Eineitspresse

„Mögliches Comeback von Lafontaine spaltet die Linke“ titelte heute die NW (http://www.nw-news.de/news/nachrichten/6719197_Parteien_Linke.html) und verwies dabei auf die Berliner Zeitung. Nu, das wollte ich mir mal im Original ansehen und finde – wortgleich denselben Artikel (http://www.berliner-zeitung.de/politik/moegliches-comeback-von-lafontaine-spaltet-die-linke,10808018,15243884.html). Neugierig geworden googelte ich mal – und siehe da, TAZ (http://www.taz.de/Moegliches-Comeback-von-Lafontaine/!93418/) und Focus online (http://www.focus.de/politik/weitere-meldungen/die-linke-ist-uneins-moegliches-comeback-von-lafontaine-spaltet-die-partei_aid_752867.html) bringen denselben Text; nur die TAZ nennt eine Quelle, nämlich dpa. Weiter schaut ich nicht mehr; wird aber wohl noch weitere geben. So also sieht Journalismus aus: einer gibt vor, die anderen schmieren ab: da schalten die Medien sich gleich selber gleich; vor 70 Jahren gab’s dazu noch ein Ministerium. Wer eigentlich hat diesen Text lanciert, den nun alle bringen?

Ein Text, der Merkmale gezielter Propaganda zeigt.

Zur Vorgeschichte: Oskar Lafontaine hatte seine Bereitschaft erklärt, für die Doppelsüitze der Partei zu kandidieren, unter der Voraussetzung, „wenn die Partei mich wirklich will und wenn das personelle Umfeld stimmt [alle folgenden Zitate NW]; eine zurückhaltende Aussage; und dass das ‚Umfeld stimmen‘ müsse, ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit für jeden Kandiaten, wie sonst soll Arbeit möglich sein!? – Dann trafen sich heute Bundesvorstand und Landesspitze Der Linken, um über das weitere Vorgehen zu beraten – wobei Parteiführung sicher auch Thema war, doch eines von mehreren.

Nun also die ‚Botschaft‘, gleich im Titel: „spaltet die Linke“. – Eine Lieblingslinie, einst – Ältere erinnern sich – auch gegen die Grünen gern verfolgt. Dort waren es ‚Realos‘ und ‚Fundis‘; inzwischen Geschichte, längst sind sie integriert, die Partei der besserkriegenden (ob ‚verdient‘, ist eine zweite Frage), Öko-Schicki-Micki mit dem Anti-Atom-Tick, aber Hartz IV und Krieg trugen sie brav mit; weit weg von den Idealen ihrer Anfangsjahre. Im Osten ist Die Linke nicht wegzudiskutieren, tut aber nicht so weh, wenn sie dort bleibt. Also muss dieselbe Schiene her, Ost und West dürfen sich nicht verstehen – und im Osten seien ja die Vernünftigen, im Westen die Chaoten – so das Prinzip, das in Variationen auftaucht. Eine zerstrittene Partei kommt schlechter an, also nuss Die Linke „… nach Lösungsmöglichkeiten im Streit über die künftige Führung suchen“ – wo es tatsächlich wohl hauptsächlich um zukünftige Strategien ging [Hervorhebungen je von mir].

Der Berliner Parteivorsitzende Klaus Lederer wird zitiert mit „Es gehe nicht an, dass Lafontaine >Bedingungen stellt und Gefolgschaft erwartet<, … >solche Erpressungsmanöver gehen nicht<„. – Bedingungen? Welche denn? Dazu ist  nichts gesagt – auß45, dfass die Partei ihn wolle und dann – eine Selbstverständlichkeit – das Umfeld stimmen müsse. Der Zusamenhang der Äußerung ist auch nicht berichtet – Antwort auf eine suggestive Frage vielleicht? Möglich auch, er bezog sich schlicht auf die Meldung der SZ, die von Osjars Kandidaturbereitschaft schrieb.  Dann allerdings hätte er einiges missverstanden und nebenbei ein Problem so mancher Funktionsträger Der Linken aufgezeigt: menche wissen halt nicht, wann sie die Schnauze halten müssen, wie sie formulieren – und wie Medien sie manuipulieren wollen. – „>Mit einer Heilsbringerfigur an der Spitze bekommt die Linkspartei nichts geregelt<“ folgt dann noch: sachlich völlig korrekt – nur dass dann Oskar Lafontaine als ‚Heilsbringerfigur‘ abgestempelt werden soll … Also da hätte ich schon gerne das Original-Interview im vollständigen Wortlaut.

Oder dies: „… der Sprecher der Landesgruppe Sachsen der Linken im Bundestag, Michael Leutert, sagte, er glaube nicht, >dass man die Partei mit altem Personal und alten Rezepten wieder auf volle Höhe bekommt<. Lafontaine stehe nicht für Kompromisse, sondern für Kampfansagen.“ – Zwei Allgemeinplätzchen,eigentlich unverbunden nebeneinander – und deshalb suggerieren sollen ‚altes Personal und alte Rezepte‘ = ‚Oskar  Lafontaine und Kampfansage‘ – neu (und ‚gut‘  sind folglich Kompromisse, gemeint natürlich: Akzeptanz, Unterordnung in den neoliberalen Mainstream – der mit seiner ideologischen Borniertheit eben dabei ist, die Wirtschaft an die Wand zu fahren; zwar werden die Reichen dann ein paar Federn lassen, die ihnen nicht weh tun – doch sie gehen reicher daraus hervor.

Weitere Beispiele für ‚Qualitäts’journalismus gefällig?

Auch in NRW war die FDP schon abgeschrieben. Was WAZ-Eigner & Konsorten so gar nicht passte, also wurde sie hochgeschmiert- Also nicht so sehr die Partei, sondern dieser Lindner – der in Berlin auch ‚hingeschmissen‘ hatte, doch das war nicht Thema, auch anderes Versagen nicht: zur Lichtgestalt hoch geschrieben.

Die Piraten?- OK, keine etablierte Partei, mögen sie (Protest-)Stimmen kosten. Aber mit ihrem Internet-Tick mögen sie beschäftigt sein; frischer Wind stört so lange nicht, wie er nur frische und nicht andere Luft bringt. Programmatisch zeigen sie viele weiße Seiten, diese lassen sich beschreiben, auch durch Mediendruck: so das Kalkül. Eine Opposition sind sie (noch) nicht.