Eine junge Mutter steht mit ihrer vierjährigen Tochter an der Ampel der Kreuzung “Café Sport” in Bielefeld-Quelle. Ein 38-Tonner nach dem anderen nähert sich von der B 68 aus Richtung Borgholzhausen - Autobahnanschluss A 33 zum Osnabrücker Kreuz - und stoppt bei Rot. “Du Mama, warum sind das so viele und warum stinken die so?”. Die Mutter schaut gebannt auf die Schwertransporter, die mangels fertiger Autobahn bis Bielefelder Kreuz immer noch über die B 68 dröhnen : “Das ist wegen dem kleinen Teichfrosch”. Das Kind senkt den Blick, denkt nach. “Du Mama? Sitzt der in den großen Autos?”. “Nein, Miriam - so heisst die Kleine - der schläft in Winterstarre im Waldboden auf dem Gebiet von Edinglohs Bruch”. Das kleine Mädchen ist still und tappt an der Hand der Mutter an der Galerie der Trucks vorbei auf die andere Strassenseite. Verstanden hatte sie natürlich nichts. Dabei ist das ganz einfach.
Der “kleine Teichfrosch” hat die Umweltschutzinitiative Senne veranlasst, Strafanzeige gegen Unbekannt zu stellen. Die Bauarbeiten für die Autobahn A 33 im Bereich Bockschatzwald und Naturschutzgebiet Edinglohs Bruch sollen gegen die Umweltschutzgesetze verstossen und nicht dem Planfeststellungbeschluss entsprechen. Der in Winterstarre im Waldboden verharrende “kleine Teichfrosch” sei dabei plattgewalzt worden……
Man wünscht der Senner Umweltschutzinitiative ein Zeltlager Höhe Haller Amtsgericht (dort steht eine Feinstaubmessstation), an dem täglich tausende Lastwagen auf der B 68 vorbeidröhnen und immer mehr Anwohner aufgeben, weil die Fertigstellung der Autobahn Jahrzehnt um Jahrzehnt verzögert wurde. In einer Zeit, wo paranoid Feinstaubplaketten in gelb/grün/rot verteilt werden, um alte Autos mal ganz schnell aus dem Verkehr zu ziehen, wird es den Anrainern der B 68 von den Teichfroschschützern und anderen Initiativen ohne mit der Wimper zu zucken, zugemutet, an der Straße zu leben. Nichts gegen Umweltschutz. Aber dann bitte nicht in kompletter Hysterie und bitte allumfassend. Und dann gehört auch die Diskussion über Bielefelds langsam sterbendes Kohlekraftwerk in den Stadtwerken dazu, und, und, und…. Ach ja, die in ihrer Ruhe eventuell gestörten Rehe im Steinhagener Ströhen hätten auch schon eine Lobby, wenn sie nicht kürzlich, lachend die Lunte zeigend, übers Feld abgehauen wären. “Rettet Bambi”, stand auf dem Transparent am Rand der B 68. Kann man denn nicht einen kleinen Eisbären nach Olderdissen beordern?
Keiner der Initiativen scheint es auffallen zu wollen, das die geheimen Planungen für den neuen Autohof an der Kreuzung A 33/A 2, für den wohl der Sennesee sterben musste, einen ganz anderen Einschnitt in das Leben des “kleinen Teichfrosches” darstellen werden. Aber da gehts ja auch um Kohle für Einzelne, die ganz sicher in feinstaubfreien Höhen ihre Villen bewohnen und auf die Deppen im Tal entlang der B 68 herniederlächeln. .



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