch nicht vorgekommen, aber denkbar *Schulterzucken bei Linday*. Insgesamt handelt es sich ja nicht um Kreditkartendaten, sondern um den Menschen in seiner Grundform. Wer die Blaupause eines Individuums besitzt, der macht ein tolles Geschäft. Da wurden wohl einige anwesenden Investoren feucht im Schritt. Mir war auf jeden Fall ziemlich unwohl bei diesen drei Gestalten auf dem Panel. Und dem Gedanken, dass die Entschlüsselung, Analyse und Vermarktung des Genoms unaufhaltsam sein wird. Huxleys “Traum” von Alphas und Gammas ist nicht so weit weg. Die Personaler wirds ebenso wie die Werber, Militärs, Webstarter und Schäubles freuen. Und ich reservier schon mal “DNSr.com”:)
Danke, lieber Hubert Burda, das Sie neben allem BUNTE-Gesumse auch solchen hohen, hehren Gedanken eine Bühne geben. Die Wiederanknüpfung an grandiose Zeiten fehlte schmerzlich. Hat Kommissarin Lindholm, (im TV gespielt von Burdas Frau Maria Furtwängler ) denn Ihre DNA-to-go immer dabei? Jede Wette, das in Gütersloh bei Bertelsmann an eine Nutzung dieser “Idee” gedacht wird? Der alte Traum: Die ganze Welt ein Mohnkuchen. Verwaltet von der Bertelsmann-Tochter Arvato. Liz schneidet den Kuchen an und entscheidet anhand der DNA, wer ein Stück bekommt und wer nicht. Herrenmenschengetue. Ganz sicher dabei sind Topgene wie Friede Springer und Kanzleuse Merkel, die hier und heute mal wieder von unserer Prachtzeitung NW (”Nur Wahrheiten”) gefeiert werden. Gut, das man sich trotz Google immer noch seine Meinung BILDen kann…. Noch.

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