„Zwei Drittel der Deutschen“ angeblich hinter KT

So, so. Ein Politologe versteigt sich zu der Behauptung, die Schummelei (und das Gutsherrengehabe) „stählen“ zu Guttenberg. Angeblich stünden „zwei Drittel der Deutschen“ hinter dem Minister*. Nur? Hinter Honecker standen 112%, hinter Hitler „die ganze Welt“ 🙂

Gucken wir mal, was in hiesigen Gefilden so verbreitet wird. Die NW macht vornehm und im Blatt reduziert mit einem zeitlich versetzten Homepagevergleich des Freiherren auf, an dem man das Verschwinden des Dr.-Titels ablesen kann. Das Westfalen-Blatt kommentiert mit Sorge um den seit Jesus beliebtesten Mann der Öffentlichkeit so:

Typisch zu Guttenberg: Es war zu erwarten, dass der Minister in seinem eigenen Verteidigungsfall zum Angriff übergeht. Deutschlands noch immer beliebtester Politiker hat aber auch Fehler eingestanden und sich entschuldigt. Er will seinen Doktortitel zumindest zwei Wochen lang ruhen lassen – welche Bedeutung das auch immer in der Praxis hat. Aber die entscheidende Frage in der Affäre um die Plagiatsvorwürfe lautet: Wie glaubwürdig ist Karl-Theodor zu Guttenberg noch? Und: Kann er Vertrauen zurückgewinnen? So beliebt der Bundesverteidigungsminister auch ist: Sein Image hat Kratzer erhalten. Auch deshalb, weil es sich in seiner Dissertation nicht nur um ein, zwei oder drei fehlende Fußnoten handelt, sondern dutzendfach Textpassagen fremder Autoren komplett übernommen worden sind, inklusive eines Teils der Einleitung. Das geht über Schummelei weit hinaus. Betrug im strafrechtlichen Sinne ist das Fehlverhalten aber nicht. Die Forderungen nach dem sofortigen Rücktritt sind genauso übertrieben, wie etwa Aussagen, hier werde eine Mücke zum Elefanten gemacht. Die Wahrheit liegt dazwischen. Fachleute der Universität Bayreuth werden die Doktorarbeit Guttenbergs genauestens kontrollieren und dann eine Entscheidung treffen. Diese Prüfung gilt es abzuwarten. Wenn zu Guttenberg tatsächlich eine Täuschungsabsicht nach Paragraph 16 der Promotionsordnung nachgewiesen wird, muss die Doktorprüfung nachträglich für nicht bestanden erklärt werden, mit allen Konsequenzen, die damit verbunden wären. Aber auch dieser für zu Guttenberg schlimmste Fall muss nicht zwangsläufig seinen Rücktritt bedeuten. »Jeder Mensch macht Fehler.« Den Worten von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, der nicht gerade als ein Unterstützer des Freiherrn gilt, möchte man hinzufügen: »Und jeder Mensch sollte die Chance haben, aus seinen Fehlern zu lernen.« Ausgerechnet an diesem Samstag bekommt Karl-Theodor zu Guttenberg den Orden wider dem tierischen Ernst – in seiner Abwesenheit. Der Minister wird vom Aachener Karnevalsverein als »Überflieger mit Bodenhaftung« ausgezeichnet. Er habe Mut zum Widerspruch und »akrobatischem Querdenken«. Spätestens nach Bekanntwerden der Plagiatsvorwürfe steht fest, dass der »Überflieger« hart gelandet ist. Guttenberg muss Vertrauen und Glaubwürdigkeit zurückgewinnen. Da spielt es keine Rolle, ob er einen Doktortitel trägt oder nicht. Die Menschen erwarten, dass er seine Arbeit gut macht – nicht zuletzt wegen der aktuellen, sehr traurigen Geschehnisse in Afghanistan mit zwei toten und acht verletzten Soldaten. Karl-Theodor zu Guttenberg kommt als Bundesverteidigungsminister eine besondere Verantwortung zu. Er steht 350 000 Männern und Frauen der Bundeswehr vor. Zuletzt hat sich zu Guttenberg nicht immer glücklich verhalten. Noch mehr Fehler darf er sich nicht erlauben. Sonst ist er nicht mehr zu retten.

Nun ja. Lassen wir den Spruch des ehemaligen Geldkofferträgers mal so stehen Den Gipfel schießt ohnehin Friede Springers Volksverdummungsblatt Nr. 1 ab:

Da Karl-Theo in seiner ganzen Großkotzigkeit nicht anders kann wird sich das Thema so oder so in absehbarer Zeit erledigen. Darauf einen westfälischen Korn. Reiht er sich doch überaus würdig und mit hoher B-Note für die „künstlerische Leistung“ in die Phalanx der Strauß, Kohl, Barschel, Koch´s ein.

*…sagt unser immer stramm auf CDU/CSU-Kurs segelnder Emnid-Menschenbefrager Klaus-Peter Schöppner in BLÖD: Der Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts Emnid, Klaus-Peter Schöppner, sieht keinen politischen Schaden für Guttenberg. „Selbst wenn er am Ende auf den Doktortitel verzichten sollte, würde ihn das nur menschlicher machen“, sagte Schöppner der Online-Ausgabe der „Bild“-Zeitung. Ein Doktortitel mache noch keinen guten Politiker. „Die Deutschen vergeben gerne demjenigen, der Schwächen zugibt, Fehler bereut.“

Also Klaus-Peter, hättest Du jetzt was anderes herumgefragt, wir wären vom Glauben an die völlige Wahrheit der Umfrageinstitute vollends abgefallen. Aber so. Alles paletti. Passt zur politischen Verhaltensweise. Stell doch mal demnächst die Frage, ob die Erde sich wirklich noch um die Sonne dreht….

Ich bin gespannt, was da noch kommt. Aber wahrscheinlich kommt gar nichts, wahrscheinlich versickert alles irgendwie langsam, bleibt nicht kleben, und in ein paar Monaten kommt wieder so eine Dressboy-Fotostrecke in der Bild und das Volk findet ihn super, weil er sogar den arroganten Akademikern ein Schnippchen geschlagen hat, der tolle Hund, der tolle. Schreibt die Frankfurter FAZ-Journalistin Andrea Diener. Ich befürchte so etwas auch, obwohl wir hier ganz sicher Seiner Gegeltheit und Ghostriderin (is scho richtig gschriebe 🙂 Ihro Mediengeilheit Stephanie keine Ruhe geben werden.

Und die Idiotensammlung auf „Facebook“: http://www.facebook.com/ProGuttenberg

3 Gedanken zu „„Zwei Drittel der Deutschen“ angeblich hinter KT

  1. Madamef

    Die Doppelmoral dieser Heuchler, die den Gegelten verteidigen, ist typisch für diese Bande.
    Man erinnere sich daran, wie das ungeschickte Hantieren von Frau Ypsilanti als Lügilanti-Kampagne durch die Medien ging.
    Und jetzt: Betrügen? Belügen? Alles gar nicht so schlimm. Das ist doch menschlich! Ein Fehler, der einem mal passiert! Der dem Mann hilft, sich zu entwickeln.
    Irrenhaus!

  2. ebook

    Als wäre nichts gewesen: Karl Theodor zu Guttenberg legt seinen Doktortitel ab und darf Minister bleiben. Das ist nur eine Fußnote in seiner Traumkarriere. Sicher, keinen interessiert es mehr. Der Guttenberg wird sicher noch Bundeskanzler. Das spricht viel für die Kultur in unserem Lande.

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