Qualitätsjournalismus

Was Pressevergleich an ‚Qualität’sjoutnalismus zu Tage fördert, zeigen NW(-online) und Westfalenblatt mal wieder eindruckvoll – und viele andere auch: die Artikelüberschrift „Arbeitskosten im Euroraum entwickeln sich auseinander“ zeigt mal wieder reichlich Treffer; viele Zeitungen, ein Artikel – einer schmiert vor, die anderen ab; eigene Leistung: Fehlanzeige. – Was anginge, wäre die Meldung von Bedeutung. ‚Experten‘ „erklären die Spreizung mit der unterschiedlichen Wirtschaftsentwicklung“ – das zu sehen, zumindest zu vermuten braucht’s ‚Experten‘ nicht. Auch ist dies keine Erklärung, sondern immer noch eine Beschreibung.

Was überhaupt sind ‚Arbeitskosten‘? – Offenbar sind die Lohnkosten gemeint, die ein Unternehmen so je Mitarbeiter hat – also der ausgewiesene Bruttolohn plus (in Deutschland zumindest) so genannte Arbeitgeberanteile zu den Sozialversicherung, die für diesen Lohnkosten (und keine Neben- oder Sonstwaskosten) sind. Das alleine sagt nun – nichts! Außer, dass Löhne zuweilen verschieden sind: welch Erkenntnis!

Doch könnte dies auch was bedeuten? – Konstruieren wir mal ein Land: Bananien. Die Banania AG produziert dort Autos, hoch modern und voll automatisiert. Nur einen Mitarbeiter ist noch nötig die gesamte Anlage zu überwachen und zu steuern – hoch qualifiziert, weshalb die Lohnkosten hoch sind – sagen wir: € 250,- / Stunde – in der nun 25 Kleinwagen à € 25.000 fertig seien. – Und dann noch ein Land, Citronien, mit der Citronia AG, die auch Autos macht – 25 Kleinwagen à € 25.000 in 1 Stunde, doch nicht ganz so modern: noch sind 25 Männekes oder Ladies nötig, die Produktion zu überwachen, doch fallen dafür pro Nase auch nur € 100,- Lohnkosten an .. Klar: so sind die Arbeitskosten in Bananien höher als in Citronien. – Und nun rechnen wir mal ein bisschen und stellen fest: in Bananien stecken in jedem Wagen sozusagen € 10,- an Lohn – in Citronien jedoch € 100,-. Da muss bei gleichem Wagen-(Stück-)preis der Wagen irgendwie minderer sein als der aus Bananien oder die Citronia AG sich mit weniger Gewinn begnügen. Denn zwei völlig gleiche Wagen von der Citronia AG müssten ja sonst um € 90.- teurer sein, € 25.090 kosten .. Hier macht die Arbeit, die in einem Stück Auto steckt, einen Unterschied – das meint gemeinhin Produktivität. Arbeit in Lohnkosten ausgedrückt wird so zu Lohn_Stück_kosten, der Anteil der Lohnkosten an den summierten Gesamtkosten der Herstellung eines ‚Stückes‘. Und diese Lohnstückkosten können fallen durch gedrückte Löhne oder gesteigerte Produktivität. Die Lohnkosten alleine aber sagen gar nichts.

Ein ganzer Artikel über eine Nullnummer also? – Doch schau’n wir mal, was sonst so drin steckt – und finden, dass im EU-Vergleich die Lohnkosten hoch sind. Und war da nicht mal was? Seien die Lohnkosten in Deutschland nicht ZU hoch gewesen? Sind sie womöglich immer noch zu hoch? Und ist das die Botschaft? – Anknüpfen lässt sich ja daran.

Und noch was ist da hergefaselt: „Während viele Krisenländer in tiefen Rezession feststecken und der Druck auf die Löhne groß ist, lässt die immer noch robuste Arbeitsmarktlage in Deutschland steigende Löhne zu.“ – Ach nee? – Durch Hartz IV in Leih- und Minijobs gezwungen steigen nun die Löhne kaum über die Inflation – aber es liest sich Klasse. Sagen wir mal so: in der DDR waren die Fünfjahrespläne auch immer übererfüllt – komisch, dass die so marode war ..

Wer wenig Geld hat, kann auch nur wenig kaufen. Für ein Auto reicht’s da oft nicht mehr, was die Automobilindustrie längst merkt. DIE Automobilindustrie? – Oh nein, nicht alle: ein paar Nobelkarossenhersteller gibt sich noch, die verdienen sich weiter dumm und dämlich – aber klar doch: die Reichen werden immer reicher, die haben noch das Geld. Und die Presse müllt zu statt aufzudecken.

Qualitätsjournalismus eben.