Bielefeld-Blog: Das Weblog von Bielefeldern für Bielefelder

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Sa
12
Jan '08

Wenn der kleine Teichfrosch schläft

Eine junge Mutter steht mit ihrer vierjährigen Tochter an der Ampel der Kreuzung “Café Sport” in Bielefeld-Quelle. Ein 38-Tonner nach dem anderen nähert sich von der B 68 aus Richtung Borgholzhausen - Autobahnanschluss A 33 zum Osnabrücker Kreuz - und stoppt bei Rot. “Du Mama, warum sind das so viele und warum stinken die so?”. Die Mutter schaut gebannt auf die Schwertransporter, die mangels fertiger Autobahn bis Bielefelder Kreuz immer noch über die B 68 dröhnen : “Das ist wegen dem kleinen Teichfrosch”. Das Kind senkt den Blick, denkt nach. “Du Mama? Sitzt der in den großen Autos?”. “Nein, Miriam - so heisst die Kleine - der schläft in Winterstarre im Waldboden auf dem Gebiet von Edinglohs Bruch”. Das kleine Mädchen ist still und tappt an der Hand der Mutter an der Galerie der Trucks vorbei auf die andere Strassenseite. Verstanden hatte sie natürlich nichts. Dabei ist das ganz einfach.

Der “kleine Teichfrosch” hat die Umweltschutzinitiative Senne veranlasst, Strafanzeige gegen Unbekannt zu stellen. Die Bauarbeiten für die Autobahn A 33 im Bereich Bockschatzwald und Naturschutzgebiet Edinglohs Bruch sollen gegen die Umweltschutzgesetze verstossen und nicht dem Planfeststellungbeschluss entsprechen. Der in Winterstarre im Waldboden verharrende “kleine Teichfrosch” sei dabei plattgewalzt worden……

Man wünscht der Senner Umweltschutzinitiative ein Zeltlager Höhe Haller Amtsgericht (dort steht eine Feinstaubmessstation), an dem täglich tausende Lastwagen auf der B 68 vorbeidröhnen und immer mehr Anwohner aufgeben, weil die Fertigstellung der Autobahn Jahrzehnt um Jahrzehnt verzögert wurde. In einer Zeit, wo paranoid Feinstaubplaketten in gelb/grün/rot verteilt werden, um alte Autos mal ganz schnell aus dem Verkehr zu ziehen, wird es den Anrainern der B 68 von den Teichfroschschützern und anderen Initiativen ohne mit der Wimper zu zucken, zugemutet, an der Straße zu leben. Nichts gegen Umweltschutz. Aber dann bitte nicht in kompletter Hysterie und bitte allumfassend. Und dann gehört auch die Diskussion über Bielefelds langsam sterbendes Kohlekraftwerk in den Stadtwerken dazu, und, und, und…. Ach ja, die in ihrer Ruhe eventuell gestörten Rehe im Steinhagener Ströhen hätten auch schon eine Lobby, wenn sie nicht kürzlich, lachend die Lunte zeigend, übers Feld abgehauen wären. “Rettet Bambi”, stand auf dem Transparent am Rand der B 68. Kann man denn nicht einen kleinen Eisbären nach Olderdissen beordern?

Keiner der Initiativen scheint es auffallen zu wollen, das die geheimen Planungen für den neuen Autohof an der Kreuzung A 33/A 2, für den wohl der Sennesee sterben musste, einen ganz anderen Einschnitt in das Leben des “kleinen Teichfrosches” darstellen werden. Aber da gehts ja auch um Kohle für Einzelne, die ganz sicher in feinstaubfreien Höhen ihre Villen bewohnen und auf die Deppen im Tal entlang der B 68 herniederlächeln. .

Kondensstreifen in der “Eine-Stunde-Stadt”

Ein herrlicher Wintermorgen war erwacht. Straßen sind aber schon wieder nass, es ist mild, aber mein Blick gilt nur dem Himmel. War schön anzuschauen. Jedenfalls so um 9 Uhr. So erlebte ich es auch schon am Montag, ein geniales Wetterchen war das hier. Und gestern hatte mich auch die Sonne angeblinzelt.

Ich mag eben das perfekte Blau am Himmel. Und wie ich das hier so schreibe, erinnere ich mich gerne an meinen Nachbarn. Wir lagen des Sommers im Garten und (un)sinnierten über Steaks, Bratwürstchen und Hähnchenschenkel, während wir grillten. Irgendwann sagte er dann “Wenn die runterfallen, landen die genau auf unserem Kopf.” Ich war ein bissel verwirrt, was meinte er damit? Vogelkacke? Hähnchenschenkel? Was denn nun. Hauptsache die treffen den Grill nicht. Ich hatte nämlich hunger. Also nachgefragt und mir wurde auch prompt geholfen. “Flugzeuge!”, war seine Antwort. Ich erwiderte: “Aha, Flugzeuge. Mies wenn dich eins als Landezone missbrauchen würde.” Gedacht und nicht ausgesprochen habe ich aber: “Vielleicht sollte er keine 10 Stunden am Stück mehr arbeiten, tut ihm nicht so gut.” Ich muss gestehen, ich habe danach über Tage hinweg das Geschehen am Himmel betrachtet.

Es soll jetzt nicht der Verdacht aufkommen, das ich es damals mit der Angst zu tun bekommen hätte, das so ein Flieger auf meinem Kopf landen könnte. Eher hatte ich überlegt, warum ziehen die unzähligen Kondensstreifen über Bielefeld, und einige genau über unsere angemietete Doppelhaushälfte? Zufall? Oder schaut die Altstadt-Form, (nur erkennbar von oben) wie ein riesiger Hufabdruck eines Dinoauriers aus und die Fluggesellschaften packen Bielefeld extra und mit voller Absicht mit auf die Route? Ihr wisst schon, wir als Zirkusattraktion. Fakt ist, wir, also Bielefeld, ist die “Eine-Stunde-Stadt” wenn es um Flughäfen geht. Im Selbstversuch (z. B. lästige Bekannte und Verwandte von Flughäfen abholen) konnte ich feststellen, das die Flughäfen in Hannover (ohne A2-Stau), Paderborn/Lippstadt, Dortmund und Münster/Osnabrück jeweils ca. 1 Stunde Autofahrt entfernt liegen.

Irre. 4 Flughäfen gleich nah oder gleich weit entfernt, wenn man nur von der Zeit ausgeht.
Aber zurück zu den Kondensstreifen. Im Sommer 2007 waren sie die Saat des Bösen. Warum? Weil ich selbst gesehen habe, wie ein Kondensstreifen breiter und immer breiter wurde, bis dieser Streifen eine Art Wolke bildete, der die Sonne verdunkelte. Ok, war reißerisch ausgedrückt. Wenigstens kam von der Kondenswolke kein Regen. Der purzelte Sommer 2007 eh später aus anderen Öffnungen. Fortlaufend. Fast den ganzen Sommer. Eigentlich immer. Höre ich mich verbittert an? Auch egal.

Jetzt, da ich endlich wieder im Süden Bielefelds wohne, also vor’m Berg (nein, nicht wegen der Flugzeuge), kreuzen die Jets auch nicht mehr wirklich meinen Kopf. Die Anzahl der Kondensstreifen ist auch nicht merklich gesunken bzgl. Nordwest Bielefeld und dem Süden der Stadt. Aber irgendwie lassen die Flieger Bielefeld-Süd in Ruhe und nerven eher Gütersloh oder den Norden der Stadt. Will damit sagen, kein kreuzen des Kopfes mehr.

Ich glotz derweil noch ein klein wenig in den Himmel und bereue jedenfalls kein bisschen, das ich zurück in den Bielefelder Süden gezogen bin. Mit oder ohne Kondensstreifen, es ist einfach besseres Wetter vor dem Berg, auf der südlichen Seite der “Eine-Stunde-Stadt”.

@ Rosmarin

Hm, sollen wir nichts mehr schreiben über die kleine Metropole am Teutoburger Wald? Über die schildaesken Bemühungen lokaler Politiker, deren Horizont allzu häufig an der Kreisgrenze zu Gütersloh endet? Sollen wir den Tageszeitungen Konkurenz machen? Dafür fehlt uns ganz einfach das Personal. Was bleibt, ist die kleine Stichelei. Das verbale Florett, wenn die Provinzgazetten mal wieder Weltstadt spielen und dann doch nur live aus dem Heeper Hühnerstall berichten. Da dieser Blog (oder dieses?) subjektiv von seinen Befüllern geschrieben und fotografiert wird, sind es auch nur subjektive Eindrücke aus und über eine Stadt, die eigentlich sehr wenig ist, sehr wenig bedeutet und sehr wenig ausstrahlt. Und doch lieben ihre InsassenBürger das Schilda der Neuzeit.

Wer schon in Städten wie Hamburg, Stuttgart, Frankfurt und München gelebt hat, ist naturgemäss versucht, das Gebilde unter der Sparrenburg damit zu vergleichen. Und tut doch der kleinen Spiessbürgermetropole unrecht. Die, die hier das Geld und das Sagen haben, verstecken sich hinter hohen Hecken, tauchen meist nur auf, wenn es gilt, Brunnen auszutauschen und mal freundlich scheu und unendlich gelangweiltdistanziert in die Lokalreporterlinsen zu lächeln. Ansonsten haben sie ihre Schergen, die in ihrem Sinne “beeinflussen”. Das “Boulevardleben” - gestern Abend in der ARD bei “Sabine Christiansen” auf dem niedrigstmöglichen Niveau präsentiert - findet woanders statt.

Vielleicht ist aber auch die Abendstille, in der man -wie in einem berühmten Theatermonolog - “sogar das Klappern der Augenlider” hören kann, was die Menschen hier hält. Beispiel: Eine Lichtschiene von Johannisberg bis Sparrenburg quer durch die Stadt jedenfalls würde hier nichts bewegen ausser gelangweilter Kommentare der Alpha-Städte: “Bielefeld kopiert auch das von uns”. Insofern: Jede Stadt hat die Zeitungen, die Oberbürgermeister, die Stadtmarketingleute, die Unternehmer, die sie verdient.

Bielefeld hat irgendwann vergessen, sein Licht, das es unter den Scheffel gestellt hat, wieder hervorzuholen. Jetzt ist es ziemlich ausgegangen. Unser 18 jähriger fährt mit seinen Kumpels gerne in die Inenstadt.- So ab 22 Uhr. Vielleicht genügt es ihnen aber auch, die “Bierbörse” im Neopotsdammerplatzigen Design zu besuchen, wo doch eher das aus Bielefelder Sicht piefige Herford mit dem “Goparc” die angesagte Disco der Region hat. Wer weiss das schon?

Nachtrag: Unter den Städteblogs ist Bielefeld allerdings das Gefüllteste und das mit der größten Resonanz.

städte blogs

halte ich für eine gute idee.
vorausgesetzt, es handelt sich um städte.
d.h. man erfährt mehr als in der tageszeitung…. denn die kann man selbst lesen.
d.h. man ist im austausch….
oder man ist tourist…
oder man streitet….
hauptsache… es sagt wer was.
ich kann nachvollziehen, dass man als eingeborener die story über die erfindung bielefelds, nicht mehr hören kann. aber… gelegentlich doch…. frage ich mich, ob es hier leben gibt.
nichts für ungut.
herrje… ich weiß auch nicht….