Ein Hilfeschrei des DJV-Vorsitzenden

Wie verschärft die Bedingungen sind, unter denen vor allem der journalistische Nachwuchs zu leiden hat, verdeutlicht ein Rundbrief des Vorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbandes (djv), Michael Konken. Er hat es jetzt auch schon gemerkt, dass da Vieles aus dem Ruder läuft und sendet Hilfeschreie aus…geht allerdings nach wie vor davon aus, dass „Journalisten“ wohl irgendwie automatisch für Qualitätsjournalismus stehen…Na ja, es gibt solche und solche…

An alle Journalistinnen und Journalisten
29. Dezember 2010 MK/hz
Rück- und Ausblick
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
hinter uns liegt ein schwieriges und ereignisreiches Jahr. Auch 2010 haben Sie wieder zusammen mit Zehntausenden anderer Journalistinnen und Journalisten dafür gearbeitet, dass die Menschen in unserem Land aktuell und pünktlich alle Informationen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Sport erhielten – so wie sie es von Ihnen gewohnt sind. Und Sie haben die Hintergründe recherchiert, geschrieben oder gesendet, Fakten und Meinungen, die zur Einordnung der Informationen unverzichtbar sind.
Dafür und für Ihr journalistisches Engagement sage ich im Namen des Deutschen Journalisten-Verbandes danke! Für das kommende Jahr verspreche ich Ihnen: Wir stehen an Ihrer Seite, helfen Ihnen auch 2011, den immer schwierigeren Berufsalltag zu bewältigen.
Anlässe dafür gibt es genügend. Die Zeitungs- und Zeitschriftenverleger haben uns deutlich gemacht, wie sie sich die Tarifverträge der Zukunft vorstellen: als Vereinbarungen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften, die weitaus schlechtere Konditionen enthalten als bisher und die den Journalistenberuf abwerten. Weniger Urlaubs- und Weihnachtsgeld, weniger Kaufkraft in den nächsten drei Jahren und ein Dumping-Tarifvertrag für den journalistischen Nachwuchs.
Das kann nicht die Zukunft des Journalismus in Deutschland sein! Sie sind nicht Journalistin oder Journalist geworden, um unter sich kontinuierlich verschlechternden Bedingungen immer mehr zu arbeiten.
Sowohl der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger als auch der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger haben deutlich gemacht, dass sie am Verhandlungstisch über ihre Forderungen nicht mit sich reden lassen. Das gebiete die Notsituation, in der sich die Verlage befänden, heißt es. Richtig ist: Das Jahr 2009 bescherte den Verlagen zum Teil drastische Einbrüche im Anzeigengeschäft und Rückgänge bei den Auflagen. Richtig ist aber auch, dass die wirtschaftliche Talsohle durchschritten ist, dass es wieder aufwärts geht und dass sehr viele Verlage nach wie vor ansehnliche Renditen erwirtschaften. Übrigens mit Ihrer Hilfe, denn ohne guten Journalismus, gut ausgebildete und engagierte Journalisten könnten die Verleger keine Gewinne erzielen.
Die Rendite ist in vielen Medienhäusern das einzige, was zählt. Qualitätsjournalismus soll nichts mehr kosten, die Redaktionen werden zu Kostenstellen degradiert. Dass die Verlage mit dieser Geschäftspolitik nicht nur den Journalistinnen und Journalisten, sondern auf Dauer auch der Akzeptanz ihrer Zeitungen und Zeitschriften und damit den eigenen wirtschaftlichen Erlösen schaden, ignorieren die Verlagsmanager.
Deshalb kommt es auf uns an, den Wert des Journalistenberufs, ja den Wert des Journalismus zu verteidigen. Vor dieser Herausforderung sehe ich uns alle im neuen Jahr 2011. Ich bin zuversichtlich, dass wir diesen Kampf gewinnen können. Das wird aber nur funktionieren, wenn wir alle gemeinsam für die Sache des Journalismus einstehen – für unsere gemeinsame Sache!
Helfen Sie mit! Es geht um Ihre Zukunft und um die der nächsten Journalistengeneration. Damit es sich auch morgen noch lohnt, Zeitungen, Zeitschriften und Online-Berichte zu lesen und guten Journalismus im Radio zu hören und im Fernsehen zu sehen.
Herzlichst Ihr
Michael Konken

2 Gedanken zu „Ein Hilfeschrei des DJV-Vorsitzenden

  1. textexter

    Leider verliert Micheal Konken ganze Bataillone junger Zeilenschinder an die Prekariatssschiene aus Richtung Springer Mohn DuMont Holtzbrink Burda, die für billig Geld „Sensationen“ liefern, die herzlich wenig mit Journalismus zu tun haben. Hauptsache, Verlegers „Rendite“ stimmt und es ist „Remmidemmi“. Neuestes Beispiel: Der Prozess gegen Jörg Kachelmann.

  2. Dougan

    Wobei ja konkret abgestritten wird, über Kachelmann herzuziehen. Es ginge nur darum „nur zu beobachten und sich nicht einzumischen“. Die Realität sieht in der heutigen Journalismuslandschaft anders aus. Was aber manchmal auch nicht verkehrt ist. Es gibt Fälle, da fragt man sich, wieso unterlassene Hilfeleistung kein Straftatbestand für manche Reporter ist. Unabhänig vom Kachelmannfall.

Kommentare sind geschlossen.