Nachtgeschacher um 5 Euro


Screenshot von Spiegel-online 07.07.11

Frage an Radio Eriwan (Outsourcing von Radio Bielefeld): „Wo liegt eigentlich die Schamgrenze von Politikern?“
Antwort: „Im Prinzip nicht da, wo sie normale Menschen haben. Real irgendwo im nirgendwo“.

Stunden um Stunden haben sie zusammengesessen, unsere politischen Ikonen und um „5 Euro H4-Erhöhung monatlich“ „gerungen“. Die unsozial demokratischen Erfinder der Geschichte – in vollem Einverständnis und grinsendem Abnicken von CDU/CSU/FDP – tun jetzt so, als ob sie ihr soziales Herz entdeckt hätten. Was sich bei den meisten Politikern irgendwie ausschließt. Es geht doch nur um per Steuernummer gekennzeichnetes „Humanmaterial“. Ginge es um Milliarden aus Steuermitteln für Hütchenspieler „Systemrelevanter“ Banken, würden sie lauthals „alternativlos“ brüllen und in Nacht und Nebel problemlos zustimmen.

Wahrscheinlich wissen sie aber wie meist nicht, was sie tun. Was sehr viel wahrscheinlicher ist.

Ein Gedanke zu „Nachtgeschacher um 5 Euro

  1. Dougan

    Wir brauchen keine Standardsätze mit denen man schon mal die Rente retten wollte und auch nichts, was den sozialen Unfrieden noch weiter steigert. Es wird vergessen offenbar, daß niemand freiwillig in Hartz reingerutscht ist. Es stimmt, daß wir mit 4 Millionen offiziellen Arbeitslosen und 8 Millionen Dunkelziffer, der sozialen Krise erliegen, sofern es nicht gelingt, die dreieinhalb Millionen Jugendarbeitslosen in den Arbeitsprozeß mit einzufügen. Doch es ist sehr negativ zu betrachten, nur den Arbeitslosen an sich die Schuld zu geben, daß die, die arbeiten blechen sollen. Die Erhöhung von 5 € ist lächerlich, jedoch, sofern man je Hartz bezogen hat, sollte man wissen, daß jeder Groschen für einen Hartzempfänger wertvoller ist, als mancher Gutschein oder, als man noch in Lohn und Brot stand, eine Sonderzahlung oder Gehaltserhöhung. Ein bißchen mehr Realismus und keine Verteufelung von Personen, welche in ihrer Majorität nichts für ihre Lage können, ist da wesentlich besser angebracht.

    Warum dauern die Verhandlungen denn solange? Wo liegt der Fehler? In unserer Vergangenheit. 1948 wurde in Frankfurt das Gedächtnis von 1848 gefeiert und man erinnerte sich, daß Freiheit und Einheit zwei Grundelemente unseres Lebens sind. Aber haben wir erkannt, weshalb die Gedanken aus der Paulskirche und Weimar scheitern mußten? Bei uns gab es schon damals, in der Paulskirche und in Weimar zig Parteien mit unterschiedlichen Programmen. Unser Parteiensystem war und ist bis auf den heutigen Tag weltanschaulich ausgerichtet, und jede Parteidoktrin wird wie ein religiöses Dogma hartnäckig verteidigt. In den angelsächsischen Ländern, in denen zwei Parteien für die staatspolitische Balance sorgen, gab es niemals solche Probleme. Wir haben versäumt, sie zu kopieren.

    Das französische und deutsche Beispiel zeigen, wie sehr wir uns durch falsche Nachahmungen der System in England und Amerika selbst geschwächt haben. Frankreich ist oft genug in eine Staatskrise geschlittert, seine Kabinette sind von kurzlebiger Dauer und sein Verfassungsleben ist schwer. Und hier bei uns geht es nicht viel besser. Heute sind wir wieder dabei, die geringen uns gebliebenen Kräfte durch eine Vielzahl engstirniger Verteidigung von irgend welchen Ideen irgend welcher Bonzen weiter zu schwächen. Wir haben nicht einmal gelernt, die konfessionell gebundenen Parteien in einer großen, auf allgemein christlichen Fundamenten gestützten Partei zusammenzufassen. Mit der CDU und des Neuaufkommens der SPD wurde ein solcher Anfang als Volksparteien gemacht, doch sie sind beide entartet. Ansonsten würde es weder Hartz IV oder ähnlichen Quatsch geben und wir bräuchten weniger bloggen.

    Die Opportunisten der einstigen Zentrumspartei und die „neue“ SPD haben seit 1949 bis zum heutigen Tage nicht begriffen, was die Stunde fordert.

Kommentare sind geschlossen.