KiK mal an. Auch die Guttenbergen

Nachdem der Textildiscounter KiK nach einer Online-Befragung zum „Händler des Jahres“ in den Kategorien Damen – und Herrenmode ausgezeichnet worden war, operierte der Mutterkonzern Tengelmann in der Öffentlichkeit mit weit überhöhten Teilnehmerzahlen. So verkündete Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub auf einer Pressekonferenz im Juli des Jahres: „Man höre und staune: Dieser doch manchmal gescholtene Textildiscounter KiK wurde von 48.000 Verbrauchern – da kann man kaum mehr was beeinflussen, selbst wenn man das wollte – … ausgezeichnet zum Händler des Jahres.“ Tatsächlich wurden für KiK im Bereich Damenmode für die Auszeichnung nur 1416 Stimmen abgegeben, im Bereich Herrenmode sogar lediglich 416 Stimmen. Diese erhebliche Differenz förderten jetzt Recherchen der „Panorama“-Redaktion zu Tage.

Der Marketing-Experte Prof. Michael Zerr von der Karlshochschule Karlsruhe erklärte gegenüber „Panorama“: Der Satz vom Tengelmann-Chef Haub sei „eindeutig falsch“. Zerr weiter: „Tatsächlich haben nicht 48.000 Leute sich für KiK entschieden und noch krasser: Nicht mal 48.000 Leute wurden zu KiK befragt.“ In Wahrheit seien überhaupt nur 416 Konsumenten bei den Herrenmoden und 1416 Käufer bei den Damenmoden zu KiK befragt worden. Das seien dann auch noch „überwiegend Leute“ gewesen, „die von KiK oder über die Kanäle von KiK geworben wurden“. Der Wissenschaftler bezeichnete die Haub-Aussage als eine „bewusste Täuschung der Verbraucher“.

Von „Panorama“ darauf angesprochen, räumten Tengelmann und KiK lediglich ein, der Konzernchef habe sich „missverständlich“
ausgedrückt.

Soweit eine Pressemeldung der Panoramisten. Mache sich jeder seinen Reim auf die roten Verschönerer der Innenstädte.