Spaltung der Linken!?

Schon interessant, was ‚unsere‘ Bielefelder Zeitungen Westfalenblatt und Neue Westfälische, einig bis hin zur Überschrift, nebst vielen anderen wohl (weitgehend zumindest) wortgleich abzudrucken haben; Autorenschaft, natürlich, ist – gar nicht schamhaft – verschwiegen. Dabei würd’s mich schon sehr interessieren, wer dahinter steckt.

Also nehmen wir mal an, es steckt sowas wie Strategie hinter solch Artikeln, Die Linke klein zu halten. Da macht sich ‚Streit‘ schon mal gut: wer wählt schon eine ‚zerstrittene‘ Partei? – Besser noch: des ‚Streites‘ (genauer: des Hochschreibens desselben) müde mag der eine oder andere in Der Linken kuschen, zurück stecken – bis, wie vorher bei den Grünen, die ‚Reformer‘ (damals: Realos) übrig bleiben. Bei der FDP gab es auch Streit, doch ging es um Lindner und die Wahl in NRW; nichts wurde hoch gekocht, statt dessen schön geschrieben – mit Stimmerfolg von 5% mehr Stimmen als vorher in den Umfragen, die FDP wieder mal im Landtag, Medien sei Dank. – Streit ist normal in einer Partei, kommt darauf an, wie man ihn führt, nämlich um die Sache. Nach ‚Macht‘ schielen, intrigieren, sich als Stichwortgeber für die Presse gebärden – wäre arg daneben.

Gysi gar warnt vor Spaltung. Sachlich richtig ist: Entweder Die Linke vertritt geschlossen und mit klarem Profil ihr Programm – oder sie verliert die Grundlage ihrer Existenz und damit die nächste(n) Wahl(en).

Weiter druckt die NW: „Unklar ist … ob die frühere Wortführerin der linksorthodoxen Kommunistischen Plattform, Sahra Wagenknecht, in letzter Minute ihren Hut noch in den Ring wirft“: in ihren aktuellen Reden, ihrem Auftraten und in ihrem Buch (wer liest das schon?) „Freiheit statt Kapitalismus“ finde ich sehr wenig ‚linksorthodoxes‘; von ’sozialer Marktwirtschaft‘, wie einst ein Ludwig Erhard sie verstand, umso mehr: ein Label, aus der Vergangenheit gegraben, weil’s zum Igitt-Bild passt.

Oskar muss auch noch durchgekaut sein – schon damals, noch SPD-Parteichef, als ‚gefährlichster Mann‘ betitelt … Offenbar gehört er zu einem ‚linken Lager‘, dem „überwiegend Westdeutsche angehören“ (NW) – dagegen stehen dann „ostdeutschen Reformer“: die zweite Propagandaschiene; West-Ost Gegensatz plus radikal marxistisch gegen Reformer – wen stört es da, dass die (westdeutsche) WASG aus ex-SPDlern, Gewerkschaftlern sich (überwiegend) bildete, dass viele dann nach der Gründung der neuen Partei eintraten (von denen wenige ‚Kommunisten‘ oder ‚Sozialisten‘ sind? – Passt nicht ins Bild, also verschwiegen.

Ob Diktatur oder PR-Agentur: in beiden muss man lernen. ‚zwischen den Zeilen‘ zu lesen. Meinungsvielfalt statt Meinungseinfalt sollte sein. – OK: sie ‚haben Recht‘: ist doch schön, treten sie massiv und geschlossen für ‚das Richtige‘ ein … Was aber, wenn sie fehlen, nicht Recht haben? – Schon Mangel an Diskussion untergräbt Demokratie! (und: wozu noch Zeitungen kaufen, die alle nur dasselbe schreiben?)

Ein Gedanke zu „Spaltung der Linken!?

  1. witheboard

    Zitat: wozu noch Zeitungen kaufen, die alle nur dasselbe schreiben? /Zitat
    Genau das ist das Problem!
    Der „Interessierte Bürger“ hat das schon lange durchschaut, hat sein Abo gekündigt und holt sich seine Informationen aus geeigneten und nicht gleichgeschalteten Quellen.
    Leider ist der „Interssierte Bürger“ anzahlmäßig der breiten Masse gegenüber hoffnungslos unterlegen. Die stetigen Bemühungen der NACHDENKSEITEN erreichen einfach nicht die Menge. Berieselung ist angesagt anstatt selber Denken.
    Es tut einfach nur weh, diese geringe Bereitschaft des selber Informieren mit zu erleben.
    Wahrscheinlich ist die Masse derer, um die es geht, nach Feierabend einfach zu kaputt, um sich dann noch aktiv auf „Wahrheitssuche“ zu begeben.
    Ich habe vor einigen Tagen ein Beispiel erlebt, was mir gewissermaßen die Füße unter dem Hintern weggezogen hat.
    Ich war wegen einer akuten Sache in Krankenhaus Mitte eingeliefert worden und sollte nun zum OP Raum gebracht werden. Die wirklich nette Stationsschwester erhielt eine Information, dass die Bettenabteilung (benutzte Betten einsammeln, frische rausgeben) gewissermaßen die Schotten dicht gemacht hatte. Die beiden Mitarbeiter kamen nicht mehr mit der Arbeit nach, stellten ihr Telefon auf Anrufbeantworter um und waren deshalb nicht mehr erreichbar.
    Meine Stationsschwester nahm die Info ziemlich resigniert auf und erzählte auf meine Nachfrage, dass eigentlich überall das Personal knapp sei. Sie ist Gewerkschaftsmitglied und wusste ziemlich genau, welchen Parteien im Bundestag sie diesen Druck zu verdanken hat.
    Auf meine Nachfrage, ob sie denn eine dieser Parteien CDU, SPD, GRÜNE, FDP gewählt hatte und auch nächstes Mal wieder wählen würde, antwortete sie mit ja und meinte gleichzeitig, was sie denn sonst wählen könne. LINKE oder PIRATEN ginge ja gar nicht, die können schliesslich nicht regieren. Ich fragte sie weiter, ob sie sich denn nicht diese Parteien als ein Gegengewicht, als starke Opposition vorstellen könne, die dann schon etwas bewirken könnten. Ich hoffe, bei ihr hat ein Denkprozess angefangen.
    Ziemlich fassungslos stellte ich ihr dann eine weitere Frage, ob sie denn einen Volker Pispers oder Georg Schramm kennt. Das sind meiner Meinung nach genau die beiden, die sich den Hintern für den „kleinen Mann“ aufreißen. Natürlich kannte sie keinen von beiden.
    Für mich ergibt sich daher folgendes Bild:
    Genau die Leute, die meiner Meinung nach am dringensten eine sauber Information und Aufklärung benötigen, werden nicht erreicht, weil sie nach Feierabend einfach nur zu kaputt sind, um Interesse an sozialpolitischen Themen aufzubringen.
    Früher nannte man solche Leute Sklaven bzw. Leibeigene.
    Man fühlt sich so hilflos!

    Gruß witheboard

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