Meiner einer ist Bielefelder, Urbrackweder, also Quirkendörper (neee, wir sind keine Buslinie, man nennt uns nur so) bin nach einigen Monaten mal wieder die Hauptstraße entlang geschlendert. Das mache ich zwar bei Weihnachtseinkäufen auch, aber da weiß ich normalerweise, was ich haben will und schaue mir nicht explizit alle Geschäfte an. Einst das größte Dorf Europas (ich glaube sogar offiziell) ist Brackwede nichts anderes als Bielefeld, nur ein bissel kleiner halt. Wenn man von unnötigen Beschlüssen ausgeht bis hin zu Vermietungen von Immobilien und Ladengeschäften etc. graust es einem nicht nur in Bielefeld City. Siehe textexter’s herrlich zu lesende Artikel bzgl. Jahnplatz und Lichterketten in unserer kleinen Großstadt. Auch in Brackwede geschieht merkwürdiges, kurioses und manchmal soviel Blödsinn, das es für 3 Vororte reicht.
Da höre ich doch glatt in einem Gespräch mit meinem Onkel heraus, das keiner mehr an der Hauptstraße, an Ausländer vermietet. Eeerm, bitte was, verhört? Ok, mein Onkel redet sehr viel, wenn der Tag lang ist, daher kann ich es kaum glauben. Nachfragen an den Stellen die es wissen müssten geht auch nicht, wer gibt da schon Auskunft, jeder Ausländer könnte gegen die Vermieter klagen, wenn wirklich herauskommt, das Ausländer bei der Wohnungs- und Ladensuche benachteiligt werden. Ich lass es mal so dahingestellt. Irgendwer hat den Schuss nicht mehr gehört, entweder mein Onkel oder die Immobilienbesitzer. Ich entschuldige mich hiermit für meine labernde Verwandschaft. Ich konnte sie mir nicht aussuchen. Ok, ok, keiner braucht noch ein türkisches Reisebüro an der Hauptstraße, genauso wenig einen 5. oder 6. deutschen Drogeriemarkt. Damit ist das Zentrum Brackwede schon bedient genug. Bedient ist es auch mit Cafes und Bäckern und ich würde sagen auch Kneipen.
Apropos Kneipen. Mein El Dorado war damals das Pendel. So in der Art wie Kolck _der_ Mittelpunkt für Omis und Mütter ist bzgl. Wolle, Kopfkissenbezüge, schicke Blusen oder nur eine paar Gardinenstangen-Ösen-Blah einzukaufen, war das Pendel für mich der Treffpunkt der 16-jährigen Brackweder Ende der 80er und noch Jahre später. Dort konnte man zwar nicht einkaufen, außer Alkohol tanken, aber Leute treffen. Ob Zapfhahn oder Pendel, war eigentlich egal. So ganz ohne Schulkram im Kopf zu haben. Ach herje, was für schöne Zeiten das waren.
Da lese ich in der NW das die tatsächlich vorhaben Mitte Februar das Pendel (seit 2006 geschlossen) als Dance-Club Tronix im neuen Glanz erstrahlen zu lassen. Ich zitiere mal die NW “Events, Gastspiele bekannter DJ’s, elektronische Musik sollen neue Maßstäbe für das Nachtleben setzen.” Brackweder Nachtleben, gerade das Hauptstraße Nachtleben beschränkte sich nomalerweise auf Bier und Korn und ab nach Hause. Das Problem in Brackwede ist immer nach Hause zu kommen. Bürgersteige sind ja spätestens um 21 Uhr hochgeklappt. Besoffen und ohne Bürgersteig ist ein Abenteuer. Das einzige Geräusch was da noch in den späten Abendstunden gehört wurde, war die S-Bahn. Die hilft nicht wirklich bei der Orientierung.
Noch zu nett umschrieben. Ich probiere es mal so: Wenn ich Dance-Club in Brackwede höre, gepaart mit Nachtleben in Brackwede, bekomme ich einen Lachanfall. Ich wünsche mir so sehr, das ich total falsch liege. Schon alleine der Kultkneipe Pendel und der alten Zeiten wegen, alles Gute dafür. Aber eine S-Bahn Haltestelle direkt an dem geplanten Tronix heißt noch lange nicht, das dort Erfolg vorprogrammiert ist.
Abschließend will ich noch eins bemerken. Man kann über McDonalds sagen und denken was man will, eines passt bei denen immer – die absolut präzise und knallhart kalkulierte Standortanalyse. Das sollten sich einige Lebensmittelhändler, Drogerien, Kneipen, Cafes und ähem Dance-Clubs in Brackwede mal durch den Kopf gehen lassen.
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