Bielefeld-Blog: Das Weblog von Bielefeldern für Bielefelder

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Mai '07

Der 9. Mai

Erst der routinemäßige Blick in die Mitteilungen der Stadt Bielefeld offenbarte es: Der 9. Mai ist durch Artikel IV-1 Satz 5 des Vertrages der Mitgliedstaaten der Europäischen Union über die Verfassung für Europa als Europatag bestimmt worden. Dieser Vertrag wurde am 29. Oktober 2004 von den Staats- und Regierungschefs der Mitgliedstaaten in Rom unterzeichnet.

Das entging dem Schreiber vor lauter Sarkozy, G 8-Gipfeleien, Heiligendammer 12-Millionen-Zäunen (”Niemand baut bessere Mauern und Zäune als Deutschland”) und anderen aufregenden Ereignissen außerhalb der Weltstadt am Teutoburger Wald. Eurotag. Soso. Sarkozy will das französische Volk ebenso wenig über eine Verfassung der EU abstimmen lassen wie das Kanzler. Warum auch. Was hat das Volk schon für eine Ahnung, was in den Köpfen der Wichtigen vor sich geht. Wüßte es ob der tiefen Leere vieler, es würde noch mehr erschrecken. NapoleonSarkozy sitzt noch nicht einmal im präsidialen Elysee-Sessel, da fällt er schon mit einer Luxusreise auf, die ein Industrieller bezahlt hat. Vive la France. Es lebe das grenzenlose, das neoliberale Europa. Vorsicht, das ist zynisch gemeint. Häufig muß man die geballte Faust unter der Schreibtischplatte verstecken. Selbst in Bielefeld.

Klima. Wandel.

Man darf gespannt sein, wann die ersten Diskussionen um die Gründe des Apriligen-Mai-Dauerregens hier in Ostwestfalen und anderswo losgehen. Bei 16 Grad und stürmischen Böen hauts auch schon mal Dachpappen von Anbaugebäuden.

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Fair.Menschlich.Nah?

Wie wenig PR-Sprüche der harten Wirklichkeit trotzen können, zeigt der Kongreß der Sparkassen in Bochum, über den auch die Lokalzeitungen berichten. Da wird getönt, was das Zeug hält. Für einen Freund, mittelständischer Unternehmer, langjähriger Kunde der Sparkasse Bielefeld, muß das alles klingen wie Hohn. Leider verbietet Datenschutz, hier offen über ein Possen - und Ränkespiel, Chos und Versagen von Sachbearbeitern, Filialen und der Zentrale zu schreiben. Aber vielleicht kommt der Tag, an dem man es kann und darf.

Gildemeistersche Superzahlen……

Wir schruben hier schon des öfteren mal über den Bielefelder Werkzeugmaschinenhersteller Gildemeister. Gestern nun meldete der Konzern “Vollauslastung”. Vor nicht langer Zeit hieß es, man werde “400 neue Stellen schaffen”. Ein genauer Blick in die Konzernzahlen:

Auftragseingang: zweistellig plus 23% gegenüber Vorjahr
Gewinn vor Steuern: vervierfacht
Beschäftigte Ende 2006: 5.558
Beschäftigte Ende März 2007: 5.647
Neue Stellen nach Adam Riese: 89

Ein Schelm, wem jetzt plötzlich so schöne Regelungen wie massig Überstunden einfallen. Ein Konzern argumentiert anders: Man bekomme einfach keine Fachkräfte. Ach ja? Wie wärs mit “rechtzeitig ausbilden”?

Nochmals Schelm, wer jetzt nicht dafür ist, Großunternehmen weiter steuerlich zu entlasten. Der Standort Deutschland, insbesondere Bielefeld, ist doch sowas von daneben. “Einfach nicht wettbewerbsfähig” (O-Ton BDI). “Deutschland ist ein Sanierungsfall” (O-Ton Kanzleuse vor nicht allzu langer Zeit). “200 Milliarden höhere Steuereinnahmen bis 2010″ (O-Ton Bu-Finami Steinbrück).

Verzeihung, ich lasse es einfach bleiben, irgend etwas zu glauben und schau mir ein Zahnrad an, das auf einer Gildemeister-Maschine gefertigt wurde.

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Ein bißchen müssen wir da wohl noch an der Doppeldeutigkeit der PR-Mitteilungen feilen.